{"id":12946,"date":"2009-01-11T00:00:00","date_gmt":"2009-01-10T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12946"},"modified":"2012-07-18T15:32:06","modified_gmt":"2012-07-18T13:32:06","slug":"12946","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12946\/","title":{"rendered":"Marx hat Recht"},"content":{"rendered":"<p>  &#8222;Eine Revolution ist n&#246;tig, um den ganzen Dreck vom Hals zu schaffen&#8220;<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>(Karl Marx und Friedrich Engels in &#8222;Die deutsche Ideologie&#8220;)<\/b><\/h4>\n<p>  <b>&#8222;Die moderne b&#252;rgerliche Gesellschaft, die so gewaltige Produktions-   und Verkehrsmittel hervorgezaubert hat, gleicht dem Hexenmeister, der   die unterirdischen Gewalten nicht mehr zu beherrschen vermag, die er   heraufbeschwor&#8220;, hei&#223;t es im &#8222;Kommunistischen Manifest&#8220;. Und weiter: &#8222;In   den Krisen bricht eine gesellschaftliche Epidemie aus, welche allen   fr&#252;heren Epochen als ein Widersinn erschienen w&#228;re &#8211; die Epidemie der   &#220;berproduktion. Die Gesellschaft findet sich pl&#246;tzlich in einen Zustand   momentaner Barbarei zur&#252;ckversetzt.&#8220; Vor 160 Jahren formuliert, passen   diese Worte &#8211; angesichts des momentanen Zustands des Weltkapitalismus &#8211;   wie die Faust aufs Auge. Die Ideen von Karl Marx &#8211; und Friedrich Engels   &#8211; sind heute, auch 125 Jahre nach Marx&#8217; Tod, dem ganzen Gelaber der   b&#252;rgerlichen &#214;konomen und Politiker haushoch &#252;berlegen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Gaetan Kayitare und Norbert L&#252;tz, Aachen<\/i><\/h4>\n<p>  Es geh&#246;rt nun zum guten Ton, in Talkshows mit Zitaten von Marx zu   jonglieren oder blo&#223; seinen Namen zu erw&#228;hnen, um wissenschaftlich oder   kenntnisreich zu erscheinen. Selbst die erzkonservative Frankfurter   Allgemeine Zeitung titelt bezogen auf die Wirtschaftskrise: &#8222;Marx hat   Recht&#8220;. Und die Frankfurter Rundschau urteilt: &#8222;Marx hat   Hochkonjunktur&#8220;. Die Berliner Zeitung stuft Marx&#8217; &#8222;Kapital&#8220; als   Bestseller ein. Der Verleger dieses Werkes freut sich dar&#252;ber, dass alle   &#8222;Kapital&#8220;-B&#228;nde zwischenzeitlich ausverkauft waren.<\/p>\n<p>  Bei so viel Lob wollte der M&#252;nchner Erzbischof Reinhard Marx nicht   zur&#252;ckstehen und empfahl, Marx&#8217; Analyse ernst zu nehmen: &#8222;Die   Globalisierung hat Marx schon als Globalisierung des Kapitals erkannt&#8220;   (Spiegel Online vom 25. Oktober). Wo der Erzbischof Recht hat, hat er   Recht. Es lohnt sich, Marx zu lesen, um die heutige   Internationalisierung von Produktion und Handel zu begreifen: &#8222;Das   Bed&#252;rfnis nach einem stets ausgedehnteren Absatz f&#252;r ihre Produkte jagt   die Bourgeoisie [Kapitalistenklasse] &#252;ber die ganze Erdkugel. &#220;berall   muss sie sich einnisten, &#252;berall anbauen, &#252;berall Verbindungen   herstellen. &#8211; Die Bourgeoisie hat durch ihre Exploitation [Ausbeutung]   des Weltmarkts die Produktion und Konsumption aller L&#228;nder   kosmopolitisch gestaltet. Sie hat