{"id":12980,"date":"2009-02-20T00:00:00","date_gmt":"2009-02-20T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12980"},"modified":"2009-02-20T00:00:00","modified_gmt":"2009-02-20T00:00:00","slug":"12980","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/12980\/","title":{"rendered":"Naher Osten: F&#252;r Arbeitereinheit und Sozialismus"},"content":{"rendered":"<p>  Ausgepl&#252;ndert, ausgebeutet und ausgehungert: das ist das Schicksal von   ArbeiterInnen, Erwerbslosen, Bauern und Jugendlichen im ganzen Nahen   Osten.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Ausgepl&#252;ndert von den westlichen Gro&#223;m&#228;chten, die jahrzehntelang   willk&#252;rlich Grenzen gezogen und nach dem Zweiten Weltkrieg den Staat   Israel als St&#252;tzpunkt hochger&#252;stet haben. Ausgebeutet von den   Kapitaleignern Israels, aber auch von den Herrschern der arabischen   Staaten, h&#228;ufig Kollaborateure des Imperialismus. Ausgehungert &#8211; das   gilt f&#252;r Hunderttausende von Pal&#228;stinenserInnen, die die Hauptopfer der   sechs dort ausgetragenen Kriege in der sogenannten &#8222;Nachkriegszeit&#8220;   waren.<\/p>\n<p>  Auf kapitalistischer Basis werden Ausbeutung und Auspl&#252;nderung andauern,   als Bestandteile dieses Wirtschaftssystems.<\/p>\n<h4>  Kapitalistische Spaltungspolitik<\/h4>\n<p>  Auch der Konflikt zwischen Israel und Pal&#228;stina wird bestehen bleiben.   Die Kluft zwischen Arm und Reich ist eine st&#228;ndige Begleiterscheinung   der Profitwirtschaft. Deshalb dient den M&#228;chtigen und Verm&#246;genden die   Teile-und-Herrsche-Politik seit jeher als Mittel, und das in   vielf&#228;ltiger Form &#8211; nicht zuletzt auf Basis verschiedener Hautfarben und   Religionen. So wird im Fall Israel die Angst vor Selbstmordattent&#228;tern   ausgenutzt, um die israelischen Lohnabh&#228;ngigen an das israelische   Kapital zu binden. So werden arabische Israelis als Menschen zweiter   Klasse behandelt, um von der sozialen Krise abzulenken. So setzen die   Machthaber in Israel und in den reaktion&#228;ren arabischen L&#228;ndern alles   daran, jegliche Solidarit&#228;t zwischen arabischen und j&#252;dischen   ArbeiterInnen zu untergraben.<\/p>\n<h4>  Sozialismus erk&#228;mpfen<\/h4>\n<p>  Soll die Spaltung zwischen AraberInnen und Juden dauerhaft &#252;berwunden   werden, muss der N&#228;hrboden daf&#252;r entzogen werden. Wenn das   Privateigentum an den Konzernen und die Mechanismen der Konkurrenz   beseitigt sind, k&#246;nnte allen Menschen ein Leben frei von Kriegen und   Armut garantiert werden.<\/p>\n<p>  Dann k&#246;nnten die Kosten f&#252;r Krieg und Kriegsfolgen eingespart und die   Bodensch&#228;tze in der Region (derzeit entfallen &#252;ber 60 Prozent der   weltweiten &#214;lreserven auf die Golfstaaten) im Interesse aller genutzt   werden. In einem sozialistischen Nahen Osten in einer sozialistischen   Welt m&#252;sste niemand hungern. Erst k&#252;rzlich hat die Weltbank   bekanntgegeben, dass die heutigen B&#246;den ausreichen w&#252;rden, nicht nur   sechs, sondern sogar neun Milliarden Menschen satt zu machen. W&#252;rden   dar&#252;ber hinaus die Produktivkr&#228;fte (Produktionsmittel und menschliche   Arbeitst&#228;tigkeit) global im Sinne von Mensch und Umwelt genutzt, h&#228;tte   jede und jeder in jedem Teil der Welt Zugang zu Bildung,   Gesundheitsf&#252;rsorge oder Kultur.