{"id":13045,"date":"2009-03-05T01:00:00","date_gmt":"2009-03-05T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13045"},"modified":"2009-03-05T01:00:00","modified_gmt":"2009-03-05T01:00:00","slug":"13045","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13045\/","title":{"rendered":"Rausgeschmissen wegen 1,30 Euro!"},"content":{"rendered":"<p>  Einer Berliner Kassiererin wurde fristlos gek&#252;ndigt. Dabei bleibt es,   ihre Klage wurde vom Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg abgewiesen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Der Kollegin wurde vom &#8222;Arbeitgeber&#8220;, der Einzelhandelskette Kaiser&#180;s,   vorgeworfen zwei Leergutbons im Wert von 1,30 Euro f&#252;r sich selber   eingel&#246;st zu haben. Der eigentliche Grund, so vermutet die Gewerkschaft   verdi und das Solidarit&#228;tskomitee, sei jedoch ein anderer. Die   Kassiererin ist bekennendes Gewerkschaftsmitglied und hat sich an   Streiks beteiligt. Der mutma&#223;liche &#8222;Diebstahl&#8220; war also nur ein Vorwand   um eine unbequeme Arbeiterin loszuwerden.<\/p>\n<h4>  &#8222;Recht&#8220;<\/h4>\n<p>  Der Konzern hat aufgrund einer Denunziation die Kollegin fristlos   entlassen, es gab also keinen Beweis. Das Gericht fand das ok, habe doch   die &#8222;Unschuldsvermutung&#8220; im Arbeitsrecht keinen Platz. Stattdessen   greife hier das &#8222;Prognoseprinzip&#8220;. Zudem m&#252;sse eine Kassiererin   &#8222;unbedingte Zuverl&#228;ssigkeit und absolute Korrektheit zeigen&#8220;! Es ist an   Zynismus kaum zu toppen, was hoch dotierte (Kapitalisten-) Richter f&#252;r   Anforderungen an &#8222;kleine&#8220; Angestellte formulieren, w&#228;hrend in den   letzten Monaten &#252;berall auf der Welt Banken und Hedge Fonds-Yuppies   mehrere Billionen Euro versenkt und damit zig Millionen Menschen die   Existenz genommen haben. Trotzdem bekommen diese zum Dank f&#252;r ihre   &#8222;unbedingte Zuverl&#228;ssigkeit und absolute Korrektheit&#8220; millionenschwere   Boni!<\/p>\n<h4>  Kriminell<\/h4>\n<p>  Durch verschiedenste Berichte und B&#252;cher wei&#223; jeder, wie kriminell die   Arbeitsbedingungen bei den Einzelhandelsketten sind. Egal ob es sich um   Lidl, Aldi oder eben Kaiser&#180;s handelt: Die Besch&#228;ftigten werden mies   bezahlt, &#220;berstunden werden kaum verg&#252;tet, Bespitzelung &#225; la Stasi und   Mobbing durch Vorgesetze sind an der Tagesordnung. Das Auspressen der   Besch&#228;ftigten steht dem Reichtum der Eigent&#252;mer entgegen. Die   Tengelmann- Gruppe ver&#246;ffentlicht zwar nicht den Gewinn. Das Magazin   Forbes f&#252;hrt die Familie Haub als Gesellschafterin des Unternehmens mit   7,8 Milliarden Dollar als acht-reichste Deutsche. Unsere Armut ist euer   Reichtum&#8230;<\/p>\n<h4>  Klassenstaat<\/h4>\n<p>  Wer bislang glaubte es gehe bei Justizia um Recht oder Gerechtigkeit,   wurde hoffentlich durch diesen &#8222;Fall&#8220; eines besseren belehrt. Er belegt   deutlich, was MarxistInnen als Klassenjustiz bezeichnen. In dieser   Gesellschaft haben die Reichen und Konzerne das Sagen. Wir   ArbeitnehmerInnen erwirtschaften den Reichtum, den sich die Kapitalisten   einsacken. Sie kaufen sich die Parteien, ihnen geh&#246;ren die Medien und es   ist ihr Staat. Seine Organe (z.B. Polizei und Gerichte) funktionieren im   Sinne der Herrschenden, daher k&#246;nnen wir nicht auf unser &#8222;Recht   bekommen&#8220; vertrauen.<\/p>\n<h4>  Unmittelbare Folgen<\/h4>\n<p>  Dieses Urteil zeigt generell auf, wie dieses System funktioniert. Es hat   aber auch unmittelbare Folgen. Angesichts der Weltwirtschaftskrise   werden die Unternehmer auf verschiedene Art und Weise versuchen, Leute   zu entlassen. Dieses Urteil ist eine Ermutigung f&#252;r das Kapital rigoros   vorzugehen und es soll die KollegInnen einsch&#252;chtern. Gegen die drohende   Welle von Betriebsschlie&#223;ungen und Entlassungen bedarf es breiten   betrieblichen und gesellschaftlichen Widerstands. Die Demos am 28. M&#228;rz   sollten ein Anfang sein. Lasst uns gemeinsam, auch im Sinne von Kollegin   Barbara auf die Stra&#223;e gehen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Einer Berliner Kassiererin wurde fristlos gek&#252;ndigt. Dabei bleibt es,<br \/>\n      ihre Klage wurde vom Landesarbeitsgericht Berlin-Brandenburg abgewiesen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13045"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13045"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13045\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13045"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13045"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13045"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}