{"id":13023,"date":"2009-02-26T19:01:00","date_gmt":"2009-02-26T18:01:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13023"},"modified":"2012-05-15T15:15:43","modified_gmt":"2012-05-15T13:15:43","slug":"13023","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/13023\/","title":{"rendered":"LINKE-Bundesparteitag: Nein zur Ausgrenzung &#8211; f&#252;r eine plurale Partei!"},"content":{"rendered":"<p>  dokumentiert: Flyer der SAV zum Bundesparteitag der LINKEN am 28.   Februar und 1. M&#228;rz gegen die Ausgrenzung marxistischer KritikerInnen.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  &quot;Elf Berliner MarxistInnen wird der Eintritt in DIE LINKE verwehrt. Sie   sind AktivistInnen der SAV und waren aktiv und in Funktion im   Landesverband Berlin der WASG. Darunter sind Lucy Redler (ehemaliges   WASG-Bundesvorstandsmitglied), Sascha Stanicic (ehemaliges   WASG-L&#228;nderratsmitglied), Carsten Becker   (ver.di-Betriebsgruppenvorsitzender und Personalrat an der Charit&#233;),   Anne Engelhardt (Abgeordnete der Bezirksverordnetenversammlung   Berlin-Mitte), Michael Koschitzki (Mitorganisator der bundesweiten   Sch&#252;lerstreiks im November 2008), Hakan Doganay (ehemaliger   Vertrauensk&#246;rperleiter bei Bosch-Siemens-Hausger&#228;te) und andere.<\/p>\n<p>  Klaus Ernst h&#246;chstpers&#246;nlich hat Einspruch gegen die Mitgliedschaft von   zehn dieser GenossInnen eingelegt. Seine Vorw&#252;rfe reichen von   &#8222;Nichtanerkennung der Fusion als programmatischem Grundsatz der Partei&#8220;   &#252;ber &#8222;prim&#228;re SAV-Identit&#228;t&#8220;, &#8222;finanzielle Sch&#228;digung der Partei&#8220; bis   hin zur &#8222;zu erwartenden Nichtanerkennung von Parteibeschl&#252;ssen&#8220;. Die   Landesschiedskommission Berlin hat diesen Einspr&#252;chen statt gegeben,   wenn auch nur auf der Basis eines &quot;Anklagepunktes&quot;: die Kandidatur der   WASG Berlin zu den Abgeordnetenhauswahlen 2006, die gegen eine   Aufforderung des WASG-Bundesparteitags durchgef&#252;hrt wurde, lasse darauf   schlie&#223;en, das Parteitagsbeschl&#252;sse durch die elf GenossInnen auch in   Zukunft missachtet w&#252;rden. Das nennt sich dann &quot;Prognoseentscheidung&quot;.   &quot;Im Zweifel f&#252;r den Angeklagten&quot; gilt zwar vor b&#252;rgerlichen Gerichten,   nicht aber in der Partei DIE LINKE!<\/p>\n<p>  Doch es geht hier nicht um individuelles Verhalten Einzelner, sondern um   Ausrichtung und Charakter der Partei. Nicht zuf&#228;llig zetert Gregor Gysi   im selben Zeitraum in den Massenmedien gegen &#8222;linke Spinner&#8220; in der   Partei und droht Ulrich Maurer mit einer Zunahme von   Schiedsgerichtsverfahren. W&#228;hrend die tiefe kapitalistische Weltkrise   die Frage von massenhaftem Widerstand und eines tats&#228;chlich   sozialistischen Programms zur &#220;berwindung des Kapitalismus auf die   Tagesordnung stellt, wollen die ma&#223;geblichen Kr&#228;fte in der F&#252;hrung der   Partei ihren Kurs auf Regierungsbeteiligungen mit SPD und   Kapitalismus-Verwaltung fortsetzen. Die Ausgrenzung prominenter   marxistischer KritikerInnen ist da ein klares Signal: eine weitere   Linksverschiebung der Partei soll verhindert, die Partei st&#228;rker &quot;unter   Kontrolle&quot; gebracht werden. Deshalb warnen wir: was mit der Ausgrenzung   einzelner SAV&quot;lerInnen beginnt, wird sp&#228;ter auch andere linke   KritikerInnen treffen!<\/p>\n<p>  Dies gilt umso mehr, da das Urteil der Berliner Landesschiedskommission   ein Organisations- und Demokratieverst&#228;ndnis zum Ausdruck bringt, das   nicht durch die Satzung gedeckt ist, sondern an die Vorg&#228;ngerpartei der   PDS erinnert. Es wird ein zentralistisches Parteikonzept vertreten, in   dem jedes Mitglied angehalten ist, jeden Parteibeschluss umzusetzen,   auch wenn es nicht davon &#252;berzeugt ist. &#214;ffentliche Kritik an   Parteibeschl&#252;ssen wird als unzul&#228;ssig betrachtet. Hier ein Zitat aus der   schriftlichen Begr&#252;ndung der Landesschiedskommission: &#8222;Die Linkspartei   kann und muss von ihren Mitgliedern auch eine Loyalit&#228;t gegen&#252;ber   demokratisch zustande gekommenen Entscheidungen verlangen. Dies gilt   auch, wenn das jenige Mitglied, welches in einem Entscheidungsproze&#223; mit   seiner Meinung unterlegen war, sehr wohl auch gehalten ist, die   demokratisch zustande gekommenen Mehrheitsbeschl&#252;sse nicht nur zur   Kenntnis zu nehmen, sondern auch mit durchzusetzen.