{"id":13041,"date":"2009-03-04T00:00:00","date_gmt":"2009-03-04T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13041"},"modified":"2009-03-04T00:00:00","modified_gmt":"2009-03-04T00:00:00","slug":"13041","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13041\/","title":{"rendered":"Milliard&#228;rin auf Betteltour"},"content":{"rendered":"<p>  Schaeffler-Gruppe kommt in Bredouille &#8211; Staat soll helfen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Das Unternehmen hat im vergangenen Jahr die Continental AG   geschluckt. Durch die weltweite Krise droht nun der Happen im Halse   stecken zu bleiben.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Die Schaeffler KG geh&#246;rt zu den gr&#246;&#223;ten Familienbetrieben in   Deutschland. Der Zulieferer f&#252;r die Auto- und Maschinenbauindustrie   hatte im vergangenen Jahr 66.000 Besch&#228;ftigte und setzte knapp neun   Milliarden Euro um. &#220;ber den Gewinn schweigt das nicht b&#246;rsennotierte   Unternehmen beharrlich. Die IG Metall sch&#228;tzte diesen im vergangenen   Jahr auf 13-15 Prozent vom Umsatz. Die Familie geh&#246;rt laut   US-Wirtschaftsmagazin Forbes mit einem Verm&#246;gen von 5,4 Milliarden Euro   zu den 100 reichsten Menschen der Welt.<\/p>\n<h4>  Gewagtes Man&#246;ver<\/h4>\n<p>  Im Juli 2008 setzten die Schaefflers zum gro&#223;en Sprung an. Sie wollten   die dreimal gr&#246;&#223;ere Continental AG &#252;bernehmen. Zum damaligen Zeitpunkt   ein gewagtes, aber aus Sicht der Familie durchaus sinnvolles   Unterfangen. Mit Beginn der Finanzkrise in den USA, Ende 2007, gab es an   der B&#246;rse drastische Einbu&#223;en. Die Kurse purzelten schier unaufhaltsam   in den Keller. So erging es auch der Aktie von Conti. Somit war der   Zeitpunkt g&#252;nstig, f&#252;r relativ wenig Geld einen gro&#223;en Konkurrenten zu   kaufen, der zu den gr&#246;&#223;eren Anbietern der Autozulieferer z&#228;hlt. Durch   die Fusion sollte einer der weltweit f&#252;hrenden Konzerne in diesem   Segment geschaffen werden.<\/p>\n<h4>  Krise<\/h4>\n<p>  Mitten in den Verhandlungen kamen nun zwei Faktoren zum Tragen, mit   denen die Schaefflers nicht gerechnet hatten. Zum einen offenbarten sich   bei Conti schwerwiegende Probleme. Erst ein Jahr zuvor hatte der Konzern   mit Sitz in Hannover, den Autozulieferer VDO von Siemens zu einem   &#252;berteuerten Preis gekauft. Die Fusion erwies sich vom organisatorischen   und technischen Aspekt her schwieriger als erwartet. Zudem hatte sich   Conti, um diesen Deal stemmen zu k&#246;nnen weiter verschulden m&#252;ssen.   Entscheidend war jedoch der Kollaps an den internationalen   Finanzm&#228;rkten. Dieser traf Schaeffler wie ein Blitz, sollte doch die   &#220;bernahme von Conti durch ein Bankenkonsortium (Commerzbank, Dresdner   Bank, UBS usw.) finanziert werden. Die Banken gaben einen   16-Milliarden-Euro-Kredit und bekamen Aktien als Sicherheit. Mit dem   dramatischen Verfall der Aktien weltweit und den massiven Problemen, mit   denen die Banken seither zu k&#228;mpfen haben, droht nun der Deal zu platzen   und beide Unternehmen in den Abgrund zu rei&#223;en. Vor diesem Hintergrund   funkten die Eigent&#252;mer Maria-Elisabeth und ihr Sohn Georg Schaeffler   SOS. Der Staat solle Hilfe leisten sonst seien zehntausende   Arbeitspl&#228;tze in Gefahr.<\/p>\n<h4>  Diskussionen in Regierung<\/h4>\n<p>  Angesichts der Zunahme von staatlichen Interventionen bei ins Straucheln   geratenen Betrieben, gibt es auch im Zusammenhang mit Schaeffler eine   Grundsatzdiskussion in den Reihen der Regierungskoalition und Medien.   Politiker der Union tendieren eher zu Staatshilfen (z.B. &#252;ber   B&#252;rgschaft), was daran liegen d&#252;rfte, dass Schaeffler und Continental in   erster Linie in Bayern und Niedersachsen produzieren, die von CSU bzw.   CDU regiert werden. Die Sozialdemokraten, allen voran Finanzminister   Steinbr&#252;ck, lehnen dies bislang ab.<\/p>\n<h4>  IGM-F&#252;hrung als &#8222;Retter&#8220;?<\/h4>\n<p>  Als Retter in der Not bietet sich nun die IG Metall-Spitze an. Vor   wenigen Tagen schloss der Vorsitzende Berthold Huber mit den Eigent&#252;mern   ein Abkommen. Dieses sieht vor, dass die IGM das Anliegen der   Schaefflers nach staatlicher Hilfe unterst&#252;tzt. Im Gegenzug bekommt das   Unternehmen jene Mitbestimmung, mit parit&#228;tisch besetztem Aufsichtsrat,   wie es sie nur in Konzernen gibt. Dies ist ein weitgehendes Zugest&#228;ndnis   der Kapitalisten, war die Unternehmensgruppe bisher f&#252;r ihre rabiaten   Methoden im Umgang mit den Arbeitnehmern und Betriebsr&#228;ten bekannt.   Zudem haben sich die Eigent&#252;mer dazu bereit erkl&#228;rt, Platz f&#252;r andere   Investoren zu machen und den Besch&#228;ftigten angeboten, sich am Betrieb zu   beteiligen.