{"id":13079,"date":"2009-03-29T00:01:00","date_gmt":"2009-03-29T00:01:00","guid":{"rendered":".\/?p=13079"},"modified":"2009-03-29T00:01:00","modified_gmt":"2009-03-29T00:01:00","slug":"13079","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13079\/","title":{"rendered":"Wie weiter nach dem 28. M&#228;rz?"},"content":{"rendered":"<p>  F&#252;r eine Steigerung und Politisierung des Widerstands. Ursachen der   Krise bek&#228;mpfen.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  W&#228;hrend in Frankreich in diesem Jahr schon zwei eint&#228;gige Generalstreiks   mit millionenfacher Beteiligung stattfanden, in Irland f&#252;r einen   Generalstreik am 30. M&#228;rz mobilisiert wird und auf Guadaloupe sogar 44   Tage general-gestreikt wurde, kommt der Widerstand gegen Auswirkungen   und Ursachen der kapitalistischen Weltkrise in Deutschland scheinbar nur   langsam in Fahrt. Die Demonstrationen vom 28. M&#228;rz in Berlin und   Frankfurt am Main k&#246;nnen und d&#252;rfen nur ein erster Auftakt sein.<b>   <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, SAV-Bundessprecher<\/i><\/h4>\n<p>  Mittlerweile kann kein Vertreter des Kapitalismus mehr leugnen, dass die   Welt in der schwersten Wirtschaftskrise seit dem Ende des Zweiten   Weltkriegs steckt. F&#252;r Deutschland werden im Wochenrythmus schlechtere   Wachstumsprognosen abgegeben. Bis zu f&#252;nf Prozent soll das   Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr schrumpfen.<\/p>\n<p>  Regierung und Kapitalisten versuchen durch staatliche Eingriffe in die   Wirtschaft, Ausdehnung der Kurzarbeit und andere Ma&#223;nahmen die   Auswirkungen der Krise zu mildern und heftige Angriffe auf den   Lebensstandard und die Rechte der Lohnabh&#228;ngigen zu verz&#246;gern.   Zweifellos wollen sie die Bundestagswahlen und in vielen Konzernen   wahrscheinlich auch die Betriebsratswahlen im n&#228;chsten Jahr &#252;ber die   B&#252;hne bringen, bevor sie die Last der Krise mit voller Wucht auf die   Arbeiterklasse fallen lassen. Ob die Entwicklung der Krise eine solche   Verz&#246;gerung zul&#228;sst, ist jedoch offen. Zu Verhindern sind sie sicher   nicht.<\/p>\n<h4>  Neue Qualit&#228;t von Angriffen &#8230;<\/h4>\n<p>  Diese Verz&#246;gerungstaktik f&#252;hrte bisher dazu, dass die Krise zwar zu   massenhafter Verunsicherung gef&#252;hrt hat, aber sich noch nicht massenhaft   die Schlussfolgerung durchgesetzt hat, dass Widerstand gegen ihre   Auswirkungen n&#246;tig ist. Das wird sich &#228;ndern, wenn immer mehr   Besch&#228;ftigte, Erwerbslose, RentnerInnen und Jugendliche diese   Auswirkungen am eigenen Leib zu sp&#252;ren bekommen.<\/p>\n<p>  Das wird auf allen Ebenen geschehen. Die halbe Million Kurzarbeiter von   heute sind gr&#246;&#223;tenteils die Arbeitslosen von morgen. Hunderte Fabriken   und Betriebe werden schlie&#223;en. Nach offiziellen Sch&#228;tzungen wird die   offizielle Erwerbslosigkeit bis 2010 auf 4,3 Millionen ansteigen (diese   werden sicher im Zuge der Krise weiter nach oben korrigiert und die   reale Erwerbslosigkeit liegt ohnehin deutlich h&#246;her), andere sprechen   von sechs Millionen. Die Staatsverschuldung von heute sind die K&#252;rzungen   von morgen, was noch durch seit Februar 2009 sinkende Steuereinnahen der   &#246;ffentlichen Haushalte verst&#228;rkt werden wird. Das wird zu neuen   Privatisierungs- (wenn sich denn K&#228;ufer finden lassen) und   Sozialabbau-Orgien f&#252;hren. Die Freude, die der eine oder andere   angesichts zur Zeit sinkender Preise versp&#252;ren mag, wird der Sorge   weichen, wenn die L&#246;hne ebenfalls massiv unter Deflationsdruck geraten   werden. Wir stehen vor einer neuen Qualit&#228;t von Angriffen, die   hunderttausende und Millionen Existenzen vernichten werden.<\/p>\n<h4>  &#8230; erfordert neue Qualit&#228;t des Widerstands<\/h4>\n<p>  Die Folgen der Krise werden ganz neue Anforderungen an den sozialen   Widerstand leisten &#8211; an Form und Inhalt des Widerstands.