<\/p>\n<h4>  Sozialistische F&#246;deration<\/h4>\n<p>  Die Vertreibung der Pal&#228;stinenserInnen, der israelische Kriegs- und   Besatzungskurs und die Spaltungspolitik der Herrschenden in Israel haben   eine Mauer des Misstrauens zwischen AraberInnen und Israelis geschaffen.   Vertreter der herrschenden Kreise Israels versuchen in letzter Zeit   vermehrt, Angst vor einem gemeinsamen Staat zu verbreiten. Sie verweisen   darauf, dass die Juden auf dem Territorium vom heutigen Israel und den   Pal&#228;stinensergebieten aufgrund der demografischen Entwicklung bald in   der Minderheit sein werden (gegenw&#228;rtig liegen Pal&#228;stinenserInnen und   Juden etwa gleichauf).<\/p>\n<p>  Vor diesem Hintergrund schl&#228;gt die SAV eine sozialistische   Staaten-F&#246;deration vor. Manche halten dem entgegen, dass ein   sozialistisches Israel und ein sozialistisches Pal&#228;stina neben weiteren   sozialistischen Staaten in der Region auf eine Teilung Pal&#228;stinas   hinausliefe. Dabei ist Pal&#228;stina bereits heute geteilt: in einen   israelischen Staat und in die besetzten Gebiete. Eine wirkliche   Zwei-Staaten-L&#246;sung h&#228;tte nichts mit den Vorstellungen von Ehud Olmert   und anderen gemein. Die zehn Prozent, die Israel heute an die   Pal&#228;stinenserInnen abgibt, sind viel zu wenig. Dar&#252;ber m&#252;sste auf   solidarische Weise gemeinsam diskutiert werden. Die SAV pl&#228;diert daf&#252;r,   dass eine sozialistische F&#246;deration auf freiwilliger Basis mit vollen   Autonomierechten f&#252;r die jeweiligen Minderheiten gebildet wird.   Jerusalem k&#246;nnte den Status einer offenen Stadt erhalten.<\/p>\n<p>  Unmittelbar m&#246;gen diese Ideen utopisch klingen. Utopisch ist aber die   Vorstellung von einer echten Lebensgrundlage unter kapitalistischen   Vorzeichen.<\/p>\n<h4>  Klassenfrage<\/h4>\n<p>  Nat&#252;rlich reicht es nicht, f&#252;r eine sozialistische Vision zu werben. Die   Pal&#228;stinenserInnen m&#252;ssen sich tagt&#228;glich gegen die Bedrohung durch   Israel zur Wehr setzen. Sie werden verfolgt und vertrieben, abgesperrt   und attackiert. Sie haben das Recht, sich dagegen &#8211; bewaffnet &#8211; zu   verteidigen. Allerdings sind Selbstmordanschl&#228;ge und Kassam-Raketen, wie   von der Hamas praktiziert, kontraproduktiv. Das bedeutet keinen   wirksamen Schutz, riskiert zivile Opfer und treibt die israelische   Arbeiterklasse in die Arme der Kriegstreiber. Im Gaza-Krieg spielte dies   der Olmert-Regierung eine wichtige Propagandawaffe zu.<\/p>\n<p>  Im Kampf der Pal&#228;stinenserInnen waren es immer Massenproteste, die mehr   erreicht haben, als alle anderen Formen des Widerstands &#8211; allen voran   die Intifada, der pal&#228;stinensische Aufstand, von 1987. Auch die   vor&#252;bergehende &#214;ffnung der Grenze zum Gaza bei der &#228;gyptischen Stadt   Rafah vor einem Jahr war das Resultat von massenhaftem Druck. Solche   Mobilisierungsschritte sollten mit dem Aufbau von demokratisch   organisierten Selbstverteidigungskomitees verbunden werden &#8211; als   Alternative zu verdeckt arbeitenden Milizen, die zu kriminellen Banden   mutieren und vom israelischen Geheimdienst leicht infiltriert werden   k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Bei der ersten Intifada