{"id":12990,"date":"2009-02-14T00:00:00","date_gmt":"2009-02-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12990"},"modified":"2009-02-14T00:00:00","modified_gmt":"2009-02-14T00:00:00","slug":"12990","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/12990\/","title":{"rendered":"Der gl&#228;serne Sch&#252;ler!"},"content":{"rendered":"<p>  Der SPD-LINKE-Senat in Berlin verfolgt nach wie vor das Ziel, eine   zentrale Sch&#252;lerdatei einzuf&#252;hren. In einer Datensammlung sollen   Sch&#252;lerInnen mit bis zu 16 Merkmalen erfasst werden, von der Anschrift   &#252;ber die Muttersprache bis zum F&#246;rderbedarf. Am 12. Januar passierte der   Entwurf den Innenausschuss. Noch im Januar soll das Gesetz in trockenen   T&#252;chern sein. Statt mehr LehrerInnen und bessere Lernbedingungen gibt es   mehr &#220;berwachung.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Jakob Treptow, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Eine Verbesserung der Schulen soll mit dem angeblichen Verwaltungsorgan   &#8222;Sch&#252;lerdatei&#8220; geschaffen werden. Die Regierenden wollen so die Daten   besser aufnehmen k&#246;nnen um die Probleme an den Schulen schnell auf einen   Blick zu haben und diese l&#246;sen zu k&#246;nnen. Sieht auf den ersten Blick   nicht schlecht aus. Aber sollten SPD und vor allem die LINKE nach all   den Sch&#252;lerstreiks und Lehrerprotesten die Probleme an den Schulen nicht   schon l&#228;ngst kennen oder ist ihnen unbekannt, dass die Klassen zu gro&#223;   sind und der Unterricht zu langweilig?<\/p>\n<p>  Wenn man also ein bisschen weiter denkt, kommt man schnell darauf, dass   die angebliche Verbesserung der Schulen nicht der Sinn dieser   Sch&#252;lerdatei ist.<\/p>\n<p>  Die Sch&#252;lerdatei speichert keineswegs Daten, um zu zeigen welcher   Sch&#252;ler in welchem Fach Nachholbedarf hat, so dass man ihn besser   individuell f&#246;rdern k&#246;nnte oder welches Fach dem Sch&#252;ler Spa&#223; bereitet.   Auch die &quot;Entsch&#228;rfung&quot; des Gesetzentwurfs &#8211; eine Anonymisierung mancher   Daten wie der Muttersprache &#8211; ist nur oberfl&#228;chliche Kosmetik an einem   22 Millionen Euro teuren &#220;berwachungsprojekt.<\/p>\n<p>  Nach wie vor soll anhand dieser Daten ein &#8222;Entwicklungsprofil&#8220;   entstehen, welches inklusive der Daten verschiedenen staatlichen Stellen   zur Verf&#252;gung stehen soll. Diese individuellen Entwicklungsprofile   werden dann statistisch gesammelt und f&#252;r Planungszwecke genutzt.<\/p>\n<p>  L&#228;nder&#252;bergreifend sollen die Daten, welche als Identifikationsnummer   auftreten und einen von Einschulung bis zum Eintritt in das Berufsleben   begleiten, den jeweiligen Beh&#246;rden zur Verf&#252;gung stehen. Das Problem   dabei ist vor allem das man damit Sch&#252;lerInnen sehr leicht wegen ihrer   Herkunft abstempeln kann.<\/p>\n<p>  J&#252;ngste Beispiele bei Kreditkartendaten oder Telefonnummern bei der   Telekom zeigen, dass man nie vor Datenmissbrauch gesch&#252;tzt ist. Die   vorgeschriebene Mitbestimmung bei eigenen Daten ist im Gesetzentwurf   nicht gegeben. Viel mehr w&#252;rde dann eine &#8222;informationelle   Fremdbestimmung&#8220; vorliegenden, welche eigentlich verfassungswidrig ist,   wie es Datensch&#252;tzer schon mehrfach kritisierten.