{"id":12951,"date":"2009-01-16T00:00:00","date_gmt":"2009-01-16T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12951"},"modified":"2009-01-16T00:00:00","modified_gmt":"2009-01-16T00:00:00","slug":"12951","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12951\/","title":{"rendered":"Mit Konjunkturprogrammen die Krise l&#246;sen?"},"content":{"rendered":"<p>  F&#252;hrende Vertreter der LINKEN zeigen nach China, Japan und die USA und   fordern von Bundeskanzlerin Merkel ebenfalls ein umfangreiches   Konjunkturprogramm. Ist das der richtige Ansatz?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>Dokumentiert: <\/b><\/h4>\n<h4>  <b>Michael Schlecht: Konjunkturprogramm von 50 Milliarden Euro notwendig<\/b><\/h4>\n<p>  <b>Nachdem die Bundesregierung ank&#252;ndigte, bis 2012 knapp zw&#246;lf   Milliarden Euro in die Konjunkturf&#246;rderung zu investieren, erkl&#228;rte   Michael Schlecht, Bundesvorstandsmitglied und gewerkschaftspolitischer   Sprecher der LINKEN, am 11. November:<\/b><\/p>\n<p>  <b>&#8222;Der von der Regierung versprochene Schutzschirm f&#252;r Arbeitspl&#228;tze   ist mit gerade einmal zw&#246;lf Milliarden Euro viel zu klein, denn unser   Land ist bereits in der Rezession. Es reicht nicht aus, dass Frau Merkel   Chinas Konjunkturprogramm zum Ausbau der Infrastruktur und der   Sozialleistungen begr&#252;&#223;t. Deutschland h&#228;tte auch Bedarf. DIE LINKE   fordert ein Konjunkturprogramm von 50 Milliarden Euro. Anstatt auf   Bildungsgipfeln nur hei&#223;e Luft zu produzieren, m&#252;ssen Ausbaupl&#228;ne f&#252;r   Erziehungs- und Bildungseinrichtungen sofort umgesetzt werden. Auch in   den &#246;ffentlichen Krankenh&#228;usern besteht ein massiver Investitionsbedarf.   Au&#223;erdem w&#228;re es m&#246;glich, viele &#246;kologisch sinnvolle   Infrastrukturprojekte, zum Beispiel Reparatur der maroden Kanalisation,   aufzulegen. Die Ursache des konjunkturellen Abschwungs ist die viel zu   schwache konsumtive Binnennachfrage. Sie ist w&#228;hrend des gesamten Zyklus   seit 2004 nie aus dem Keller gekommen. Die Ursache hierf&#252;r ist der   politisch gewollte Niedriglohnsektor. Die Agenda 2010 ist nicht nur ein   sozialer Skandal, sie hat auch den Aufschwung vorzeitigt abgew&#252;rgt. Die   Finanzmarktkrise verst&#228;rkt diesen Abschwung durch die wegbrechende   Exportnachtfrage und die Finanzklemme. Ein Konjunkturprogramm muss der   viel zu schwachen Binnennachfrage auf die Beine helfen.&#8220;<\/b><\/p>\n<h4>  <b>Nicht nur Symptome, sondern Ursachen der kapitalistischen Misere   bek&#228;mpfen<\/b><\/h4>\n<p>  <b>International &#252;berschlagen sich Wirtschaftsinstitute, Parteien und   Politiker derzeit mit Vorschl&#228;gen und Ma&#223;nahmen, der Wirtschaftskrise   mit umfangreichen Konjunkturprogrammen zu begegnen. Auch in Deutschland   hat sich l&#228;ngst eine wilde Diskussion entz&#252;ndet &#8211; obgleich Angela Merkel   daf&#252;r pl&#228;dierte, erstmal abzuwarten und Tee zu trinken.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Angela Berger, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<h4>  Im Gespr&#228;ch ist viel: Konsumgutscheine, Investitionen in Bildung,   Gesundheit, erneuerbare Energien, Ausbau der Infrastruktur,   Steuersenkungen.<\/h4>\n<p>  Nun ist nat&#252;rlich nichts dagegen einzuwenden, nach Jahren von   R&#252;ckschritt und Verfall soziale Verbesserungen und gesellschaftlich   n&#252;tzliche Investitionen zu finanzieren (wobei das auf viele b&#252;rgerliche   Vorschl&#228;ge nicht zutrifft). Nur, und das sei der Parteif&#252;hrung der   LINKEN ins Stammbuch geschrieben: Die Krise des Kapitalismus werden   solche keynesianischen Ma&#223;nahmen der Konjunkturbelebung nicht beheben.   Weil es nicht an den Ursachen ansetzt, sondern nur die Symptome bek&#228;mpft.