{"id":12960,"date":"2009-01-14T00:00:00","date_gmt":"2009-01-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12960"},"modified":"2009-01-14T00:00:00","modified_gmt":"2009-01-14T00:00:00","slug":"12960","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12960\/","title":{"rendered":"Proteste in Israel gegen den Angriff auf Gaza"},"content":{"rendered":"<p>  Tel-Aviv: Rund 10.000 J&#252;dinnen, Juden und AraberInnen protestieren   k&#228;mpferisch gegen den Krieg<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  Bericht der Bewegung Sozialistischer Kampf vom 5. Januar 2009<\/h4>\n<h4>  (hebr&#228;isch: Tnu`at Maavak Sotzyalisti \/ arabisch: Harakat Nidal   Eshteraki &#8211; Schwesterorganisation der SAV in Israel)<\/h4>\n<p>  Zehntausende (vornehmlich israelische Pal&#228;stineserInnen) demonstrieren   in Nordisrael. Nach der wohl t&#246;dlichsten Woche im   israelisch-pal&#228;stinensichen Konflikt seit 40 Jahren haben viele Menschen   weltweit gegen die barbarischen Aktionen des israelischen Regimes   demonstriert.<\/p>\n<p>  In Israel wurden zwei Haupt-Protestaktionen organisiert. Und das vor dem   Hintergrund brutaler anti-demokratischer Schritte des Regimes, das die   Opposition gegen den Krieg zum Schweigen bringen will. Dazu geh&#246;ren   Drohungen durch den Geheimdienst und Massenverhaftungen in der letzten   Woche &#8211; vornehmlich von israelischen Pal&#228;stinenserInnen. Es wird davon   ausgegangen, dass 300 Menschen immer noch festgehalten werden.<\/p>\n<p>  Die Polizei versuchte die f&#252;r den 3. Januar in Tel-Aviv geplante   Demonstration zu verhindern, indem sie behauptete, dass das Zeigen der   pal&#228;stinensischen Flagge in Tel-Aviv eine St&#246;rung des &#246;ffentlichen   Friedens sei. Wenn der Oberste Gerichtshof das Vorgehen des Regimes in   den wichtigen Punkten (zu denen auch Aktionen geh&#246;ren, die vom   internationalen Recht als Kriegsverbrechen bezeichnet werden) auch   guthei&#223;t, so hat er dennoch entschieden, dass dies doch zu peinlich sei   und die Demo gebilligt.<\/p>\n<p>  Sie wurde zur wichtigsten gemeinsamen Demo von J&#252;dinnen, Juden und   AraberInnen seit Beginn des Krieges und fand unter &#228;u&#223;erst schwierigen   Umst&#228;nden statt. Der Demonstrationszug wurde von starken Polizeikr&#228;ften   eingekesselt, die von einer Sondereinheit der Justizbeh&#246;rde verst&#228;rkt   wurden. Zudem umzingelten rund 300 Rechte (viele davon Mitglieder von   Yisrael Beitenu [&#8222;Unsere Heimat Israel&#8220;], Libermans rechtsextremer   Partei) die Demo und als der Zug das Zentrum von Tel-Aviv erreichte,   wurden die Spannungen und t&#228;tlichen Anfeindungen von allen Stra&#223;enecken   her offenbar. Immer wieder wurden Gegenst&#228;nde auf die ProtestiererInnen   geworfen und im Hintergrund waren Fl&#252;che zu h&#246;ren. Allerdings war die   Demonstration mit gut 10.000 TeilnehmerInnen, roten Fahnen und Trommeln   extrem laut, impulsiv und lebendig.