{"id":13076,"date":"2009-03-25T00:01:00","date_gmt":"2009-03-24T23:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13076"},"modified":"2012-05-15T15:14:30","modified_gmt":"2012-05-15T13:14:30","slug":"13076","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13076\/","title":{"rendered":"R&#252;ckt die LINKE in der Krise nach rechts?"},"content":{"rendered":"<p>  &#220;ber die Widerspr&#252;che zwischen Fraktions- und Parteibeschl&#252;ssen zur   Jahrhundertkrise des Kapitalismus<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nachdem O. Lafontaine und L. Bisky im Spiegel &#8222;leisere T&#246;ne&#8220; im   Wahlkampf angek&#252;ndigt und sich mit Blick auf Koalitionen mit SPD und   Gr&#252;nen nicht mehr den lohnabh&#228;ngigen und erwerbslosen Opfern der   Systemkrise, sondern dem &#8222;b&#252;rgerlichen Milieu&#8220; zuwenden wollen, stehen   in der Linkspartei massive Auseinandersetzungen &#252;ber diesen Kurswechsel   auf der Tagesordnung.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg (in: <a href=\"www.dielinke-bremen.de\">www.dielinke-bremen.de<\/a>   )<\/i><\/h4>\n<p>  Diese machen sich inzwischen auch in deutlichen Unterschieden zwischen   dem Grundsatzantrag der Bundestagsfraktion zur Krise und dem   &#8222;Antikrisenprogramm&#8220; bemerkbar, dass der Parteivorstand am 14.3.   beschlossen und heute auf der Bundeswebsite ver&#246;ffentlicht hat.<\/p>\n<h4>  Hartz IV<\/h4>\n<p>  Bereits im Vorfeld hatte die Meldung f&#252;r Aufsehen gesorgt, dass die   Partei im Wahlkampf f&#252;r die sofortige Anhebung des ALG II Eckregelsatzes   auf 500 &#8364; und f&#252;r einen Mindestlohn von 10 &#8364; eintreten wird. Hiervon   unger&#252;hrt h&#228;lt die Fraktion in ihrem Antrag jedoch weiterhin 435 &#8364; und   8,71 &#8364; f&#252;r ausreichend, um damit ein menschenw&#252;rdiges Leben zu   bestreiten. In seiner Antwort auf innerparteiliche Proteste erkl&#228;rte der   Abgeordnete Dreibus, dass dies der &#8222;mittelfristigen Perspektive&#8220; von 500   &#8364; nicht im Wege stehe, womit er &#8211; ganz nebenbei &#8211; das Ziel einer   Abschaffung der Hartz-Gesetze zu den Akten gelegt hat. Nicht nur die   Parteimitglieder, sondern auch die W&#228;hler der LINKEN werden sich fragen,   wie ernst gemeint solche Forderungen im Wahlkampf sind, wenn sie nicht   einmal von den Abgeordneten der LINKEN im Bundestag eingebracht werden.<\/p>\n<h4>  Arbeitszeitverk&#252;rzung<\/h4>\n<p>  Die Kluft zwischen den Wahlzielen der Partei und dem politischen Handeln   ihrer Abgeordneten betrifft aber auch die Forderung nach   Arbeitszeitverk&#252;rzungen und damit eine der wichtigsten Antworten von   Linken auf die Jahrhundertkrise des Kapitalismus. Nur durch eine   drastische, allgemeine Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn- und   Personalausgleich k&#246;nnen die gewaltigen &#220;berkapazit&#228;ten abgebaut werden,   an denen die kapitalistische Weltwirtschaft zu ersticken droht. Damit   nicht wenige immer mehr, und viele gar nicht mehr arbeiten, muss die   vorhandene Arbeit gerade in der Krise neu verteilt und der   Produktivit&#228;tsfortschritt endlich auch den Lohnabh&#228;ngigen zugute kommen.   Daf&#252;r haben sich in den letzten Wochen vor der Demonstrationen am 28.3.   mehr als 2000 Gewerkschaftslinke mit einem &#8222;Arbeitszeitappell&#8220;   eingesetzt.<\/p>\n<p>  In seinem &#8222;Antikrisenprogramm&#8220; bekennt sich nun auch der Parteivorstand   der LINKEN dazu: &#8222;Perspektivisch streben wir eine Obergrenze von 35   Stunden, ja letztlich 30 Stunden an. Dabei muss der volle Lohnausgleich   gesichert werden.