{"id":12963,"date":"2009-01-20T00:00:00","date_gmt":"2009-01-20T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12963"},"modified":"2009-01-20T00:00:00","modified_gmt":"2009-01-20T00:00:00","slug":"12963","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12963\/","title":{"rendered":"Konjunkturpak(e)t von Regierung und Kapital"},"content":{"rendered":"<p>  Die Umverteilung von unten nach oben geht weiter<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Das Konjunkturpaket II der Gro&#223;en Koalition wird weder den Verlauf   der Wirtschaftskrise nachhaltig bremsen, noch nennenswert Arbeitspl&#228;tze   schaffen oder die Lebenssituation der KrisenverliererInnen unter den   Lohnabh&#228;ngigen und Erwerbslosen sp&#252;rbar verbessern. Aber es markiert   einen weiteren Schritt der Umverteilung zugunsten der Konzerne und   bereitet massiven Sozialabbau in der Zukunft vor.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Sascha Stanicic, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Noch zum Jahresende 2008 wollte die Bundesregierung nichts von einer   neuerlichen staatlichen Finanzspritze f&#252;r die Wirtschaft wissen. Doch   kein Tag vergeht ohne &#246;konomische Hiobsbotschaft, die ein weiterer   Mosaikstein, in dem Bild ist, das SozialistInnen schon lange erkannt   haben: wir erleben gerade die gr&#246;&#223;te Weltwirtschaftskrise seit der   Gro&#223;en Depression der 1930er Jahre. Und: wir stehen erst an ihrem Anfang   und Deutschland wird sich der Krise nicht entziehen k&#246;nnen. Der   Politikwechsel der Regierung hin zums Konjunkturpaket ist auch ein   Eingest&#228;ndnis dieser Tatsache.<\/p>\n<p>  Angesichts der Krise haben pro-kapitalistische und vormals dem   Neoliberalismus verpflichtete Regierungen in aller Welt das Dogma der   Deregulierung und des &quot;freien Spiels der Marktkr&#228;fte&quot; ganz schnell &#252;ber   Bord geworfen und sind zu massiven staatlichen Eingriffen in die   Wirtschaft &#252;bergegangen. Warum? Um das kapitalistische System vor einem   katastrophalen Crash zu bewahren. Allen sch&#246;nen Worten zum Trotz f&#252;hlen   sich die Regierenden aus CDU\/CSU und SPD, genauso wie die Browns,   Sarkozys und Obamas, nur den Interessen der Kapitalistenklasse und ihres   Systems verpflichtet. Und genau das kann man auch am Konjunkturpaket   Nummer Zwei aus dem Hause Merkel-Steinbr&#252;ck erkennen.<\/p>\n<h4>  Autos statt Kinder<\/h4>\n<p>  Das Konjunkturpaket II sieht verschiedene Ma&#223;nahmen vor, darunter   gewisse Steuer- und Abgabensenkungen, Investitionen, eine   Auto-Verschrottungspr&#228;mie, ein Kredit- und B&#252;rgschaftsprogramm f&#252;r   Unternehmen und anderes.<\/p>\n<p>  Dabei machen Merkel und Co. deutlich, wo ihre Priorit&#228;ten liegen. 100   Euro Einmalzahlung gibt es f&#252;r jedes Kind, 2.500 Euro f&#252;r die K&#228;ufer von   Neuwagen, die ein mindestens neun Jahre altes Auto abgeben. Autos sind   im Kapitalismus nun einmal mehr wert, als Kinder, Profit ist mehr wert   als der Mensch. Ganz abgesehen davon ist die angeblich &#246;kologische   Komponente dieser Ma&#223;nahme anzuzweifeln, da drei&#223;ig Prozent der   Energiekosten eines Autos in seiner Produktion liegen und viel daf&#252;r   spricht bestimmte Wagen so lange zu fahren, bis sie tats&#228;chlich   schrottreif sind.<\/p>\n<p>  Die Steuer- und Abgabensenkungen bringen eine minimale Erleichterung f&#252;r   Durchschnitts- und Besserverdienende. Geringverdiener gehen weitgehend   leer aus. Die Reichen werden nicht angetastet. selbst die minimale, von   der SPD in die Diskussion gebrachte, vor&#252;bergehende Erh&#246;hung des   Spitzensteuersatzes wurde in das Paket aufgenommen.