{"id":13091,"date":"2009-04-03T00:01:00","date_gmt":"2009-04-03T00:01:00","guid":{"rendered":".\/?p=13091"},"modified":"2009-04-03T00:01:00","modified_gmt":"2009-04-03T00:01:00","slug":"13091","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/04\/13091\/","title":{"rendered":"Gewalt &#8211; was ist Ursache, was Wirkung?"},"content":{"rendered":"<p>  Nach dem Amoklauf von Winnenden<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Seit der Mordserie an der Columbine High School, USA, im Jahr 1999   h&#228;ufen sich auch in Deutschland Amokl&#228;ufe, vor allem an Schulen. Zuletzt   wurde Winnenden Schauplatz einer solchen Tat. Debattiert wird von den   Politikern nun &#252;ber die Schlussfolgerungen. Dabei werden die   gesellschaftlichen Ursachen in der Regel nicht beachtet.<\/p>\n<h4>  <i>von Lasse Schmied, Kassel<\/i><\/h4>\n<p>  Winnenden wird &#252;ber Tage hinweg von Reportern belagert. Im Kampf um hohe   Einschaltquoten weckt die Tat des 17-j&#228;hrigen ehemaligen Sch&#252;lers der   Albertville-Realschule den Sensationseifer der Medienkonzerne. Die neue   Berufszunft der &#8222;Amoklauf-Experten&#8220; erstellt in zahllosen   Sondersendungen z&#252;gig ein T&#228;terprofil: Tim K. ist wie andere Amokl&#228;ufer   ein in sich gekehrter Einzelg&#228;nger, ein &#8222;Waffennarr&#8220;, der sich gerne mit   &#8222;Killerspielen&#8220; besch&#228;ftigt. Daraufhin werden Forderungen laut, die den   privaten Waffenbesitz einschr&#228;nken und Killerspiele verbieten sollen.<\/p>\n<h4>  Verbotsdebatten sind heuchlerisch<\/h4>\n<p>  Die Killerspiel-Erkl&#228;rung ist alles andere als hinreichend. Denn Kinder,   die bestimmte Computer-Spiele konsumieren, laufen nicht automatisch   Amok. Der Spielinhalt kann sicher p&#228;dagogisch hinterfragt werden.   Allerdings wurde der Kauf solcher Spiele schon nach dem Amoklauf in   Erfurt 2002 erschwert, was keinerlei Wirkung gezeigt hat.<\/p>\n<p>  Unumstritten ist, dass sich in der Bundesrepublik acht bis zehn   Millionen Schusswaffen im legalen Privatbesitz befinden. Die Tatsache   allerdings, dass sich &#252;ber 20 Millionen Waffen bereits im illegalen   Besitz befinden (SPIEGEL 13\/2009), zeigt, dass auch ein strengeres   Waffenrecht &#8211; das &#252;brigens ebenso nach Erfurt bereits versch&#228;rft wurde &#8211;   auch nur eine Scheinl&#246;sung ist.<\/p>\n<p>  Die Debatte wird vom Establishment in mehrfacher Hinsicht heuchlerisch   gef&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Erstens: Die Zunahme von Gewalt ist auch Ausdruck einer Brutalisierung &#8211;   und Militarisierung &#8211; der Gesellschaft. So befehlen Wortf&#252;hrer eines   Verbots von Killerspielen das Morden der Bundeswehr in Afghanistan. Der   virtuelle Krieg im Kinderzimmer f&#252;hrt in ihren Augen zu einer Verrohung   der Jugend, w&#228;hrend der reale Krieg der &#8222;Verteidigung deutscher   Interessen am Hindukusch&#8220; dient. Dazu geh&#246;rt, dass die Bundeswehr   regelm&#228;&#223;ig bei Berufsberatungstagen in Schulen Werbeveranstaltungen   durchf&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Zweitens: Zur milit&#228;rischen kommt die soziale Gewalt.   Verbotsdiskussionen lenken hiervon und von der vorherrschenden   jugendfeindlichen Politik ab.<\/p>\n<h4>  Leistungsdruck<\/h4>\n<p>  Das Verh&#228;ltnis zwischen gesellschaftlichen Entwicklungen und dem   Verhalten Einzelner ist komplex. Trotzdem gibt es immer Zusammenh&#228;nge.