&#8220; Vor allem der Lohnausgleich ist entscheidend, weil   ohne ihn die Arbeitszeitverk&#252;rzung (z.B. als Kurzarbeit) in ein   Instrument des Kapitals f&#252;r Lohnsenkungen verwandelt werden kann, das   die Kaufkraft weiter schw&#228;cht und die Krise so zus&#228;tzlich versch&#228;rft.   Der Antrag der Bundestagsfraktion l&#228;sst aber diesen Missbrauch zu, wenn   es dort nur hei&#223;t: &#8222;Die w&#246;chentliche Arbeitszeit wird verk&#252;rzt&#8220;. In   dieser Form kann sie zwar von der SPD-F&#252;hrung in   Koalitionsvereinbarungen mit der LINKEN akzeptiert werden, keineswegs   aber von den Besch&#228;ftigten, die sich weitere Lohneinbu&#223;en und   Leistungsverdichtungen einfach nicht mehr leisten, geschweige denn   bef&#252;rworten k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Verstaatlichungen<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend der Parteivorstand in seinem Beschluss eine komplette   &#8222;Verstaatlichung des Bankensektors&#8220; verlangt, ist davon im   Fraktionsantrag mit keinem Wort die Rede, obwohl sie &#8211; nach monatelangem   Z&#246;gern &#8211; eine &#8222;vor&#252;bergehende&#8220; Verstaatlichung vor 6 Wochen noch selbst   beschlossen hat. Au&#223;erhalb des Finanzsektors, in dem staatliche   Beteiligungen sogar von den b&#252;rgerlichen Parteien inzwischen zur Rettung   des Gesamtsystems in Kauf genommen werden m&#252;ssen, will die   Bundestagsfraktion das Privateigentum an Gro&#223;konzernen auf keinen Fall   in Frage stellen. Gregor Gysi denunziert Staatsbeteiligungen an   Automobilfirmen sogar pauschal und ganz im Stil der FDP als &#8222;VEB Opel&#8220;,   als w&#228;re das staatliche Eigentum und nicht dessen b&#252;rokratische   Verwaltung die Ursache f&#252;r die Misswirtschaft in der DDR gewesen. Und   als w&#252;rde ausgerechnet das private Profit- und Konkurrenzprinzip diesen   Schl&#252;sselsektor der Wirtschaft vor dem Abgrund bewahren bzw. dessen   &#246;kologische Umgestaltung erlauben&#8230;<\/p>\n<p>  W&#228;hrend Oskar Lafontaine beim Gr&#252;ndungsparteitag der LINKEN noch eine   &#8222;Vergesellschaftung der Schl&#252;sselindustrien&#8220; und &#8222;Freiheit durch   Sozialismus&#8220; versprochen hatte, begn&#252;gt er sich nun im Fraktionsantrag   mit &#8222;parit&#228;tischer Mitbestimmung&#8220; in einer &#8222;demokratischen   Marktwirtschaft&#8220; und will die Eigentumsanteile von Staat und   Belegschaften auf zusammen &#8222;max. 49%&#8220; beschr&#228;nken. Nat&#252;rlich sind   Mitbestimmungsrechte der Gewerkschaften und Betriebsr&#228;te Zugest&#228;ndnisse   des Kapitals und im betrieblichen Alltag wichtig &#8211; reichen aber nicht   aus, um die Macht des Kapitals in seiner historischen Krise wirklich zu   brechen und an der Zerst&#246;rung ganzer Wirtschaftszweige zu hindern.<\/p>\n<p>  Auch diese Rolle r&#252;ckw&#228;rts steht in deutlichem Widerspruch zu dem, was   der Parteivorstand fast zeitgleich in seinem &#8222;Antikrisenprogramm&#8220; den   W&#228;hlern verspricht. Dort hei&#223;t es, dass staatliche Hilfen nur im   Austausch f&#252;r &#8222;kollektive&#8220; Belegschaftsbeteiligungen gew&#228;hrt werden   d&#252;rfen, die eine mehrheitliche &#220;bernahme nicht ausschlie&#223;en und &#8222;durch   Gremien aus Vertretern der &#246;ffentlichen Hand, Betriebsr&#228;ten und   Gewerkschaften sowie Umwelt- und Sozialverb&#228;nden, Handels- und   Handwerkskammern sowie Sparkassen&#8220; kontrolliert werden sollen. Nur eine   solche demokratische Kontrolle verstaatlichter Betriebe durch gew&#228;hlte   Vertreter der Besch&#228;ftigten und &#252;berbetriebliche Gremien ber&#252;cksichtigt   die negativen Erfahrungen mit den DDR-B&#252;rokraten und mit den   Regierungsvertretern, die in den &#246;ffentlichen Unternehmen des   Kapitalismus das Sagen haben. W&#228;hrend sich G. Gysi in der Presse strikt   gegen JEDE Staatsbeteiligung bei Opel und anderen Industriekonzernen   wendet, macht der Parteivorstand solche Beteiligungen von   Besch&#228;ftigungsgarantien sowie von Belegschaftsabstimmungen &#252;ber   Werkschlie&#223;ungen abh&#228;ngig und verlangt ausdr&#252;cklich das Gegenteil:   &#8222;Verstaatlichungen d&#252;rfen kein Tabu sein.