{"id":13066,"date":"2009-03-18T12:00:25","date_gmt":"2009-03-18T11:00:25","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13066"},"modified":"2012-05-15T15:14:58","modified_gmt":"2012-05-15T13:14:58","slug":"13066","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13066\/","title":{"rendered":"LINKE: N&#228;chste Runde im Kampf gegen Ausgrenzungen"},"content":{"rendered":"<p>  Die elf SAV&quot;lerInnen, die in Berlin nicht in DIE LINKE aufgenommen   werden, ziehen vor die Bundesschiedskommission<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Hier dokumentieren wir die Begr&#252;ndung von Sascha Stanicic f&#252;r seinen   Widerspruch gegen die Entscheidung der Landesschiedskommission der   Berliner Partei DIE LINKE, ihn nicht in die Partei aufzunehmen. Lucy   Redler, die ebenfalls nicht aufgenommen wurde, hat eine weitgehend   wortgleiche Erkl&#228;rung verfasst. Die neun weiteren betroffenen   MarxistInnen werden bald ebenfalls ihre Widerspr&#252;che formulieren:<\/p>\n<\/p>\n<p>  Berlin, den 01.03.2009<\/p>\n<\/p>\n<p>  An die<\/p>\n<p>  Bundesschiedskommission der Partei DIE LINKE<\/p>\n<\/p>\n<p>  Betr.: Widerspruch gegen die Entscheidung der Schiedskommission des   Landesverbandes Berlin vom 08.01.2009<\/p>\n<\/p>\n<p>  Liebe Genossinnen und Genossen,<\/p>\n<\/p>\n<p>  hiermit lege ich nach &#167;37, Absatz 4 der Bundessatzung der Partei DIE   LINKE Berufung gegen die Entscheidung der Landesschiedskommission Berlin   vom 08.01.2009 ein, die dem Antrag von Klaus Ernst und Thomas H&#228;ndel   statt gegeben hat, den Beschluss des Bezirksvorstands Neuk&#246;lln, mich in   die Partei DIE LINKE aufzunehmen, aufzuheben. Die schriftliche   Begr&#252;ndung der Landesschiedskommission habe ich am 4.2.2009 erhalten.<\/p>\n<p>  Ich beantrage hiermit, den Beschluss der Landesschiedskommission   aufzuheben und den Beschluss des Bezirksvorstands Neuk&#246;lln zu best&#228;tigen   und mich in die Partei DIE LINKE als Mitglied aufzunehmen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Begr&#252;ndung:<\/p>\n<p>  Die Begr&#252;ndungen der Landesschiedskommission Berlin zum Stattgeben der   Antr&#228;ge von Klaus Ernst und Thomas H&#228;ndel gegen den Beschluss des   Bezirksvorstands Neuk&#246;lln, Lucy Redler und mich in die Partei DIE LINKE   aufzunehmen, best&#228;tigen meine Sichtweise, dass es sich bei den   Einspr&#252;chen gegen die Mitgliedschaft von Lucy Redler und mir nicht um   individuelle F&#228;lle und personenbezogene Argumentationen handelt, sondern   um den Versuch prominente VertreterInnen einer der Politik des Berliner   Landesverbandes und der Parteif&#252;hrung kritisch gegen&#252;berstehenden   Str&#246;mung aus der Partei auszugrenzen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Die Begr&#252;ndung ist, wie schon die Begr&#252;ndungen der Einspr&#252;che von Klaus   Ernst, weitgehend wortgleich. Auf individuelles Verhalten oder   individuelle Aussagen von Lucy Redler und mir wird nicht eingegangen.   Dies widerspricht insbesondere der Behauptung der   Landesschiedskommission, ihre Beschl&#252;sse auf Basis der m&#252;ndlichen   Verhandlung gef&#228;llt zu haben. In keinem Punkt werden Aussagen von Lucy   Redler oder mir aus der m&#252;ndlichen Verhandlung zitiert. Im Gegenteil:   die Wortgleichheit der Begr&#252;ndungen erweckt den Eindruck, als h&#228;tten wir   dort mit einer Stimme gesprochen und identische Aussagen getroffen.