{"id":12995,"date":"2009-02-02T00:00:00","date_gmt":"2009-02-02T00:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12995"},"modified":"2012-08-21T11:59:26","modified_gmt":"2012-08-21T09:59:26","slug":"12995","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/12995\/","title":{"rendered":"Tarifabschluss bei der Bahn bringt bescheidene Lohnerh\u00f6hungen nach       minimaler Mobilisierung"},"content":{"rendered":"<p>Die Gewerkschaften Transnet und GDBA akzeptierten nach Mini-Warnstreiks ein Ergebnis, das nur einem Drittel ihrer Forderung entspricht. Vor einem Jahr zeigte die Gewerkschaft der Lokomotivf\u00fchrer ansatzweise, welche Macht die Besch\u00e4ftigten des Logistikkonzerns haben. Nun frohlockte die GDL schon in der \u00dcberschrift ihrer Presseerk\u00e4rung zum Abschluss dar\u00fcber, dass &#8222;ohne Arbeitskampf&#8220; ein Erfolg erzielt worden w\u00e4re.<\/p>\n<p><!--more--><br \/> \u00a0<\/p>\n<h4><em>von Stephan Kimmerle, Berlin<\/em><\/h4>\n<p>Abh\u00e4ngig von der Zustimmung der Tarifkommissionene der Gewerkschaften sieht die Einigung folgende Eckpunkte vor:<\/p>\n<p><em>&#8211; Rund 150.000 Besch\u00e4ftigten erhalten ab 1. Februar 09 zun\u00e4chst 2,5 Prozent, und ab 1. Januar 2010 weitere 2 Prozent mehr Lohn und Gehalt. Im Dezember 09 gibt es einmalig 500 Euro. <\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Zw\u00f6lf freie Wochenenden (Samstag und Sonntag) pro Jahr werden garantiert, davon werden acht verbindlich \u00fcber den Jahreszeitraum geplant. <\/em><\/p>\n<p><em>&#8211; Die bisher in niedrigeren Tarifen geparkten Lokf\u00fchrer bei der DB-eigenen Zeitarbeitsfirma werden in die Transportfirmen \u00fcberf\u00fchrt. F\u00fcr die Lokf\u00fchrer wurden Qualifizierungsregeln vereinbart, die den Zugang zu diesem Job bei der Bahn regeln.<\/em><\/p>\n<p>Bahn-Personalvorstand Norbert Hansen, noch bei der letzten Tarifrunde als Chef der Gewerkschaft Transnet bei den Verhandlungen beteiligt, stimmte zum diesj\u00e4hrigen Abschluss im Auftrag der Aktiengesellschaft gekonnt das immer gleiche Lied der Arbeitgeber an: Man habe ein Ergebnis akzeptiert, das &#8222;hart an der Grenze&#8220; dessen liege, was die Bahn verkraften k\u00f6nne. Unter dem Strich verbuchte die Bahn 2007 einen Gewinn von 1,7 Milliarden Euro und strebte f\u00fcr 2008 eine Steigerung des Ertrags um 5 Prozent an.<\/p>\n<p>W\u00e4hrend Transnet und GDBA wortgewaltiger mit einer Forderung nach zehn Prozent Erh\u00f6hung der Einkommen in die Tarifrunde gestartet waren, hatte die GDL nur 6,5 Prozent mehr verlangt. Mit der zus\u00e4tzlichen Forderung nach zw\u00f6lf freien Wochenenden reagierten Transnet und ihr Beamtenbund-Partner, die GDBA, auf die Erfolge der GDL bei der Arbeitsgestaltung vor einem Jahr. Damals war es der Lokf\u00fchrer-Gewerkschaft gelungen, nach teils heftigen aber immer wieder unterbrochenen Streiks elf Prozent mehr Lohn und &#8211; wirksam erst ab diesem Jahr &#8211; eine Stunde Arbeitszeitverk\u00fcrzung durchzusetzen.