{"id":13039,"date":"2009-03-21T00:00:00","date_gmt":"2009-03-20T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13039"},"modified":"2012-07-21T14:09:54","modified_gmt":"2012-07-21T12:09:54","slug":"13039","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/03\/13039\/","title":{"rendered":"Woher kommt die kapitalistische Krise?"},"content":{"rendered":"<p>  Wie der Kapitalismus regelm&#228;&#223;ig die ganze Gesellschaft in den Abgrund   rei&#223;t<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Die aktuelle Krise wirft f&#252;r Milliarden die Frage auf, wie sie in   Zukunft &#252;ber die Runden kommen werden. Damit bekommt aber auch die   Debatte &#252;ber das Profitsystem und m&#246;gliche Alternativen neue Dynamik.   Selbst die Herrschenden greifen zu Verstaatlichungen und werfen sich   wechselseitig &#8222;Sozialismus&#8220; vor. Der Marxismus und sein Verst&#228;ndnis von   den wirtschaftlichen Zusammenh&#228;ngen im Kapitalismus sind erneut gefragt.   Der hier vorliegende Text kann dabei nur ein Einstieg sein und die   grundlegenden Zusammenh&#228;nge aus marxistischer Sicht anrei&#223;en. Frei nach   Karl Marx, nicht um die Welt verschieden zu interpretieren, sondern um   den Kapitalismus abzuschaffen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Stephan Kimmerle, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Der Motor des Kapitalismus ist der Profit. Kapital ist Geld, das   eingesetzt wird, um zu mehr Geld zu werden. H&#246;rt ein Kapitalbesitzer   auf, sein Verm&#246;gen immer wieder als Kapital einzusetzen, so droht seinem   Reichtum die Entwertung: Seine Fabrik veraltet, die Konkurrenz verdr&#228;ngt   ihn, sein Geld verliert an Wert.<\/p>\n<p>  Der Prozess, aus Geld mehr Geld zu machen, ist nie abgeschlossen und hat   kein Ziel, au&#223;er eben der Selbstverwertung des Kapitals. Die   Grenzenlosigkeit dieses Kreislaufs erzeugt die &#8222;Gier&#8220; der Kapitalisten.   Es ist keine pers&#246;nliche Charaktereigenschaft von schlechten   Investment-Bankern und auch nicht nur der Gr&#246;&#223;enwahn einzelner   Marktteilnehmer. Es ist der Zwang des Kapitals, der die Herrschenden   antreibt. Mensch und Umwelt sind nur noch Mittel zu diesem Zweck. Damit   treten die Kapitalisten verschiedene widerspr&#252;chliche Prozesse los, die   sich periodisch in Krisen entladen.<\/p>\n<h4>  Gesellschaftliche Produktion und private Aneignung<\/h4>\n<p>  Die Kapitalisten sehen ihr Geld als Quelle sprudelnden Reichtums. Doch   es ist banal: Noch nie hat jemand Geld arbeiten sehen. Der Reichtum   einer Gesellschaft entspringt menschlicher T&#228;tigkeit und der   vorgefundenen Ressourcen der Umwelt. Neue Werte entstehen nur durch   Arbeit. Je h&#246;her der Stand der Produktivkr&#228;fte (Entwicklung der   Maschinen, Ausbildungsgrad der ArbeiterInnen&#8230;), umso effizienter   geschieht das.<\/p>\n<p>  In weltweiter Arbeitsteilung greifen viele einzelne T&#228;tigkeiten heute   ineinander, um die Herstellung von G&#252;tern zu bewerkstelligen. Diese   Produktion erfolgt nicht mehr individuell, sondern gesellschaftlich und   f&#252;r die Gesellschaft: Niemand kann diese Produkte allein herstellen.   