<\/p>\n<p>  Da wir weiterhin davon &#252;berzeugt sind, dass es sich um ein politisches   Verfahren gegen marxistische KritikerInnen der Parteif&#252;hrung und des   Berliner Landesverbandes handelt und nicht um auf individuellem   Fehlverhalten begr&#252;ndete Einspr&#252;che gegen unsere Mitgliedschaft, legen   auch wir wieder weitgehend wortgleiche Begr&#252;ndungen f&#252;r unsere   Einspr&#252;che gegen die Entscheidung der Landesschiedskommission vor.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Wir legen unsere Stellungnahmen vom 20.12.2008 als Teil dieser   Begr&#252;ndung bei (siehe Anlage 1). Die darin enthaltenen Argumente gegen   die urspr&#252;ngliche Argumentation von Klaus Ernst beh&#228;lt ihre Aktualit&#228;t.   Wir stellen jedoch fest, dass die Landesschiedskommission sich zu dem   Gro&#223;teil der von Klaus Ernst und Thomas H&#228;ndel vorgebrachten   Anschuldigungen nicht &#228;u&#223;ert bzw. diese in Frage stellt. Es ist also   davon auszugehen, dass Anschuldigungen, die sich unter anderem auf ein   angebliches &#8222;prim&#228;res Selbstverst&#228;ndnis als SAV-Kader&#8220;, die Missachtung   der &#8222;Fusion als einem Grundsatz der Partei&#8220;, den &#8222;parteisch&#228;digenden   Charakter der WASG-Kandidatur zu den Abgeordnetenhauswahlen 2006&#8220; und   unseren Willen &#8222;den Fusionsprozess weiterhin zu verhindern&#8220; beziehen,   von der Landesschiedskommission nicht unterst&#252;tzt werden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Es bleiben aus der Begr&#252;ndung der Landesschiedskommission folgende   Punkte:<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Die Mitglieder der Landesschiedskommission sind auf Grund der   m&#252;ndlichen Verhandlung vom 12.12.2008 und den vorgelegten Schrifts&#228;tzen   der Parteien zu der Auffassung gekommen, dass im Rahmen der notwendigen   Prognoseentscheidung davon auszugehen ist, dass der Beigeladene nicht   bereit sein wird, die Grunds&#228;tze der Programms der Partei zu vertreten   und die Satzung einzuhalten.&#8220;<\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  Und:<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Die Auffassung, demokratisch gefasste Beschl&#252;sse der Partei DIE   LINKE nur dann einzuhalten, wenn sie seinen Ansichten bzw. denen der SAV   entsprechen kann von den Mitgliedern der LSK nicht geteilt werden.&#8220; <\/i>    <\/p>\n<\/p>\n<p>  Und:<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>&#8222; Hierbei hat der Beigeladene insbesondere durch den von ihm   ma&#223;geblich initiierten eigenst&#228;ndigen, gegen den ausdr&#252;cklich bekundeten   Willen der Bundespartei WASG gef&#252;hrten Wahlantritt in Berlin gegen die   Linkspartei.PDS gezeigt, dass er nicht bereit ist, demokratisch gefasste   Beschl&#252;sse seiner Partei zu akzeptieren, geschweige denn durchzusetzen.   Er hat vielmehr durch dieses Handeln gezeigt, dass er durchaus hier   aktiv gegen demokratisch gefasste Beschl&#252;sse, somit gegen satzungsm&#228;&#223;ige   Regelungen verst&#246;&#223;t. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Damit hat er zumindest auch billigend in Kauf genommen, dass der WASG   bzw. dann der Linkspartei.PDS schwere politische und finanzielle Sch&#228;den   zugef&#252;gt worden sind.