{"id":13050,"date":"2009-03-07T23:00:00","date_gmt":"2009-03-07T23:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13050"},"modified":"2009-03-07T23:00:00","modified_gmt":"2009-03-07T23:00:00","slug":"13050","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13050\/","title":{"rendered":"Ganztagsschule &#8211; keine halbe Sache"},"content":{"rendered":"<p>  Am letzten Mittwoch, den 4. M&#228;rz, machten sich &#252;ber 40 Kinder und Eltern   der Klecks-Grundschule in der Brixener Stra&#223;e auf, um mit Schildern,   Transparenten, Luftballons und Trillerpfeifen vor die   Bezirksverordnetenversammlung von Pankow zu ziehen. &#8222;Wir sind hier, wie   sind laut, weil man uns die Bildung klaut&#8220;, riefen Richard, Dschingis   und Johannes, Sch&#252;ler der 3a, ins Megafon. &#8222;Bildung nicht nur f&#252;r   Reiche&#8220; oder &#8222;Eine Bank m&#252;sste man sein&#8220; war auf den Plakaten zu lesen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Elternvertreter der Klecks-Grundschule in Berlin-Pankow<\/i><\/h4>\n<p>  &#8222;Berlin macht ganztags Schule.&#8220; Damit wirbt der SPD\/LINKE-Senat. Die   Wirklichkeit sieht allerdings anders aus. Die Klecks-Grundschule in   Pankow ist eine Ganztagsschule. Im Flugblatt, das die DemonstrantInnen   w&#228;hrend der Protestaktion an Bezirksverordnete und Passanten verteilten,   hei&#223;t es: &#8222;und Rahmenbedingungen sind f&#252;r das anspruchvolle Ziel nicht   gegeben. Damit das Konzept &#252;berhaupt aufgeht, m&#252;ssen die Eltern der   Klecks-Grundschule f&#252;r die Abdeckung des gebundenen Freizeitbereichs   fast 11.000 Euro beitragen. Das hehre Ziel, auch sozial schw&#228;cheren   Familien gleichen Zugang zur Bildung zu erm&#246;glichen, ist damit nur eine   Redeblase.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Klecks-Grundschule ist zwar eine Ganztagsschule, hat jedoch nicht   genug ErzieherInnen daf&#252;r, im Freizeitbereich Arbeitsgemeinschaften wie   Sport, Musik oder Theater anzubieten. Darum wird mit Vereinen   kooperiert. F&#228;llige Teilnahmegeb&#252;hren m&#252;ssen von den Eltern geschultert   werden.<\/p>\n<p>  Nachdem der Senat auch noch eine Haushaltssperre verh&#228;ngte, wurden den   Eltern der Klecks-Grundschule zus&#228;tzlich zu den 11.000 Euro weitere   2.000 Euro f&#252;r Materialkosten beim Freizeitangebot aufgehalst. Auf der   Gesamtelternvertreter-Sitzung im Januar kam zun&#228;chst der Vorschlag, die   Mehrkosten einfach auf alle Eltern aufzuteilen. Rasch wurden aber   Einw&#228;nde erhoben: &#8222;Wo soll das noch hinf&#252;hren?&#8220; Und: &#8222;Wenn wir st&#228;ndig   alles schlucken, dann werden in den Folgejahren weitere Belastungen auf   uns zu kommen.&#8220; &#8222;Es wird immer mehr Eltern geben, die immer weniger AGen   bezahlen k&#246;nnen. Die Teilnahme an AGen wird bald nur noch vom Geldbeutel   der Eltern abh&#228;ngen. Andere Kinder werden irgendwann nicht mehr betreut   und gef&#246;rdert, sondern nur noch verwaltet.&#8220; Dann wurde vorgeschlagen,   das Wahljahr auszunutzen und allen Politikern Briefe zu schreiben.   &#8222;Werden die nicht einfach nur im Rei&#223;wolf verschwinden?&#8220;, zweifelten   einige. Entschieden wurde schlie&#223;lich, zum einen an   SPD-Bezirksb&#252;rgermeister Matthias K&#246;hne und andere Protestschreiben zu   schicken und zum anderen bei der n&#228;chsten Bezirksverordnetenversammlung   (BVV) zu demonstrieren.<\/p>\n<p>  Alle Eltern wurden auf Elternabenden und per Brief informiert, in der   Schule wurde ein Plakat f&#252;r den Aktionstag ausgeh&#228;ngt, im Kunstraum   wandelten Eltern und Kinder zwei Tage vor dem &#246;ffentlichen Protest   Bettlaken in Transparente um und bemalten Plakate, die Presse wurde zur   Aktion eingeladen. Zudem besorgte man &#252;ber 50 Luftballons mit dem   Aufdruck: &#8222;Mehr Geld f&#252;r Bildung, mehr Geld f&#252;r die Klecks-Grundschule.&#8220;<\/p>\n<p>  Bevor die demonstrierenden Eltern und Kinder vor das BVV-Geb&#228;ude zogen,   machten sie an der Prenzlauer Allee auf ihr Anliegen aufmerksam.   Positive Resonanz kam von Passanten und Autofahrern. Immer wieder wurde   zustimmend gewinkt und gehupt. Per Megafon wurde in Kurzreden darauf   hingewiesen, dass in Krisenzeiten f&#252;r die Banken ein Rettungspaket nach   dem anderen geschn&#252;rt wird. Gefragt wurde: &#8222;Wo bleibt das Rettungspaket   f&#252;r uns?