{"id":13043,"date":"2009-03-04T00:00:00","date_gmt":"2009-03-04T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13043"},"modified":"2009-03-04T00:00:00","modified_gmt":"2009-03-04T00:00:00","slug":"13043","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13043\/","title":{"rendered":"Opel-Aktionstag"},"content":{"rendered":"<p>  Tausende demonstrieren &#8211; IG Metall F&#252;hrung gibt keine Antwort<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Angelika Teweleit, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Mindestens 15.000 Opel-ArbeiterInnen demonstrierten gestern in   R&#252;sselsheim f&#252;r den Erhalt ihrer Arbeitspl&#228;tze. Der Protest markiert den   Beginn des Kampfes gegen Entlassungen und Schlie&#223;ungen, die in der   gesamten Automobilbranche im Zuge der Wirtschaftskrise zu erwarten sind.   Denn auch bei Daimler, VW und anderen hat die Kurzarbeit Einzug   gehalten. Drastischer Stellenabbau und Entlassungen in der gesamten   Autoindustrie sind nur eine Frage der Zeit.<\/p>\n<p>  In dieser dramatischen Situation, in der hunderttausende betroffen sein   werden, stellt sich die Frage &#8211; wie ist es denn &#252;berhaupt m&#246;glich, die   Arbeitspl&#228;tze in der Automobilindustrie zu retten? Nachdem bereits in   den letzten Jahren weltweit massive &#220;berkapazit&#228;ten aufgebaut worden   sind, und es bereits in den USA zu Produktionsr&#252;ckgang (minus 17%   zwischen 1999 und 2007) kam, steht die Autobranche jetzt quasi vor einem   Totalcrash. Im Januar ging der Autoabsatz weltweit um ein Viertel   zur&#252;ck. Die weltweite Wirtschaftskrise, an deren Beginn wir erst stehen,   erfasst alle Branchen und L&#228;nder. Das sind die harten Tatsachen, auf die   die Gewerkschaftsbewegung dringend Antworten geben muss.<\/p>\n<h4>  Statt Konkurrenz untereinander &#8211; gemeinsamer Kampf f&#252;r Erhalt aller   Arbeitspl&#228;tze!<\/h4>\n<p>  Die F&#252;hrung der IG Metall gibt sie momentan in keiner Weise. Stattdessen   geben sie der Illusion Nahrung, Opel k&#246;nne sich als &#8222;Traditionsmarke&#8220;   und &#8222;in Freiheit&#8220; von GM auf dem Markt durchsetzen. Bleibt die Frage   offen, was denn mit den KollegInnen bei Daimler, VW oder in der   Autoindustrie anderer L&#228;nder passiert, wenn Opel dann als st&#228;rkster   Konkurrent (was ohnehin dahingestellt bleibt) auf dem Weltmarkt   behauptet. Opelarbeiter gegen Daimlerarbeiter, VW-Arbeiter gegen   Toyota-Arbeiter und so weiter, nur &#8222;der St&#228;rkste&#8220; &#252;berlebt, darauf l&#228;uft   ein solches Konzept hinaus. Das kann kein Weg f&#252;r die KollegInnen sein,   in den n&#228;chsten Wochen und Monaten f&#252;r ihre Arbeitspl&#228;tze zu k&#228;mpfen!   Stattdessen muss der gemeinsame Kampf aller KollegInnen in der   Autoindustrie (und mit den Besch&#228;ftigten anderer Branchen) organisiert   werden!<\/p>\n<h4>  Verzicht ist keine L&#246;sung!<\/h4>\n<p>  Die Strategie der IG Metallf&#252;hrung lautet, wie den Worten von   Gesamtbetriebsratvorsitzenden Franz bei der Kundgebung zu entnehmen war:   weiterem Lohnverzicht und Verschlechterung der Arbeitsbedingungen   zustimmen, und damit Opel konkurrenzf&#228;hig und attraktiv f&#252;r neue   Investoren machen. Es ist genau dieselbe Strategie, die schon seit   Jahren gilt, und mit der ein Verzichtsabkommen nach dem anderen   unterzeichnet wurde. Dasselbe Prinzip wurde auch bei allen anderen   Firmen angewandt und hat so die Spirale nach unten verst&#228;rkt. Den   Stellenabbau hat es nicht gestoppt. Aber auch dabei gibt der   Gesamtbetriebsratsvorsitzende Franz schon im vorhinein klein bei &#8211; ohne   Personalabbau werde es nicht gehen, stimmte er die KollegInnen beim   Aktionstag ein. Das ist ein Eingest&#228;ndnis, dass auch er wei&#223;, wie   brisant die Lage ist. Um so skandal&#246;ser, dass er vorschl&#228;gt, einfach so   weiter zu machen und damit in Kauf nimmt, dass tausende ihre Arbeit   verlieren!