&#8220; <\/i>    <\/p>\n<\/p>\n<p>  Ich werde im Verlauf dieses Begr&#252;ndungstextes auf diese Vorw&#252;rfe   eingehen, will aber darauf hinweisen, dass die Beurteilung des   eigenst&#228;ndigen Wahlantritts der WASG Berlin, wie ich sie in meiner   Stellungnahme zur Verhandlung der Landesschiedskommission vorgenommen   habe (siehe Anlage 1) weiterhin Bestand hat. Betonen m&#246;chte ich aber,   dass die WASG-Kandidatur zu keinem Zeitpunkt ausschlie&#223;lich oder in   erster Linie gegen die Linkspartei.PDS gerichtet war. Es handelte sich   um die selbst&#228;ndige Kandidatur einer zum damaligen Zeitpunkt   unabh&#228;ngigen Partei f&#252;r ihre politischen Ziele und &#220;berzeugungen, die in   einem Widerspruch zu den landespolitischen Vorstellungen und   insbesondere der landespolitischen Praxis aller im damaligen   Abgeordnetenhaus vertretenen Parteien stand.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Bevor ich mich mit den Vorw&#252;rfen der Landesschiedskommission auseinander   setze, m&#246;chte ich darauf hinweisen, dass die Landesschiedskommission   mich an mehreren Stellen falsch zitiert:<\/p>\n<\/p>\n<p>  So habe ich nicht von einer &#8222;konstatierten Aktion&#8220; gegen die SAV   gesprochen, sondern von einer &#8222;konzertierten Aktion&#8220;, da weitgehend   wortgleiche Begr&#252;ndungstexte zu den Einspr&#252;chen gegen die Mitgliedschaft   von SAV&quot;lerInnen unter verschiedenen Namen bzw. von unterschiedlichen   Personen eingereicht wurden.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Desweiteren habe ich meine Zur&#252;ckweisung der These, es handele sich bei   der Fusion von WASG und Linkspartei.PDS um eine programmatische   Grundlage, nicht damit begr&#252;ndet, dass &#8222;auch eine weitere, gr&#246;&#223;ere   Anzahl der ehemaligen Mitglieder der WASG nicht Mitglied der Partei DIE   LINKE geworden sein&#8220;. Grund f&#252;r meine Meinung, dass die Fusion kein   politischer Grundsatz der neuen Partei ist, liegt schlicht und einfach   in der Tatsache, dass die programmatischen Eckpunkte der Partei DIE   LINKE, dies an keiner Stelle explizit sagen.<\/p>\n<p>  Auf ehemalige Mitglieder der WASG habe ich in einem anderen Zusammenhang   hingewiesen. N&#228;mlich, dass 19,4 Prozent der WASG-Mitglieder gegen die   Fusion gestimmt haben und 43 Prozent sich gar nicht an der Abstimmung   beteiligt haben (also nicht daf&#252;r gestimmt haben). Trotzdem sind alle   WASG-Mitglieder, ohne dass dies in Frage gestellt worden w&#228;re,   problemlos Mitglieder der neuen Partei wurden. Dies galt &#252;brigens auch   f&#252;r viele Mitglieder des Landesverbandes der WASG Berlin, die aktiven   Wahlkampf f&#252;r die WASG bei den Abgeordnetenhauswahlen betrieben oder   sogar als KandidatInnen fungiert haben. Diese Tatsachen lassen darauf   schlie&#223;en, dass es bei den Einspr&#252;chen gegen unsere Mitgliedschaft nicht   um unser Verh&#228;ltnis zur Fusion oder unser Verhalten bei den   Abgeordnetenhauswahlen 2006 geht.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem habe ich zu keinem Zeitpunkt gesagt oder indirekt zum Ausdruck   gebracht, dass ich demokratisch gefasste Beschl&#252;sse der Partei DIE LINKE   nur einhalten werde, wenn sie meinen &#8222;Ansichten bzw. denen der SAV   entsprechen&#8220;.<\/p>\n<p>  Es gibt viele Beispiele f&#252;r meine politische Kompromissf&#228;higkeit und   -bereitschaft. Nicht zuletzt das Wahlprogramm der WASG Berlin f&#252;r die   Abgeordnetenhauswahlen 2006 geh&#246;rt dazu. Die SAV hat damals ihre   explizit sozialistischen Auffassungen zur Landespolitik in einer eigenen   Brosch&#252;re dargelegt und trotzdem habe ich das WASG-Wahlprogramm   vertreten und auf dessen Basis Wahlkampf gemacht. (siehe Anlage 2 und 3)<\/p>\n<p>  Auch habe ich zu keinem Zeitpunkt behauptet, &#8222;mit allen Mitteln gegen   diese Politik der Berliner Linkspartei im Zusammenhang mit der   Regierungsbeteiligung aufzutreten.