{"id":12966,"date":"2009-02-21T00:00:00","date_gmt":"2009-02-20T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12966"},"modified":"2012-05-15T15:16:02","modified_gmt":"2012-05-15T13:16:02","slug":"12966","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/02\/12966\/","title":{"rendered":"Sch&#252;lerdatei f&#252;r eine bessere Bildung?"},"content":{"rendered":"<p>  Rot-rot in Berlin plant die Einf&#252;hrung einer zentralen Sch&#252;lerdatei, um   das Bildungssystem zu &#8222;verbessern&#8220;. Dabei geht der Datenschutz verloren.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  von Ongoo, Berlin<\/p>\n<p>  Zum ersten Mal wurde das bundesweite zentrale Verzeichnis Mitte Oktober   2006 bei der Kultusministerkonferenz (KMK) besprochen. Der   Gesetzesentwurf wurde auf der Grundlage des internen Berichts &#8222;zur   langfristigen Sicherstellung der Datenbasis f&#252;r die   Bildungsberichterstattung &#8220; und das in &#214;sterreich bereits umgesetze   Bildungsdokumentationsgesetzes entworfen.<\/p>\n<p>  Bundesbildungsministerin Annette Schavan(CDU) und Bildungssenator J&#252;rgen   Z&#246;llner (SPD) wollten schon lange eine solche Sch&#252;lerdatei einrichten   und sind die gr&#246;ssten Bef&#252;rworter.<\/p>\n<p>  Das Gesetz sieht vor, insgesamt 16 pers&#246;nliche Informationen von allen   Sch&#252;lerInnen in einer zentralen Datenbank bis zum Schulabschluss, sofern   keine Schulpflicht mehr besteht, zu sammeln. Unter diesen 16   Informationen z&#228;hlen Name, Geburtsort- und Datum, Geschlecht, Anschrift,   Kontaktdaten der Eltern und Informationen zur besuchten Schule, aber   auch Angaben zur &#8222;nichtdeutschen Herkunftssprache&#8220;, besonderer   F&#246;rderbedarf oder die Befreiung von Lehrmittelzahlungen auf Grund eines   zu geringen Elterneinkommens.<\/p>\n<p>  Zugang zu diesen &#228;usserst sensiblen Daten sollen nicht nur der Senat und   die Schulen haben, sondern auch Beh&#246;rden und &#196;mter, wie Jugend- und   Bezirksschul&#228;mter sowie die Polizei, bei &#8222;individuellem Bedarf&#8220;.<\/p>\n<p>  Besonders die Polizei begr&#252;sst diese Datenbank,da sie straff&#228;llige oder   schw&#228;nzende Sch&#252;lerInnen schneller der entsprechenden Schule zuordnen   k&#246;nne und potenzielle Straft&#228;ter besser im Blick habe.<\/p>\n<p>  Den Sch&#252;lerInnen soll durch Identifikationsnummern die Sicherheit in der   Anonymit&#228;t gew&#228;hrleistet sein. Allerdings ist das schwer vorstellbar, da   die Informationen so intim sind, dass eine Pseudonymisierung oder   Anonymisierung als Schutz vor einer Identifizierung einzelner nicht   ausreicht und damit auch die Erstellung von Personenprofilen m&#246;glich   w&#228;re.<\/p>\n<p>  In Hamburg, wo bereits die Sch&#252;lerdatei besteht, konnten illegale   Sch&#252;ler durch die Aufnahme in die Datenbank herausgefiltert und   abgeschoben werden. Aus Angst vor Entdeckung k&#246;nnten Kinder in Berlin   nicht mehr zur Schule gehen.<\/p>\n<p>  Die Sch&#252;lerdatei soll zwar nach dem Schulabschluss gel&#246;scht werden, aber   in anbetracht der Tatsache, dass der Datenhunger immer gr&#246;sser wird, ist   es nicht auszuschliessen, dass sobald das Prozedere am Laufen ist, das   Spektrum auch erweitert wird, zum Beispiel Kindergarten- und   Studienzeit. Jeder B&#252;rger ist schulpflichtig und w&#228;re in einer   umfangreichen Datei unter einer Identifikationsnummer zusammengefasst!<\/p>\n<p>  Die Datenbank h&#228;tte Informationen &#252;ber Generationen hinweg, nicht nur   f&#252;r die Regierung interessant, sondern auch f&#252;r &#8222;Dritte&#8220; wie zum   Beispiel Arbeitgeber etc.