{"id":12954,"date":"2009-01-17T00:00:00","date_gmt":"2009-01-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12954"},"modified":"2009-01-17T00:00:00","modified_gmt":"2009-01-17T00:00:00","slug":"12954","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12954\/","title":{"rendered":"Kurzarbeit: Im Sinne der Besch&#228;ftigten?"},"content":{"rendered":"<p>  Im Zuge der sich entwickelnden Rezession nimmt Kurzarbeit immer mehr zu.   Waren im Oktober 2007 noch 15.000 davon Betroffen, waren es ein Jahr   sp&#228;ter bereits 57.000. Seither hat sich die Zahl nochmal deutlich auf   &#252;ber 165.000 zum Jahresende 2008 erh&#246;ht. Was bedeutet das f&#252;r die   Besch&#228;ftigten?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Seit dem Herbst des vergangenen Jahres ist es insbesondere in der   Autoindustrie und den Bereichen der Wirtschaft, die mit ihr eng   verbunden sind (Zulieferer der Metall, Stahl und Chemieindustrie) zu   einem massiven Absatzeinbruch gekommen. Eine bis zu 30 Prozent geringere   Auslastung der Betriebe sorgt daf&#252;r, dass sich die Besch&#228;ftigten Sorgen   um ihre Arbeitspl&#228;tze machen.<\/p>\n<h4>  Was ist Kurzarbeit?<\/h4>\n<p>  In dieser Situation kommt ein Gesetz wieder in Mode, dass &#252;ber viele   Jahre kaum noch Beachtung gefunden hat. Das so genannte   &#8222;Kurzarbeitergeld&#8220; sieht vor, dass die Unternehmer Entlassungen   verhindern sollen und daf&#252;r Zusch&#252;sse aus der Kasse der Bundesagentur   f&#252;r Arbeit erhalten. Die ArbeitnehmerInnen erhalten 60 (kinderlos) bzw.   67 Prozent (mit Kindern) des letzten Entgeltes. Die Arbeitszeit kann auf   Null Stunden reduziert werden. Die Bundesregierung hat zuletzt per   Verordnung die Bezugsdauer f&#252;r das Jahr 2009 von bislang sechs auf   maximal 18 Monate angehoben und in der Bundesagentur f&#252;r Arbeit hei&#223;t   es, dass entsprechende Antr&#228;ge von Unternehmen wohlwollend behandelt   werden (diese m&#252;ssen erkl&#228;ren, warum in absehbarer Zeit damit zu rechnen   ist, dass sich die Gesch&#228;ftslage bessert und die Gesamtbelegschaft   wieder gebraucht wird) In dieser Zeit begleicht das Arbeitsamt den Lohn.   Der Kapitalist muss nur die Beitr&#228;ge zu den Sozialversicherungen weiter   einzahlen.<\/p>\n<p>  Politisches Ziel dieser &#8222;Kurzarbeit-Offensive&#8220; ist auch   Entlassungswellen aufgrund der Krise zu verz&#246;gern und dadurch   kollektiven Widerstand zu erschweren. Es soll auch der Eindruck erweckt   werden, die Unternehmen w&#252;rden &#8222;alle M&#246;glichkeiten aussch&#246;pfen&#8220;, um   Entlassungen zu verhindern. F&#252;r die DAX-Konzerne, die gro&#223;spurig   angek&#252;ndigt haben, betriebsbedingte K&#252;ndigungen im Jahr 2009 zu   vermeiden, bietet die Kurzarbeit die M&#246;glichkeit diese Ank&#252;ndigung, die   ohnehin auf entsprechenden Vertr&#228;gen mit den Gewerkschaften basiert,   eventuell einzuhalten<\/p>\n<h4>  Einschnitte f&#252;r Betroffene<\/h4>\n<p>  In gr&#246;&#223;eren Betrieben konnten die Gewerkschaften durchsetzen, dass die   L&#246;hne auf bis zu 95 Prozent durch das Unternehmen aufgestockt werden   (zum Beispiel bei Daimler). Kein Wunder, dass so mancher Kollege dieses   Instrument als sinnvolle Alternative zu einer drohenden Entlassung   ansieht.<\/p>\n<p>  Neben den Gro&#223;betrieben, gibt es jedoch viele kleinere Firmen, deren   Belegschaften sich in einer schlechteren Ausgangslage befinden und nur   den Mindestsatz erhalten. Dies bedeutet einen massiven Einschnitt f&#252;r   die Betroffenen. Miete und Lebenshaltungskosten bleiben nat&#252;rlich gleich.<\/p>\n<h4>  Keine Alternative?