{"id":13019,"date":"2009-02-26T18:00:00","date_gmt":"2009-02-26T18:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13019"},"modified":"2009-02-26T18:00:00","modified_gmt":"2009-02-26T18:00:00","slug":"13019","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/13019\/","title":{"rendered":"Belegschaftsbeteiligungen &#8211; eine Alternative zur Verstaatlichung?"},"content":{"rendered":"<p>  In den aktuellen Stellungnahmen von Oskar Lafontaine zur &#246;ffentlichen   Debatte &#252;ber die Verstaatlichung von bankrotten Gro&#223;banken bzw.   Automobilkonzernen wird die Idee von Belegschaftsbeteiligungen gegen die   Forderung nach Vergesellschaftung ins Spiel gebracht.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg <\/i><\/h4>\n<p>  Die rasante Versch&#228;rfung der Krise, die das gesamte Bankensystem an den   Rand des Zusammenbruchs gebracht hat und jetzt mit der   Automobilindustrie einen Schl&#252;sselsektor der so genannten Realwirtschaft   existentiell bedroht, hat nicht nur die neoliberalen Parteien, sondern   auch die LINKE &#252;berrollt. W&#228;hrend ihr Bundesvorstand noch vor wenigen   Monaten den Antrag von Michael Schlecht und mehren Landesparteitagen auf   Verstaatlichung des gesamten Banksektors nicht verabschieden wollte,   fordert die Bundestagsfraktion in ihrem Antrag vom 28.1. nun &#8222;die   privaten Gro&#223;banken zu 100% zu vergesellschaften&#8220;&#8230;. auch wenn sie in   der Begr&#252;ndung eine Reprivatisierung der verstaatlichten Banken zu einem   sp&#228;teren Zeitpunkt nicht ausschlie&#223;en&#8220; will.<\/p>\n<p>  Dieser Antrag ist in der &#214;ffentlichkeit und sogar in der Partei kaum   bekannt. Von einer breiten Kampagne f&#252;r diese Forderung kann &#8211; trotz des   Aufrufs f&#252;r die Demonstrationen am 28.3. &#8211; noch keine Rede sein.   Schlimmer noch: Ausgerechnet Oskar Lafontaine, der zusammen mit SPD und   Gr&#252;nen im Saarland die Regierung bilden m&#246;chte, spricht sich &#246;ffentlich   gegen Verstaatlichungen aus. In einem Interview f&#252;r den K&#246;lner   Stadtanzeiger vom 30.1. erkl&#228;rte er: &#8222;&#220;berlegungen in Richtung   Verstaatlichung bei Industriebetrieben sehe ich vor allem bei Kanzlerin   Angela Merkel und dem D&#252;sseldorfer Ministerpr&#228;sidenten J&#252;rgen R&#252;ttgers.   Ideologisch betrachtet stehen diese beiden CDU-Politiker mit ihren   Verstaatlichungsideen der DDR n&#228;her als die Linke. Wer h&#228;tte das   gedacht! Unsere Partei hat einen anderen Ansatz: Wir setzen nicht auf   Verstaatlichung, sondern auf Mitarbeiter-Beteiligung. Verstaatlichung   ist f&#252;r mich kein linkes Projekt.&#8220;<\/p>\n<p>  F&#252;r Wirtschaftsunternehmen, die der Marktkonkurrenz unterliegen, lehnt   Lafontaine staatliche Beteiligungen ausdr&#252;cklich ab. &#8222;Grunds&#228;tzlich aber   setzen wir als Linke auf die Belegschaftsbeteiligung. Die Mitarbeiter   haben das gr&#246;&#223;te Interesse an einer gesunden Zukunft ihres Unternehmens.   Sie gew&#228;hrleisten eher sachgerechte Entscheidungen als die staatliche<\/p>\n<p>  B&#252;rokratie. Steuergelder sollten also zum Beispiel in der Autoindustrie   dazu verwandt werden, die Belegschaftsbeteiligung nach vorne zu   bringen.&#8220; (Berliner Zeitung vom 12.1.)<\/p>\n<p>  Richtig ist, dass staatliche Vertreter der amtierenden Bundes- und   Landesregierung in den Aufsichtsgremien von Banken und Konzernen nicht   die Interessen der Mitarbeiter und der lohnabh&#228;ngigen Mehrheit der   Bev&#246;lkerung, sondern ausschlie&#223;lich die der Kapitalbesitzer exekutiert   haben. Dieser Missbrauch ihres &#246;ffentlichen Auftrags und die Erfahrung   mit der b&#252;rokratischen Misswirtschaft in der DDR sprechen aber   keineswegs gegen eine<\/p>\n<p>  &#220;berf&#252;hrung der Schl&#252;sselindustrien in gesellschaftliches Eigentum,   sondern daf&#252;r, die Enteignung des Privatkapitals durch eine direkte   Kontrolle und Verwaltung durch Belegschafts-, Gewerkschafts- und   Staatsvertretern zu erg&#228;nzen und so f&#252;r eine Umw&#228;lzung der   gesellschaftlichen Machtverh&#228;ltnisse zu sorgen. Sozialistische   Verstaatlichung statt Staatskapitalismus muss die Antwort der LINKEn   sein!