{"id":12981,"date":"2009-02-25T00:00:00","date_gmt":"2009-02-25T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12981"},"modified":"2009-02-25T00:00:00","modified_gmt":"2009-02-25T00:00:00","slug":"12981","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/12981\/","title":{"rendered":"Mit dem St&#246;rfaktor &#8222;Chef&#8220; Schluss machen"},"content":{"rendered":"<p>  Gemeineigentum und Arbeiterselbstverwaltung statt staatskapitalistische   Verstaatlichung<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Nach der Devise &#8222;Was k&#252;mmert mich mein Geschw&#228;tz von gestern&#8220; gehen   die Unternehmer und ihre Parteien zu massiven Staatseingriffen und sogar   zu Verstaatlichungen &#252;ber. Diese Entwicklung hat innerhalb der   Gewerkschaften und der politischen Linken die Debatte um die Frage der   Verstaatlichung neu auf die Tagesordnung gesetzt. Die SAV vertritt die   Position, dass die Verstaatlichungen von Merkel, Ackermann und Co. im   Interesse von Aktion&#228;ren, Spekulanten und Managern sind. Wir fordern   eine Verstaatlichung im Interesse und unter demokratischer Kontrolle und   Verwaltung der arbeitenden Bev&#246;lkerung.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ursel Beck, Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  Ein Hartz-IV-Empf&#228;nger muss seine gesamten Verm&#246;gensverh&#228;ltnisse offen   legen, bevor er einen Cent f&#252;rs nackte &#220;berleben bekommt. Den Banken und   Konzernen werden derzeit Hunderte von Milliarden Euro Steuergelder zur   Verf&#252;gung gestellt &#8211; ohne Offenlegung ihrer Bilanzen geschweige denn der   Managergeh&#228;lter.<\/p>\n<h4>  &#214;ffnung der Gesch&#228;ftsb&#252;cher<\/h4>\n<p>  Banken und Unternehmer, die behaupten, dass sie vor der Pleite stehen,   m&#252;ssen als erstes ihre Bilanzen, Konten und Gesch&#228;ftsb&#252;cher offen legen.   Belegschaften und Bev&#246;lkerung m&#252;ssen wissen, wie die Schulden entstanden   sind, wer die Gl&#228;ubiger sind und wer an den Schulden verdient. Die   Gro&#223;aktion&#228;re rechnen sich jetzt arm. Die Gelder, die an der einen   Stelle fehlen, sind aber nicht in schwarzen L&#246;chern verschwunden,   sondern weiter in den Taschen der Reichen.<\/p>\n<h4>  Manager entlassen, Verm&#246;gen konfiszieren<\/h4>\n<p>  Die Konzerne haben in den letzten Jahren gigantische Gewinne eingesackt.   Es ist ihr Profitsystem, das die Krise verursacht hat. Deshalb m&#252;ssen   sie zur Rechenschaft und zur Kasse gebeten werden.<\/p>\n<p>  Vorst&#228;nde und Manager m&#252;ssen entlassen werden. Ihre Pensionszahlungen   m&#252;ssen gestrichen und ihre Privatverm&#246;gen konfisziert werden. Alle   Verantwortlichen haben anschlie&#223;end Anspruch auf ALG II. Wenn Ackermann,   Zetsche und Co. das zu wenig ist, d&#252;rfen sie sich gerne am Kampf f&#252;r ein   angemessenes Mindesteinkommen beteiligen.<\/p>\n<h4>  Entsch&#228;digungslose Enteignung<\/h4>\n<p>  Die derzeitigen Staatseingriffe sind das ungewollte Eingest&#228;ndnis der   Herrschenden, dass die Marktkr&#228;fte die Wirtschaft nicht mehr am Laufen   halten. Der b&#252;rgerliche Staat handelt hier aber im Interesse der   Kapitalisten. Die staatlichen Gelder werden nicht &#252;ber eine h&#246;here   Besteuerung bei den Reichen finanziert, sondern &#252;ber Kredite &#8211; sprich   die Reichen leihen dem Staat Geld und kassieren auch noch Zinsen. Am   Ende bezahlt die arbeitende Bev&#246;lkerung die Zeche.<\/p>\n<p>  Diese staatskapitalistische Verstaatlichung muss von der Partei DIE   LINKE und den Gewerkschaften abgelehnt werden. Stattdessen m&#252;ssen wir   die entsch&#228;digungslose Enteignung der Kapitalbesitzer fordern &#8211; mit   Ausnahme von Kleinaktion&#228;ren und Belegschaftsaktion&#228;ren. Das gesamte   Eigentum der verstaatlichten Banken und Betriebe muss dauerhaft in   Bundes- oder Landeseigentum &#252;berf&#252;hrt werden.