&#8220; Es wurde darauf hingewiesen, dass Senatoren und   Bezirksstadtr&#228;te bei Kindern den Rotsift ansetzen, gleichzeitig aber   Gelder in ein Stadtschloss sowie in andere Prestigeprojekte stecken und   Eigentum der Stadt per Privatisierung verscherbeln.<\/p>\n<p>  Beim Protest vor der BVV informierte sich zun&#228;chst Stefan Strau&#223; von der   Berliner Zeitung. Dann trat die f&#252;r Schule zust&#228;ndige Bezirksstadtr&#228;tin   Lioba Z&#252;rn-Kasztantowicz an DemonstrantInnen heran, um lapidar zu   vermelden, dass kein Geld da sei. Zudem bemerkte sie, dass sich die   Bezirksverordneten in dieser Angelegenheit nicht zust&#228;ndig sehen.   Daraufhin wurde gekontert, dass man &#8211; angesichts von Mangelverwaltung an   Schulen &#8211; keine Politiker braucht, die damit nichts zu tun haben wollen.   Frau Z&#252;rn-Kasztantowicz verwies noch darauf, dass es neben der Klecks   mit der Humboldt noch eine weitere Ganztagsschule im Bezirk geben w&#252;rde.   Als ihr entgegnet wurde, man wolle sich mit dieser gern zusammentun, um   nicht auf Kosten anderer zus&#228;tzliche Gelder zu erhalten, sagte die   Bezirksstadtr&#228;tin: &#8222;Doch. Darum geht es. F&#252;r alle ist auf keinen Fall   genug da. Entweder die einen oder die anderen, aber nicht alle d&#252;rfen   auf einen Zuschuss hoffen.&#8220;<\/p>\n<p>  Mit dem Beginn der BVV-Sitzung zogen alle Eltern und Kinder mitsamt den   Schildern und Transparenten in den Sitzungssaal, um an der   Einwohnerfragestunde teilzunehmen. Iris Drews, Elternvertreterin der 2.   Klasse, begr&#252;ndete die Forderungen nach 11.000 Euro f&#252;r den gebundenen   Freizeitbereich und nach Aufhebung der Haushaltssperre, um die   Mittelk&#252;rzungen bei den Materialien r&#252;ckg&#228;ngig zu machen. Die   Bezirksstadtr&#228;tin Z&#252;rn-Kasztantowicz erkl&#228;rte darauf hin: &#8222;Mit diesem   Anliegen m&#252;ssen Sie sich an den Senat wenden. Die Schule kann gern einen   Antrag auf Erstattung der Materialkosten einreichen. Den werden wir dann   pr&#252;fen. Im &#220;brigen wurde die Schule gerade vollst&#228;ndig saniert; obgleich   uns bekannt ist, dass das Geld f&#252;r die Turnhalle nicht gereicht hat.   Diese ist, wir sind uns dessen bewusst, in keinem guten Zustand.&#8220; Darauf   meldete sich Aron Amm, Elternvertreter in der 3. Klasse, zu Wort: &#8222;Die   Turnhalle ist in der Tat in keinem guten Zustand. Die Heizung stammt aus   dem Jahr 1967. Obwohl die Heizung seit Wochen rund um die Uhr aufgedreht   wird &#8211; energiepolitisch ein Wahnsinn &#8211; , musste der Sportunterricht in   diesem Winter mehr als einmal ausfallen, weil die Halle nicht warm genug   war. Es wurden sogar Stoffe vor die Fenster gelegt, das brachte sogar   drei Grad zus&#228;tzlich!&#8220; Und weiter: &#8222;Es geht uns nicht nur um die   Materialkosten. Die Streichung der Gelder f&#252;r diese Mittel hat bei uns   nur das Fass zum &#220;berlaufen gebracht. Wir sind auch hier, weil wir   einfordern, dass das Freizeitangebot in einer Ganztagsschule f&#252;r alle   geb&#252;hrenfrei sein muss. &#8211; Alle Politiker geben regelm&#228;&#223;ig die   Verantwortung weiter. Das ist nicht neu. Die Bezirkspolitiker verweisen   auf den Senat, die Senatoren auf den Bundestag und die   Bundestagsabgeordneten zeigen mit dem Finger auf die Europ&#228;ische   Kommission&#8230;&#8220;<\/p>\n<p>  Genau aus diesem Grund war auch der Protest n&#246;tig. Es besteht die   M&#246;glichkeit, dass die Materialkosten im Freizeitbereich dank der Aktion   vom Bezirk nochmal &#252;bernommen werden k&#246;nnten. Das w&#228;re ein erster   kleiner Erfolg. N&#246;tig ist aber, dass die gebundene Freizeit vollst&#228;ndig   von der Schulverwaltung gedeckt wird und jegliche K&#252;rzungspl&#228;ne gestoppt   werden. Deshalb werden seitens der Klecks-Eltern weitere Aktivit&#228;ten   angedacht. So ist eine Unterschriftenliste, die auch in Gesch&#228;ften und   Cafes im Kiez ausgelegt werden k&#246;nnte, im Gespr&#228;ch. Zudem ist angedacht,   den Schulterschluss mit Elternvertretern anderer Schulen (die auch schon   einmal kontaktiert wurden) zu suchen. Im Vorfeld der n&#228;chsten   Haushaltsberatungen k&#246;nnten dann gemeinsame Protestaktivit&#228;ten auf den   Weg gebracht werden &#8211; mit dem Ziel, Bildung f&#252;r alle zu erreichen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Am letzten Mittwoch, den 4. 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