{"id":13006,"date":"2009-02-07T00:00:00","date_gmt":"2009-02-07T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=13006"},"modified":"2009-02-07T00:00:00","modified_gmt":"2009-02-07T00:00:00","slug":"13006","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/13006\/","title":{"rendered":"Italien: Allm&#228;hlich vollzieht sich die Rechtsabspaltung aus der \r\n      Rifondazione comunista"},"content":{"rendered":"<p>  Linke Str&#246;mung Controcorrente dr&#228;ngt die Partei, mit der Koalition und   kapitalistischer Politik zu brechen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Christine Thomas, Lotta (Schwesterorganisation von SAV und SLP   und Sektion des CWI in Italien), 30. Januar 2009<\/i><\/h4>\n<p>  Sechs Monate nach seiner unerwarteten Niederlage beim Landeskongress in   Chianciano hat sich der rechte Fl&#252;gel der italienischen PRC (Partei der   kommunistischen Neugr&#252;ndung) schlie&#223;lich abgespalten. Zumindest ein Teil   von ihm. Die Mehrheit der Mitglieder, die Nichi Vendola und den   ehemaligen Parteivorsitzenden Fausto Bertinotti unterst&#252;tzen (und sich   beim nationalen Kongress hinter den Antragsentwurf Nummer 2 stellten),   scheinen noch in der PRC zu verharren &#8211; wenigstens f&#252;r den Moment.<\/p>\n<p>  Als Vorwand f&#252;r die Abspaltung dient die Absetzung des leitenden   Redakteurs der t&#228;glich erscheinenden und mit der PRC verbundenen Zeitung   Liberazione. Doch schon unmittelbar nach dem Kongress hatten die   Unterst&#252;tzerInnen von Antrag Nr. 2 ihre eigene Organisation gegr&#252;ndet,   die &#8222;Rifondazione per la Sinistra&#8220; (Linke Neugr&#252;ndung). Das war ganz   eindeutig das Vorspiel f&#252;r ihren letztendlichen Austritt aus der Partei.   Kurz vor dem Kongress sah es noch so aus, als ob die Unterst&#252;tzerInnen   von Antrag 2 gewinnen w&#252;rden. Das h&#228;tte dazu gef&#252;hrt, dass die PRC als   kommunistische Partei aufgel&#246;st und zu einer unf&#246;rmigen &#8222;linken&#8220;   Formation verkommen w&#228;re, deren wichtigstes Ziel es geworden w&#228;re,   Koalitionspartner f&#252;r die kapitalistische Demokratische Partei (PD) zu   sein. Diese Taktik ist allerdings nach erbittertem Kampf durchkreuzt   worden, in dem die Unterst&#252;tzerInnen der anderen Antr&#228;ge (1,3, 4 und 5)   sich zusammen taten und daf&#252;r stimmten, dass die kommunistische   Identit&#228;t der PRC erhalten blieb. Es kam zu einem neuerlichen   &#8222;Linksruck&#8220;.<\/p>\n<p>  Die Unterst&#252;tzerInnen von Antrag 2, die den Saal verlie&#223;en, machten sich   nicht sofort an die Gr&#252;ndung einer neuen politischen Partei. Dies beh&#228;lt   man sich bis nach den Kommunal- und Europawahlen im Juni vor. Man hofft,   dass man in einem B&#252;ndnis mit der unbedeutenden SD (Linksdemokraten) &#8211;   einer Abspaltung von der PD, die zu einer neuen Partei werden wollte &#8211;   und den Gr&#252;nen, die in den Wahlen kaum eine Rolle spielen werden, aber   ihre eigene Identit&#228;t bewahren wollen, antreten wird! Es besteht die   Gefahr, dass es bei diesen Wahlen zum politischen Selbstmord kommt. Aus   diesem Grund wollte Bertinotti den ganzen Prozess, die Partei zu   verlassen, bis nach den Wahlen verz&#246;gern. Es erkl&#228;rte auch, warum so   viele seiner Anh&#228;ngerInnen sich vorerst daf&#252;r entschieden haben, in der   PRC zu bleiben.