<\/p>\n<h4>  Datenbank zur Planung und Organisierung des Schulwesens<\/h4>\n<p>  Die rot-rote Regierungskoalition in Berlin hat sich November 2008 zu   einem gemeinsamen Gesetzesentwurf geeinigt. Mit der zentralen   Sch&#252;lerdatei k&#246;nne eine geziehlte Verbesserung der Oragnisation des   Schuljahres erziehlt werden, darunter f&#228;llt zum Beispiel die   Bedarfsplanung, Gr&#252;ndung, Zusammenlegung, Umwandlung und Aufhebung von   Ausbildungseinrichtungen; Festsetzung der Aufnahmekapazit&#228;ten und   Vergabe von Schulpl&#228;tzen einschliesslich der Lehrkr&#228;ftezuteilung. Die   Vergabe der Schulpl&#228;tze soll die Eltern daran hindern, ihre Kinder zur   Einschulung oder Wechsel in eine weiterf&#252;hrende Institution an mehreren   Schulen anzumelden. Die Datenbank verschaffe einen besseren &#220;berblick   &#252;ber das Bildungsnetzwerk und w&#252;rde zur &#8222;Kontrolle und Durchsetzung der   Schulpflicht&#8220; beitragen. Wozu man daf&#252;r Informationen zur Herkunft oder   zum Einkommen braucht, das bleibt offen.<\/p>\n<h4>  &#8222;Sobald sie regieren, werden sie schizophren&#8220;<\/h4>\n<p>  Obwohl Die Linke bundesweit engagiert f&#252;r den Datenschutz eintritt,   spielt sie in Berlin f&#252;r die Einf&#252;hrung der Sch&#252;lerdatei in den   vordersten Reihen. Anfangs gab es bei einigen Abgeordneten z&#246;gernden   Widerspruch wegen den einfliessenden pers&#246;nlichen Infomationen. Nach   kurzen internen Diskussionen ist der Widerspruch schnell verpufft. Jede   Schule sammle ohne gesetzliche Grundlage eh schon Daten und nur mit der   Sch&#252;lerdatei k&#246;nne man diesem Sammelsorium einen gesetzlichen Rahmen   geben und somit den Missbrauch der Daten verhindern, so die Begr&#252;ndung   der Linken.<\/p>\n<p>  Es ist schon bezeichnend, dass die einzigen oppositionellen im Parlament   Die Gr&#252;nen sind, rot-rot kann auf die Unterst&#252;tzung seitens der CDU fest   rechnen.<\/p>\n<p>  Sch&#252;ler, Eltern, B&#252;rgerrechtler und Datenschutzbeauftragte wehren sich   zwar mit Protestaktionen gegen das Gesetz. Ein Familienvater beschwerte   sich &#252;ber die Linke mit den Worten: &#8222;Sobald sie regieren, werden sie   schizophren. Das war bei den Gr&#252;nen genau dasselbe&#8220;. Aber solange die   Proteste nur auf Anh&#246;rungen im Bildungsausschuss des Abgeordnetenhauses   Hoffnungen setzen, werden nur kleine Erfolge erziehlt. Die Beratungen   des KMK in Berlin haben zwar noch keinen endg&#252;ltigen Beschluss gefasst,   aber das Gesetz soll zum neuen Schuljahr &quot;09 in Kraft treten.<\/p>\n<h4>  Antwort des Senats auf die bundesweiten Sch&#252;lerInnen-Demonstrationen!<\/h4>\n<p>  Am 12.11.08 sind bundesweit 100000 Sch&#252;lerInnen auf die Strasse   gegangen, um gegen die massiven K&#252;rzungen im Bildungswesen zu   protestieren. Die Antwort des Senats auf das Begehren ist ein neues   Repressionsmittel! Die Sch&#252;lerdatei entm&#252;ndigt nicht nur die Schulen,   sie untergr&#228;bt auch die Selbstbestimmungsrechte der Sch&#252;lerInnen und   Eltern.<\/p>\n<p>  Allein der Aufwand, eine so grosse Datenbank zu finanzieren und zu   verwalten, steht dem Nutzen entgegen. Es w&#252;rde nur unn&#246;tig Steuergelder   verschlingen und ein weiterer B&#252;rokratenapparat w&#228;re geboren. Das   Verwaltungswesen des Bildungssystems ist nicht renovierungsbed&#252;rftig,   sondern das System selbst!<\/p>\n<h4>  Bessere Bildung ohne b&#252;rokratischen Aufwand!<\/h4>\n<p>  Die Probleme werden durch die Datenspeicherung nicht gel&#246;st. Wenns zu   wenig Pl&#228;tze f&#252;r Sch&#252;lerInnen gibt, dann hilft auch die bessere   Verwaltung des Mangels nicht weiter. Die Schulen m&#252;ssen wieder   ausreichend finanziert, mehr Lehrer eingestellt und kleinere Klassen   gebildet werden.<\/p>\n<h4>  Die Bildung muss endlich kostenlos werden, alle Sch&#252;ler m&#252;ssen die   gleiche Chance auf Bildung haben.<\/h4>\n<p>  Es ist h&#246;chste Zeit, dass Sch&#252;lerInnen sich in einer k&#228;mpferischen,   demokratischen und unabh&#228;ngigen Bewegung organisieren und massiven   Widerstand leisten, um der Regierung ordentlich einzuheizen. Der   bundesweite Streik war nur der Anfang! Internationale Sch&#252;ler-und   StudentenInnen Streiks haben gezeigt, dass die Herrschenden in die Knie   gezwungen werden k&#246;nnen!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Rot-rot in Berlin plant die Einf&#252;hrung einer zentralen Sch&#252;lerdatei, um<br \/>\n      das Bildungssystem zu &#8222;verbessern&#8220;. 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