<\/p>\n<p>Nun erreichte die GDL zwar die f\u00fcr die KollegInnen wichtigen Punkte der \u00dcberf\u00fchrung aller Lokf\u00fchrerInnen in den von der GDL erstrittenen Tarifvertrag. Die Zeit der Billigl\u00f6hne f\u00fcr diese Berufsgruppe \u00fcber die DB-Zeitarbeitsfirma sind damit beendet. Doch der Tarifabschluss bleibt in der H\u00f6he deutlich sowohl hinter der diesj\u00e4hrigen Forderung als auch dem Vorjahresergebnis zur\u00fcck. Focus.de fasst den Auftritt des GDL-Chefs vor der Presse gar so zusammen: &#8222;Als \u201eHighlight&#8220; bezeichnete Weselsky die Vereinbarung zur Fortbildung der Lokf\u00fchrer. Die GDL habe bewiesen, dass sie auch ohne Arbeitskampfma\u00dfnahmen zu Ergebnissen mit der Bahn kommen k\u00f6nne.&#8220; Ein Tarifvertrag mit rund drei Prozent Erh\u00f6hung auf das Jahr umgerechnet wirft allerdings die Frage auf, zu was f\u00fcr Ergebnissen diese Strategie f\u00fchrt.<\/p>\n<p>Transnet und GDBA hatten sich zun\u00e4chst rebellischer geb\u00e4rdet. Nach der privatisierungsfreundlichen Politik und herausgefordert durch die GDL hatte Transnet nach Angaben der Zeitung junge Welt knapp f\u00fcnf Prozent ihrer Mitglieder verloren &#8211; so viel wie keine andere DGB-Gewerkschaft im Jahr 2008. Zun\u00e4chst schien es so, als erkenne die Gewerkschaftsf\u00fchrung nach dem doppelten Abgang zun\u00e4chst von Hansen und dann seines Nachfolger als Gewerkschaftsvorsitzendem, dass eine andere Gangart n\u00f6tig ist, um die Interessen der Mitglieder zu verteidigen und den Abw\u00e4rtstrend zu stoppen. Doch zu mehr als &#8222;Nadelstichen&#8220;, so der neue Transnet-Chef Alexander Kirchner \u00fcber die eigenen Aktionen, konnten sich die Gewerkschaftsverantwortlichen auch diesmal nicht durchringen: Am vergangenen Donnerstag hatten rund 400 der 250.000 Bahnbesch\u00e4ftigten &#8222;ein bisschen Warnstreik&#8220; (Frankfurter Rundschau) durchf\u00fchren d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Dabei ist eine k\u00e4mpferische Gewerkschaft dringend n\u00f6tig: Die Bahn wird aktuell vor allem durch R\u00fcckg\u00e4nge beim G\u00fcterverkehr von der kapitalistischen Krise erfasst. Auch hier ist die Gewerkschaftsbewegung gefordert, das Abw\u00e4lzen der Kosten der Krise auf die KollegInnen zu verhindern. Dazu kommen f\u00fcr den Konzern technische Probleme an den ICE-Z\u00fcgen, die im Laufe der Vorbereitung des B\u00f6rsengangs zur Steigerung der Rendite billigend in Kauf genommen wurden. Au\u00dferdem wurde j\u00fcngst bekannt, dass die Daten von 170.000 KollegInnen einem Massen-Screening zur &#8222;Korruptionsbek\u00e4mpfung&#8220; unterzogen wurden. Der Willk\u00fcr des Arbeitgebers gegen\u00fcber den Besch\u00e4ftigten muss also auch beim Thema \u00dcberwachung dringend etwas entgegen gesetzt werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Die Gewerkschaften Transnet und GDBA akzeptierten nach Mini-Warnstreiks<br \/>\n      ein Ergebnis, das nur einem Drittel ihrer Forderung entspricht. <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[20],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12995"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12995"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12995\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12995"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12995"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12995"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}