Niemand braucht 100.000 mal das gleiche Produkt; erst durch die   gesellschaftliche Arbeitsteilung und die gesellschaftlichen Verteilung   macht das Sinn.<\/p>\n<p>  In der Klassengesellschaft des Kapitalismus geh&#246;ren die   Produktionsmittel (Fabriken, Rohstoffe&#8230;) den Kapitalisten. Die gro&#223;e   Masse der Bev&#246;lkerung besteht aus Menschen, die aus wirtschaftlicher   Sicht nichts anderes haben, als ihre Arbeitskraft. Durch deren Verkauf   erhalten sie Lohn oder Gehalt, um ihre Arbeitskraft zu regenerieren.<\/p>\n<p>  Die Arbeiterklasse bekommt also ihre Arbeitskraft bezahlt. Das Produkt   ihrer Arbeit geh&#246;rt jedoch dem Kapitalisten. Er eignet es sich an. Darin   liegt die Ausbeutung: Die Differenz ergibt einen Mehrwert f&#252;r die   Kapitalisten. Jeder einzelne Unternehmer ist bestrebt, diesen Mehrwert   zu vergr&#246;&#223;ern und daf&#252;r die Produktion und die Produktivit&#228;t immer   weiter zu steigern.<\/p>\n<p>  Ob die Kapitalisten diesen Mehrwert zu ihrem Profit machen k&#246;nnen, h&#228;ngt   davon ab, ob sie die so entstandenen Waren auf dem Markt verkaufen   k&#246;nnen. Das geht nur, wenn kaufkr&#228;ftige Nachfrage vorhanden ist.<\/p>\n<p>  Marx erl&#228;uterte die Entstehung von Mehrwert und Profit in einem Vortrag   ausf&#252;hrlich und recht gut verst&#228;ndlich, der als Brosch&#252;re, &#8222;Lohn, Preis   und Profit&#8220;, bekannt wurde.<\/p>\n<h4>  Die Verteilung der Produkte findet auf eine durch die   Klassengesellschaft diktierte widerspr&#252;chliche Art statt:<\/h4>\n<p>  1. Die Masse der Bev&#246;lkerung erh&#228;lt als Lohn- und Gehaltsempf&#228;ngerInnen   m&#246;glichst wenig, um die Profite zu steigern. Sie kann immer nur einen   Teil der Waren kaufen, die sie produziert. Der gesunkene Lebensstandard   der Arbeiterklasse durch die Offensive der Kapitalisten in den letzten   Jahren hat dies weiter reduziert.<\/p>\n<p>  2. Der Luxusbereich dr&#252;ckt die Ungleichheit zwar am Krassesten aus. Er   spielt von der Gesamtsumme her auf alle Waren bezogen jedoch keine gro&#223;e   Rolle.<\/p>\n<p>  3. Die Kapitalisten investieren in die Produktion. Das geschieht aber   nicht konstant. Sie m&#252;ssen auf der einen Seite ihr Kapital anlegen, um   es zu erhalten und zu vermehren. Auf der anderen Seite machen sie das   nur dann und dort, wo es f&#252;r sie attraktive Profitraten gibt. &#8222;Die   Profitrate ist die treibende Macht in der kapitalistischen Produktion,   und es wird nur produziert, was und soweit es mit Profit produziert   werden kann&#8220; (Karl Marx, &#8222;Das Kapital&#8220;).<\/p>\n<p>  Friedrich Engels ordnet die kapitalistische Entwicklung in &#8222;Sozialismus   von der Utopie zur Wissenschaft&#8220; historisch ein. In dieser Schrift   werden einige Grundlagen des Marxismus recht &#252;bersichtlich und   verst&#228;ndlich erl&#228;utert. Den Zusammenhang zwischen diesem   Grundwiderspruch und dem Kapitalismus selbst beleuchtet Engels bei der   Entstehung des Kapitalismus: &#8222;Die Scheidung war vollzogen zwischen den   in den H&#228;nden der Kapitalisten konzentrierten Produktionsmitteln hier   und den auf den Besitz von nichts als ihrer Arbeitskraft reduzierten   Produzenten dort. Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion   und kapitalistischer Aneignung tritt an den Tag als Gegensatz zwischen   Proletariat [Arbeiterklasse] und Bourgeoisie [Kapitalistenklasse].&#8220;<\/p>\n<h4>  Ungeplante, anarchische Produktion<\/h4>\n<p>  Wirtschaftliche Entscheidungen werden im Kapitalismus unabh&#228;ngig   voneinander, ungeplant und daher nicht aufeinander abgestimmt gef&#228;llt.   Dieses System ist anarchisch. Das allein l&#246;st immer wieder Krisen im   Sinne von Ungleichgewichten aus.<\/p>\n<p>  Erscheint zum Beispiel die Produktion in einem Bereich besonders   lukrativ, so wird von verschiedenen Kapitalisten unabh&#228;ngig &#8211; und   m&#246;glichst geheim &#8211; entschieden, hier Produktionskapazit&#228;ten aufzubauen.   Erst nachdem produziert wurde, also nachdem Ressourcen in den Bau der   Maschinen, die F&#246;rderung und Produktion der Rohstoffe, die Fertigung der   Waren geflossen sind, erst ganz am Ende wird beim Verkauf festgestellt:   Von diesen Produkten gibt es viel zu viele! Die Preise werden gesenkt,   Kapital wandert ab, andere Bereiche werden gef&#246;rdert.<\/p>\n<p>  Diese ungeplante Produktion steht einer f&#252;r alle vorhergehenden   Gesellschaften unvorstellbare Planung im einzelnen Konzern gegen&#252;ber. In   Engels&#8217; Worten, wieder aus &#8222;Sozialismus von der Utopie zur   Wissenschaft&#8220;: &#8222;Der Widerspruch zwischen gesellschaftlicher Produktion   und kapitalistischer Aneignung stellt sich nun dar als Gegensatz   zwischen der Organisation der Produktion in der einzelnen Fabrik und der   Anarchie der Produktion in der ganzen Gesellschaft.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Entwicklung von &#220;berproduktion und &#220;berkapazit&#228;ten (der M&#246;glichkeit,   viel mehr zu produzieren) wird systematisch verst&#228;rkt. Beispiel   Autoindustrie: Obwohl schon im letzten Jahrzehnt weltweit rund 70   Millionen Autos im Jahr produziert werden konnten und nur rund 50   Millionen verkauft wurden, investierten die Konzerne st&#228;ndig in neue   Fabriken. Weitere &#220;berkapazit&#228;ten wurden aufgebaut. Der Zwang dahinter:   Kann ein Kapitalist mit Hilfe von Maschinen produktiver, das hei&#223;t   g&#252;nstiger produzieren, so kann er einen Extraprofit f&#252;r sich gewinnen   und seinen Konkurrenten Marktanteile abnehmen. Macht das jedoch ein   Konzern, so zwingt die Konkurrenz alle anderen mitzuhalten. Verpasst ein   Konzern den Einsatz solcher Produktionsmethoden, wird er vom Markt   verdr&#228;ngt.<\/p>\n<h4>  Profitraten<\/h4>\n<p>  &#220;berproduktion und -kapazit&#228;ten entstehen auf der Jagd nach h&#246;heren   Gewinnen. Sie dr&#252;cken jedoch gleichzeitig auf die Profitraten (das ist   der Profit im Verh&#228;ltnis zum eingesetzten Kapital):<\/p>\n<p>  Erstens stellt sich das angesprochene &#8222;Abwandern&#8220; von Kapital in andere   Bereiche komplizierter dar: Es wurden Fabriken gebaut, Maschinen   gekauft, Vertr&#228;ge abgeschlossen. Kurz: Ein Teil des Kapitals ist   stofflich gebunden. Es minimiert den Schaden aus Sicht eines   Einzelkapitalisten, wenn er niedrigere Profite akzeptiert &#8211; Hauptsache,   es gibt &#252;berhaupt einen Teil wieder.