<\/p>\n<h4>  Mitbestimmung = Mitverantwortung<\/h4>\n<p>  DIE LINKE schl&#228;gt eine &#8222;erweiterte Mitbestimmung&#8220; vor. Die IG Metall   (IGM) fordert die Neuregelung des Mitbestimmungsgesetzes.<\/p>\n<p>  Der Grundgedanke der Mitbestimmungsforderung seitens der   Gewerkschaftsf&#252;hrung und des Bundesvorstands der LINKEN ist die   Gleichberechtigung von Kapital und Arbeit. Diese Gleichberechtigung kann   es aber niemals geben, weil das Kapital durch den angeeigneten Mehrwert   beziehungsweise die unbezahlte Arbeit vermehrt wird. Diese Tatsache   bringen Belegschaften immer wieder zum Ausdruck, wenn sie davon reden,   dass sie den Betrieb aufgebaut haben und er eigentlich ihnen geh&#246;rt.<\/p>\n<p>  In der Stahlkrise der siebziger und achtziger Jahre hat sich gezeigt,   dass die erweiterte Mitbestimmung (Montan-Mitbestimmung) die   Besch&#228;ftigten nicht vor der Vernichtung von Hunderttausenden von   Arbeitspl&#228;tzen und der Verarmung von Ruhrgebietsst&#228;dten gesch&#252;tzt hat.   Aufgrund dieser Erfahrung hat der IGM-Gewerkschaftstag 1983 die   Vergesellschaftung der Stahlindustrie beschlossen.<\/p>\n<h4>  Arbeiterselbstverwaltung<\/h4>\n<p>  Enteignete Betriebe m&#252;ssen unter der Kontrolle und Verwaltung der   Belegschaft und demokratisch gew&#228;hlten VertreterInnen der arbeitenden   Bev&#246;lkerung fortgef&#252;hrt werden. Dass die KollegInnen in der Lage sind,   ohne Chefs zu produzieren, haben sie in der Geschichte schon viele Male   bewiesen. Zuletzt im Sommer 2007 bei der Fahrradfabrik Bike Systems. Um   eine Betriebsschlie&#223;ung zu verhindern, besetzten die 135 Besch&#228;ftigten   den Betrieb und produzierten in Eigenregie weiter.<\/p>\n<p>  In den folgenden Monaten werden Belegschaften immer wieder zu   Betriebsbesetzungen greifen m&#252;ssen, um Werksschlie&#223;ungen zu verhindern.   Streikkomitees, die die Betriebsbesetzung organisieren, k&#246;nnte die   Aufgabe zukommen, Kontrolle und Verwaltung des Betriebs zu &#252;bernehmen.   Die Chefs m&#252;ssen entlassen werden. Meister und andere in   Leitungsfunktionen oder Spezialisten m&#252;ssen von den jeweiligen   Abteilungen gew&#228;hlt und ihrer Kontrolle unterzogen werden. Die   Belegschaft muss vollen Einblick in die Gesch&#228;ftsb&#252;cher und in die   wirtschaftliche und technische Betriebsf&#252;hrung haben.<\/p>\n<h5>  Die Leitung des Betriebes k&#246;nnte ein Gremium &#252;bernehmen, das sich   folgenderma&#223;en zusammensetzt:<\/h5>\n<p>  <i>&#8211; ein Drittel von der Belegschaft demokratisch gew&#228;hlte   VertreterInnen. Sie k&#246;nnen die Interessen der Belegschaft, ihr Wissen   und Know How einbringen. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; ein Drittel VertreterInnen der Gewerkschaften, die durch die   Belegschaft des betreffenden Betriebes best&#228;tigt werden m&#252;ssen. Dadurch   kann die Verbindung zu den anderen Betrieben hergestellt und das   Gesamtinteresse der arbeitenden Bev&#246;lkerung eingebracht werden. <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>&#8211; ein Drittel VertreterInnen des Staates als Eigent&#252;mer. Sie k&#246;nnten   von den jeweiligen Parlamenten (Stadt-, Land- oder Bundestag) entsandt   werden und sollten regelm&#228;&#223;ig in &#246;ffentlichen Sitzungen Rechenschaft   ablegen.<\/i><\/p>\n<p>  Zus&#228;tzlich k&#246;nnten Verbraucherschutz-, Umwelt- und sonstige relevante   bereits existierende Initiativen und Organisationen beratend an diesen   Leitungsgremien beteiligt werden.<\/p>\n<p>  Mit solchen oder &#228;hnlichen Modellen der Arbeiterverwaltung w&#228;re   sichergestellt, dass die Interessen der Besch&#228;ftigten eine   Zweidrittel-Mehrheit haben.