<\/p>\n<p>  Eine individualisierte Belegschaftsbeteiligung am Privateigentum von   Gro&#223;betrieben in Form von Mitarbeiteraktien oder die Einf&#252;hrung von   Genossenschaftsmodellen, wie sie vor kurzem auch der Bremer   B&#252;rgerschaftsabgeordnete der LINKEn Klaus Rainer Rupp f&#252;r den   Energieversorger swb verlangt hat (R&#252;ckkauf der Anteile durch den Staat   und Weitergabe an die Kunden), f&#252;hrt nicht zu einem Bruch mit dem   Profitprinzip und zur &#220;berwindung der Anarchie des Marktes, sondern soll   die Mitarbeiter im Gegenteil mit ihm vers&#246;hnen. Mitarbeiteraktien sind   gerade dann, wenn es<\/p>\n<p>  wie bei Opel nicht mehr Gewinne, sondern Verluste zu verteilen gilt &#8211; ,   ein beliebtes Mittel des Kapitals, um die Opferbereitschaft der   Besch&#228;ftigten und scheinbaren Miteigent&#252;mer zu erh&#246;hen. Die   Besch&#228;ftigten werden so gegeneinander ausgespielt: Innerhalb des   Betriebes und vor allem gegen die Besch&#228;ftigten anderer   Automobilkonzerne, die ja ebenfalls auf riesigen<\/p>\n<p>  &#220;berkapazit&#228;ten sitzen und im den Konkurrenzkampf um Marktanteile das   &#220;bel st&#228;ndig vergr&#246;&#223;ern.<\/p>\n<p>  Ein Ausweg aus dieser Sackgasse ist bei den Banken ebenso wie bei den   Autokonzernen nur denkbar, wenn nicht allein die von Insolvenz   bedrohten, sondern auch die profitbringenden Betriebe bzw. Institute in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden. Nur dann ist es m&#246;glich, die   &#220;berkapazit&#228;ten durch eine radikale Arbeitszeitverk&#252;rzung f&#252;r alle   Betriebe der Branche<\/p>\n<p>  abzubauen, Teile der Produktion auf sinnvolle und ben&#246;tigte Produkte   umzustellen und durch Lohnerh&#246;hungen einen angemessenen Lebensstandard   zu garantieren. .<\/p>\n<p>  Durch Minderheitsbeteiligungen, Teilverstaatlichungen oder individuelle   Mitarbeiteraktien bleibt es bei dem ruin&#246;sen Konkurrenzkampf, der unter   dem allgemeinen Diktat der Profitmaximierung die gesamte Gesellschaft   immer tiefer in den Abgrund rei&#223;t. Eine Komplett-Verstaatlichung schafft   zwar die Voraussetzungen f&#252;r eine Umstellung der Produktion vom   Profitprinzip auf die Befriedigung von gesellschaftlichen Bed&#252;rfnissen,   aber sie reicht allein noch nicht aus: ihr muss ein sozialistischer   Inhalt durch die demokratische Kontrolle und Verwaltung der arbeitenden   Bev&#246;lkerung gegeben werden. Dazu ist heute der Aufbau von betrieblichen   und &#252;berbetrieblichen Gegenmachtstrukturen, in denen die Besch&#228;ftigten   und ihre direkt gew&#228;hlten Vertreter diesen Zielen gemeinsam Geltung   verschaffen k&#246;nnen, n&#246;tig. Auf einer solchen Basis k&#246;nnte der Produktion   f&#252;r den Profit, die demokratisch geplante Produktion zur Befriedigung   der Bed&#252;rfnisse von Mensch und Natur entgegen gestellt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      In den aktuellen Stellungnahmen von Oskar Lafontaine zur &#246;ffentlichen<br \/>\n      Debatte &#252;ber die Verstaatlichung von bankrotten Gro&#223;banken bzw.<br \/>\n      Automobilkonzernen wird die Idee von Belegschaftsbeteiligungen gegen die<br \/>\n      Forderung nach Vergesellschaftung ins Spiel gebracht.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13019"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13019"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13019\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13019"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13019"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13019"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}