&#8220; Diese Behauptung in der Begr&#252;ndung   der Landesschiedskommission ist eine Unwahrheit und dient offensichtlich   dem zweck, mir die Bereitschaft zu undemokratischen Mitteln zu   unterstellen.<\/p>\n<p>  Ich habe lediglich zum Ausdruck gebracht, dass ich Parteibeschl&#252;sse, die   zu einer Verschlechterung der Lebensumst&#228;nde von Lohnabh&#228;ngigen,   RentnerInnen, Erwerbslosen und Jugendlichen f&#252;hren, nicht unterst&#252;tzen   kann, sondern an gesellschaftlichen Protesten dagegen teilnehmen werde.   Das Problem in diesem Zusammenhang ist dabei nicht meine Einstellung,   die sich mit den programmatischen Eckpunkten der Partei DIE LINKE deckt,   die ja Verschlechterungen f&#252;r Lohnabh&#228;ngige, RentnerInnen, Erwerbslose   und Jugendliche ablehnen, sondern die Tatsache, dass zum Beispiel DIE   LINKE im Berliner Senat mit verantwortlich ist f&#252;r Entscheidungen, die   zu einer Verschlechterung der Lebensverh&#228;ltnisse f&#252;r Lohnabh&#228;ngige,   RentnerInnen, Erwerbslose und Jugendlichen f&#252;hren. Damit befindet sich   der Landesverband Berlin viel mehr im Konflikt mit den programmatischen   Grunds&#228;tzen als ich es bin.<\/p>\n<p>  Die Landesschiedskommission aber widerspricht sich, wenn sie einerseits   schreibt, sie sei zu der Schlussfolgerung gekommen, ich sei nicht bereit   die Grunds&#228;tze der Partei zu vertreten, sp&#228;ter aber schreibt: &#8222;Es mag   dahinstehen, ob der Beigeladene nicht bereit sein wird, wichtige   programmatische Grunds&#228;tze der Partei zu vertreten.&#8220;<\/p>\n<\/p>\n<p>  Dass aber die Landesschiedskommission sowohl Lucy Redler als auch mir   solche gleichlautenden Aussagen in den Mund legt, weist darauf hin, dass   die Landesschiedskommission entweder kein vorurteilsfreies, objektives   Verfahren gef&#252;hrt hat oder aber mit dem komplexen Sachverhalt   &#252;berfordert war. Zu dieser Schlussfolgerung muss ich auch gelangen, wenn   ich lese, dass mir nun eine finanzielle Sch&#228;digung der &#8222;WASG bzw. dann   der Linkspartei.PDS&#8220; vorgeworfen wird. Diese Anschuldigung war nicht   einmal Teil der Anklageschrift von Klaus Ernst und Thomas H&#228;ndel.   Tats&#228;chlich war dies der einzige Vorwurf, der sich individuell nur gegen   Lucy Redler als Teil des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Landesvorstands der   ehemaligen WASG Berlin richtet. Dementsprechend habe ich mich dazu in   der Verhandlung nicht ge&#228;u&#223;ert, wie es in der Begr&#252;ndung der   Landesschiedskommission behauptet wird.<\/p>\n<p>  Interessant an der Formulierung der Landesschiedskommission ist jedoch   das &#8222;bzw. dann Linkspartei.PDS&#8220;. Dies dr&#252;ckt offensichtlich aus, dass   die Mitglieder der Landesschiedskommission nicht wahrgenommen haben,   dass DIE LINKE nicht mit der Linkspartei.PDS gleichzusetzen ist, sondern   eine neue, aus der Fusion zweier Parteien hervorgegangene, Partei ist.<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang m&#246;chte ich darauf hinweisen, dass in der   Landesschiedskommission kein ehemaliges WASG-Mitglied vertreten ist und   die Verh&#228;ltnisse in der WASG, nicht zuletzt die in der gesamten   Bundespartei WASG sehr kontrovers gef&#252;hrten Auseinandersetzungen um den   Wahlantritt der WASG Berlin und den Umgang der Bundespartei damit, den   Mitgliedern der Landesschiedskommission nicht bekannt waren. Dies hat   aber bei der Beurteilung meines Falls keine geringe Bedeutung, denn nur   durch eine Kenntnis und ein politisches Verst&#228;ndnis der damaligen   Auseinandersetzungen kann man mein bzw. unser Verhalten beurteilen und   daraus Prognoseentscheidungen f&#252;r die Zukunft ableiten.