<\/p>\n<p>  Eine auf Konkurrenz beruhende Ellenbogengesellschaft produziert   zwangsl&#228;ufig Verlierer. Regelm&#228;&#223;iger Ort f&#252;r solche Niederlagen von   Jugendlichen ist die Schule. T&#228;ter w&#228;hlten die Schule bewusst als   Schauplatz ihrer Tat. Hier verfehlt man Erwartungen, schafft seine   Abschlusspr&#252;fung nicht, erlebt den st&#228;ndigen Leistungs- und Notendruck,   wird gemobbt, muss trendy sein und Sch&#246;nheitsidealen entsprechen. So   kann Schule vielf&#228;ltig zu einem Ort der Verzweiflung, Dem&#252;tigung und der   Ohnmacht werden. Jugendliche gehen unterschiedlich mit diesem   permanenten Druck um. Jeder f&#252;nfte Jugendliche leidet mittlerweile unter   psychischen Erkrankungen, was sich in Depressionen, Angstzust&#228;nden,   Magersucht, Bulimie, Selbstverletzungen, dem Gebrauch von   Psychopharmaka, Beruhigungsmitteln oder Drogenkonsum &#228;u&#223;ert. Suizid ist   in Deutschland unter Jugendlichen die zweith&#246;chste Todesursache.   &#8222;Agression nach innen&#8220; ist ein Massenph&#228;nomen. Die extreme &#8222;Aggression   nach au&#223;en&#8220; in Form eines Amoklaufs ist die grausame Ausnahme von   deformierten Pers&#246;nlichkeiten in einer Generation, die unter einem   krankhaften Leistungs- und Erwartungsdruck steht.<\/p>\n<h4>  Kranke Gesellschaft<\/h4>\n<p>  Im Fall von Tim K. sind viele Einzelheiten noch unbekannt. Eine   Auseinandersetzung mit den Hintergr&#252;nden seiner Tat macht aber die   Notwendigkeit deutlich, grDas Verh&#228;ltnis zwischen gesellschaftlichen   Entwicklungen und dem Verhalten Einzelner ist komplex. Trotzdem gibt es   immer Zusammenh&#228;nge.<\/p>\n<p>  Eine auf Konkurrenz beruhendeunds&#228;tzlich den Druck, unter dem   Jugendliche leiden, zu bek&#228;mpfen. Deshalb ist es richtig, f&#252;r ein   kostenloses Schulsystem zu streiten, in dem Jugendliche nach den eigenen   Interessen unbeschwert in kleinen Gruppen lernen k&#246;nnen; wo sie   Ansprechpartner zum Beispiel in Form von Sozialarbeitern oder   Schulpsychologen haben. Heute kommen auf einen Schulpsychologen etwa   16.500 Sch&#252;lerInnen. N&#246;tig ist nicht nur ein umfassendes Angebot an   Ganztagsschulen, sondern auch ausreichend Mittel und Personal daf&#252;r.<\/p>\n<p>  Kostenlose Freizeitangebote werden von jugendfeindlichen Politikern   st&#228;ndig auf dem Altar der Haushaltskonsolidierung geopfert. Deshalb   m&#252;ssen neue Jugendzentren, M&#228;dchenprojekte oder Skaterhallen erk&#228;mpft   werden.<\/p>\n<p>  Letztlich bleibt aber die Notwendigkeit, das &#220;bel an der Wurzel zu   packen: Um Lehrstellenmangel, Massenarbeitslosigkeit, soziale Gewalt,   Militarisierung abzuschaffen, muss der Kapitalismus abgeschafft und   durch eine sozialistische Gesellschaft ersetzt werden &#8211; die nicht auf   Konkurrenz, Profitstreben und krankem Leistungsdruck, sondern auf den   Bed&#252;rfnissen der Menschen beruht. N<\/p>\n<p>  Gegenwehr bietet Jugendlichen auch heute schon die M&#246;glichkeit, der   Ohnmacht und Verzweiflung etwas entgegenzusetzen. Flugblatt von   Linksjugend [solid] Stuttgart zu Winnenden unter<\/p>\n<h4>  <a href=\"www.solid-stuttgart.de\">www.solid-stuttgart.de<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Nach dem Amoklauf von Winnenden\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[50,78],"tags":[213],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13091"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13091"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13091\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13091"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13091"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13091"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}