<\/p>\n<p>  Es wurden viele Slogans auf Hebr&#228;isch und Arabisch gerufen. Mitglieder   von Maavak Sotzyalisti (Sektion des CWI in Israel) skandierten zusammen   mit vielen anderen: &#8222;Juden und Araber lehnen es ab, Feinde zu sein&#8220;,   &#8222;Juden und Araber k&#228;mpfen gegen die Rassisten&#8220;, &#8222;Die Kinder von Gaza und   Sderot wollen leben&#8220;, &#8222;Barak: Sicherheitsminister, du wirst deine   Herrschaft nicht mit Blut erkaufen&#8220;, &#8222;Kein Frieden, keine Sicherheit &#8211;   zerbrecht die Herrschaft des Kapitals&#8220;, &#8222;Keine neuen Z&#228;une und Bunker &#8211;   Gespr&#228;che zwischen den Einwohnern&#8220;, &#8222;Geld f&#252;r Bildung und Arbeit, nicht   f&#252;r Krieg und Besatzung&#8220;.<\/p>\n<p>  Wir riefen auch (und viele um uns herum stimmten mit ein): &#8222;Wer will   Frieden? Dann m&#252;sst Ihr daf&#252;r k&#228;mpfen! &#8212; Stoppt das Bomben! * Stoppt   den Krieg! * Nein zu den Kassam-Raketen! * Beendet die Belagerung! *   Beendet die Besatzung! * Rei&#223;t die Mauer nieder * Baut die Siedlungen   ab! * H&#246;rt auf mit der Abschottung * Brecht den Rassismus * H&#246;rt auf mit   dem System aus Ausbeutung und Prestige * H&#246;rt auf mit dem System aus   Kapital und Krieg * &#8212; Wer will Frieden? Dann m&#252;sst Ihr daf&#252;r k&#228;mpfen!&#8220;<\/p>\n<p>  Wir stimmten auch bei den Sprechch&#246;ren mit ein: &#8222;Alle Minister der   Regierung sind Kriegsverbrecher&#8220;, &#8222;Sicherheitsminister Barak, wie viele   Kinder hast du heute get&#246;tet?&#8220; und &#8222;Der Faschismus wird nicht   durchkommen&#8220;. Wir verteilten auf der Demo unsere Erkl&#228;rung von Maavak   Sotzyalisti zu dem Krieg, die wir auch bei anderen Demonstrationen und   &#246;ffentlichen Aktionen in Tel Aviv, Haifa und andernorts einsetzten.   Hadash, die Frontorganisation der Kommunistischen Partei, war auf dieser   Demo ebenfalls eine sehr dominierende Kraft.<\/p>\n<p>  Die etablierten Medien f&#252;hrten, nachdem sie diese heruntergespielt   hatten, nicht nur eine Kampagne gegen diese Demonstration. Die Zeitung   Haaretz zum Beispiel, die weltweit als liberale Zeitung bekannt ist,   schrieb als Titelseite auf ihrer Homepage: &#8222;Tel-Aviv: Tausende   protestierten f&#252;r [!] und gegen die Besetzung&#8220;. Der Leitartikel   derselben Zeitung begann mit den Worten: &#8222;Regierungschef Ehud Olmert   erwartet berechtigter Weise, dass sich die israelische &#214;ffentlichkeit   hinter den IDF-Operationen in Gaza vereint&#8220;.<\/p>\n<p>  Nur um die Situation deutlich zu machen: Die Nachrichtensendung des   staatlichen Fernsehens vom Wochenende, die beinahe zwei Stunden dauert,   zeigte kein einziges Bild aus Gaza, aber eine Menge Politiker und   Milit&#228;rs, und sie endete mit einem Bericht &#252;ber die Schokoladenindustrie   in Israel! Und damit endet die Kontrolle &#252;ber die Medien nicht. Sogar   die internationale Presse, die von den Angriffen berichten will, erlebt,   wie schwer dies ist, da es ihnen vom Milit&#228;r praktisch verboten wird,   nach Gaza zu gelangen. Zwei Reporter von Al-Jazeera wurden verhaftet,   als sie &#8222;zu nah&#8220; an den Gazastreifen herankamen. Die akkreditierten   israelischen KorrespondentInnen berichten ohnehin alles, was die   Milit&#228;rsprecher ihnen Glauben machen wollen. Berichte &#252;ber   pal&#228;stinensische Opfer werden stark an den Rand gedr&#228;ngt. Die   israelischen Medien erw&#228;hnen zum Beispiel nicht einmal, dass die   Opferzahlen jetzt im Verh&#228;ltnis von 1:100 zueinander stehen. &#8211; Und   manchmal wird es einfach so dargestellt, wie es Barak tut: &#8222;Hamas und   die Terrororganisationen t&#246;teten rund 400 Menschen&#8220;. Die Propaganda und   F&#228;lschungs-Maschinerie der herrschenden Elite ist einfach immens.   