<\/p>\n<h4>  Subventionen f&#252;r die Bosse<\/h4>\n<p>  Das 100 Milliarden Euro umfassende B&#252;rgschaftsprogramm f&#252;r Unternehmen   ist eine weitere Subvention f&#252;r die Konzerne. Es ist auch ein   Eingest&#228;ndnis, dass das Bankenrettungspaket vom Oktober 2008 nicht die   erw&#252;nschte Wirkung, n&#228;mlich den Kreditfluss wieder in Gang zu bringen,   erzielt hat. Tats&#228;chlich nutzen viele Banken die staatlichen Gelder, um   sich zu sanieren oder, wie im Fall der Commerzbank, die Marktposition   (durch den Aufkauf der dresdener Bank) zu verbessern.<\/p>\n<h4>  Sozialabbau vorprogrammiert<\/h4>\n<p>  Die Koalition will au&#223;erdem eine Schuldenbremse einf&#252;hren, die eine   Gegenfinanzierung der 50 Milliarden, die in den n&#228;chsten beiden Jahren   ausgegeben werden sollen, vorsieht. Gleichzeitig soll die   Neuverschuldung gesetzlich auf 0,5 Prozent begrenzt werden &#8211; also noch   einmal deutlich niedriger als es die Maastricht-Kriterien vorsehen. Das   bedeutet nichts anderes, als die Weichenstellung daf&#252;r, die   Arbeiterklasse in zukunft massiv zur Kasse zu bitten, um die Tilgung der   jetzt gemachten Schulden und die Sonderausgaben zu finanzieren. Neue   Runden von Sozialabbau, Mehrwertsteuererh&#246;hungen, Rentenk&#252;rzungen etc.   sind damit vorprogrammiert.<\/p>\n<h4>  Too little, too late<\/h4>\n<p>  Das ist alles schon schlimm genug, aber auch der Wirtschaftskrise wird   dieses Konjunkturpaket nicht gef&#228;hrlich werden. Ganz abgesehen davon,   dass kein Konjunkturprogramm der Welt die tiefer liegenden Ursachen der   Wirtschaftskrise, wie &#220;berproduktion und -kapazit&#228;ten und die mangelnde   Profitabilit&#228;t f&#252;r Investitionen, beheben k&#246;nnte, ist es ist &quot;too   little, too late&quot;. Die vorgesehenen Investitionen sind l&#228;ngst   &#252;berf&#228;llig, werden versp&#228;tet greifen und k&#246;nnen selbst den Abschwung der   Bauindustrie nicht stoppen. Die Steuersenkung macht, je nach Einkommen,   zwischen 7 und 40 Euro im Monat aus. Zu wenig, als dass es in den Konsum   flie&#223;en w&#252;rde. Angesichts von Verschuldung und Zukunfts&#228;ngsten werden   die meisten Menschen es in Tilgung stecken oder sparen. Und selbst der   Autoverkauf wird kaum so sehr zunehmen, dass die enormen &#220;berkapazit&#228;ten   in der Autoindustrie dadurch abgebaut werden k&#246;nnten. Nicht zuletzt weil   man von den 2.500 Euro den Marktwert des Altwagens abziehen muss.<\/p>\n<h4>  Fazit<\/h4>\n<p>  Und was lernen wir daraus? Man kann sich beim Kampf gegen die Krise des   Kapitalismus nicht auf die VertreterInnen des Kapitalismus verlassen.   F&#252;r jede Verbesserung muss massenhaft gek&#228;mpft werden. Und wirklich   besser wird es nur, wenn statt Kapitalismus die Vernunft herrscht.   Anders ausgedr&#252;ckt: sozialistische Demokratie!<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Umverteilung von unten nach oben geht weiter\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12963"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12963"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12963\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12963"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12963"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12963"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}