<\/p>\n<h4>  Demokratische Grundprinzipien<\/h4>\n<p>  Um ein Abheben der gew&#228;hlten VertreterInnen zu verhindern, d&#252;rfen diese   nicht mehr verdienen als einen Durchschnittslohn der betreffenden   Branche. Sie sollten au&#223;erdem jederzeit w&#228;hl- und abw&#228;hlbar sowie ihrer   Basis gegen&#252;ber rechenschaftspflichtig sein.<\/p>\n<p>  Durch regelm&#228;&#223;ige Team-, Abteilungs- und Betriebsversammlungen kann die   Belegschaft st&#228;ndig kollektiv &#252;ber die Optimierung der Produktion, die   Verbesserung von Arbeitsbedingungen und Arbeitssicherheit und alle   Belange des Betriebes diskutieren und entscheiden. W&#228;ren Siemens und die   Bahn der demokratischen Kontrolle und Verwaltung durch die Besch&#228;ftigten   unterstellt, w&#228;ren zum Beispiel Produktion und Einsatz von   hochgef&#228;hrlichen Radachsen f&#252;r ICEs ausgeschlossen. Hartmut Mehdorn und   die Siemens-Manager gehen heute aus Profitgr&#252;nden auch &#252;ber Leichen.<\/p>\n<h4>  Kreativit&#228;t und Produktivit&#228;t steigern<\/h4>\n<p>  Durch den Wegfall von hierarchischen Strukturen w&#252;rde enorme Kreativit&#228;t   freigesetzt. Bei einer Umfrage der Berufsgenossenschaft Metall im April   2008 waren 62 Prozent der Befragten der Meinung, die F&#252;hrungskr&#228;fte   seien &#8222;Teil der psychischen Belastungen der Mitarbeiter&#8220;. Eine   Arbeiterselbstverwaltung w&#252;rde sich vom St&#246;rfaktor Chef verabschieden.<\/p>\n<p>  Das System der Ausbeutung und die daf&#252;r n&#246;tige Disziplinierung hemmt   heute die sch&#246;pferische T&#228;tigkeit. Jeder Besch&#228;ftigte kann unz&#228;hlige   Beispiele nennen von kontraproduktiven Entscheidungen und Misswirtschaft   von Vorgesetzten. Weil aufgrund der Rezession die   Unterdr&#252;ckungsmechanismen f&#252;r die Unternehmer noch mehr an Bedeutung   gewinnen, schaffen sie auch die Gruppenarbeit und die dadurch gew&#228;hrte   Autonomie von Teams wieder ab.<\/p>\n<p>  Die freie Entfaltung der Besch&#228;ftigten w&#252;rde Produktivit&#228;t und   Erfindergeist auf bisher ungekannte H&#246;hen bringen. Der Profit, den sich   fr&#252;her die Kapitalisten eingesackt haben, w&#252;rde der Belegschaft f&#252;r   h&#246;here L&#246;hne, Arbeitszeitverk&#252;rzung oder Investitionen zur Verf&#252;gung   stehen.<\/p>\n<h4>  Branchenweite und &#252;berregionale Vernetzung<\/h4>\n<p>  Ausgehend von der Verstaatlichung einzelner Betriebe und Branchen m&#252;ssen   alle Gro&#223;betriebe in &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt und unter   demokratische Arbeiterkontrolle und -verwaltung gestellt werden. So wie   im Einzelbetrieb k&#246;nnten dann branchenweite, lokale, regionale,   nationale und schlie&#223;lich internationale Leitungsstrukturen gew&#228;hlt   werden. Ihre Aufgabe w&#228;re es, nach den Bed&#252;rfnissen der Gesellschaft und   unter Ber&#252;cksichtigung des Umweltschutzes Produktionsziele und -pl&#228;ne   aufzustellen und diese gemeinsam umzusetzen. An die Stelle von   Konkurrenz w&#252;rde die solidarische und harmonische Produktion treten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Gemeineigentum und Arbeiterselbstverwaltung statt staatskapitalistische<br \/>\n      Verstaatlichung\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[92,96],"tags":[211],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12981"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12981"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12981\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12981"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12981"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12981"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}