<\/p>\n<p>  Zweitens greift der Einsatz von mehr Kapital f&#252;r bessere Maschinen und   Fabriken grundlegend in die Produktion von neuen Werten ein: Nur aus der   Arbeit der Besch&#228;ftigten entstehen neue Werte. Ausgaben f&#252;r Maschinen   und Rohstoffe &#252;bertragen sich nur anteilig auf die produzierten Waren.   Hier entsteht kein neuer Wert. Der Einsatz von immer besseren, gr&#246;&#223;eren   und teureren Maschinen dient zun&#228;chst dazu, g&#252;nstiger als die   Konkurrenten zu produzieren und damit einen Extraprofit zu erm&#246;glichen.   Gleichzeitig senkt das aber den Anteil der Arbeit an der Produktion. Nur   hier entsteht jedoch Mehrwert. Die Profitrate sinkt.<\/p>\n<p>  Da es hier auch entgegen wirkende Faktoren gibt, handelt es sich nicht   um einen geradlinigen Niedergang (Marx spricht vom &#8222;tendenziellen Fall   der Profitrate&#8220;). Im Gegenteil: Der Konjunkturzyklus des Kapitalismus   h&#228;ngt eng mit dem Schwanken der Profitrate zusammen.<\/p>\n<h4>  Regelm&#228;&#223;ig wiederkehrende Krisen<\/h4>\n<p>  Modellhaft beschrieben: Im Aufschwung sinken die Profitraten. Das kann   unterschiedliche Ursachen haben: In ihr dr&#252;ckt sich zum Beispiel die   eben angesprochene Tendenz aus. Ein Faktor k&#246;nnen aber auch, wie am Ende   des Nachkriegsaufschwungs sichtbar, h&#246;here L&#246;hne sein, die eine relativ   starke Arbeiterklasse in den f&#252;hrenden kapitalistischen L&#228;ndern auf   Kosten der Profite erk&#228;mpfen konnte. (Der Fehler war hier nicht, h&#246;here   Einkommen durchzusetzen, sondern das Problem war, dass der Kapitalismus   mit seinen Mechanismen nicht abgeschafft wurde, obwohl es immer wieder   revolution&#228;re Bestrebungen dazu gab.) Heute sind es vor allem   &#220;berproduktion und -kapazit&#228;ten, die bei einer durch die neoliberale   Politik gedr&#252;ckten Nachfrage der Masse der Arbeiterklasse zu sinkenden   Profiten f&#252;hrt.<\/p>\n<p>  Diese sinkende Profitrate f&#252;hrt zu einer Zur&#252;ckhaltung der Kapitalisten   bei der Re-Investition ihrer Profite. Sie suchen nach anderen   Verwertungsm&#246;glichkeiten. Es kommt zu einer &#220;beranh&#228;ufung   (&#220;berakkumulation) von Kapital. Das senkt die Nachfrage nach Waren   (zun&#228;chst: Investitionsg&#252;ter) und leitet die Krise ein. Die   Arbeitslosigkeit steigt (was die Nachfrage auch nach Konsumg&#252;tern   zus&#228;tzlich beschneidet). Die Profitraten schwinden weiter, die Krise   weitet sich aus. In dieser Krise zeigt sich, dass die &#8222;H&#246;he der   Profitrate &#252;ber Ausdehnung oder Beschr&#228;nkung der Produktion entscheidet,   statt des Verh&#228;ltnisses der Produktion zu den gesellschaftlichen   Bed&#252;rfnissen&#8220; (Marx, &#8222;Das Kapital&#8220;).<\/p>\n<p>  In der Krise wird Kapital vernichtet und entwertet. Werke werden   geschlossen, Konzerne gehen pleite. &#220;berkapazit&#228;ten werden &#8222;beseitigt&#8220;.   So kann &#8211; bezogen auf das &#252;briggebliebene Kapital &#8211; wieder mehr Profit   produziert werden. Es lohnt sich wieder, zu investieren und ein neuer   Investitionszyklus bringt auch einen neuen Sprung an Produktivit&#228;t. Die   Profitraten steigen. Eine neuer Konjunkturzyklus kann beginnen.