<\/p>\n<p>  So m&#246;chte ich darauf hinweisen, dass die Beschlussfassung des   Bundesparteitags der WASG im April 2006 zur Frage der disziplinarischen   Ma&#223;nahmen im Falle einer Kandidatur der WASG Berlin (die zu diesem   Zeitpunkt durch die demokratisch gew&#228;hlten Organe des Landesverbandes   schon beschlossen war) mit 156 zu 143 Stimmen &#228;u&#223;erst knapp war (siehe   Anlage 4). Aus Protest gegen diesen Beschluss traten noch auf dem   Parteitag die drei Bundesvorstandsmitglieder Joachim Bischoff, Sabine   L&#246;sing, Bj&#246;rn Radtke zur&#252;ck, die heute alle Mandate oder &#196;mter f&#252;r DIE   LINKE bekleiden.<\/p>\n<p>  Lucy Redler wurde nach der Abgeordnetenhauswahl in den   WASG-Bundesvorstand gew&#228;hlt. Viele heutige Funktionstr&#228;gerInnen der   Partei DIE LINKE haben aktive Wahlkampfunterst&#252;tzung f&#252;r die WASG Berlin   geleistet oder Geld gespendet. Es kann also kein Zweifel dar&#252;ber   bestehen, dass unser damaliges Verhalten in der Quellpartei WASG von   deren Mitgliedern und Bundesparteitagsdelegierten nicht als   parteisch&#228;digend oder satzungswidrig betrachtet wurde.<\/p>\n<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang weise ich auch die Interpretation des Beschlusses   des Landgerichts Berlin vom 31.05.2006 durch die Landesschiedskommission   zur&#252;ck. Tats&#228;chlich argumentiert die Landesschiedskommission in dieser   Frage weder logisch noch stichhaltig. Sie spricht davon, dass das   Schiedsgerichtsverfahren mit dem Landesgerichtsverfahren juristisch   nicht vergleichbare Sachverhalte seien, weil es sich erstens um ein   Amtsenthebungsverfahren handelte und zweitens zum damaligen Zeitpunkt   noch von zwei Parteien auszugehen war.<\/p>\n<p>  Beide Punkte stehen jedoch nicht im Widerspruch zu unserer Annahme, dass   das Urteil des Landgerichts darauf hinweist, dass im eigenst&#228;ndigen   Wahlantritt des Landesverbandes der WASG Berlin kein parteisch&#228;digendes   Verhalten bzw. kein Satzungsbruch vorlag, der weitgehende   disziplinarische Ma&#223;nahmen rechtfertigt h&#228;tte.<\/p>\n<p>  Denn das Amtsenthebungsverfahren leitete sich ja aus der Annahme des   WASG-Bundesvorstands ab, dass sich der Landesvorstand der WASG Berlin   nicht satzungsgem&#228;&#223; verh&#228;lt und die Partei sch&#228;digt. Dies wurde durch   das Landgericht zur&#252;ck gewiesen. Ebenso spielt die getrennte Existenz   beider Parteien in diesem Zusammenhang keine Rolle, da ja die   Landesschiedskommission aus den Ereignissen in der einen Quellpartei,   WASG, mein bzw. unser zu erwartendes Verhalten in der nun fusionierten   Partei ableitet.<\/p>\n<p>  Die Bedenken der Landesschiedskommission an einer zweitinstanzlichen   Best&#228;tigung dieses Gerichtsbeschlusses ist f&#252;r den zu verhandelnden   Sachverhalt unerhebliche Spekulation. Festzuhalten ist, dass es zu   keinem Berufungsverfahren kam, weil dieses durch den damaligen   WASG-Bundesvorstand nicht eingeleitet wurde, was wiederum darauf   schlie&#223;en l&#228;sst, dass dieser keine Aussicht auf Erfolg sah.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Der weitaus schwerwiegendere Grund f&#252;r meinen Widerspruch gegen die   Entscheidung der Landesschiedskommission ist jedoch das Organisations-   und Demokratieverst&#228;ndnis, das die Landesschiedskommission zur Grundlage   ihrer Entscheidung gemacht hat.