von 1987 kam es auch zu Streiks, Generalstreiks   und Blockaden. Das machte zeitweilig gro&#223;en Eindruck auf die israelische   Arbeiterklasse. Mehr als einmal drohte sie ihren Kapitalisten mit einer   &#8222;j&#252;dischen Intifada&#8220;. Das ist deshalb so bedeutsam, weil die   Pal&#228;stinenserInnen allein mit milit&#228;rischen Mitteln gegen Israel nicht   siegreich sein k&#246;nnen. Entscheidend ist es daher, dass die   Verantwortlichen f&#252;r das Morden in Israel selber herausgefordert werden.<\/p>\n<h4>  Soziale K&#228;mpfe<\/h4>\n<p>  Auch in Israel gibt es ein Oben und ein Unten. Auch dort existiert eine   Klassengesellschaft. In Arbeitsk&#228;mpfen &#8211; wie in den Streiks der   LehrerInnen oder der Besch&#228;ftigten des &#214;ffentlichen Dienstes in den   letzten Jahren &#8211; wird das sichtbar. Es gilt hier, die gemeinsamen   Interessen von j&#252;dischen und arabischen ArbeiterInnen und Erwerbslosen   deutlich zu machen.<\/p>\n<p>  Schon vor dem Einsetzen der Weltwirtschaftskrise g&#228;rte es in   islamistischen L&#228;ndern wie dem Iran. Mit dem Absturz der &#214;lpreise und   dramatischen Einnahmeverlusten kommt das Ahmadinedschad-Regime erheblich   ins Schlingern.<\/p>\n<p>  In &#196;gypten gab es letztes Jahr eine Serie von Lohnstreiks und eine   Gro&#223;demonstration gegen die Polizei in der Textilarbeiterstadt Mahalla.   &#8222;Staat und Regierung f&#252;rchten, dass sich die Brotunruhen von 1977   wiederholen k&#246;nnten&#8220; (so die FAZ im Dezember). Ende 2008 wurde die erste   unabh&#228;ngige Gewerkschaft seit mehr als 50 Jahren gegr&#252;ndet: sie basiert   auf dem erfolgreichen dreimonatigen Streik von Steuerfahndern f&#252;r eine   Lohnerh&#246;hung von 325 Prozent 2007 und dem damals geschaffenen   Streikkomitee.<\/p>\n<p>  In Israel, aber auch in &#196;gypten und in anderen L&#228;ndern des Nahen Ostens   muss in den Arbeitsk&#228;mpfen f&#252;r unabh&#228;ngige Kampfstrukturen und f&#252;r den   Aufbau von Arbeiterorganisationen geworben werden &#8211; Organisationen, die   sich entschlossen gegen die Kapitalisten und ihr System zur Wehr setzen.   Das wird nicht &#252;ber Nacht passieren. Es ist jedoch kein Wunschdenken.   Vor Jahrzehnten existierten starke Kommunistische Parteien und   Gewerkschaften in einer ganze Reihe von arabischen L&#228;ndern; auch unter   Juden gab es eine relevante Unterst&#252;tzung f&#252;r sozialistische Ideen.   Diese Traditionen gilt es heute wiederzubeleben. SozialistInnen und   k&#228;mpferischen GewerkschafterInnen in Deutschland wie international kommt   die Aufgabe zu, diese Entwicklung zu f&#246;rdern.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Ausgepl&#252;ndert, ausgebeutet und ausgehungert: das ist das Schicksal von<br \/>\n      ArbeiterInnen, Erwerbslosen, Bauern und Jugendlichen im ganzen Nahen<br \/>\n      Osten.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[211],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12980"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12980"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12980\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12980"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12980"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12980"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}