<\/p>\n<h4>  Mehr als eine Konjunkturkrise<\/h4>\n<p>  Die aktuelle Krise des Kapitalismus ist mehr als eine solche   Konjunkturkrise. Der gesamte Rahmen der Kapitalverwertung der letzten 30   Jahre von Globalisierung und Neoliberalismus ist am Zusammenbrechen. Das   hei&#223;t nicht, dass neoliberale Angriffe oder Privatisierungen vor&#252;ber   sind. Es bedeutet, dass die Antwort der Kapitalisten auf die tiefe Krise   Mitte der siebziger Jahre nun selbst an den von ihr hervorgebrachten   Widerspr&#252;chen kollabiert.<\/p>\n<p>  Mitte der siebziger Jahre kam der Nachkriegsaufschwung zu Ende. Die   Entwicklung der Produktivit&#228;t verlangsamte sich, der Aufschwung hatte zu   Arbeitskr&#228;ftemangel gef&#252;hrt, die Arbeiterklasse konnte eine gewisse   St&#228;rke im Klassenkampf erreichen und h&#246;here L&#246;hne durchsetzen. Es gab in   der Folge zu viel Kapital, das nicht genug M&#246;glichkeiten fand,   Arbeitskr&#228;fte profitabel auszubeuten. Die wirtschaftliche Ordnung der   Nachkriegszeit brach zusammen. Eine Phase von Stagnation und Depression   des Kapitalismus begann.<\/p>\n<p>  Bei den Kapitalisten setzte sich daraufhin der Fl&#252;gel durch, der mit   einem neoliberalen Regime versuchte, die Profite zu sichern. Sie   starteten eine Offensive gegen die Errungenschaften der Arbeiterklasse   und griffen &#8211; verst&#228;rkt nochmal nach dem Zusammenbruch der   stalinistischen Staaten 1989\/91 &#8211; den Lebensstandard der Arbeiterklasse   an. Die Produktivit&#228;t wurde auch durch eine Intensivierung der   Ausbeutung gesteigert. M&#228;rkte wurden aufgebrochen. Die &#220;berakkumulation   von Kapital dr&#228;ngte auf den Finanzsektor und f&#252;hrte zu dessen Aufbl&#228;hung.<\/p>\n<p>  In den Jahrzehnten nach der Krise der Siebziger gelang den Kapitalisten   eine neue Phase von Anh&#228;ufung von Profiten, auch wenn bei den folgenden   Konjunkturzyklen die zugrunde liegenden Probleme immer wieder sichtbar   wurden. In den letzten Jahren &#252;bert&#252;nchte das doppelte Defizit der USA   (Au&#223;enhandelsdefizit sowie enorme staatliche und private Verschuldung)   die &#220;berkapazit&#228;ten durch einen &#8222;letzten Abnehmer&#8220;: die KonsumentInnen   und der Staat in den USA. Nur die USA als wirtschaftlich und politisch   st&#228;rkste Macht konnten so eine Rolle spielen. J&#228;hrlich wurden in den USA   fast 900 Milliarden US-Dollar an Schulden beim Rest der Welt &#252;ber die   letzten Jahre hinweg aufgenommen (Lucas Zeise, &#8222;Ende der Party&#8220;).<\/p>\n<p>  &#8222;Die Finanzm&#228;rkte sind in den letzten Jahren st&#252;rmisch gewachsen&#8220;, so   beschreibt die Deutsche Bundesbank (Monatsbericht 7\/2008) einen weiteren   Aspekt dieser Epoche. &#8222;Nach Angaben des IWF summierten sich die weltweit   ausstehenden Finanzaktiva (Bankaktiva, Schuldverschreibungen, Aktien)   Ende 2006 auf 194 Billionen US-Dollar, verglichen mit 106 Billionen   US-Dollar vier Jahre zuvor. [&#8230;] Zudem ist das Verh&#228;ltnis der globalen   Finanzaktiva zum Weltsozialprodukt seit 2002 um mehr als 75   Prozentpunkte gestiegen und lag Ende 2006 bei &#252;ber 400 Prozent. Das   Weltfinanzsystem ist damit deutlich schneller gewachsen als die   Weltwirtschaft.