{"id":13015,"date":"2009-02-17T00:00:00","date_gmt":"2009-02-16T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=13015"},"modified":"2012-12-30T12:04:47","modified_gmt":"2012-12-30T11:04:47","slug":"13015","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/13015\/","title":{"rendered":"Berliner Akademie der K&#252;nste zeigt &#8222;Embedded Art&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Bis zum 22. M&#228;rz ist die Ausstellung &#8222;Embedded Art &#8211; Kunst im Namen der   Sicherheit&#8220; in der Akademie der K&#252;nste am Pariser Platz zu sehen. <\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Genau der richtige Standort f&#252;r eine Auseinandersetzung mit der   staatlichen Aufr&#252;stung. Ist das Gel&#228;nde vor dem Brandenburger Tor doch   &#8222;eingebettet&#8220; inmitten von britischen, russischen, franz&#246;sischen und   US-amerikanischen Botschaften, Bankh&#228;usern, dem Luxushotel Adlon. Nur   einen Katzensprung vom Reichstag entfernt, ist der Pariser Platz einer   der am besten &#252;berwachten Orte der Bundesrepublik. Eine &#8222;verd&#228;chtige&#8220;   Bewegung reicht und patroullierende Polizisten eilen herbei.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Die seit elf Jahren bestehende K&#252;nstlergruppe BBM (Beobachter der   Bediener von Maschinen) hat 43 K&#252;nstler beauftragt, f&#252;r diese   Ausstellung ein Werk beizusteuern. Internationale K&#252;nstler zeigen   Malerei, Fotografie, Medienkunst und H&#246;rspiel, die sich &#8222;mit den   Bedrohungen eines freien &#246;ffentlichen Lebens nach den Anschl&#228;gen von New   York, Madrid, Moskau und London&#8220; (wie es im Ank&#252;ndigungstext zur   Ausstellung hei&#223;t) besch&#228;ftigen. Geleitet wird die Akademie von dem   Plakatk&#252;nstler Klaus Staeck.<\/p>\n<p>  Die Vokabel &#8222;embedded&#8220; ist einem Begriff aus dem Irak-Krieg entlehnt:   hier war vom &#8222;embedded journalist&#8220; (eingebetteter Journalist) die Rede,   einem zivilen Kriegsberichterstatter, der sich in eine der k&#228;mpfenden   Verb&#228;nde eingliedert.<\/p>\n<p>  Nacktscanner an Flugh&#228;fen? Biometrische Personalausweise?   &#220;berwachungskameras allerorten? Wie weit die staatliche Aufr&#252;stung voran   geschritten ist, das will die Ausstellung sp&#252;rbar machen. Kaum hat man   die Akademie betreten, wird man von zigarettenschachtelgro&#223;en Kameras   ins Visier genommen. Das Aufsichtspersonal bewegt sich in hierf&#252;r eigens   kreierten schusssicheren Westen. Will man die eigentlichen Werke der   Ausstellung betrachten, muss man sich in einer speziellen F&#252;hrung in die   Kellergeschosse begeben, dem &#8222;Hochsicherheitstrakt&#8220; der Akademie. Das   Personal bellt metallene Anweisungen, gibt Kommandos, kontrolliert die   Besichtigungszeit. Die Bilder werden mit Hilfe von &#220;berwachungskameras   ausschnittsweise vom Keller nach oben &#252;bertragen.<\/p>\n<p>  Im Erdgeschoss ist zum Beispiel ein Fingerscanner zu sehen, der den   pers&#246;nlichen Fingerabdruck in ein grafisches Muster umwandelt, das man   ausdrucken kann. Die Videok&#252;nstler Korpys &amp; L&#246;ffler haben einen Workshop   der rheinland-pf&#228;lzischen Bereitschaftspolizei mitgeschnitten. In diesem   wurden die Polizisten im Umgang mit der Elektroschockwaffe Taser   geschult. Zu &#220;bungszwecken wurden die Beamten selber von den   Elektrost&#246;&#223;en getroffen, unter Schmerzensschreien gehen sie zu Boden:   Folter per Dienstanweisung?