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Dieses Verst&#228;ndnis wird in folgenden Zitaten deutlich:<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>&#8222;Der Beigeladene habe auch noch im Oktober 2008, nach seinem Beitritt   in die Partei DIE LINKE angek&#252;ndigt, dass er auch weiterhin nicht nur   innerhalb der Partei f&#252;r eine &#196;nderung von Parteitagsbeschl&#252;ssen k&#228;mpfen   w&#252;rde, sondern zwar mit dem Parteibuch in der Tasche, aber au&#223;erhalb der   Partei nicht nur Parteitagsbeschl&#252;sse nicht vertreten, sondern aktiv   dagegen handeln w&#252;rde, die au&#223;erparlamentarische Opposition dazu   organisieren w&#252;rde.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8222; Ein wichtiger Satzungsgrundsatz der Satzung der Partei DIE LINKE   sind die in &#167;4 verankerten Rechte und Pflichten der Mitglieder. Unter   anderem ist hier in &#167;4 Abs. 2 normiert, dass jedes Mitglied die Pflicht   hat, die satzungsgem&#228;&#223; gefassten Beschl&#252;sse der Parteiorgane zu   respektieren. Nach diesseitiger Ansicht bedeutet Respektieren von   Beschl&#252;ssen nicht nur ein zur Kenntnis nehmen, sondern auch ein Handeln   im Sinne dieser Beschl&#252;sse. Es ist f&#252;r die demokratische Willensbildung   in der Partei DIE LINKE unabdingbar, dass auf demokratischem Wege   gefasste Beschl&#252;sse nicht nur passiv hingenommen werden, sondern auch   durchgesetzt werden. Dies bedeutet zumindest, dass auch bei einer   jeweiligen Beschlussfassung unterlegene Mitglieder der Partei gehalten   sind, nicht aktiv nach einer Beschlussfassung gegen diese Ergebnisse der   demokratischen Willensbildung aufzutreten. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Der Beigeladene hat jedoch zum Ausdruck gebracht, dass er aktiv gegen   gefasste Beschl&#252;sse des Landesverbandes Berlin, insbesondere die der   Landesparteitage zur Regierungsbeteiligung im Land Berlin, auftreten   will.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8222;Die Linkspartei kann und muss von ihren Mitgliedern auch eine   Loyalit&#228;t gegen&#252;ber demokratisch zustande gekommenen Entscheidungen   verlangen. Dies gilt auch, wenn das jenige Mitglied, welches in einem   Entscheidungsproze&#223; mit seiner Meinung unterlegen war, sehr wohl auch   gehalten ist, die demokratisch zustande gekommenen Mehrheitsbeschl&#252;sse   nicht nur zur Kenntnis zu nehmen, sondern auch mit durchzusetzen.&#8220;<\/i><\/p>\n<p>  Darin kommt ein zentralistisches Parteikonzept zum Ausdruck, dass nicht   der Satzung der Partei DIE LINKE entspricht. Tats&#228;chlich erinnern diese   Aussagen mehr an das Statut der SED, in dem in Paragraph 2, Absatz b die   aktive Verwirklichung der Parteibeschl&#252;sse als Pflicht des Mitglieds   festgehalten wird und in Paragraph 23 die Unterordnung der Minderheit   und des einzelnen unter die Beschl&#252;sse der Mehrheit verlangt wird (siehe   Anlage 5).<\/p>\n<p>  Was bedeuten diese Aussagen konkret? Sie bedeuten zum Beispiel, dass ein   Mitglied der Partei DIE LINKE sich nicht nur nicht &#246;ffentlich gegen   Landesparteitagsbeschl&#252;sse &#228;u&#223;ern darf, sondern von ihm erwartet wird,   diese &#8222;mit durchzusetzen&#8220;. Wenn also der Landesparteitag der Berliner   LINKEn, die Politik des Berliner Senats per Beschluss unterst&#252;tzt (was   ja grunds&#228;tzlich der Fall ist), so muss jedes Mitglied der Partei in   Berlin darauf verzichten die Umsetzung von Ein-Euro-Jobs in Berliner   Bezirken, die Privatisierung von Wohnraum, Arbeitsplatzvernichtung und   Lohnk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst, K&#252;rzung des Blindengelds,   Abschaffung der Lehrmittelfreiheit etc. &#246;ffentlich zu kritisieren und   d&#252;rfte auch an keiner Demonstration dagegen teilnehmen.