&#8220;<\/p>\n<p>  Diese Aufbl&#228;hung war notwendig, um &#252;bersch&#252;ssiges Kapital aufzusaugen.   Nur mit diesem System konnte ein Anschein von Verwertung geschaffen   werden, der auch ganz realwirtschaftliche Entwicklungen ausl&#246;ste. Um ein   Bild davon zu geben: Einige der Hypothekenkredite in den USA waren nur   durch die von der Finanzwirtschaft von T&#252;r zu T&#252;r geschickten   Dr&#252;ckerkolonnen m&#246;glich, die den Leuten solche Kredite richtiggehend   aufdr&#228;ngten. Das schuf aber eine Nachfrage nach realen G&#252;tern, die sonst   nicht zustande gekommen w&#228;re.<\/p>\n<h4>  Ungleichgewichte nicht endlos zu erhalten<\/h4>\n<p>  &#8211; Die Aufbl&#228;hung der Finanzm&#228;rkte bedeutete, dass auf zuk&#252;nftige Profite   spekuliert wurde. Immer gr&#246;&#223;ere Summen entsprachen immer gr&#246;&#223;eren   Erwartungen an Verzinsung. Doch die reale Produktion von neuen Werten   konnte nicht damit Schritt halten. Die Finanzspekulation schien v&#246;llig   abgehoben. Jetzt wird sie in aller Brutalit&#228;t auf den Boden der   Tatsachen zur&#252;ck geholt. Dies wirkt sich so aus, dass gerade der   Bankensektor als ein Teil der Finanzwirtschaft mit als erstes und bisher   am H&#228;rtesten von der Krise erfasst ist. Enorme staatliche Interventionen   waren bisher n&#246;tig, um einen Zusammenbruch der Finanzbeziehungen   abzuwenden. Der anhaltende Niedergang und das v&#246;llig berechtigte   Misstrauen der Banken untereinander konnte trotzdem nicht beseitigt   werden.<\/p>\n<p>  &#8211; Die Verschuldung der USA und der US-Konsumenten als letztem Abnehmer   schl&#228;gt ins Gegenteil um: Nutzten viele ArbeiterInnen Kredite, zum   Beispiel mittels Hypotheken auf ihre H&#228;user, um sinkende L&#246;hne und   andere neoliberale Angriffe abzumildern, ist nun Zahltag. Die   Immobilienpreise brechen gerade jetzt ein, wo die Sicherheiten f&#252;r die   daf&#252;r gew&#228;hrten Kredite gebraucht w&#252;rden. Millionen haben bisher ihre   H&#228;user verloren. So wie die Kredite den Konsum in den letzten Jahren   aufbl&#228;hten, so verursachen sie jetzt eine Kontraktion. &#196;hnliche   Entwicklungen wie bei den Hypotheken drohen noch bei   Kreditkartenschulden.<\/p>\n<p>  &#8211; &#220;berkapazit&#228;ten versch&#228;rften sich: Die Nachfrage der Kapitalisten nach   Investitionsg&#252;tern bricht ein. Die Steigerung der Profite auf Kosten der   L&#246;hne der Arbeiterklasse hat die Nachfrage durch die Arbeiterklasse   weiter beschnitten.<\/p>\n<p>  &#8211; Der Dollar als Leitw&#228;hrung ist enorm geschw&#228;cht und steht unter Druck.   Es gibt keine Ersatz-Leitw&#228;hrung, die an seine Stelle treten k&#246;nnte.   Doch die mit dem Dollar verbundene Instabilit&#228;t aufgrund der jahrelangen   Handelsbilanzdefizite lastet auf der Weltwirtschaft. Ein Einbruch des   Dollar ist nach wie vor m&#246;glich. Der Wegfall der Nachfrage aus den USA   trifft exportorientierte L&#228;nder wie China oder Deutschland besonders.