<\/p>\n<p>  Einige setzen auf eine gro&#223;e Abspaltung von der prokapitalistischen PD,   wozu auch die ehemaligen Mitglieder der PCI (der ehemaligen   Kommunistischen Partei Italiens, die sich 1991 gewisserma&#223;en selbst   aufgel&#246;st hat) um Massimo D&#8217;Alema z&#228;hlen m&#246;gen. Die PD selbst befindet   sich in einer Krise, ist von Korruptionsskandalen und inneren Spaltungen   gebeutelt. Nur 15 Prozent der Menschen betrachten sie mit Wohlwollen als   eine Oppositionspartei. Die wichtigste Handelszeitung Il Sole 24 Ore,   das Sprachrohr der Arbeitgebervereinigung Confindustria, schreibt   fortw&#228;hrend Leitartikel, in denen die Partei dazu angehalten wird, die   Kurve zu kriegen; man verlangt nach einer zuverl&#228;ssigen kapitalistischen   Partei, die auf ihren gro&#223;en Auftritt als die Alternative f&#252;r den Fall   wartet, dass die Unterst&#252;tzung f&#252;r Berlusconis Regierungskoalition   zusammenbricht, wozu es aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Krise   zwangsl&#228;ufig kommen wird.<\/p>\n<p>  In den Meinungsumfragen bei nur 26 Prozent schmachtend, gehen viele von   einem Desaster f&#252;r die PD bei den Wahlen im Juni aus. Viele   Unterst&#252;tzerInnen von Antrag 2 hoffen, dass das der Anlass f&#252;r den   D&#8217;Alema-Fl&#252;gel w&#228;re, um auszutreten und die Grundlage f&#252;r das Entstehen   einer Formation zu schaffen, die &#8222;sozial fortschrittlicher&#8220; als die   jetzige PD w&#228;re und in der sie ein neues Zuhause h&#228;tten sowie dar&#252;ber   auch verhindern k&#246;nnten, bei Wahlen in der Bedeutungslosigkeit zu   versinken.<\/p>\n<h4>  Kampf um eine wirkliche Arbeiterpartei<\/h4>\n<p>  Es handelt sich hierbei um eine verworrene und konfuse Abspaltung, die   auf dem weiteren Weg der PRC beim Einschlagen eines wirklichen   Linksschwenks viele Hindernisse hinterlassen wird. Die Mehrheit der   Mitglieder der &#8222;Rifondazione per la Sinistra&#8221;, die sich daf&#252;r   entschieden haben, in der Partei zu bleiben, verfolgt im Gegensatz zu   denen, die ausgetreten sind, eine andere Taktik. Das letztendliche Ziel   bleibt jedoch dasselbe: Die Zerst&#246;rung der PRC und zu verhindern, dass   sie eine k&#228;mpferische, unabh&#228;ngige, antikapitalistische und   kommunistische Partei wird.<\/p>\n<p>  Die Glaubhaftigkeit der PRC hat wegen der Beteiligung an der Regierung   im B&#252;ndnis mit den kapitalistischen Parteien schwer gelitten. Auf der   Wahlebene schafft sie es kaum, sich von der vernichtenden Niederlage bei   den letzten Parlamentswahlen zu erholen, als s&#228;mtliche ihrer   Abgeordneten ihr Mandat verloren. In den letzten Meinungsumfragen kommt   die Partei auf unter drei Prozent. Das ist ungef&#228;hr so viel wie bei den   Parlamentswahlen im April 2007, als man zusammen mit drei anderen   Organisationen kandidierte, aber noch weniger als die 5 Prozent Plus,   die man vor dem Beitritt zur Regierung Prodi vor drei Jahren erhielt.<\/p>\n<p>  Die wirkliche Herausforderung f&#252;r die PRC besteht nun darin, sich selbst   als Partei aufzubauen, die &#8211; vor dem Hintergrund der schweren   wirtschaftlichen Krise &#8211; unerbittlich f&#252;r die Interessen der   ArbeiterInnen und jungen Menschen k&#228;mpft. Daf&#252;r ist die &#220;bernahme eines   Programms mit Kampfforderungen und Handlungsanweisungen f&#252;r Aktionen zur   Verteidigung von Arbeitspl&#228;tzen, L&#246;hnen und der Versorgung als Teil   einer breiteren antikapitalistischen \/ kommunistischen Plattform   erforderlich. Die Verstaatlichung der Banken, der Finanzinstitutionen   und Schl&#252;sselindustrien auf Grundlage der demokratischen Kontrolle und   &#220;bernahme der Gesch&#228;ftsf&#252;hrung durch die Menschen der Arbeiterklasse   muss ebenfalls dazu geh&#246;ren. Das bedeutet auch, das abgelehnt wird, in   Koalitionen einzutreten, die K&#252;rzungen, Privatisierungen und eine   arbeitnehmerfeindliche Politik betreiben &#8211; sowohl auf kommunaler wie   auch auf nationaler Ebene.<\/p>\n<p>  Zu diesen Punkten wird in der Partei bereits ein Kampf ausgefochten. Die   gr&#246;&#223;te Gruppe in der F&#252;hrungsebene der Partei um Paolo Ferrero, dem   Generalsekret&#228;r, vertritt zur Frage, ob man auf kommunaler Ebene   Koalitionen eingehen soll, eine ziemlich unklare Position. In   verschiedenen St&#228;dten und Regionen regiert die Partei weiterhin zusammen   mit der PD. Und das trotz der Tatsache, dass diese eine neoliberale   Politik betreibt und im Falle von Abruzzo zum Beispiel wegen des   Verdachts auf Korruption Untersuchungen gegen sie angestellt werden.