<\/p>\n<h4>  Ursache kapitalistischer Krisen<\/h4>\n<p>  Die Ursache f&#252;r das Aufbl&#228;hen der Finanzm&#228;rkte und die heutige   Weltwirtschaftskrise liegt in den inneren Widerspr&#252;chen der   kapitalistischen Realwirtschaft. Diese systemimmanenten Widerspr&#252;che   ergeben sich aus dem Profit- und Konkurrenzmechanismus, der wiederum   Folge des Privateigentums an den Produktionsmitteln ist. Im Kapitalismus   geht es allein um die h&#246;chstm&#246;gliche Verwertung des eingesetzten   Privatkapitals in Konkurrenz zu anderen Unternehmen. Die Konkurrenz   zwingt zu immer weiterer Steigerung der Produktivit&#228;t durch Einf&#252;hrung   neuer Technologien und Rationalisierung. Dadurch wird menschliche   Arbeitskraft &#8211; die allein neue Werte schafft &#8211; eingespart, die   Investitionskosten f&#252;r die Anlagen werden immer h&#246;her.<\/p>\n<p>  Die Profite geraten von zwei Seiten unter Druck: steigende   Investitionskosten bei geringerer Wertsch&#246;pfung einerseits, schlechtere   Absatzaussichten andererseits, denn die kaufkr&#228;ftige Nachfrage (und nur   um diese geht es im Kapitalismus) kann mit dem wachsenden G&#252;teraussto&#223;   nicht mithalten. L&#228;ngerfristig sinken dadurch die Profitraten   tendenziell, das hei&#223;t die &#8222;Verzinsung&#8220; des in der Warenproduktion   eingesetzten Kapitals. Wenn zuk&#252;nftige Investitionen nicht mehr so   lohnend sind wie vorherige, wenn ohnehin schon &#220;berkapazit&#228;ten bestehen,   dann wird weniger oder gar nicht mehr investiert. &#220;brigens egal, wie   niedrig die Zinsen sind &#8211; wie sich in Japan in den neunziger Jahren   zeigte und wie sich heute international erneut zeigen wird.<\/p>\n<p>  Eine Abw&#228;rtsspirale setzt ein. Kapital wird auf vielf&#228;ltige Weise   entwertet: durch Vernichtung oder Brachliegen von   Produktionskapazit&#228;ten, Konkurse, Entlassungen, Entwertung   (Verbilligung) von Produkten, Vernichtung von Verm&#246;genswerten wie Aktien   und Immobilien. Erst wenn gen&#252;gend Kapital vernichtet wurde und k&#252;nftige   Investitionen wieder bessere Profitraten versprechen, geht ein neuer   Zyklus los.<\/p>\n<h4>  &#220;berkapazit&#228;ten<\/h4>\n<p>  Die weltweite &#220;berproduktion und dadurch &#252;bersch&#252;ssiges Kapital auf der   Suche nach profitablen Anlagem&#246;glichkeiten sind im Kern das treibende   Element hinter dem Abheben der Finanzm&#228;rkte, hinter der neoliberalen   Wirtschaftspolitik mit Deregulierung, Privatisierung, Umverteilung   zugunsten der Kapitaleigner, hinter der Absenkung der Reall&#246;hne.<\/p>\n<p>  Dass vor diesem Hintergrund Konsumgutscheine und Kaufanreize schnell   verpuffen w&#252;rden, ist relativ offensichtlich. Wo schon &#220;berkapazit&#228;ten   bestehen, l&#246;st zus&#228;tzliche Nachfrage &#8211; falls es angesichts von privater   Verschuldung und der Sorge um den Arbeitsplatz &#252;berhaupt dazu kommen   sollte &#8211; keinerlei Investitionsimpuls aus. Falls zum Beispiel durch   Steuernachlass die Nachfrage nach Autos stiege (was sehr fraglich ist),   k&#246;nnten diese spielend aus den massiven &#220;berkapazit&#228;ten der   Autoindustrie bedient werden. Theoretisch k&#246;nnte heute die europ&#228;ische   Autoproduktion still gelegt werden; der derzeitige Weltbedarf lie&#223;e sich   mit den verbleibenden Unternehmen abdecken.<\/p>\n<h4>  Investitionsprogramme<\/h4>\n<p>  In der Linken, nicht nur in der Partei DIE LINKE, auch in den   Gewerkschaften beispielsweise, werden staatliche Investitionsprogramme   und h&#246;here Transferleistungen diskutiert &#8211; finanziert durch eine   st&#228;rkere Besteuerung der Reichen (Stichwort &#8222;Million&#228;rssteuer&#8220;) und eine   erh&#246;hte Kreditaufnahme.<\/p>\n<p>  Staatliche Investitionsnachfrage kann tats&#228;chlich eine   konjunkturankurbelnde Wirkung entfalten. Allerdings nur f&#252;r eine gewisse   Zeit. Das Problem dabei ist: Woher nimmt der Staat das Geld?<\/p>\n<p>  Eine Erweiterung der Geldmenge bietet bekanntlich keinen Ausweg, weil   dies inflation&#228;r wirkt. Genau das ist in den siebziger Jahren passiert,   als auch Industrienationen mit teils zweistelligen Inflationsraten   geschlagen waren. Diese Erfahrungen f&#252;hrten seinerzeit unter anderem zur   Abkehr vom Keynesianismus und zur Hinwendung zum &#8222;Neo&#8220;-Liberalismus.