{"id":12949,"date":"2009-01-14T00:00:00","date_gmt":"2009-01-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12949"},"modified":"2009-01-14T00:00:00","modified_gmt":"2009-01-14T00:00:00","slug":"12949","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12949\/","title":{"rendered":"Von kleinen und gro&#223;en R&#228;ubern"},"content":{"rendered":"<p>  Was wirklich hinter dem Einsatz der Bundesmarine zur &#8222;Piratenbek&#228;mpfung&#8220;   steckt<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der Bundestag gab am 19. Dezember gr&#252;nes Licht, die vor dem Horn von   Afrika stationierte deutsche Marine in den Kampfeinsatz zu schicken. Sie   soll gegen vor den somalischen Gew&#228;ssern aktive Piraten vorgehen. Die   meisten Menschen, die Piraten nur von Hollywood-Filmen her kennen,   reiben sich verdutzt die Augen. Aber gefragt werden die ja ohnehin nicht.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Marcus Hesse, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Seer&#228;uberei ist an den K&#252;sten vor Somalia zu einem eintr&#228;glichen   Gesch&#228;ft geworden. Dem voraus ging jedoch die systematische Zerst&#246;rung   der traditionellen Fischereiwirtschaft durch westliche Konzerne.<\/p>\n<h4>  Piraten = ruinierte Fischer<\/h4>\n<p>  In Somalia leben die K&#252;stenbewohner seit Jahrhunderten vom Seefischfang.   Doch seit europ&#228;ische und US-amerikanische Fangflotten dort zur gro&#223;   angelegten Ausbeutung der Fischbest&#228;nde &#252;bergegangen sind (Fisch im Wert   von 300 Millionen Dollar wird j&#228;hrlich exportiert), sind zahlreiche   Fischerfamilien v&#246;llig verarmt und zur Piraterie &#252;bergewechselt.<\/p>\n<p>  An der Spitze dieser Banden stehen aber nicht die verarmten und   verzweifelten ehemaligen Fischer, sondern rivalisierende Clanf&#252;hrer und   Warlords, die auch sonst ganz gut von Gewalt und B&#252;rgerkrieg   profitieren. Welch gewaltiges Gesch&#228;ft die Piraterie ist, zeigt die   j&#252;ngste Entf&#252;hrung des &#214;ltankers Sirius Star, der zwei Millionen Barrel   Roh&#246;l transportierte. Das illegale Verbrechen wird zum gef&#228;hrlichen   Konkurrenten f&#252;r die legalen Verbrecher aus den imperialistischen   L&#228;ndern. Es geht um Fischbest&#228;nde, Transportwege f&#252;r &#214;l und &#214;lvorkommen   in der Region.<\/p>\n<h4>  Somalia &#8211; vom Weltkapitalismus zerst&#246;rtes Land<\/h4>\n<p>  Nach dem Sturz des Diktators Siad Barre 1991 war Somalia ein   &#8222;gescheiterter Staat&#8220;, ohne zentrale Regierung, in dem rivalisierende   Warlords um die Macht k&#228;mpften. Dieser Zusammenbruch war eine direkte   Folge der Vernichtung der traditionellen nomadischen Viehwirtschaft und   der Landwirtschaft durch &#8222;Strukturanpassungsprogramme&#8220; unter dem Diktat   von IWF und Weltbank. Programme, die im Interesse westlicher Konzerne   durchgezogen wurden. Massenarmut und Hungersn&#246;te waren das bittere   Ergebnis.<\/p>\n<p>  Eine milit&#228;rische Intervention der Vereinten Nationen, unter F&#252;hrung der   USA, endete in einem Desaster. 1995 mussten die Truppen abziehen. Die   US-Soldaten wurden von der Bev&#246;lkerung in Somalia zu Recht als   Unterdr&#252;cker und Besatzer empfunden.<\/p>\n<p>  Im Chaos des st&#228;ndigen B&#252;rgerkriegs &#8211; der Sch&#228;tzungen zufolge 300.000   Menschen das Leben kostete und 1,5 Millionen Menschen zur Flucht in die   Nachbarl&#228;nder zwang &#8211; konnten sich islamisch-fundamentalistische Kr&#228;fte   als scheinbar einziger Ordnungsfaktor pr&#228;sentieren und   Massenunterst&#252;tzung gewinnen. Allen voran die &#8222;Union islamischer   Gerichte&#8220;, die 2006 die Macht &#252;bernahm.<\/p>\n<p>  Das rief erneut den US-Imperialismus auf den Plan, der eine verhasste   und korrupte Gegenregierung einsetzte. Im B&#252;ndnis mit den USA griff das   Nachbarland &#196;thiopien milit&#228;risch zu Gunsten der US-Kr&#228;fte in Somalia   ein, um sich ebenfalls ein St&#252;ck vom Kuchen zu sichern.<\/p>\n<h4>  Zerrieben zwischen Gro&#223;m&#228;chten<\/h4>\n<p>  Nicht nur die Bundeswehr will &#8211; als Teil der EU-Mission &#8222;Atalanta&#8220; &#8211; vor   Ort mitmischen. Die USA haben k&#252;rzlich ein eigenes Afrika-Kommando   eingerichtet. Russland &#252;berlegt, Streitkr&#228;fte nach Somalia zu verlegen.   Japan diskutiert, Kampfeins&#228;tze zu erm&#246;glichen. Indien hat ein   Kriegsschiff dorthin geschickt. Unter dem ideologischen Deckmantel des   &#8222;Krieges gegen den Terror&#8220; betreiben die Gro&#223;m&#228;chte und angrenzende   Staaten eine aggressive Politik auf dem R&#252;cken der geschundenen   somalischen Bev&#246;lkerung.<\/p>\n<h4>  Welche L&#246;sung?<\/h4>\n<p>  Auf kapitalistischer Grundlage wird der Alptraum f&#252;r die Menschen in   Somalia andauern. Wie die Geschichte &#8211; nicht zuletzt Afrikas &#8211; zeigt,   hat sich die Einmischung der Imperialisten immer als verheerend   erwiesen. Die Bundesmarine und alle anderen fremden Truppen m&#252;ssen aus   Somalia abziehen. Anstatt gegen durch westliche Konzerne verarmte   Fischer vorzugehen, muss man die sozialen Ursachen der Piraterie   bek&#228;mpfen. Anstatt Rohstoffvorkommen zu pl&#252;ndern, m&#252;ssen die   Bodensch&#228;tze der Bev&#246;lkerung zu Gute kommen. Doch das kann man nicht von   denen erwarten, die Fischern ihre Grundlage genommen haben und die   Seer&#228;uberei als Vorwand nehmen, um im 21. Jahrhundert weiterhin Raub-   und Kreuzz&#252;ge durchzuf&#252;hren. Das geht nur gegen sie.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Was wirklich hinter dem Einsatz der Bundesmarine zur &#8222;Piratenbek&#228;mpfung&#8220;<br \/>\n      steckt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[78,64],"tags":[210],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12949"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12949"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12949\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12949"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12949"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12949"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}