<\/p>\n<p>  Beim Dezember-Treffen des Landesrats der PRC reichte Marco Veruggio von   der linken Str&#246;mung Controcorrente allerdings einen &#196;nderungsantrag ein,   der vorsah, dass die Partei auf kommunaler Ebene aus Koalitionen   austreten soll, die eine gegen die Arbeiterklasse gerichtete Politik   betreiben. Der Antrag erhielt 31 Stimmen (15 Prozent), darunter auch   Stimmen von der Gruppe um Ferrero.<\/p>\n<p>  &#220;berdies trat die PRC Ende letzten Jahres in Genua, wo Controcorrente   vor allem aktiv ist, aus der kommunalen Koalition mit der PD aus. Das   ist die wichtigste italienische Stadt, in der es zu einem solchen Bruch   gekommen ist.<\/p>\n<p>  Unter dem Eindruck der Wirtschaftskrise und der Rolle von Gruppen wie   Controcorrente auf dem linken Fl&#252;gel der Partei (an dem auch die   italienische Sektion des CWI sich beteiligt), findet eine Neuordnung   statt, die die M&#246;glichkeit bietet, die F&#252;hrung weiter nach links zu   dr&#228;ngen. Trotzdem wird dies von vergleichbaren Neuformierungen auf dem   rechten Fl&#252;gel der Partei begleitet werden; darunter auch B&#252;ndnisse, die   sich zwischen dem rechten Fl&#252;gel der Gruppe um Ferrero und jenen von der   &#8222;Rifondazione per la Sinistra&#8220; bilden werden.<\/p>\n<p>  Die Rezession und die Angriffe der Regierung f&#252;hren bereits zu   Massen-K&#228;mpfen der ArbeiterInnen und Studierenden. Ende letzten Jahres   kam es zur &#8222;Welle&#8220; von Auseinandersetzungen in den Schulen und   Universit&#228;ten, die ganz Italien &#252;berzog und zu einem Generalstreik am   12. Dezember f&#252;hrte, zu dem der wichtigste Gewerkschaftsverband, die   CGIL, aufgerufen hatte. Jetzt, am 13. Februar, wird die   Metallgewerkschaft FIOM zusammen mit der CGIL einen landesweiten   Generalstreik im &#246;ffentlichen Sektor organisieren. Indem man sich auf   solche und zuk&#252;nftige Bewegungen hin orientiert und nicht als   Au&#223;enstehender sondern mit einem klaren, k&#228;mpferischen und   antikapitalistischen Programm agiert, kann der Aufbau einer   kommunistischen Massenpartei der ArbeiterInnen in Italien gelingen. Es   steht noch nicht fest, welche Rolle die PRC dabei spielen kann.   Allerdings gibt es immer noch etliche wirkliche AktivistInnen innerhalb   der Partei, die darauf vorbereitet sind, sich in dieser Richtung zu   bewegen. Es w&#228;re daher verfr&#252;ht, diesen Kampf abzubrechen, wie es andere   linke Gruppen leider getan haben, obwohl man sich noch mitten im Prozess   um die Ausfechtung dieses Kampfes befindet.<\/p>\n<p>  <b><i>Homepage von Lotta per il Socialismo: <a href=\"http:\/\/www.lottacwi.net\">www.lottacwi.net<\/a>   <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>Homepage von Contro corrente (links-progressive Str&#246;mung innerhalb   der PRC): <a href=\"http:\/\/www.controcorrentesinistraprc.org\">www.controcorrentesinistraprc.org<\/a><\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Linke Str&#246;mung Controcorrente dr&#228;ngt die Partei, mit der Koalition und<br \/>\n      kapitalistischer Politik zu brechen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[44],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13006"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=13006"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/13006\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=13006"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=13006"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=13006"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}