{"id":12983,"date":"2009-02-07T01:00:00","date_gmt":"2009-02-07T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12983"},"modified":"2009-02-07T01:00:00","modified_gmt":"2009-02-07T01:00:00","slug":"12983","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/12983\/","title":{"rendered":"Bankenkrise, Bodyguards &amp; B&#252;rgerproteste"},"content":{"rendered":"<p>  Island vom Wunderland zum Problemfall<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Seit vergangenem Herbst schaut erstmals die ganze Welt auf Island,   dem kleinen Inselstaat im Nordatlantik. Von Ger&#252;chten &#252;ber   Milliardenkredite aus Russland (zur Verhinderung eines Staatsbankrotts)   &#252;ber w&#252;tende Massenproteste bis hin zum Sturz der Regierung erreichen   uns t&#228;glich neue Nachrichten. Island, einst (pro Kopf gesehen) das   sechstreichste Land der Erde, steckt knietief in einer wirtschaftlichen   und politischen Krise.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Nelli T&#252;gel, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Erst 2003 wurden die isl&#228;ndischen Banken privatisiert. Spekulanten   nahmen in Niedrigzinsl&#228;ndern Kredite auf, legten das Geld dann in Island   an, um von der dortigen Hochzinspolitik zu profitieren. Damit wurde eine   Kreditblase produziert, deren Platzen zur Folge hatte, dass sich die   Schulden der drei gr&#246;&#223;ten &#8211; mittlerweile verstaatlichten &#8211; isl&#228;ndischen   Banken Kaupthing, Landsbanki und Glitnir auf mehr als das Zehnfache des   Bruttoinlandsprodukts Islands belaufen und Island nun in eine Depression   geht.<\/p>\n<h4>  Spekulationsblase geplatzt &#8211; Existenzen zerst&#246;rt<\/h4>\n<p>  Die Folgen f&#252;r die isl&#228;ndische Arbeiterklasse sind katastrophal. Nahezu   jeder ist betroffen. Und das, obwohl viele Angriffe auf Sozialleistungen   und Massenentlassungen noch bevorstehen.<\/p>\n<p>  F&#252;r 2009 wird eine Arbeitslosenquote von bis zu zehn Prozent erwartet,   in einem Land, in dem bis dato quasi Vollbesch&#228;ftigung herrschte. Es   kursieren Zahlen, nach denen ein Drittel der Bev&#246;lkerung plant, das Land   zu verlassen.<\/p>\n<p>  Zehn Prozent der 300.000 Menschen halten inzwischen v&#246;llig wertlose   Bankaktien. 30.000 Isl&#228;nderInnen haben Kredite f&#252;r das Haus oder f&#252;r   PKWs aufgenommen, die in anderen W&#228;hrungen als der Anfang Oktober v&#246;llig   eingebrochenen isl&#228;ndischen Krone berechnet sind.<\/p>\n<p>  Studierende, die sich dank Stipendien im Ausland aufhalten, m&#252;ssen   zur&#252;ckkehren, weil das Geld nicht mehr zum Leben reicht.<\/p>\n<h4>  Aufruhr<\/h4>\n<p>  Die enorme Wut dar&#252;ber entlud sich in einer Welle von Protesten. Seit   Mitte Oktober finden regelm&#228;&#223;ig Demonstrationen von bis zu 7.000   TeilnehmerInnen statt, die immer w&#252;tender und militanter werden. Anfang   Dezember st&#252;rmten mehrere hundert DemonstrantInnen die Zentralbank in   Reykjavik. 500 brachen in das Hauptquartier der Polizei ein, um die   Freilassung einer verhafteten Demonstrantin zu erzwingen. Im Januar kam   es bei Protesten zu Zusammenst&#246;&#223;en mit der Polizei. Nachdem Mitte Januar   &#252;ber eine Woche lang t&#228;glich bis in die Nacht hinein Parlament und   Parteib&#252;ros belagert wurden, musste der konservative Ministerpr&#228;sident   Geir Haarde f&#252;r den 9. Mai Neuwahlen ank&#252;ndigen.<\/p>\n<p>  Auf Demos wurden Manager-Puppen an selbst gebastelten Galgen aufgeh&#228;ngt.   Ein Witz, der dort die Runde macht, lautet: &#8222;Wei&#223;t du, wie man einen   Banker vor dem Ertrinken rettet?&#8220; &#8222;Nein.&#8220; &#8222;Gut so!&#8220;<\/p>\n<p>  Der einzige seit Oktober wachsende Wirtschaftszweig ist der   Personenschutz, denn erstmals in der Geschichte versp&#252;ren Politiker das   Bed&#252;rfnis, sich zu &#8222;sch&#252;tzen&#8220;.<\/p>\n<p>  Der isl&#228;ndische Gewerkschaftsverband ASI hat bisher nicht zu den   Demonstrationen aufgerufen. Mit einem Organisationsgrad von 90 Prozent   aller Besch&#228;ftigten h&#228;tte er jedoch die Macht, Streiks und   Generalstreiks gegen Arbeitsplatz- und Sozialabbau durchzuf&#252;hren.<\/p>\n<h4>  Heute Island &#8211; und Morgen?<\/h4>\n<p>  In den b&#252;rgerlichen Medien wird die Krise Islands als Folge besonders   gieriger und r&#252;cksichtsloser Banker erkl&#228;rt und als Ausnahmeerscheinung   dargestellt. Aber was auf Island passiert ist, sind Symptome eines von   Grund auf kranken Systems &#8211; international.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Island vom Wunderland zum Problemfall\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[46],"tags":[211],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12983"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12983"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12983\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12983"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12983"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12983"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}