<\/p>\n<p>  Die Demonstrationen vom 28. M&#228;rz waren ein wichtiger Schritt. Sie   stellen einen ersten Aufschrei gegen die Tatenlosigkeit dar und werden   die Debatte &#252;ber die Notwendigkeit von Widerstand in Gewerkschaften,   LINKE, sozialen Bewegunge, Betrieben und Nachbarschaften anheizen. Mit   den Demonstrationen haben zehntausende deutlich gemacht, dass sie nicht   darauf warten werden, dass die F&#252;hrungen der Gewerkschaften handelt,   sondern bereit sind, selber zu handeln.<\/p>\n<p>  In den Gewerkschaften hat der Aufruf zu diesen Demonstrationen einen   Beitrag dazu geleistet, dass die Debatte &#252;ber gewerkschaftliche Aktionen   gegen das Abladen der Krise auf die Masse der Bev&#246;lkerung nun endlich   statt findet. F&#252;r den 16.5. haben die DGB-Gewerkschaften zu einer   bundesweiten Demonstration nach Berlin aufgerufen. Es ist zwar ein   Skandal, dass die Gewerkschaftsspitzen nicht auch zum 28. M&#228;rz   aufgerufen haben und somit einen Beitrag zur Spaltung einer   Widerstandsbewegung leisten, aber die Demonstration vom 16. Mai muss der   n&#228;chste gro&#223;e Mobilisierungspunkt werden. Aufgrund des Aufrufs der   Gewerkschaften besteht die Chance deutlich mehr KollegInnen aus den   Betrieben zu mobilisieren und in Bewegung zu bringen.<\/p>\n<p>  Doch Demonstrationen alleine reichen nicht, um die zu erwartenden   Angriffe zur&#252;ck zu schlagen und in Zeiten der Krise Arbeitspl&#228;tze, L&#246;hne   und Sozialstandards zu verteidigen und zu verbessern.<\/p>\n<p>  Demonstrationen haben letztlich einen Protest- und Symbolcharakter. Die   in Wirtschaft und Staat Herrschenden m&#246;gen sich daraufhin Sorgen &#252;ber   die gesellschaftliche Stabilit&#228;t machen, aber sie werden nur zu   Zugest&#228;ndnissen bereit sein, wenn sie ihre Macht und\/oder ihren Reichtum   gef&#228;hrdet sehen.<\/p>\n<h4>  Die Macht der Arbeiterklasse<\/h4>\n<p>  Um dies zu erreichen sind zwei Dinge n&#246;tig: erstens muss durch   gemeinsame Streikaktionen den Besch&#228;ftigten klar werden, dass sie &#252;ber   eine gro&#223;e potenzielle Macht verf&#252;gen und handlungsf&#228;hig sind. An   Samstags-Demonstrationen nehmen in der Regel die politisch   fortgeschritteneren Schichten der Arbeiterklasse teil. Ein Streik bietet   die M&#246;glichkeit, alle Teile der Belegschaften zusammen in eine Aktion zu   f&#252;hren. Er ist Widerstand und nicht nur Protest, weil er die Regeln des   kapitalistischen Alltagsbetriebs bricht. In Branchen, die noch   profitbringend produzieren, trifft er zudem den Nerv des Kapitalismus:   den Profit. Aber auch in den von der Krise besonders betroffenen   Bereichen, in denen die Produktion ohnehin runtergefahren wurde, ist der   Streik das beste Mittel um Gegenmacht gegen die Entscheidungen der Bosse   aufzubauen.<\/p>\n<p>  Deshalb ist es zu begr&#252;&#223;en, dass in Teilen der IG Metall die Diskussion   &#252;ber Streikaktionen begonnen hat und auch der ver.di-Sekret&#228;r von   Stuttgart, Bernd Riexinger, f&#252;r die stufenweise Vorbereitung eines   Generalstreiks argumentiert. Im Stuttgarter Raum wird &#252;ber   Arbeitsniederlegungen am 14. Mai diskutiert, die IG Metall Esslingen   hatte einen Streiktag am 17. Juni in die Diskussion gebracht. Auch in   der Streikfrage darf nicht darauf gewartet werden, dass die   Gewerkschaftsspitzen handeln. Diese sind auf Kompromiss und   Wahlunterst&#252;tzung f&#252;r die SPD gepolt und werden nur Handeln, wenn sie   durch die Basis dazu getrieben werden. Es war auch in der Vergangenheit   eher die Angst vor Kontrollverlust bei der Entwicklung einer Bewegung   von unten, die die Gewerkschaftsf&#252;hrungen dazu brachte, selber zu   ernsthafteren Mobilisierungen aufzurufen. Lokale und betriebliche oder   branchenspezifische Aktionen m&#252;ssen daher angestrebt werden, sollten   aber mit der Aufforderung nach einem zun&#228;chste eint&#228;gigen Generalstreik   als n&#228;chstem Schritt des Widerstands verbunden werden. Ein solcher w&#252;rde   die Frage in wessem Interesse in diesem Land eigentlich Entscheidungen   gef&#228;llt werden auf die Tagesordnung setzen und deutlich machen, dass es   im Kampf um die Beantwortung der Krisenfolgen um unterschiedliche   Klasseninteressen zwischen Lohnabh&#228;ngigen und Kapitalisten geht. Und er   w&#252;rde der Arbeiterklasse ihre Macht vor Augen f&#252;hren.