<\/p>\n<h4>  Druck von unten<\/h4>\n<p>  Das Vorgehen der IGM-F&#252;hrung f&#252;hrt die Besch&#228;ftigten in die Irre und   wird nicht zur Rettung der Arbeitspl&#228;tze beitragen. Wie   selbstverst&#228;ndlich rufen jene Kapitalisten nach staatlicher Rettung mit   Steuergeldern, die jahrelang horrende Profite einkassiert und   staatliches Eingreifen als Teufelszeug abgetan haben. Bevor irgendwas   passiert, haben diese reichen Herrschaften erstmal ihre Gesch&#228;ftsb&#252;cher   offen zu legen. Die Besch&#228;ftigten und die Gesellschaft haben das Recht   zu erfahren, wo all die Milliarden geblieben sind und wer sich dumm und   d&#228;mlich verdient hat. Richtig ist, f&#252;r die Fehler des Managements und   die allgemeine Krise des Kapitalismus d&#252;rfen nicht die Besch&#228;ftigten   bluten. Es muss um den Erhalt aller Standorte und Arbeitspl&#228;tze bei   Schaeffler und Conti in Deutschland und International gek&#228;mpft werden.   Aber daf&#252;r muss die IGM ein von den Kapitalisten unabh&#228;ngiges Programm   haben und nicht am Rockzipfel von Frau Schaeffler h&#228;ngen und zu   gemeinsamen Demonstrationen mit der Firmenspitze aufrufen, also quasi   einen Burgfrieden vereinbaren. Schaut man sich die Politik von Huber und   Co in den vergangenen Jahren an, so verwundert deren Vorgehen nicht   wirklich. Sie verstehen sich als Co-Manager. Sie wollen die Interessen   der Besch&#228;ftigten im Einklang mit den Bossen vertreten. Im Notfall sind   sie immer bereit &#8222;zur Verteidigung des Standortes Deutschland&#8220;, d.h der   Profitinteressen der deutschen Unternehmer die L&#246;hne zu senken. Die   Interessen der Schaefflers und der Besch&#228;ftigten sind jedoch komplett   entgegengesetzt. Daher ist es n&#246;tig, dass jetzt bei   Betriebsversammlungen und Treffen der IGM-Vertrauensleute von unten f&#252;r   einen radikal anderen Kurs gek&#228;mpft wird. Die Besch&#228;ftigten beider   Firmen m&#252;ssen gemeinsam f&#252;r Aktionen und Demonstrationen mobilisiert   werden. Durch Streiks und notfalls Besetzungen kann der Druck erh&#246;ht und   beabsichtigte Fabrikschlie&#223;ungen gekontert werden. Zudem sollten   AktivistInnen den Kontakt zu anderen Belegschaften, z.B. Opel suchen, um   die verschiedenen Ans&#228;tze von Widerstand gegen Regierung und Kapital zu   verbinden. Die Demos gegen die Krisenpolitik der Bundesregierung am   28.3. in Berlin und Frankfurt k&#246;nnen dabei ein wichtiger Bezugspunkt   sein.<\/p>\n<h4>  Konzerne enteignen<\/h4>\n<p>  Schaeffler und Konsorten haben den Karren in den Dreck gefahren. Sie   m&#252;ssen mit ihrem Milliardenverm&#246;gen zur Kassen gebeten und enteignet   werden. Selbiges gilt f&#252;r die Gro&#223;aktion&#228;re von Continental. Die beiden   Betriebe geh&#246;ren zusammen in staatliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt. Die   Arbeitspl&#228;tze k&#246;nnen dann mit einer radikalen Arbeitszeitverk&#252;rzung -bei   vollem Lohn und Personalausgleich- auf 30 Stunden gerettet werden.   Besch&#228;ftigte, gewerkschaftliche Vertrauensleute und VetreterInnen der   Allgemeinheit k&#246;nnen dann demokratisch die Betriebe leiten. Diese   KollegInnen sollten jederzeit abw&#228;hlbar sein und nicht mehr verdienen   als Facharbeiter. Eine solche sozialistische Verstaatlichung h&#228;tte   nichts zu tun mit der Art von staatskapitalistischen Verstaatlichungen,   die in Teilen der Bundesregierung diskutiert werden.<\/p>\n<p>  Durch demokratische Kontrolle und Verwaltung k&#246;nnte man gew&#228;hrleisten,   dass sich keine abgehobene Schicht von Funktion&#228;ren entwickeln k&#246;nnte,   wie es sie heute in den Gewerkschaften und vielen Betriebsr&#228;ten der   Gro&#223;industrie gibt. Im Rahmen des Kapitalismus ist eine solche   Entwicklung, begrenzt auf einige wenige Betriebe nicht auf Dauer   m&#246;glich. Die komplette Autoindustrie und deren Zulieferer m&#252;ssen ebenso   in gesellschaftliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden. Daf&#252;r ist ein Bruch mit   den Zw&#228;ngen der kapitalistischen Marktwirtschaft n&#246;tig. Im Rahmen einer   demokratisch geplanten Wirtschaft w&#228;re der Umbau der Branche m&#246;glich,   ohne dass Arbeitspl&#228;tze verloren gehen. Statt Millionen Autos zu   produzieren, die massiv die Umwelt sch&#228;digen, k&#246;nnte mit der Umstellung   auf die Produktion von Fahrzeugen f&#252;r den &#214;ffentlichen Nahverkehr (Bus   und Bahn) begonnen werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Schaeffler-Gruppe kommt in Bredouille &#8211; Staat soll helfen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,17],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13041"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13041"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13041\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13041"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13041"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13041"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}