{"id":13061,"date":"2009-03-14T11:04:36","date_gmt":"2009-03-14T11:04:36","guid":{"rendered":".\/?p=13061"},"modified":"2009-03-14T11:04:36","modified_gmt":"2009-03-14T11:04:36","slug":"13061","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13061\/","title":{"rendered":"Schottland: Betriebsbesetzung bei Prisme"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Wir m&#252;ssen f&#252;r unsere Rechte k&#228;mpfen.&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die zw&#246;lf Besch&#228;ftigten des Verpackungsunternehmens Prisme, die ihren   Betrieb in Dundee besetzt halten, haben sich daf&#252;r entschieden, ihren   Protest f&#252;r eine weitere Nacht fortzusetzen.<\/p>\n<h4>  <i>von International Socialists (Schwesterorganisation der SAV in   Schottland), 2.3.09<\/i><\/h4>\n<p>  Die Zw&#246;lf, denen ohne Vorank&#252;ndigung gek&#252;ndigt und daraufhin mitgeteilt   wurde, dass ihnen das Unternehmen weder eine Abfindung, noch ausstehende   L&#246;hne oder aufgelaufene bezahlte Freizeit zahlen wird, haben am   Donnerstag um 17 Uhr mit ihrer Besetzung begonnen.<\/p>\n<p>  Maureen hat dreizehn Jahre f&#252;r Prisme gearbeitet. Sie hat uns Folgendes   erz&#228;hlt: &#8222;Wir haben uns f&#252;r die Fortsetzung der Besetzung entschieden,   um das besch&#228;mende Verhalten dieses Unternehmens klar zu machen. Wir   m&#252;ssen f&#252;r unsere Rechte k&#228;mpfen. Die Unterst&#252;tzung, die wir bekommen   haben, war einfach riesig, vollkommen unglaublich. Gestern Abend habe   ich mit Tommy Sheridan gesprochen und das war perfekt. Es hat uns nur   darin best&#228;rkt, noch energischer f&#252;r das zu k&#228;mpfen, was man uns   schuldig ist. Wir sind immer loyale ArbeiterInnen gewesen und werden   jetzt schmachvoll behandelt.&#8220;<\/p>\n<p>  Matthew, 25 Jahre alt und knapp zwei Jahren bei Prisme, erk&#228;rte: &#8222;Der   Unternehmenschef ist heute Morgen zur&#252;ckgekommen, tiptop, gestriegelt   und wie aus dem Ei gepellt. Er sagte uns, dass er nicht verstehe, warum   wir derart vorgehen w&#252;rden. Er machte uns stattdessen ein anderes   &#187;Angebot&#171;: Ein Richterspruch solle &#252;ber unsere Abfindungen und andere   Gelder entscheiden, die noch offen sind. Unsere Antwort darauf war, dass   wir sagten, dass wir so lange bleiben werden, wie es braucht, um das,   was uns zusteht, zu bekommen.&#8220;<\/p>\n<p>  &#8222;Wir haben &#252;ber Briefe, Anrufe und Emails massenweise Unterst&#252;tzung   gekriegt. Das hat uns gro&#223;en Auftrieb gebracht. Darunter waren   Mitteilungen von Gewerkschaftern aus dem ganzen Land und Sozialisten aus   Schottland und sogar aus Orten wie Brighton, Wales, Coventry, sogar ein   Brief aus Australien und auch von der Youth Fight For Jobs campaign, von   Solidarity und vielen anderen, die uns ihre volle Unterst&#252;tzung   zusichern.&#8220;<\/p>\n<p>  Mitglieder der International Socialists, von Solidarity und der Youth   Fight For Jobs campaign sind &#252;ber Nacht bei den ArbeiterInnen geblieben   und helfen dabei, so viel Unterst&#252;tzung wie m&#246;glich f&#252;r diese Aktion zu   bekommen. Das ist eine Inspiration f&#252;r alle, die gegen die Offensive der   Chefs gegen Arbeitspl&#228;tze und Arbeitnehmerrechte k&#228;mpfen m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Die vorbildlich handelnden ArbeiterInnen brauchen weiterhin unsere   Unterst&#252;tzung und Solidarit&#228;t. Schickt daher bitte Mails und   Solidarit&#228;tserkl&#228;rungen!<\/p>\n<h5>  Richtet eure Solidarit&#228;tsadressen bitte an 00447970875455 oder   prismeworkerssolidarity@googlemail.com<\/h5>\n<\/p>\n<h4>  Bericht vom 9.3.2009<\/h4>\n<\/p>\n<h5>  ArbeiterInnen erhalten breite Unterst&#252;tzung f&#252;r ihr nicht normgerechtes   Vorgehen<\/h5>\n<p>  Die Besetzung bei der Verpackungsfabrik Prisme in Dundee h&#228;lt nun schon   den sechsten Tag in Folge an. Zw&#246;lf ArbeiterInnen sind dort vergangenen   Mittwoch fristlos entlassen worden. Ihre K&#252;ndigungsschreiben erhielten   sie in einem Umschlag zusammen mit einem Schreiben, in dem festgestellt   wurde, dass &#8211; obwohl die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung anerkannt habe, dass ihnen   noch Tausende von britischen Pfund an Abfindungen, bezahltem Urlaub und   weitere ausstehende Zahlungen zustehen &#8211; &#8222;wir leider kein Geld haben, um   diese Gelder auszuzahlen.