<\/p>\n<p>  Sicherlich haben die Kollegen Franz und Huber auch in Krisenzeiten   Aussicht auf ein &#252;berdurchschnittliches Einkommen. Besonders, wenn sie   der Forderung der Arbeitgeber nachkommen, wie Kannegie&#223;er sie k&#252;rzlich   in einem Interview &#228;u&#223;erte: &#8222;Von den Sozialpartnern erwarten wir jetzt   vor allem die Bereitschaft, Konflikte in den Betrieben bew&#228;ltigen zu   helfen, und sie keinesfalls noch zu sch&#252;ren. Wir brauchen jetzt den   Schulterschluss.&#8220; Diesen Schulterschluss brauchen die Unternehmer   deshalb, weil sie wissen, dass angesichts von Massenentlassungen   Gegenwehr auf der Tagesordnung steht. Sie setzen voll auf die   Gewerkschaftsf&#252;hrung, in dieser Situation die Bewegung unter Kontrolle   zu halten. Wenn die IG Metall jetzt Slogans f&#252;r Schaeffler und Opel   rausgibt, die den Eindruck erwecken, als ob Unternehmer und Besch&#228;ftigte   im gleichen Boot sitzen, ist das genau die Politik, die sich Kannegie&#223;er   w&#252;nscht.<\/p>\n<h4>  Initiative von unten n&#246;tig<\/h4>\n<p>  Doch einige KollegInnen sind nicht bereit, eine solche Verzichtspolitik   mitzumachen, wie auf einem der Transparente deutlich wurde: &#8222;Ihr da   oben, das ist nicht unsere Krise &#8211; Kein Verzicht, keine Werksschlie&#223;ung   &#8211; Kampf um jeden Arbeitsplatz!&#8220; Ein anderes Transparent forderte den   6-Stunden-Tag bei vollem Lohn. Das sind die richtigen Ans&#228;tze, mit denen   jetzt KollegInnen von unten beginnen sollten, einen Kampf f&#252;r die   Verteidigung aller Arbeitspl&#228;tze und Werke beginnen sollten.<\/p>\n<p>  Die KollegInnen bei Opel k&#246;nnen auf wichtige Arbeitskampferfahrungen   zur&#252;ck greifen. Besonders ist der siebent&#228;gige wilde Streik im Oktober   2004 bei Opel Bochum zu nennen. Hier waren die KollegInnen gezwungen,   den Kampf gegen die drohende Schlie&#223;ung beziehungsweise   Massenentlassungen von unten zu organisieren, weil die IG Metall F&#252;hrung   nicht bereit dazu war. Auch wenn es letztlich nicht gelang, die   Kontrolle von unten zu behalten, und der Kampf von oben abgebrochen   wurde, war der Erhalt des Werkes ein Resultat der Initiative von unten.   F&#252;r die Zukunft muss als Lehre gezogen werden, dass die Kontrolle &#252;ber   den Kampf f&#252;r Arbeitspl&#228;tze bei den betroffenen KollegInnen bleibt, wenn   eigene Streikleitungen aus dem Kreis der KollegInnen gew&#228;hlt werden, die   voll in der Rechenschaftspflicht gegen&#252;ber der gesamten Belegschaft   sind. Auf regelm&#228;&#223;igen Versammlungen m&#252;ssen KollegInnen informiert   werden, &#252;ber die n&#228;chsten Schritte beraten und abgestimmt werden. Alle   Verhandlungen m&#252;ssen transparent gemacht werden und Vereinbarungen erst   nach der Zustimmung der Belegschaft geschlossen werden. Alle   Streikf&#252;hrerInnen und Verhandlungsf&#252;hrer m&#252;ssen jederzeit abw&#228;hlbar sein.<\/p>\n<h4>  Was tun?<\/h4>\n<p>  In allen Werken sollten Betriebsversammlungen und Treffen der   Vertrauensleute, und in allen Gliederungen der Gewerkschaft   Mitgliederversammlungen stattfinden, um &#252;ber Kampfma&#223;nahmen zu beraten.   