<\/p>\n<p>  Die Satzung verlangt Respekt vor Parteibeschl&#252;ssen, aber keinen Zwang   zur Umsetzung oder Verzicht auf &#246;ffentliche Kritik. Im Gegenteil sieht   &#167;4 Abs.2 der Satzung vor, dass jedes Mitglied das Recht hat &#8222;an der   Meinungs- und Willensbildung mitzuwirken, sich &#252;ber alle   Parteiangelegenheiten zu informieren und zu diesen ungehindert Stellung   zu nehmen&#8220;.<\/p>\n<p>  Hier ist nicht die Rede davon, dass diese Stellungnahmen nur vor   Beschlussfassungen oder nur parteiintern m&#246;glich sind. Im selben   Paragraphen wird au&#223;erdem unterschieden zwischen der Pflicht die   Grunds&#228;tze der Partei zu vertreten und der Pflicht die gefassten   Beschl&#252;sse zu respektieren. Nun mag man sich &#252;ber die Definition des   Wortes &#8222;respektieren&#8220; streiten k&#246;nnen. Es bedeutet aber ganz sicher   nicht &#8222;umsetzen&#8220;, &#8222;&#246;ffentlich vertreten&#8220; oder &#8222;nicht kritisieren&#8220;.   Respekt bedeutet aus meiner Sicht gefasste Beschl&#252;sse politisch   anzuerkennen und sich politisch (und das beinhaltet die Fortsetzung der   Debatte, auch &#246;ffentlich, und ggf. auch die Teilnahme an   au&#223;erparlamentarischer Opposition gegen Beschl&#252;sse, die einen unsozialen   Charakter haben) damit auseinanderzusetzen, aber zum Beispiel darauf zu   verzichten, die Umsetzung durch St&#246;rung, Sabotage oder &#228;hnlichem zu   verhindern. Das haben wir auch vor der Landesschiedskommission erkl&#228;rt.<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang ist auch der Vorwurf eines nicht   &#8222;nachvollziehbaren Demokratieverst&#228;ndnisses&#8220;, den die   Landesschiedskommission gegen mich erhebt, zu beurteilen. Diese   schreibt: &#8222;Einerseits stellt er in Abrede, dass Beschl&#252;sse von   Bundesparteitagen f&#252;r Landesgliederungen verbindlich seien. Hierbei wird   auf die Verhaltensweisen in Bezug auf die eigenst&#228;ndige Wahlteilnahme   des Berliner Landesverbandes der WASG gegen&#252;ber den Beschl&#252;ssen des   Bundesparteitags der WASG verwiesen und sich auf eine begrenzte   Autonomie der Landesverb&#228;nde berufen. Andererseits meint er, auf Grund   von ihm gesehener nicht &#220;bereinstimmung der Politik des Landesverbandes   Berlin mit der Bundespolitik der Linken gegen die Beschl&#252;sse des   Landesverbandes Berlin aktiv handeln zu m&#252;ssen.&#8220;<\/p>\n<p>  Auch in dieser Aussage dr&#252;ckt sich ein f&#252;r mich nicht nachvollziehbares   Organisationsverst&#228;ndnis der Landesschiedskommission aus. Denn die   Kernaussage dieses Absatzes ist, dass die Akzeptanz von begrenzter   Autonomie von Landesverb&#228;nden gegen&#252;ber der Bundespartei (ein formales   Verh&#228;ltnis) mit Akzeptanz der und Unterordnung unter die Politik dieses   Landesverbandes durch jedes einzelne Mitglied gleichzusetzen sei (ein   politisches Verh&#228;ltnis).