&#8220;<\/p>\n<p>  Was bedeutet diese Aussage konkret? Sie bedeutet zum Beispiel, dass ein   Mitglied der Partei DIE LINKE sich nicht nur nicht &#246;ffentlich gegen   Landesparteitagsbeschl&#252;sse &#228;u&#223;ern darf, sondern von ihm erwartet wird,   diese &#8222;mit durchzusetzen&#8220;. Wenn also der Landesparteitag der Berliner   LINKEn, die Politik des Berliner Senats per Beschluss unterst&#252;tzt, so   muss jedes Mitglied der Partei in Berlin darauf verzichten die Umsetzung   von Ein-Euro-Jobs in Berliner Bezirken, die Privatisierung von Wohnraum,   Arbeitsplatzvernichtung und Lohnk&#252;rzungen im &#246;ffentlichen Dienst,   K&#252;rzung des Blindengelds, Abschaffung der Lehrmittelfreiheit etc.   &#246;ffentlich zu kritisieren und d&#252;rfte auch an keiner Demonstration   dagegen teilnehmen.<\/p>\n<p>  Wenn sich ein solches Parteiverst&#228;ndnis in der LINKEn durchsetzt, werden   die F&#252;hrungen und Schiedskommissionen die M&#246;glichkeit haben, jedem   Kritiker und jeder Kritikerin parteisch&#228;digendes Verhalten nachzuweisen,   wenn man nur einmal laut in der &#214;ffentlichkeit nachgedacht hat oder sich   geweigert hat Flugbl&#228;tter zu verteilen, in denen die Berliner   Senatspolitik verteidigt wird.<\/p>\n<p>  Die Satzung spricht aber eine andere Sprache, als die Berliner   Landesschiedskommission. Sie verlangt Respekt vor Parteibeschl&#252;ssen,   aber keinen Zwang zur Umsetzung oder Verzicht auf &#246;ffentliche Kritik. Im   Gegenteil sieht &#167;4 Abs.2 der Satzung vor, dass jedes Mitglied das Recht   hat &#8222;an der Meinungs- und Willensbildung mitzuwirken, sich &#252;ber alle   Parteiangelegenheiten zu informieren und zu diesen ungehindert Stellung   zu nehmen&#8220;.<\/p>\n<p>  Hier ist nicht die Rede davon, dass diese Stellungnahmen nur vor   Beschlussfassungen oder nur parteiintern m&#246;glich sind. Im selben   Paragraphen wird au&#223;erdem unterschieden zwischen der Pflicht die   Grunds&#228;tze der Partei zu vertreten und der Pflicht die gefassten   Beschl&#252;sse zu respektieren. Nun mag man sich &#252;ber die Definition des   Wortes &#8222;respektieren&#8220; streiten k&#246;nnen. Es bedeutet aber ganz sicher   nicht &#8222;umsetzen&#8220;, &#8222;&#246;ffentlich vertreten&#8220; oder &#8222;nicht kritisieren&#8220;.   Respekt bedeutet gefasste Beschl&#252;sse anzuerkennen und sich politisch   (und das beinhaltet die Fortsetzung der Debatte, auch &#246;ffentlich, und   ggf. auch die Teilnahme an au&#223;erparlamentarischer Opposition gegen   Beschl&#252;sse, die einen unsozialen Charakter haben) damit   auseinanderzusetzen, aber zum Beispiel darauf zu verzichten, die   Umsetzung durch St&#246;rung, Sabotage oder &#228;hnlichem zu verhindern.<\/p>\n<p>  Viele Mitglieder und Gliederungen der Partei und des Jugendverbandes   haben gegen diese Ausgrenzungsversuche protestiert. Darunter die   Landesparteitage Schleswig-Holstein und Baden-W&#252;rttemberg, der   Landesvorstand NRW, Linksjugend[&quot;solid]-Landesvollversammlungen in NRW,   Baden-W&#252;rttemberg und Bayern.<\/p>\n<p>  Das Verfahren wird nun vor der Bundesschiedskommission fortgesetzt. Wir   fordern alle Mitglieder und Gliederungen auf ihren Protest gegen die   Ausgrenzung der elf BerlinerInnen an Bundesschiedskommission und   Parteivorstand zu richten:<\/p>\n<h5>  schiedskommission@die-linke.de<\/h5>\n<h5>  parteivorstand@die-linke.de&quot;<\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      dokumentiert: Flyer der SAV zum Bundesparteitag der LINKEN am 28.<br \/>\n      Februar und 1. 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