Es gilt, von unten Kontakte zwischen den verschiedenen Werken in   Deutschland und international herstellen. Auch der Kontakt zu   AutomobilarbeiterInnen in anderen Konzernen wie Daimler, VW,   Zulieferbetrieben und so weiter, die ebenfalls schon von Kurzarbeit   betroffen sind, muss jetzt aufgebaut werden.<\/p>\n<p>  Am 28.3. sind in Berlin und Frankfurt Demonstrationen unter dem Motto   &#8222;Wir zahlen nicht f&#252;r eure Krise&#8220; angesetzt. Diese werden zur Zeit von   der IG Metall und DGB F&#252;hrung nicht unterst&#252;tzt, aber bereits von   einigen lokalen Untergliederungen. Sie k&#246;nnten als Bezugspunkt genutzt   werden, um darauf zu orientieren, dass der Kampf jetzt gemeinsam gef&#252;hrt   werden muss. Doch demonstrieren alleine reicht nicht. Viele Beispiele   aus der j&#252;ngsten Vergangenheit machen das deutlich. Alle Appelle an   Politiker zum Beispiel beim Fall Nokia Bochum haben letztlich nichts   gebracht. Die H&#228;lfte aller KollegInnen dort hat bis heute keinen neuen   Job. Daher steht, ausgehend von gemeinsamen Protesten und Streiks, jetzt   auf der Tagesordnung, &#252;ber die Besetzung von Betrieben zu diskutieren,   die von Kurzarbeit, Stellenabbau oder Schlie&#223;ung bedroht sind,   angefangen bei den Opelwerken.<\/p>\n<p>  Diese Kampfschritte m&#252;ssen mit klaren Vorstellungen verbunden werden,   welche Forderungen aufzustellen sind. Alle Vorstellungen, dass Opel   gerettet werden k&#246;nne, wenn es einen neuen Investor findet, wenn es   staatliche Gelder gibt oder &#228;hnliches, sind nichts als Trostpflaster.   Sie sollen die Funktion haben, einen konsequenten Kampf um den Erhalt   der Werke zu stoppen.<\/p>\n<h4>  Verstaatlichung, demokratische Kontrolle und Verwaltung<\/h4>\n<p>  Eine Verteidigung ALLER Arbeitspl&#228;tze ist nur m&#246;glich, wenn Opel und die   gesamte Autobranche aus den H&#228;nden der Konzernchefs genommen wird, d.h.   komplett verstaatlicht und unter demokratischer Kontrolle und Verwaltung   der arbeitenden Bev&#246;lkerung weiter gef&#252;hrt wird. (siehe weitere Artikel,   u.a. St&#246;rfaktor &#8222;Chef&#8220; abschaffen). Denn auf dieser Grundlage k&#246;nnte   statt f&#252;r Profite f&#252;r die Menschen produziert werden. Eine demokratische   Planung f&#252;r die Erstellung gesellschaftlich und &#246;kologisch sinnvoller   Produkte k&#246;nnte erfolgen. Ohne den Konkurrenzdruck durch den   kapitalistischen Markt k&#246;nnte die Arbeit menschlich gestaltet werden,   mit genug Pausen und nicht-krank-machenden Taktzeiten. Die Arbeit k&#246;nnte   auf alle verteilt werden, durch eine drastische Arbeitszeitverk&#252;rzung   bei vollem Lohn- und Personalausgleich.<\/p>\n<p>  Es ist dringend, dass die Diskussion &#252;ber die notwendigen Kampfschritte   jetzt an der Basis, in den Betrieben und in den Untergliederungen der IG   Metall gef&#252;hrt wird. Die SAV unterst&#252;tzt alle, die den Kampf f&#252;r alle   Arbeitspl&#228;tze jetzt konsequent organisieren wollen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Tausende demonstrieren &#8211; IG Metall F&#252;hrung gibt keine Antwort\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13043"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13043"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13043\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13043"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13043"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13043"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}