&#8220;<\/p>\n<h4>  Massenproteste<\/h4>\n<p>  Schlie&#223;lich unterst&#252;tzt der Parteivorstand in seinem Antikrisenprogramm   Massenproteste und die daf&#252;r erforderlichen B&#252;ndnisse: &#8222;Aufmerksamkeit   und Einfluss gewinnen wir nachhaltig erst mit Massenprotesten und   Demonstrationen. Der weitere Verlauf der Krise entscheidet sich auf der   Stra&#223;e. Die LINKE wird daher in B&#252;ndnissen mit sozialen Bewegungen und   Gewerkschaften massiv alle Proteste und Widerstandsaktionen vorantreiben   sowie begleiten. Dies ist ein Schwerpunkt unserer Arbeit.&#8220;<\/p>\n<p>  Auch wenn sich der Parteivorstand nicht zur Bef&#252;rwortung von   MassenSTREIKS wie in Frankreich durchringen konnte: Im Antrag der   Fraktion und in ihren Verlautbarungen kommt das gemeinsame Handeln der   Betroffenen als Bedingung f&#252;r die Durchsetzung linker Forderungen   &#252;berhaupt nicht mehr vor. Obwohl vollkommen klar ist, dass auch dieser   Antrag im Bundestag durchfallen wird. Man fragt sich, warum die   Abgeordneten &#8211; nicht nur bei den Hartz- und Mindestlohnforderungen &#8211; die   Betroffenen und ihre Initiativen so vor den Kopf sto&#223;en, wenn dies den   B&#252;ndnisangeboten der Partei an diese Initiativen widerspricht, der   Mobilisierung f&#252;r die Demonstrationen am 28.3. schadet und die   Durchsetzungschancen im Bundestag noch nicht einmal verbessert. Als   Erkl&#228;rung f&#252;r diesen Eiertanz, der die Glaubw&#252;rdigkeit der LINKEN und   damit auch ihre Wahlchancen im September empfindlich besch&#228;digt, kommt   eigentlich nur der Versuch in Betracht, die eigene Regierungs- und   B&#252;ndnisf&#228;higkeit gegen&#252;ber SPD und Gr&#252;nen demonstrativ unter Beweis zu   stellen. Ein vorauseilender Gehorsam, dem Lafontaine &#8211; zumindest laut   &#8222;Spiegel&#8220; &#8211; auch eine andere Mindestbedingung f&#252;r Regierungsb&#252;ndnisse,   n&#228;mlich die strikte Absage an Auslandseins&#228;tze der Bundeswehr, in seiner   neuen Wahlkampfstrategie opfern will. Wenn ihm dabei nicht nur die   Mehrheit der Bundesabgeordneten, sondern auch die Partei folgen sollte,   k&#246;nnte es am Wahlabend ein b&#246;ses Erwachen geben. Glaubw&#252;rdig wird die   Antwort der LINKEN auf die Herausforderungen der Systemkrise n&#228;mlich   nur, wenn ihre Worte (im Wahlkampf) mit ihren Taten (im Parlament und   auf der Stra&#223;e) &#252;bereinstimmen.<\/p>\n<h4>  <a href=\"http:\/\/die-linke.de\/fileadmin\/download\/parteivorstand\/2008\/beschluss_67-2008_schutzschirm_fuer_die_menschen.pdf\">Zum   Antikrisenprogramm des Parteivorstands<\/a><\/h4>\n<h4>  <a href=\"http:\/\/www.scharf-links.de\/uploads\/media\/Antrag_der_Linksfraktion_18.3.09.pdf\">Zum   Krisenantrag der Bundestagsfraktion<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#220;ber die Widerspr&#252;che zwischen Fraktions- und Parteibeschl&#252;ssen zur<br \/>\n      Jahrhundertkrise des Kapitalismus\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13076"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13076"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13076\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13076"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13076"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13076"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}