Berichte &#252;ber die weltweit stattfindenden Proteste werden auf &#228;u&#223;erst   denunziatorische Art abgeliefert. Manchmal klingt darin an, dass jede   internationale Kritik am israelischen Regime gleich Antisemitismus   bedeute.<\/p>\n<p>  Samstagvormittag versammelten sich in der im Norden gelegenen Stadt   Sakhnin Tausende zu einer der gr&#246;&#223;ten israelisch-pal&#228;stinensischen Demos   seit Jahren. Obwohl in einigen israelischen Zeitungen von &#8222;einigen   Tausend&#8220; die Rede war, lag die TeilnehmerInnenzahl doch eher an der   100.000er Grenze, wobei auch einige israelische J&#252;dInnen anwesend waren.   Andere Presseberichte beschrieben das Ganze tats&#228;chlich als   Massenveranstaltung, taten dies aber, um eine Gefahr heraufzubeschw&#246;ren.   Dutzende Rechte (wieder vor allem aus der Partei Libermans)   protestierten rund um die Stadt gegen die Demo. Die Stimmung war sehr   k&#228;mpferisch, allerdings auch in erster Linie dominiert von der   Islamischen Bewegung (Nordfl&#252;gel) und der pal&#228;stinensischen   nationalistischen Partei Balad. Es wurden Slogans auf Arabisch gerufen.   Darunter auch Solidarit&#228;tsaufrufe f&#252;r die Menschen in Gaza, in denen sie   ermutigt wurden, angesichts der Panzer und Maschinengewehre nicht   aufzugeben und heldenhaft durchzuhalten. Einige Sprechch&#246;re riefen die   Hisbollah zum Handeln auf und kritisierten die Regime der Arabischen   Liga f&#252;r ihre traditionelle Zusammenarbeit vor allem mit den USA. Leider   wurde in einigen Slogans auch dezidiert zu Terrorhandlungen gegen die   j&#252;dische Bev&#246;lkerung aufgerufen.<\/p>\n<p>  Dass die Demo von Sakhinin haupts&#228;chlich von rechten Kr&#228;ften wie der   Islamischen Bewegung dominiert war, ist kein Zufall. Hadash war nur   vereinzelt pr&#228;sent. Das ist ein Zeichen sowohl f&#252;r die sich immens   entwickelnde nationale Polarisierung wie auch f&#252;r die Schw&#228;chung von   Teilen ihrer Unterst&#252;tzerbasis unter israelischen Pal&#228;stineserInnen in   den letzten Jahren. Was auch schon bei den j&#252;ngsten Kommunalwahlen in   der Stadt und einigen anderen Orten nachzuvollziehen war. Dieses Zeichen   der Verzweiflung r&#252;hrt daher, dass die KP\/Hadash als Partei, die den   Ereignissen gewisserma&#223;en hinterher l&#228;uft, die Rolle spielt, sich mit   unbedeutenden, kosmetischen, gesetzlichen L&#246;sungen zu besch&#228;ftigen und   keine Bewegung aufbaut. Obzwar einige dieser kleinen Reformen ganz   positiv sind, k&#246;nnte wesentlich mehr erreicht werden, wenn Hadash den   Ansatz verfolgen w&#252;rde, den massenhaften Kampf aufzubauen. Es gibt   traurige Beispiele f&#252;r solch opportunistisches Verhalten, wie etwa in   einigen Gegenden die Zusammenarbeit mit der Islamischen Bewegung bei   Wahlen, anstatt eine Alternative aufzustellen, sowie das   bemerkenswerteste Beipsiel der Art der Kollaboration von Hadesh mit   Libermans Partei Unsere Heimat Israel in Haifa, wo man sich mit dieser   in einer Koalition befindet. In Haifa unterst&#252;tzten sie die Wahl des   derzeitigen B&#252;rgermeisters von der wichtigsten Regierungspartei Kadima,   angeblich um den Kandidaten von Libermans Partei von diesem Amt   fernzuhalten. Das ist die Erkl&#228;rung f&#252;r das gro&#223;e politische Vakuum und   der Grund daf&#252;r, warum solch bedeutsame Demos eher von rechten   Organisationen beeinflusst werden.