zum gro&#223;en Bedauern der Reaktion&#228;re   den nationalen Boden der Industrie unter den F&#252;&#223;en weggezogen. Die   uralten nationalen Industrien sind vernichtet worden und werden noch   t&#228;glich vernichtet. Sie werden verdr&#228;ngt durch neue Industrien, deren   Einf&#252;hrung eine Lebensfrage f&#252;r alle zivilisierten Nationen wird, durch   Industrien, die nicht mehr einheimische Rohstoffe, sondern den   entlegensten Zonen angeh&#246;rige Rohstoffe verarbeiten und deren Fabrikate   nicht nur im Lande selbst, sondern in allen Weltteilen zugleich   verbraucht werden&#8220; (&#8222;Kommunistisches Manifest&#8220;).<\/p>\n<p>  Viele Konservative oder sonstige Scharlatane, die nun meinen, auf Marx   Bezug nehmen zu m&#252;ssen, wollen sicherlich nur mit etwas   Wissenschaftlichkeit prahlen oder den Eindruck erwecken, sie verst&#252;nden   was von Wirtschaft. Vor allem Jugendliche aber, die sich das &#8222;Kapital&#8220;   besorgen, wollen sich Rat holen, wie man einen Ausweg aus der H&#246;lle des   Kapitalismus finden kann.<\/p>\n<h4>  Wissenschaftlicher Sozialismus<\/h4>\n<p>  Wie kann es sein, dass Karl Marx, der im letzten Mai 190 Jahre alt   geworden w&#228;re, die heutige politische und &#246;konomische Krise besser   erkl&#228;rt als alle b&#252;rgerlichen &#8222;Experten&#8220;?<\/p>\n<p>  Marx und Engels, die gemeinsam das &#8222;Kommunistische Manifest&#8220; verfasst   haben und als Begr&#252;nder des wissenschaftlichen Sozialismus gelten, waren   zweifellos geniale K&#246;pfe, aber keine Hellseher. Sie haben sich sowohl   intensiv mit der &#246;konomischen und gesellschaftlichen Entwicklung   besch&#228;ftigt und festgestellt, dass es &#8211; &#228;hnlich wie in der Natur &#8211; auch   hier und beim &#220;bergang von einer Gesellschaftsordnung zur n&#228;chsten   Entwicklungsgesetze gibt. Zudem haben sie erkannt, dass die Entwicklung   der Produktivkr&#228;fte (Produktionsmittel und menschliche Arbeitst&#228;tigkeit)   die treibende Kraft ist.<\/p>\n<p>  Marx und Engels haben das Wesen des Kapitalismus penibel analysiert.   Damals steckte dieses System noch in den Kinderschuhen, aber die beiden   konnten genau schlussfolgern, was daraus wird &#8211; genauso wie ein   Tierpfleger wei&#223;, was aus einem s&#252;&#223;en L&#246;wenbaby einmal wird.<\/p>\n<h4>  Funktionsweise des Kapitalismus<\/h4>\n<p>  Marx hat die kapitalistische Gesellschaft unter die Lupe genommen und   Verborgenes offengelegt. Die kapitalistische Produktion basiert auf   Ausbeutung, auf der Aneignung unbezahlter Arbeit (der Differenz zwischen   dem an die ArbeiterInnen zu bezahlenden Wert der Ware Arbeitskraft und   dem daf&#252;r erhaltenen Wert der von diesen ArbeiterInnen erbrachten Arbeit   [dies ist die korrigierte Version &#8211; im Artikel in der Solidarit&#228;t &#8211;   Sozialistische Zeitung hatte sich an dieser Stelle ein Fehler   eingeschlichen]) durch die Besitzer der Produktionsmittel (Fabriken,   Maschinen, Rohstoffe).