<\/p>\n<h4>  Schulschw&#228;nzer<\/h4>\n<p>  &#8222;Diese Sch&#252;lerdatei ist eines der wichtigsten Mittel, um effektiv gegen   Schulschw&#228;nzer und junge Straft&#228;ter vorzugehen. Wir k&#246;nnen nicht l&#228;nger   darauf warten&#8220;, sagte die Berliner Justizsenatorin Gisela von der Aue   (SPD). Zwar verfolge die Sammlung der Sch&#252;lerdaten laut dem Berliner   SPD-Bildungssenator J&#252;rgen Z&#246;llner&#8222;im Kern schulische Zwecke&#8220;. Jedoch   wird das nicht wirklich deutlich wenn man nochmal einen genaueren Blick   auf die Aussage der Justizsenatorin wirft.<\/p>\n<p>  Man m&#246;chte anscheinend die sogenannten &#8222;Problemkinder&#8220; schneller aus dem   Verkehr ziehen und so die Bildungssituation verbessern, durch Repression   und informelle Fremdbestimmung. Und das mit dem Geld, das man gut in   anderen Brennpunkten der Bildung br&#228;uchte. Man denke nur an den Hilferuf   der Schulen des Stadtbezirks Mitte.<\/p>\n<p>  Der Gesetzentwurf erscheint noch l&#228;cherlicher, wenn man bedenkt, dass   seit Jahren Sozialarbeiterstellen gestrichen werden und das Geld f&#252;r die   Bildung anscheinend nicht da ist.<\/p>\n<p>  Man versucht nun die offensichtlich schlechte Bildungssituation zu   verbessern, indem man repressiv gegen Schulschw&#228;nzer und   Jugendstraft&#228;ter vorzugehen, statt die Ursachen ihrer Taten zu   bek&#228;mpfen. Es gibt sehr viele andere Bed&#252;rfnisse die Sch&#252;ler haben,   welche von unserem jetzigen Bildungssystem nicht gedeckt werden.<\/p>\n<h4>  Widerstand n&#246;tig!<\/h4>\n<p>  Im Kapitalismus geht es um die Profite einiger Weniger und nicht um das   Wohle aller. Es werden mal eben 500.000.000.000 Euro f&#252;r die Rettung der   Bankenbesitzer investiert und an allen Enden der Bildung gespart. Auch   das Konjunktur-Paket wird da keine Abhilfe schaffen. Eine bessere   Bildung ist notwendig und auch m&#246;glich. Es ist gen&#252;gend Geld vorhanden,   es ist nur falsch verteilt. Protest gegen die Sch&#252;lerdatei ist dringend   angesagt. Ein erster Schritt w&#228;re die Abstimmung im Abgeordnetenhaus zu   st&#246;ren.<\/p>\n<p>  Obwohl die Partei DIE LINKE im Bund gegen Sch&#228;ubles &#220;berwachungspl&#228;ne   auftritt und mit dagegen demonstriert, verteidigt die Berliner LINKE den   Regierungskurs und stimmt der Sch&#252;lerdatei zu. Das kann nicht einfach   hingenommen werden. Linksjugend [`solid] sollte sich wie schon der   Studierendenverband SDS dagegen aussprechen und gemeinsam mit anderen   Sch&#252;lerInnen, LehrerInnen und Besch&#228;ftigten f&#252;r eine Verbesserung der   Bildungssituation und gegen die Sch&#252;lerdatei k&#228;mpfen.<\/p>\n<h4>  Sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>  SozialistInnen lehnen &#220;berwachungsmethoden und Zentraldateien ab. Sie   sollen im Interesse der Herrschenden nur zeigen, wo am besten gek&#252;rzt   werden kann und wer die Schule schw&#228;nzt. In einer sozialistischen   Gesellschaft w&#228;re genug Geld f&#252;r Bildung, Arbeit und Soziales vorhanden.   Wenn es doch Probleme in der Schule g&#228;be, k&#246;nnten Sch&#252;lerInnen,   LehrerInnen, SozialarbeiterInnen und Eltern gemeinsam nach einer L&#246;sung   suchen &#8211; ohne eine Zentraldatei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der SPD-LINKE-Senat in Berlin verfolgt nach wie vor das Ziel, eine<br \/>\n      zentrale Sch&#252;lerdatei einzuf&#252;hren. In einer Datensammlung sollen<br \/>\n      Sch&#252;lerInnen mit bis zu 16 Merkmalen erfasst werden, von der Anschrift<br \/>\n      &#252;ber die Muttersprache bis zum F&#246;rderbedarf. Am 12. Januar passierte der<br \/>\n      Entwurf den Innenausschuss. Noch im Januar soll das Gesetz in trockenen<br \/>\n      T&#252;chern sein. 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