&#8220; In diesen Schreiben wurde dem Personal   &#8222;freundlich&#8220; empfohlen, den Weg in ein Beratungsb&#252;ro zu gehen und die   &#8222;alternative M&#246;glichkeit&#8220; eines Gerichtsentscheids &#252;ber die m&#246;gliche   Auszahlung der ihnen zustehenden Gelder in Betracht zu ziehen. Ohne   Zweifel hoffte die Gesch&#228;ftsf&#252;hrung, dass die ArbeiterInnen still und   leise nach Hause gehen w&#252;rden. Mit dieser Einsch&#228;tzung sollten sie   jedoch falsch liegen.<\/p>\n<p>  Am Mittwoch, dem 4. M&#228;rz, ihrem offiziell letzten Arbeitstag,   entschieden sich die ArbeiterInnen um 17 Uhr f&#252;r die mutige Alternative   und besetzten die Produktionsst&#228;tte, um einzufordern, was ihnen zusteht   und das sch&#228;bige Verhalten der Unternehmensvorst&#228;nde &#246;ffentlich zu   machen. David Taylor, einer der entlassenen Arbeiter, sagte: &#8222;Sie haben   uns wie B&#252;rger zweiter Klasse behandelt und wollten ihre H&#228;nde in   Unschuld waschen &#8211; wir waren nicht in der Lage, dies hinzunehmen.&#8220;<\/p>\n<p>  M&#246;glicher Weise handelte es sich nur um den Versuch, eventuelle   Haftungsanspr&#252;che zu vermeiden, jedenfalls legte der gesch&#228;ftsf&#252;hrende   Vorstand noch zwei Tage bevor die ArbeiterInnen entlassen wurden sein   Amt nieder. Es war, als verlie&#223;en die Ratten das sinkende Schiff. Der   Jurist, der den verbliebenen Gesch&#228;ftsf&#252;hrer vertrat, weigerte sich, der   Belegschaft zu sagen, wer der wirkliche Besitzer der Firma Prisme ist.   Dabei behauptete er, dass der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer nicht der Mehrheitseigner   sei. Als die ArbeiterInnen aber weitere Nachforschungen anstellten, kam   heraus, dass 85 Prozent der Aktien bis zum vorigen Jahr noch an ein   Unternehmen namens GO Automatics transferiert worden waren, das unter   derselben Adresse wie das Wirtschaftspr&#252;fungsb&#252;ro Dand and Carnegie in   Dundee registriert ist. Als Gesch&#228;ftsf&#252;hrer von GO Automatics wurde Alan   Dand genannt.<\/p>\n<p>  Obwohl sie versuchten, Alan Dand zu kontaktieren und ihnen dabei   verschiedentlich mitgeteilt wurde, dass GO Automatics nicht mehr   existiere und Alan Dand auch nicht mehr der Gesch&#228;ftsf&#252;hrer sei, wollten   die ArbeiterInnen nicht klein beigeben. Mitglieder von SOLIDARITY (linke   Partei, in der CWI-Mitglieder in Schottland mitarbeiten; Anm. d. &#220;bers.)   und den International Socialists gingen am Freitag zu den B&#252;ros von Dand   und Carnegie und baten um ein Gespr&#228;ch mit Alan Dand. Dieser lehnte es   allerdings ab, rauszukommen und mit uns zu sprechen. Durch seinen   Sekret&#228;r &#252;bergaben wir ihm die Nachricht, dass &#8211; solange Alan Dand nicht   anrufen und sich mit den ArbeiterInnen treffen w&#252;rde &#8211; wir keine andere   Wahl h&#228;tten, als am Nachmittag zusammen mit den Protestierenden   wiederzukommen und die Medien mitzubringen. 20 Minuten sp&#228;ter rief er   die ArbeiterInnen an und verabredete ein Treffen mit   BelegschaftsvertreterInnen noch am selben Nachmittag.<\/p>\n<p>  Momentan sieht es so aus, als hielte Alan Dand in seiner Funktion als   Rechnungspr&#252;fer die Aktienanteile, f&#252;r die ihm Prisme monatlich 3.500   britische Pfund (entspricht rund 4.000,-&#8364;; Anm. d. &#220;bers.) gezahlt hat.   Dies geschah allem Anschein nach deshalb, weil die Eigent&#252;mer von Prisme   Angst bekamen, das Unternehmen k&#246;nnte in Schwierigkeiten geraten und   weil sie sich selbst absichern wollten, indem sie die Aktienanteile   au&#223;erhalb ihres Verantwortungsbereiches transferierten. Sch&#228;tzungen   gehen davon aus, dass sie der Firma von Alan Dand 40.000 britische Pfund   (entspricht rund 45.000,-&#8364;; Anm. d. &#220;bers.) f&#252;r deren Dienste &#252;berwiesen   haben &#8211; w&#228;hrend sie gleichzeitig behaupteten, f&#252;r Abfindungen kein Geld   zu haben.