<\/p>\n<p>  &#8211; Finanzprodukte, wie Hedge-Fonds, Private Equity Fonds und andere   obskurere Erfindungen, dienten der Sammlung von Kapital und der Ballung   finanzwirtschaftlicher Macht. Die damit verbundenen Anspr&#252;che der   Finanzwirtschaft auf zuk&#252;nftige Profite werden jetzt knallhart   hinterfragt. Es wird offensichtlich, dass ein Teil davon nie realisiert   werden kann. Sie haben aber eine solche Dimension erreicht, dass ein   Zusammenbruch zum Beispiel eines Hedge-Fonds nach wie vor das   Finanzsystem in weitere, heftige Turbulenzen treiben kann.<\/p>\n<h2>  Die Krise des Kapitalismus steht erst am Anfang.<\/h2>\n<h4>  Internationale Arbeitsteilung versus Nationalstaaten<\/h4>\n<p>  Mit der Krise wird auch der Widerspruch des Kapitalismus zwischen   internationaler Arbeitsteilung und den Nationalstaaten offensichtlich.   Eine international eng verflochtene Wirtschaft ist viel effizienter.   Doch kaum wurde die Krise sichtbar, war Schluss mit dem Gerede der   letzten Jahre von &#8222;transnationalen&#8220; Konzernen. Es war sofort klar,   welcher kapitalistische Staat mit seiner Regierung f&#252;r &#8222;seine&#8220; Banken   und Unternehmen zu sorgen hatte. Heute ist v&#246;llig offensichtlich, dass   sich Barack Obama um die US-Autoindustrie zu k&#252;mmern hat, w&#228;hrend Angela   Merkel und Frank-Walter Steinmeier sich f&#252;r Daimler, BMW und VW stark   machen.<\/p>\n<p>  Der Staat ist ein Mittel der Kapitalisten, ihre Interessen international   gegen&#252;ber anderen Kapitalisten und national gegen&#252;ber der Arbeiterklasse   durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Das versch&#228;rft die Krise weiter: Jeder Protektionismus, jedes Abschotten   von M&#228;rkten erfolgt mit dem Ziel, die eigenen Interessen zu sch&#252;tzen. Es   hat aber zur Folge, dass international g&#252;nstigere   Produktionsm&#246;glichkeiten und Verflechtungen unterbunden werden und die   Welt insgesamt &#228;rmer wird &#8211; Hauptsache das nationale Kapital profitiert.<\/p>\n<h4>  Fehler im System<\/h4>\n<p>  All das unterstreicht: &#8222;Die wahre Schranke der kapitalistischen   Produktion ist das Kapital selbst, ist dies: dass das Kapital und seine   Selbstverwertung als Ausgangspunkt und Endpunkt, als Motiv und Zweck der   Produktion erscheint; dass die Produktion nur Produktion f&#252;r das Kapital   ist und nicht umgekehrt die Produktionsmittel blo&#223;e Mittel f&#252;r eine   stets sich erweiternde Gestaltung des Lebensprozesses f&#252;r die   Gesellschaft der Produzenten sind&#8220; (Marx, &#8222;Das Kapital&#8220;).<\/p>\n<p>  Es ist h&#246;chste Zeit, dieses System zu beenden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wie der Kapitalismus regelm&#228;&#223;ig die ganze Gesellschaft in den Abgrund<br \/>\n      rei&#223;t\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[125],"tags":[270,210],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13039"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13039"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13039\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13039"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13039"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13039"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}