<\/p>\n<p>  Die Triebkraft, das Ziel der Produktion im Kapitalismus, ist nicht die   Befriedigung gesellschaftlicher Bed&#252;rfnisse, die Verbesserung der   Lebensverh&#228;ltnisse der Mehrheit, sondern die Maximierung des Profits   einer kleinen Minderheit. Sinkt der Profit oder bleibt er aus, weil die   Kapitalisten ihre Produkte nicht absetzen k&#246;nnen, dann stehen   Massenentlassungen und Betriebsschlie&#223;ungen an &#8211; wie wir sie in diesen   Tagen erleben.<\/p>\n<p>  Sagenhafte Reicht&#252;mer f&#252;r einige Wenige setzen unsagbare Armut f&#252;r   Millionen voraus. W&#228;hrend zehn Millionen Superreiche heute ein Verm&#246;gen   von 40 Billionen Dollar besitzen (das entspricht 40 Prozent des gesamten   privaten Geldverm&#246;gens auf Erden), muss eine Millarde Menschen von einem   Dollar am Tag leben.<\/p>\n<p>  Der Marxismus erkl&#228;rt diese Zusammenh&#228;nge. Zugleich ist er aber auch   eine Anleitung zum Handeln, um die Welt zu ver&#228;ndern, den Kapitalismus   abzuschaffen und den Weg frei machen f&#252;r eine Gesellschaft ohne   Ausbeutung und Armut.<\/p>\n<h4>  Enteignung der Kapitalisten<\/h4>\n<p>  Marx und Engels machten den Hauptwiderspruch der kapitalistischen   Gesellschaft in der privaten Aneignung bei gleichzeitiger   gesellschaftlicher Produktion aus: ArbeiterInnen stellen in gemeinsamer   Arbeit ein Produkt her, das sich vom privaten Eigent&#252;mer der Unternehmen   unter den Nagel gerissen wird &#8211; die individuelle Produktion aus der   Feudalzeit ist weitgehend &#252;berwunden. Die Enteignung der Kapitalisten,   sprich die &#220;berf&#252;hrung der Produktionsmittel in Gemeineigentum, ist eine   zentrale Forderung sozialistischer Politik. Wenn die gro&#223;en Auto- und   Chemiekonzerne heute laut dar&#252;ber nachdenken, im gro&#223;en Stil Stellen zu   streichen und ganze Werke dicht zu machen, dann werden sie mit einer   anderen Besteuerung von Million&#228;ren zum Beispiel davon nicht abzubringen   sein.<\/p>\n<p>  Es ist nat&#252;rlich klar, dass die Kapitalisten heute wie damals gegen die   Enteignung der Banken und Konzerne Sturm laufen: &#8222;Ihr entsetzt Euch   dar&#252;ber, dass wir das Privateigentum aufheben wollen. Aber in Eurer   bestehenden Gesellschaft ist das Privateigentum f&#252;r neun Zehntel ihrer   Mitglieder aufgehoben, es existiert gerade dadurch, dass es f&#252;r neun   Zehntel nicht existiert. Ihr werft uns also vor, dass wir ein Eigentum   aufheben wollen, welches die Eigentumslosigkeit der ungeheuren Mehrzahl   der Gesellschaft als notwendige Bedingung voraussetzt. (&#8230;) Der   Kommunismus nimmt keinem die Macht, sich gesellschaftliche Produkte   anzueignen, er nimmt nur die Macht, sich durch diese Aneignung fremde   Arbeit zu unterjochen.<\/p>\n<p>  Man hat eingewendet, mit der Aufhebung des Privateigentums werde alle   T&#228;tigkeit aufh&#246;ren und eine allgemeine Faulheit einrei&#223;en. Hiernach   m&#252;sste die b&#252;rgerliche Gesellschaft l&#228;ngst an der Tr&#228;gheit zugrunde   gegangen sein; denn die, die in ihr arbeiten, erwerben nicht, und die,   die in ihr erwerben, arbeiten nicht&#8221; (&#8222;Kommunistisches Manifest&#8221;).