{"id":12947,"date":"2009-01-12T00:00:00","date_gmt":"2009-01-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12947"},"modified":"2009-01-12T00:00:00","modified_gmt":"2009-01-12T00:00:00","slug":"12947","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12947\/","title":{"rendered":"Stoppt die Job- und Klimakiller"},"content":{"rendered":"<p>  Autoindustrie in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hren<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>10.000 Leiharbeiter haben in den letzten Wochen allein in der   deutschen Autoindustrie ihren Job verloren. Jetzt schl&#228;gt die Krise auf   die Stammbelegschaften durch. Gemeinsamer Kampf statt Standortkonkurrenz   ist das Gebot der Stunde.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Ursel Beck, Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  T&#228;glich gibt es neue Horrormeldungen. In der Zulieferindustrie stehen   bereits betriebsbedingte K&#252;ndigungen, Pleiten und Betriebsschlie&#223;ungen   auf der Tagesordnung.<\/p>\n<h4>  &#8222;Schutzschild&#8220; f&#252;r Profite<\/h4>\n<p>  Die staatlichen Gelder, die jetzt &#252;berall flie&#223;en, sind kein   &#8222;Schutzschild&#8220; f&#252;r Arbeitspl&#228;tze, sondern f&#252;r Profite. Welcher Irrsinn   hier abl&#228;uft, zeigt sich daran, dass der Staat in den USA einerseits   Gelder an die Autokonzerne mit der Ma&#223;gabe zahlt, die Produktivit&#228;t zu   erh&#246;hen und Kapazit&#228;ten abzubauen und gleichzeitig VW f&#252;r ein neues Werk   in Tennessee mit 500 Millionen Dollar US-amerikanischer Steuergelder   subventioniert werden soll.<\/p>\n<h4>  &#220;berkapazit&#228;ten<\/h4>\n<p>  Die Hoffnung, durch energiesparende Antriebstechnologien die Absatzkrise   zu &#252;berwinden, ist eine Illusion. Toyota hat zum Beispiel l&#228;ngst den   Hybridantrieb; trotzdem ist der gr&#246;&#223;te Autobauer auf dem Planeten   ebenfalls von der Krise betroffen.<\/p>\n<p>  Zudem zeigt sich, dass die Autokonzerne gar nicht willens sind,   umweltfreundlichere Autos zu produzieren. Die Torpedierung des EU-Ziels,   den CO2-Aussto&#223; weiter zu begrenzen, hat das deutlich gemacht. Die   globalen &#220;berkapazit&#228;ten &#8211; von etwa 30 Prozent &#8211; versch&#228;rfen den   Konkurrenzkampf. Und aus Sicht der einzelnen Privatunternehmen erfordert   das eigene &#220;berleben radikale Kostensenkungen zu Lasten der   Besch&#228;ftigten und der Umwelt.<\/p>\n<p>  Zus&#228;tzlich verlangen sie von ihren jeweiligen nationalen Regierungen   staatliche Gelder als Standortvorteil im globalen Vernichtungskrieg. Die   herrschende Klasse in den USA treibt die Angst um, dass die &#8222;Big Three&#8220;   (Ford, Chrysler, GM) die Verlierer in diesem Krieg sein k&#246;nnten und die   japanischen und deutschen Konzerne die Konkursmasse des amerikanischen   Autosektors &#252;bernehmen k&#246;nnten. Deshalb machen sie zweistellige   Milliardenbetr&#228;ge an Steuergeldern locker, um die US-Autobranche zu   retten.<\/p>\n<h4>  St&#228;rke der Arbeiterklasse<\/h4>\n<p>  Aber es ist auch die Angst vor einem Aufstand der Automobilarbeiter   gegen Werkschlie&#223;ungen, die die Herrschenden umtreibt. Die ArbeiterInnen   der Autoindustrie geh&#246;ren zu den entscheidenden industriellen   Kampfbataillonen der Arbeiterklasse.<\/p>\n<p>  Als der Fiat-Konzern im Herbst 2002 die Entlassung von 8.100   Besch&#228;ftigten und die komplette Schlie&#223;ung des sizilianischen Werkes   ank&#252;ndigte, kam es zu einer Werkbesetzung, einer 40-t&#228;gigen   Auslieferungsblockade und einem Aufstand der gesamten Region. Die   Opel-Belegschaft hat mit ihrem siebent&#228;gigen Streik im Oktober 2004 eine   enorme Kampfbereitschaft demonstriert.