<\/h4>\n<p>  Kurzarbeit wird in der Regel von den Betriebsr&#228;ten und Gewerkschaften   mitgetragen. Nach dem Motto: Lieber kurz und mit finanziellen Einbu&#223;en   arbeiten und den Job behalten, als diesen zu verlieren. Die Kapitalseite   beabsichtigt mit dem Gesetz eine Senkung der Lohnkosten, um damit die   Profitrate zu steigern bzw. Verluste zu vermeiden. Die Kosten f&#252;r die   Krise, die von der Kapitalistenklasse und ihrem System ausgel&#246;st wurde,   werden so auf die Arbeiterklasse &#8211; durch Lohnk&#252;rzungen und   Kurzarbeitergeld aus Mitteln der Sozialversicherungen &#8211; verlagert.<\/p>\n<p>  Die gesetzliche Kurzarbeit weist jedoch auf einen richtigen Gedanken   hin: n&#228;mlich, dass in Zeiten der Krise und dar&#252;ber hinaus, die   vorhandenen Arbeitspl&#228;tze nur verteidigt werden k&#246;nnen,wenn die   vorhandene Arbeitszeit verk&#252;rzt wird. Die Gewerkschaftsb&#252;rokratie hat in   den vergangen Jahren in allen Bereichen Arbeitszeitflexibilisierung und   -verl&#228;ngerung zugestimmt. Kritische und linke Betriebsr&#228;te und   GewerkschafterInnen sollten sich daf&#252;r einsetzen, dass jetzt eine   Kampagne aller<\/p>\n<p>  Gewerkschaften vorbereitet wird, die sich zum Ziel setzt, alle   Arbeitspl&#228;tze zu verteidigen und sich die 30-Stunden -Woche beim vollem   Lohn und Personalausgleich auf die Fahne schreibt. Auf der Grundlage des   kapitalistischen Eigentums haben die Konzerne immer noch gen&#252;gend   M&#246;glichkeiten dieses zu Unterlaufen. Deshalb sollte gelten: Arbeit oder   voller Lohn! Wenn Unternehmen dazu nicht bereit sind und Entlassungen   oder Betriebsschlie&#223;ungen ank&#252;ndigen, m&#252;ssen sie enteignet und in   &#246;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und Verwaltung durch   die Belegschaft und die arbeitende Bev&#246;lkerung &#252;berf&#252;hrt werden. Die   Partei DIE LINKE sollte solche Forderungen aktiv unterst&#252;tzen und mit   entsprechenden Antr&#228;gen im Bundestag und Kampagnen auf der Stra&#223;e und in   den Betrieben erg&#228;nzen.<\/p>\n<h4>  Anhang: Zitat aus einem Artikel der FAZ zu Kurzarbeit vom 27.\/28.12.08<\/h4>\n<p>  Allerdings (&#8230;) komme es auf eine genaue Pr&#252;fung des Einzelfalls an.   Der Experte f&#252;r Sozialrecht weist darauf hin, dass Kurzarbeitergeld   sp&#228;ter den Bezug von Elterngeld mindern kann, weil der Beh&#246;rdenzuschuss   nicht als Berechnungsgrundlage akzeptiert wird. &#8222;Wir empfehlen daher,   schwangere Frauen oder werdende V&#228;ter von Kurzarbeit auszunehmen.&#8220; Die   Sozialleistungstr&#228;ger geben zu solchen Auswirkungen Auskunft.<\/p>\n<p>  Auch Besch&#228;ftigte, die sich in der aktiven Phase von Altersteilzeit   befinden, sollten sich vor der Annahme von Kurzarbeit informieren (&#8230;).   Es k&#246;nne sein, dass sie sp&#228;ter das reduzierte Arbeitsvolumen   nacharbeiten m&#252;ssten und sich der Eintritt in die passive Phase, also   den vorgezogenen Ruhestand, verschiebe.<\/p>\n<p>  Ebenso kann es nach Angaben der Arbeitnehmervertreter zu Ver&#228;nderungen   kommen, wenn w&#228;hrend der Kurzarbeitsphase das Arbeitsverh&#228;ltnis   gek&#252;ndigt wird. Von diesem Moment an f&#228;llt das Kug (Kurzarbeitergeld)   weg; das hei&#223;t, der Betroffene muss mehrere Monate bis zum faktischen   Ausscheiden aus dem Unternehmen mit weniger Geld auskommen.<\/p>\n<h4>  Informieren sollten sich Besch&#228;ftigte auch, welche Auswirkungen   Kurzarbeit auf Sonderzahlungen wie Weihnachts- und Urlaubsgeld oder Boni   hat.<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Im Zuge der sich entwickelnden Rezession nimmt Kurzarbeit immer mehr zu.<br \/>\n      Waren im Oktober 2007 noch 15.000 davon Betroffen, waren es ein Jahr<br \/>\n      sp&#228;ter bereits 57.000. 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