<\/p>\n<h4>  Rolle des Marxismus in der Arbeiterbewegung<\/h4>\n<p>  Nach dem Erscheinen des &#8222;Kommunistischen Manifestes&#8220; gelang dem   wissenschaftlichen Sozialismus &#8211; trotz anf&#228;nglicher Hindernisse &#8211; ein   enormer Aufschwung in der organisierten Arbeiterklasse. Auf die   Niederlage der europ&#228;ischen Revolution von 1848 (dem Erscheinungsjahr   des &#8222;Kommunistischen Manifestes&#8220;) folgten zun&#228;chst R&#252;ckschl&#228;ge, aber   Marx und Engels arbeiteten hart an der St&#228;rkung sozialistischer Ideen.<\/p>\n<p>  Beiden war klar, dass sich die Arbeiterklasse &#8211; international &#8211;   organisieren muss. Der Bund der Kommunisten, in dessen Auftrag das   &#8222;Kommunistische Manifest&#8220; geschrieben wurde, bestand aus einer Handvoll   Revolution&#228;re aus verschiedenen L&#228;ndern. Marx und Engels spielten auch   bei der Gr&#252;ndung der I. Internationale 1864 die entscheidende Rolle.   Darin waren nicht nur Sozialisten, sondern auch Anarchisten,   Reformisten, alles, was beanspruchte, f&#252;r die Interessen der   Arbeiterklasse einzustehen, vertreten. Das gr&#246;&#223;te Verdienst der I.   Internationale bestand in der Kl&#228;rung von Ideen, Programmen und   Methoden. In diesen Auseinandersetzungen zeigte sich die &#220;berlegenheit   des wissenschaftlichen Sozialismus. Im Anschluss an die Niederlage der   Pariser Kommune 1871 (einem ersten Versuch von ArbeiterInnen, die Macht   zu ergreifen) wurde die I. Internationale 1876 aufgel&#246;st. Erst mit der   zahlenm&#228;&#223;igen Erstarkung der Arbeiterklasse, durch die industrielle   Revolution in mehr und mehr L&#228;ndern, setzte sich der Marxismus in der   Arbeiterbewegung durch.<\/p>\n<p>  Vor ihrem Tod gingen Marx und Engels davon aus, dass sich der   wissenschaftliche Sozialismus als Hauptkraft in der Bewegung etabliert   h&#228;tte. Ihnen war zwar die bremsende Rolle der Arbeiteraristokratie, dem   &#8222;bestbezahlten Teil der Arbeiterklasse&#8221; (Marx) bewusst, h&#228;tten sich aber   nicht die reformistische Entartung der Sozialdemokratie bis zur heutigen   kompletten Verb&#252;rgerlichung vorstellen k&#246;nnen; noch weniger die   Stalinisierung und ihre massive Diskreditierung des Sozialismus.<\/p>\n<h4>  Krisenhaftes System<\/h4>\n<p>  Die Vertreter und Verteidiger des Kapitalismus sagen uns immer, dass   Krisen nur Folgen von Fehlverhalten Einzelner oder von politischen   Ereignissen sein k&#246;nnen: Jetzt soll angeblich die Gier der Banker die   Ursache f&#252;r die dramatischste Krise seit 80 Jahren sein.<\/p>\n<p>  Spekulationen und Bankenkrisen haben in der Tat einen erschreckenden   Umfang angenommen, sind aber alles andere als neu: &#8222;Daneben aber stellt   auch eine ungeheure Masse dieser Wechsel blo&#223;e Schwindelgesch&#228;fte vor,   die jetzt ans Tageslicht kommen und platzen; ferner mit fremdem Kapital   getriebene, aber verungl&#252;ckte Spekulationen&#8221; (&#8222;Das Kapital&#8221;, III. Band).<\/p>\n<p>  Krisen sind so alt wie der Kapitalismus selber. Seit mehr als 250 Jahren   kommt es immer wieder zu Krisen. Bis zum 19. Jahrhundert waren viele   politisch hervorgerufen. Im Zuge der Verallgemeinerung der   kapitalistischen Produktion setzte sich im 19. Jahrhundert ein   kapitalistischer Krisenzyklus durch.