<\/p>\n<p>  Auch in der heutigen Krise gibt es die ersten Anzeichen der Gegenwehr.   Bei Ford im englischen Southampton trat die Belegschaft innerhalb einer   Woche zweimal in den Ausstand. Die Belegschaft des Autozulieferer HWU im   schleswig-holsteinischen Hohenlockstedt besetzte ihr Werk aus Protest   gegen die Insolvenz im Dezember f&#252;r acht Tage. Im w&#252;rttembergischen   Ludwigsburg sind am 12. Dezember mehr als 1.000 Menschen gegen die   Schlie&#223;ung eines Standorts des Getriebeherstellers Getrag durch die   Innenstadt marschiert. Auf einem Transparent hie&#223; es: &#8222;Gemeinsam k&#228;mpfen   statt einzeln zu Sklaven werden!&#8220;<\/p>\n<h4>  Kurswechsel der IGM n&#246;tig<\/h4>\n<p>  Aufgabe der IG Metall (IGM) und der Betriebsr&#228;te in der Autoindustrie   ist es, konsequent die Interessen der KollegInnen zu vertreten und einen   gemeinsamen Kampf gegen die Abw&#228;lzung der Krisenlasten und gegen   Arbeitsplatzabbau zu organisieren. Stattdessen erleben wir, dass   Spitzenfunktion&#228;re der IGM und der Betriebsr&#228;te erneut auf   Standortpolitik setzen. Zusammen mit den Autobossen haben sie die   EU-Richtlinie zum CO2-Aussto&#223; ausgehebelt. In dem aktuellen   Sieben-Punkte-Programm fordert die IGM-F&#252;hrung Kurzarbeit als Mittel zur   Besch&#228;ftigungssicherung und Erg&#228;nzungstarifvertr&#228;ge. Die Besch&#228;ftigten   sollen also den Erhalt ihrer Arbeitspl&#228;tze durch Lohnverzicht selbst   finanzieren.<\/p>\n<p>  Die Betriebsratsf&#252;rsten in den Konzernen haben bereits die ersten   Betriebsvereinbarungen &#252;ber K&#252;rzungen bei den Personalkosten   unterschrieben. Der Opel-Konzern-Betriebsratsvorsitzende, Klaus Franz,   hat sogar vorgeschlagen, dass GM Saab verkauft und Opel die Produktion   &#252;bernimmt. Solche Vorschl&#228;ge l&#246;sen weder die Krise noch die Probleme der   Besch&#228;ftigten; vielmehr tragen sie zur Spaltung zwischen den   Belegschaften bei.<\/p>\n<h4>  Programm gegen Kapitalinteressen<\/h4>\n<p>  Die Krise der Autoindustrie darf nicht durch Werkschlie&#223;ungen, Lohnklau   und erh&#246;htem Leistungsdruck gel&#246;st werden. Im Interesse der   Besch&#228;ftigten weltweit und im Interesse der Umwelt ist es n&#246;tig, die   Autoindustrie in Gemeineigentum zu &#252;berf&#252;hren und demokratisch zu   verwalten. Nur durch die Verstaatlichung kann erreicht werden, dass   keine Profite mehr abgezogen werden oder Manager sich bereichern.<\/p>\n<p>  Eine verstaatlichte, demokratisch verwaltete Autoindustrie und eine   grundlegende Umgestaltung der Wirtschaft k&#246;nnen die Interessen von   Besch&#228;ftigten und Umwelt verteidigen. Statt Kurzarbeit k&#246;nnte die   Arbeitszeit sofort auf 30 Stunden bei vollem Lohn- und Personalausgleich   reduziert werden. Die Taktzeiten k&#246;nnten erh&#246;ht, Erholungspausen   eingef&#252;hrt und die Arbeitsbedingungen humanisiert werden. Der   Entwicklung von umweltfreundlicher Produktion und umweltfreundlichen   Autos st&#252;nde nichts mehr im Weg. Die Umstellung der Autoproduktion auf   Verkehrsmittel f&#252;r den &#246;ffentlichen Verkehr w&#228;re Bestandteil neuer   &#246;kologischer Mobilit&#228;tstechnologien.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Autoindustrie in Gemeineigentum &#252;berf&#252;hren\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[210],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12947"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12947"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12947\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12947"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12947"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12947"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}