<\/p>\n<p>  Erstens habe ich mich nicht grunds&#228;tzlich gegen eine Verbindlichkeit von   Bundesparteitagsbeschl&#252;ssen f&#252;r Landesverb&#228;nde ausgesprochen, sondern   f&#252;r das Recht von Landesverb&#228;nden autonom landespolitische   Entscheidungen zu treffen, wozu die Teilnahme oder Nichtteilnahme an   einer Landtagswahl zweifellos geh&#246;rt. Ich habe auch darauf verwiesen,   dass das in Linkspartei.PDS und WASG Praxis war und in der Partei DIE   LINKE Praxis ist. Tats&#228;chlich waren die eigenst&#228;ndigen Wahlantritte der   Berliner WASG und der WASG Mecklenburg-Vorpommern im Jahr 2006 die   einzigen mir bekannten F&#228;lle, wo diese landespolitische Autonomie durch   die Bundespartei au&#223;er Kraft gesetzt wurde, was jedoch vor dem   Landgericht Berlin keinen Bestand hatte.<\/p>\n<p>  Zweitens stelle ich das formale Recht des Berliner Landesverbandes, eine   Koalition mit der SPD einzugehen, nicht in Frage. Ich beurteile jedoch   die daraus resultierende Politik als im Widerspruch zu den Grunds&#228;tzen   der Partei stehend. Daraus ziehe ich jedoch nicht die Schlussfolgeruing   administrative Ma&#223;nahmen gegen den Berliner Landesverband zu ziehen bzw.   einzufordern, sondern setze mich f&#252;r eine offene, demokratische und   &#246;ffentliche Auseinandersetzung &#252;ber diese Politik ein. Auch der   Landesverband der WASG Berlin hat &#252;brigens zu keinem Zeitpunkt   administrative Ma&#223;nahmen gegen die Minderheit der WASG-Mitglieder, die   die Linkspartei.PDS im Wahlkampf 2006 unterst&#252;tzt haben, ergriffen.<\/p>\n<p>  Bleibt die Frage, ob aus der Situation der Abgeordnetenhauswahlen 2006   ein &#228;hnliches Verhalten von mir bzw. uns in der Zukunft abzuleiten ist.   Die Landesschiedskommission selber weist darauf hin, dass dies nicht der   Fall ist. N&#228;mlich, wenn sie betont, dass in der Situation 2006 von zwei   getrennten Parteien auszugehen war. Dies ist nicht mehr der Fall. Eine   konkurrierende Kandidatur hat also keine organisatorische Voraussetzung   mehr. Die einzige realistische Prognose ist also, dass sich eine   Situation wie im Jahr 2006 nicht mehr wiederholt.<\/p>\n<p>  Wir wollen Mitglieder der Partei DIE LINKE werden, unsere   sozialistischen Ideen in die Diskussions- und Meinungsbildungsprozesse   in der Partei einbringen und mit der Partei den gesellschaftlichen   Widerstand gegen die Folgen kapitalistischer Krise und Ausbeutung   st&#228;rken. Dabei verstehen wir die Partei, wie jede Organisation, als ein   Instrument und nicht als Selbstzweck. Eine Partei muss kontrolliert,   hinterfragt, kritisch begleitet werden. Ein offener und &#246;ffentlicher   Diskurs &#252;ber die Politik und Methoden ist dazu n&#246;tig. Dies gilt umso   mehr, da die Arbeiterbewegung nicht zuletzt aufgrund b&#252;rokratischer   Organisationsstrukturen und -methoden in tiefe Krisen geraten ist und   sich viel Vertrauen in der arbeitenden Bev&#246;lkerung verspielt hat.<\/p>\n<p>  Wir sehen in den &#196;u&#223;erungen der Landesschiedskommission einen Bruch der   Satzung, nicht aber in unseren &#220;berzeugungen und zu erwartenden   Handlungen.<\/p>\n<\/p>\n<p>  Sascha Stanicic<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die elf SAV&quot;lerInnen, die in Berlin nicht in DIE LINKE aufgenommen<br \/>\n      werden, ziehen vor die Bundesschiedskommission\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,27],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13066"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13066"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13066\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13066"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13066"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13066"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}