<\/p>\n<p>  Marx arbeitete heraus, dass diese Krisen aus den dem System   innewohnenden Widerspr&#252;chen resultieren. Der Grundwiderspruch bleibt die   gesellschaftliche Produktions- und die private Aneignungsweise. Solange   eine kleine Minderheit &#252;ber die Produktion bestimmt und nur auf die   gewinnbringende Verwertung von Kapital aus ist, solange wird ein   erbitterter Konkurrenzkampf toben. Und solange Konzerne (und   Nationalstaaten) um Absatzm&#228;rkte konkurrieren, solange werden Krisen   ausbrechen &#8211; Krisen wegen &#220;berproduktion beziehungsweise &#220;berkapazit&#228;ten.<\/p>\n<p>  Trotz milliardenschwerer Rettungspakete f&#252;r die Banken in den letzten   Wochen, droht heute die tiefste und wahrscheinlich l&#228;ngste Rezession der   Nachkriegszeit. Im III. Band vom &#8222;Kapital&#8220; hei&#223;t es auch schon zu Recht:   &#8222;Unwissende und verkehrte Bankgesetzgebung, wie die von 1844\/45, kann   diese Geldkrise erschweren. Aber keine Art Bankgesetzgebung kann die   Krise beseitigen.&#8220; Die heutigen Rettungspakete von Angela Merkel und   anderen werden vor allem die Reichen st&#252;tzen, damit sie ihren   Spekulationsgesch&#228;ften weiter nachgehen k&#246;nnen. Der Staat zeigt hier   deutlich, dass er nicht neutral, sondern der Staat der Kapitaleigner   ist. Unternehmern und Bankenchefs, die jahrelang Millionen in ihre   Taschen gesteckt haben und mit ihren Unternehmen jetzt in finanzielle   Schwierigkeiten geraten sind, bekommen von den Regierungen n&#246;tige Gelder   zugeschoben. Diese Milliardengeschenke an die oberen Zehntausend   steigern die Staatschulden. Und wer soll daf&#252;r aufkommen? Die Folgen   sollen nat&#252;rlich der Arbeiterklasse aufgeb&#252;rdet werden. Da immer mehr   Besch&#228;ftigte aufgrund der K&#252;rzungspolitik der letzten Jahre immer   weniger der produzierten Waren kaufen k&#246;nnen, wird das mit dazu   beitragen, die n&#228;chste Krise vorzubereiten.<\/p>\n<p>  Um nochmal das &#8222;Kommunistische Manifest&#8220; zu bem&#252;hen: &#8222;Wodurch &#252;berwindet   die Bourgeoisie die Krisen? Dadurch, dass sie allseitigere und   gewaltigere Krisen vorbereitet und die Mittel, den Krisen vorzubeugen,   vermindert.&#8221;<\/p>\n<h4>  Kapitalismus ist nicht reformierbar<\/h4>\n<p>  Die Fr&#252;hsozialisten, die utopischen Sozialisten Ende des 18.   beziehungsweise Anfang des 19. Jahrhunderts &#8211; wie Babeuf, Owen oder   Saint Simon &#8211;, leiteten den Sozialismus vom Anspruch auf eine gerechtere   Gesellschaft ab. Angeekelt vom Elend der einfachen Leute zu Beginn der   kapitalistischen Entwicklung setzten sie sich Gerechtigkeit und   Gleichheit zum Ziel, ohne die Gesetze des Kapitalismus ausreichend zu   untersuchen.<\/p>\n<p>  Im &#8222;Elend der Philosophie&#8220; erkl&#228;rte Karl Marx: &#8222;Eine unterdr&#252;ckte Klasse   ist die Lebensbedingung jeder auf dem Klassengegensatz begr&#252;ndeten   Gesellschaft&#8220;. Eine Frau Schaeffler, die allein f&#252;nf Milliarden Euro   Verm&#246;gen angeh&#228;uft hat, und gerade Continental &#252;bernehmen will, wei&#223;   sehr gut, dass ihre Interessen im Widerspruch zu den Interessen der   gro&#223;en Mehrheit stehen und die kleine, steinreiche Minderheit, der sie   angeh&#246;rt, deshalb einen entsprechenden Unterdr&#252;ckungsapparat ben&#246;tigt.   