<\/p>\n<p>  Im Keller begibt man sich unter anderen in einen riesigen, kalten   &#220;bwerwachungsraum. Mit der Collage &#8222;Inside the Room&#8220; erschufen Peter   Kennard und Cat Picton Phillipps einen War Room. Christina Z&#252;ck stellt   ihre pakistanische Fotoserie &#8222;Defense Phase II Karachi&#8220; aus. Scheinbare   Alltagsbilder aus der Gegend, wo der Drahtzieher der &#8222;Hamburger Zelle&#8220;   um Mohammed Atta festgenommen wurde. Heidi Specker pr&#228;sentiert Aufnahmen   von der &#8222;Future Security Conference&#8220; des Fraunhofer Instituts und gibt   sie in surealen &#220;berblendungen verdichtet wieder. Der K&#252;nstler Moritz R.   zeigt Gem&#228;lde aus seiner Reihe &#8222;Five Peace-Monsters&#8220;.<\/p>\n<p>  Die Kuratoren lassen keinen Zweifel: &#220;berwachungskameras, biometrische   P&#228;sse oder modernste Techniken der Personenkontrolle dienen nicht dem   Schutz der Bev&#246;lkerung, sondern stellen eine Bedrohung dar.<\/p>\n<p>  Mit der Karachi-Fotoserie oder einem Video &#252;ber den Alltag des Krieges   im Nahen Osten wird zudem vermittelt, dass der Horror ohne Ende in Asien   und anderen Teilen der Welt einen N&#228;hrboden f&#252;r Terrorismus bietet.<\/p>\n<p>  Allerdings bleibt die als &#8222;politische Ausstellung&#8220; gepriesene Werkschau   &#252;ber weite Strecken apolitisch, da sie weder hinterfragt, was zum   unertr&#228;glichen Elend in den unterentwickelten L&#228;ndern f&#252;hrt, noch   thematisiert, wer hier zu welchem Zweck den Staat aufr&#252;stet &#8211; und, aus   Sicht der Herrschenden, aufr&#252;sten muss, um sich gegen kommende   betriebliche und soziale Proteste und Revolten zu wappnen.<\/p>\n<p>  Eine Funktion, die der Kunst zukommt, besteht darin, Seismograf f&#252;r   gesellschaftliche Umbr&#252;che und Ver&#228;nderungen zu sein. Viele der heutigen   K&#252;nstler erweisen sich als &#228;u&#223;erst sensibel, was Aufr&#252;stung von Polizei   und Milit&#228;r sowie den Abbau demokratischer Rechte angeht. &#8222;Embedded Art&#8220;   widerspiegelt diese Empfindsamkeit. In anderen Fragen, gerade in Fragen   der bevorstehenden und schon beginnenden &#246;konomischen und sozialen   Ersch&#252;tterungen, bleibt das Gros der heutigen K&#252;nstler weit zur&#252;ck   vergleichen mit denjenigen, die zum Beispiel die Kunst am Vorabend des   Ersten Weltkriegs, der revolution&#228;ren Welle in Europa und der Gro&#223;en   Depression von 1929-33 pr&#228;gten. Man denke nur an Otto Dix&quot; Gem&#228;lde   &#8222;Gro&#223;stadt&#8220; von 1927\/28 (zu sehen aktuell in der Stuttgarter   Triptychon-Ausstellung), in dem dekadente Bosse und Bonzen, eingerahmt &#8211;   nicht von Heiligen wie in den Triptychen der Kirchen &#8211; sondern von   Kriegsinvaldiden und Prostituierten, dem B&#246;rsenkrach und der   Weltwirtschaftskrise entgegen taumeln. Auch heute wieder brandaktuell.<\/p>\n<h4>  &#8222;Embedded Art &#8211; Kunst im Namen der Sicherheit&#8220;, Akademie der K&#252;nste,   Pariser Platz 4, Berlin-Mitte, 24.1.-22.3.2009, <a href=\"http:\/\/www.embeddedart.org\">www.embeddedart.org<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bis zum 22. M&#228;rz ist die Ausstellung &#8222;Embedded Art &#8211; Kunst im Namen der<br \/>\n      Sicherheit&#8220; in der Akademie der K&#252;nste am Pariser Platz zu sehen.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[71],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13015"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13015"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13015\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13015"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13015"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13015"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}