<\/p>\n<p>  Einen Beitrag dazu, die Streik-Frage in den Mittelpunkt der Diskussionen   &#252;ber die Formen des Widerstands zu r&#252;cken, kann auch der f&#252;r Juni   geplante Bildungsstreik leisten. Es w&#228;re nicht das erste Mal, dass   Aktionen von Sch&#252;lerInnen und Studierenden eine Ausl&#246;serfunktion f&#252;r   Bewegungen der Arbeiterklasse einnehmen k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Betriebsbesetzungen<\/h4>\n<p>  Die Machtfrage wird sich auch in den Betrieben stellen, die geschlossen   werden sollen. Hier werden Protestdemos und selbst Streiks oftmals nur   eine begrenzte Wirkung haben, wenn die Kapitalisten schon Entscheidungen   getroffen haben. In solchen F&#228;llen kann die Besetzung des Betriebs das   einzig wirksame Mittel sein, um eine Schlie&#223;ung zu verhindern. Besetzung   und ggf. Fortf&#252;hrung der Produktion unter der Kontrolle der   Besch&#228;ftigten, wirft die Frage auf, wer der Herr im Hause ist &#8211;   Kapitalist oder Besch&#228;ftigte. Es ist Aufgabe der Gewerkschaften, aber   auch der Vertrauensleutek&#246;rper und vor allem kritischer betrieblicher   Gruppen, sich mit den Anforderungen von Betriebsbesetzungen auseinander   zu setzen und sich darauf vorzubereiten. Es sollten Konferenzen von   AktivistInnen durchgef&#252;hrt werden, die Erfahrungen austauschen und   Verbindungen kn&#252;pfen, um im Falle des Falles schnelle Solidarit&#228;tsarbeit   organisieren zu k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Politische Alternative n&#246;tig<\/h4>\n<p>  Die zweite Notwendigkeit besteht im Aufbau einer politischen Alternative   zum Kapitalismus und seinen Parteien. Denn richtig ernst wird es f&#252;r die   Banken und Konzerne erst, wenn in der Arbeiterklasse die Einsicht   w&#228;chst, dass man Wirtschaft und Gesellschaft auch ohne Gro&#223;aktion&#228;re und   Privateigentum an Firmen organisieren kann. Diese Debatte ist dringend   n&#246;tig und sollte als integraler Bestandteil der aufzubauenden   Widerstandsbewegung betrachtet werden. Ein Beispiel: f&#252;r die   Autoindustrie ist im Rahmen der kapitalistischen Profitwirtschaft keine   Perspektive des Erhalts aller Werke und aller Arbeitspl&#228;tze m&#246;glich. Die   &#220;berkapazit&#228;ten sind einfach zu gro&#223;. Nur wenn die vorhandene Arbeit auf   alle verteilt w&#252;rde und Teile der Produktion umgestellt w&#252;rden, sind   Massenentlassungen und Werksschlie&#223;ungen zu verhindern. Das erfordert   aber einen politischen Bruch mit der Profitwirtschaft und wirft die   Frage nach sozialistischer Verstaatlichung unter Kontrolle und   Verwaltung der Besch&#228;ftigten und arbeitenden Bev&#246;lkerung und eine   sinnvolle und demokratische Wirtschaftsplanung auf.<\/p>\n<p>  Diese Debatte muss jetzt mit Nachdruck eingefordert und begonnen werden.   Ohne eine antikapitalistische und sozialistische Perspektive wird der   Widerstand nur in Ausnahmef&#228;llen erfolgreich sein k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Hier k&#246;nnte die Partei DIE LINKE eine wichtige Rolle spielen. Denn f&#252;r   die kapitalistischen Parteien in Regierung und Opposition ist die gr&#246;&#223;te   Angst, dass eine Partei, die Arbeiterinteressen und Sozialismus   vertritt, einen Massenanhang bekommt. Doch DIE LINKE-F&#252;hrung versucht   sich als Arzt des Kapitalismus und bringt nur systemimmanennte   Vorschl&#228;ge, die der Krise nicht an die Wurzel gehen. Der Kapitalismus   braucht aber einen Totengr&#228;ber. Deshalb ist der Aufbau eines   marxistischen Fl&#252;gels in der Bewegung, den Gewerkschaften und der LINKEn   von entscheidender Bedeutung.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      F&#252;r eine Steigerung und Politisierung des Widerstands. 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