F&#252;r Marx und Engels war zentral, dass eine Vers&#246;hnung zwischen den   Klassen, ein systemimmanenter, reformistischer Ansatz &#8211; wie von   einzelnen Fr&#252;hsozialisten vertreten &#8211; Wunschdenken ist.<\/p>\n<p>  Marx und Engels erkannten, dass es die Entwicklung der Produktivkr&#228;fte   ist, die erst eine Gesellschaft ohne Not und Elend m&#246;glich macht. Die   Produktivkr&#228;fte sind heute l&#228;ngst weit genug entwickelt f&#252;r den &#220;bergang   zum Sozialismus und dr&#228;ngen nach Enteignung und Entmachtung des   Kapitals. In dem Ma&#223;e, in dem sich der Kapitalismus entwickelt und   ausgedehnt hat, vergr&#246;&#223;erte er auch das Heer der Lohnabh&#228;ngigen, die   Arbeiterklasse. Damit schafft er sich &#8211; in den Worten von Marx und   Engels &#8211; seine eigenen &#8222;Totengr&#228;ber&#8220;!<\/p>\n<h4>  Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  Zur Zeit des &#8222;Kommunistischen Manifestes&#8220; war die Arbeiterklasse auf   Weltebene noch eine verschwindende Minderheit. Dennoch erkannten Marx   und Engels in der Arbeiterklasse die kommende revolution&#228;re Klasse.   Schlie&#223;lich sind es nicht die Unternehmer in ihren Chefetagen, sondern   die abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten, die allein neue Werte schaffen und den   ganzen gesellchaftlichen Reichtum erzeugen. Damals wie heute gilt der   Satz der Arbeiterbewegung: &#8222;Alle R&#228;der stehen still, wenn dein starker   Arm es will.&#8220;<\/p>\n<p>  Marx und Engels befassten sich auch mit dem Aufbau der Gewerkschaften   und begr&#252;&#223;ten diese als Mittel zur St&#228;rkung des Klassenkampfes. &#8222;Jeder   Kampf Klasse gegen Klasse&#8220; (Engels), ob f&#252;r Lohnerh&#246;hung oder f&#252;r   k&#252;rzere Arbeitszeiten, ist &#8211; wie Marx und Engels schon im &#8222;Manifest&#8220;   korrekt analysierten &#8211; ein politischer Kampf. Ein Kampf, der nur   konsequent gef&#252;hrt werden kann, wenn die Gewerkschaften ihn nicht als   ein Ritual begreifen, sondern ihn mit einer Perspektive der &#220;berwindung   des Kapitalismus verbinden.<\/p>\n<p>  Heute stellt die Arbeiterklasse die Mehrheit der Bev&#246;lkerung und ist in   jedem Land der Welt die potenziell st&#228;rkste Kraft. Sie k&#246;nnte &#8211; wenn sie   organisiert vorgeht &#8211; alles lahmlegen und ganze Regierungen st&#252;rzen.   Voraussetzung ist aber, dass sie sich nicht spalten l&#228;sst. Die   Spaltungsversuche der Kapitalisten sind heutzutage noch niedertr&#228;chtiger   als zur Zeit von Marx. Es wird gespalten zwischen ArbeiterInnen,   Angestellten und BeamtInnen, zwischen den Standorten, zwischen Mann und   Frau, zwischen den Nationalit&#228;ten und so weiter.