<\/p>\n<p>  Nimmt der Staat es von den ArbeitnehmerInnen, beschneidet er den   Massenkonsum. Nimmt er es von den Kapitaleignern, wie Linke es   vorschlagen, erh&#246;ht man ihre Steuern und macht die Politik der letzten   20 Jahre r&#252;ckg&#228;ngig, wird man die Krisenmechanismen des Kapitalismus   weiter versch&#228;rfen, weil man ihre Profite beschneidet und sie dann noch   weniger in die &#8222;Realwirtschaft&#8220; investieren.<\/p>\n<p>  Bleibt noch die Finanzierung durch Erh&#246;hung der staatlichen   Kreditaufnahme. Abgesehen davon, dass die staatliche Schuldenbedienung   wiederum die Finanzm&#228;rkte befeuert und eine Umverteilung zugunsten der   verm&#246;genden Kreditgeber bedeutet, stellt die Bedienung der Schulden   erneut dasselbe Problem: aus wessen Taschen? Siehe oben. Nur, dass das   Dilemma dann um eine Zeitperiode verschoben wurde.<\/p>\n<h4>  Das Beispiel Japan<\/h4>\n<p>  Keynesianische Konjunktur-Ma&#223;nahmen bewirken auf kapitalistischer   Grundlage vor allem eins: eine Abmilderung und ein Herausschieben der   Krisenfolgen. Dies konnte man in Japan in der neunzigern Jahren   verfolgen, nachdem dort Anfang der Neunziger die Finanzm&#228;rkte und   Realwirtschaft einen &#228;hnlich dramatischen Kollaps erlebten.<\/p>\n<p>  Zehn Konjunkturprogramme mit einem Gesamtvolumen von 1.300 Milliarden   Euro &#8211; also weit mehr, als selbst die k&#252;hnsten Forderungen in   Deutschland heute &#8211; bewirkten lediglich, dass statt einer tiefen Krise   mit massiver Kapitalvernichtung 15 Jahre Stagnation mit etappenweiser   Kapitalvernichtung herauskamen. &#220;brig geblieben ist ein immenser Berg an   Staatsschulden, der 180 Prozent des Sozialprodukts ausmacht und nur   durch langj&#228;hrige, konstant hohe Wachstumsraten abzutragen w&#228;re. Die   sind im Kapitalismus, schon gar nicht im niedergehenden, nicht in Sicht.<\/p>\n<h4>  Privateigentum<\/h4>\n<p>  Das kapitalistische Profit- und Konkurrenzprinzip macht die   Marktwirtschaft chaotisch und f&#252;hrt immer wieder zu grundlegenden   Krisen, die durch keine b&#252;rgerliche Wirtschaftspolitik zu verhindern   sind.<\/p>\n<p>  Statt Forderungen zu erheben, die das kapitalistische System vor   Verwerfungen sch&#252;tzen sollen, was ohnehin nicht geht, sind solche   Forderungen dringender denn je, die einen Weg zum &#220;bergang in ein   demokratisch-sozialistisches Wirtschaftssystem aufzeigen. Nur wenn das   Privateigentum an den Produktionsmitteln und die kapitalistischen   Profitprinzipien aufgehoben werden, k&#246;nnen Gesellschaft und Politik die   Instrumente in die Hand bekommen, um den von der arbeitenden Bev&#246;lkerung   erwirtschafteten Reichtum sinnvoll einzusetzen. Aufgabe der Linkspartei   in der Wirtschaftskrise w&#228;re es, intelligente &#220;bergangsforderungen   aufzustellen, die uns diesem Ziel n&#228;her bringen.<\/p>\n<h4>  Verteilungskampf<\/h4>\n<p>  In diesem Kontext ist die Forderung nach &#246;ffentlichen   Investitionsprogrammen, f&#252;r die die Reichen zur Kasse gebeten werden,   wichtig und notwendig. Darum fordert die SAV heute auch ein staatliches   Investitionsprogramm von 100 Milliarden Euro j&#228;hrlich in den Bereichen   Bildung, Umwelt, Gesundheit und Soziales. Solche Investitionsprogramme   sind dann aber keine Ma&#223;nahmen, die den Kapitalismus wieder ins Lot   bringen. Vielmehr f&#252;hren sie dazu, dass die privaten Investoren ihre   Investitionen zur&#252;ckschrauben wollen, weil sich ihre Profitsituation   durch Ma&#223;nahmen wie eine Million&#228;rssteuer oder eine stark progressive   Besteuerung weiter verschlechtert. Um das aufzufangen, m&#252;ssten im   n&#228;chsten Schritt die &#246;ffentlichen Investitionen noch mehr steigen &#8211;   wieder auf Kosten der Reichen und Kapitalisten. Da die sich mit allen   Mitteln dagegen wehren werden, scheibchenweise enteignet zu werden,   werden wir auf diesem Weg schnell vor der Notwendigkeit stehen, sie   vollst&#228;ndig zu entmachten, und vom Kapitalismus zum Sozialismus   &#252;berzugehen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      F&#252;hrende Vertreter der LINKEN zeigen nach China, Japan und die USA und<br \/>\n      fordern von Bundeskanzlerin Merkel ebenfalls ein umfangreiches<br \/>\n      Konjunkturprogramm. 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