<\/p>\n<p>  All dies ist offenkundig legal. Es zeigt, wie stark Unternehmens- und   Arbeitsrecht im Sinne der Konzernlenker und auf Kosten der ArbeiterInnen   gewichtet sind, die jetzt damit konfrontiert sind, bis zu sechs Monate   auf eine Entscheidung eines Arbeitsgerichts zu warten, um erst dann zu   wissen, ob sie das, was ihnen einwandfrei zusteht, auch erhalten werden.<\/p>\n<h4>  Breite Unterst&#252;tzung<\/h4>\n<p>  Das mutige Handeln der ArbeiterInnen, die die Fabrik kurzerhand besetzt   haben, schlug sich landesweit in den Medien nieder und f&#252;hrte zu viel   Solidarit&#228;t von jungen Leuten, ArbeiterInnen, GewerkschafterInnen und   SozialistInnen in ganz Schottland, Gro&#223;britannien und international.   Samstag sprachen sie bei einer Versammlung der CWU (britische.   Gewerkschaft der Besch&#228;ftigten in der Telekommunikationsbranche; Anm. d.   &#220;bers.) in Dundee, die organisiert wurde, um den Skandal um die drohende   Privatisierung der Royal Mail herauszustellen. Hier wurden &#252;ber 300,-   britische. Pfund (rund 340,-&#8364;; Anm. d. &#220;bers.) f&#252;r die   Prisme-BesetzerInnen gesammelt. Sie erhielten etliche weitere Spenden   und GewerkschafterInnen aus Dundee, Glasgow, Aberdeen und Edinburgh   statten der Fabrik Solidarit&#228;tsbesuche ab. Eine Gruppe von Arbeitern   fuhr am Montag nach Glasgow, um auf einer &#246;ffentlichen Versammlung von   SOLIDARITY zusammen mit Tommy Sheridan und anderen zu sprechen.<\/p>\n<p>  Mitglieder der International Socialists and von SOLIDARITY sind in   starkem Ma&#223;e in die Unterst&#252;tzungsarbeit f&#252;r die an der Besetzung   beteiligten ArbeiterInnen eingebunden. Sie organisieren auch die   politische Unterst&#252;tzung. &#8222;Die Unterst&#252;tzung, die wir bisher erhalten,   ist gro&#223;e klasse. Sie gibt uns das Gef&#252;hl, tausendfach st&#228;rker zu sein.   Leute kamen und schlugen sich mit uns die N&#228;chte um die Ohren, sie   brachten Essen, organisierten Spendensammlungen. Wenn ihr nicht   hingegangen w&#228;ret und eine Reaktion erzwungen h&#228;ttet, dann w&#252;rden wir   immer noch hier sitzen und darauf warten, mit Alan Dand sprechen zu   k&#246;nnen.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Besetzungsaktion, die weiterhin anh&#228;lt, hat gezeigt, dass   Konzernchefs und Arbeitgeber die ArbeiterInnen nicht einfach mit F&#252;&#223;en   treten k&#246;nnen. David Taylor dr&#252;ckte es so aus: &#8222;Wir waren gar nicht so   k&#228;mpferisch; nur kleine Leute, die keine Lust mehr hatten klein zu sein.   Wir sind f&#252;r das, was wir glauben, aufgestanden und darauf sind wir   stolz.&#8220; Die ArbeiterInnen fordern die Offenlegung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher   von Prisme, um zu sehen, wie es um die Lage des Unternehmens wirklich   bestellt war, als sie entlassen wurden. W&#228;hrend sie ihren gesetzlich   verbrieften Rechten nachgehen und die volle Bezahlung der ihnen   zustehenden Betr&#228;ge verlangen, hat eine Anzahl von ArbeiterInnen jetzt   darin zugestimmt, die M&#246;glichkeit der Errichtung einer   Arbeiterkooperative zu verfolgen, um die Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse   sicherzustellen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Wir m&#252;ssen f&#252;r unsere Rechte k&#228;mpfen.&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[17,46],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13061"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13061"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13061\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13061"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13061"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13061"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}