<\/p>\n<p>  In nur neun Tagen wurden &#252;ber 500 Pal&#228;stinenserInnen get&#246;tet, 30 von   ihnen seit Beginn der Operationen am Boden. Tausende wurden verwundet   und tausende H&#228;user sind in dem schmalen Gazastreifen zerst&#246;rt worden.   Und es gibt nat&#252;rlich die &#228;u&#223;erst sch&#228;dlichen Auswirkungen auf die   arabischen und j&#252;dischen Massen innerhalb Israels. Doch nun, nach der   Demonstration in Tel-Aviv am Samstag, h&#246;ren wir die schrecklichen   Meldungen &#252;ber den Beginn der Bodenoffensive als Anfang einer neuen   Woche des Mordens. Es wird aber auch eine weitere Protestwoche werden.   Die Demo in Tel-Aviv hat gezeigt, dass die gemeinsame Bewegung von   J&#252;dinnen, Juden und AraberInnen gegen den Krieg trotz der Repression   stark ausgeweitet werden kann und muss.<\/p>\n<p>  Die israelische herrschende Elite nutzt die &#196;ngste der   israelisch-j&#252;dischen Arbeiterklasse aus, und diese Angriffe werden   unglaublicher Weise vom gesamten Establishment mit einer Stimme wie   folgt begr&#252;ndet: Es ist ein &#8222;unausweichlicher Krieg&#8220;. Sie tun dies, um   ihren verzweifelten Versuch zu rechtfertigen, aus ihrer tiefen   politischen Krise herauszukommen und die eigene Dem&#252;tigung abstreifen zu   k&#246;nnen, die sie aufgrund ihrer fehlgeschlagenen Strategien in den   vergangenen Jahren erfahren haben. Aber die Menschen der Arbeiterklasse   werden fr&#252;her oder sp&#228;ter ebenfalls realisieren, dass sie b&#246;se get&#228;uscht   und in einen blutigen Konflikt hineingezogen wurden, der ihren eigenen   Interessen entgegensteht. Und sie werden in immer gr&#246;&#223;erer Zahl nach   anderen M&#246;glichkeiten suchen. Die Bewegung gegen den Krieg muss   versuchen, auch diese Menschen zu erreichen &#8211; trotz der &#228;u&#223;erst   schwierigen Atmosph&#228;re. Auf der Grundlage von Solidarit&#228;t und   Sozialismus kann dies erreicht werden. Und das ist der einzige Weg.<\/p>\n<h4>  <a href=\"http:\/\/www.maavak.org.il\">Website der Bewegung Sozialistischer   Kampf (Tnu`at Maavak Sotzyalisti \/ Harakat Nidal Eshteraki)<\/a><\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Tel-Aviv: Rund 10.000 J&#252;dinnen, Juden und AraberInnen protestieren<br \/>\n      k&#228;mpferisch gegen den Krieg\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37,104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12960"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12960"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12960\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12960"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12960"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12960"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}