<\/p>\n<h4>  Massenparteien mit sozialistischem Programm aufbauen<\/h4>\n<p>  F&#252;r Marx und Engels war das herausragende Ergebnis des   gewerkschaftlichen Kampfes die Einsicht der Arbeiterklasse, dass sie die   F&#228;higkeit besitzt, der Gesellschaft ihren eigenen Stempel aufzudr&#252;cken,   zu bestimmen, was geschieht. Allerdings sind Gewerkschaften &#8211; auch ohne   die bremsende Wirkung der B&#252;rokratie &#8211; allein nicht im Stande, die   Herrschaft des Kapitals zu beenden. Daf&#252;r muss in jedem Land eine Partei   aufgebaut werden, die in der Arbeiterklasse stark verankert ist,   Gegenwehr und Massenkampagnen organisiert und ein klares sozialistisches   Programm vertritt. Eine solche Partei muss sich das Ziel auf die Fahnen   schreiben, die Konzernherrschaft zu Fall zu bringen und eine   sozialistische Demokratie zu erk&#228;mpfen: &#8222;Weil die herrschende Klasse   nicht anders gest&#252;rzt werden kann, sondern auch, weil die st&#252;rzende   Klasse nur in einer Revolution dahin kommen kann, sich den ganzen alten   Dreck vom Halse zu schaffen und zu einer neuen Begr&#252;ndung der   Gesellschaft bef&#228;higt zu werden&#8221; (Marx\/Engels, &#8222;Die Deutsche Ideologie&#8221;).<\/p>\n<p>  Der Rechtsruck und die Verb&#252;rgerlichung der ehemaligen   &#8222;Arbeiterparteien&#8220;, in Deutschland die SPD, haben massiv dazu   beigetragen, das Bewusstsein zur&#252;ckzuwerfen. Mit dem Widerstand gegen   die neoliberale Politik der letzten Jahre wurde aber auch die Frage vom   Aufbau von neuen politischen Interessenvertretungen auf die Tagesordnung   gesetzt. Die aktuelle Weltwirtschaftskrise wird diesen Prozess   verst&#228;rken. R&#252;ckblickend wird die heutige Periode als der Beginn einer   m&#228;chtigen Wiederbelebung des Marxismus in der Arbeiterbewegung gesehen   werden.<\/p>\n<p>  Die Partei DIE LINKE k&#246;nnte eine treibende Kraft in diesem Prozess sein.   Sie muss aber aufh&#246;ren, auf eine Integration in dieses System zu setzen   und stattdessen den Staat als Herrschaftsinstrument der Kapitalisten   begreifen. Die F&#252;hrung der LINKEN darf sich nicht an Regierungen mit   b&#252;rgerlichen Kr&#228;ften wie SPD oder Gr&#252;nen beteiligen.<\/p>\n<p>  &#8222;In dem Ma&#223;, wie der Fortschritt der modernen Industrie den   Klassengegensatz zwischen Kapital und Arbeit entwickelte, erweiterte,   vertiefte, in demselben Ma&#223; erhielt die Staatsmacht mehr und mehr den   Charakter einer &#246;ffentlichen Gewalt zur Unterdr&#252;ckung der   Arbeiterklasse, einer Maschine der Klassenherrschaft &#8220; (Marx, &#8222;Der   B&#252;rgerkrieg in Frankreich&#8221;). Zu dieser Erkenntnis geh&#246;rt auch, dass   Regierungen mit B&#252;rgerlichen, Regierungen, die im Rahmen des   kapitalistischen Systems bleiben, nichts anderes als &#8222;Aussch&#252;sse&#8220; zur   Regelung der Gesch&#228;fte der Kapitalisten sind. Was eine solche   Regierungspolitik bedeutet, selbst wenn sie als &#8222;Rot-Rot&#8221; bezeichnet   wird, sehen wir Tag f&#252;r Tag in Berlin mit der Beteiligung der LINKEN am   SPD-gef&#252;hrten Senat.<\/p>\n<p>  Die Ideen von Marx sind nicht nur brandaktuell. Es ist dringender denn   je, die Kr&#228;fte des revolution&#228;ren Sozialismus, des Marxismus aufzubauen   &#8211; um dem Ziel n&#228;her zu kommen, den Kapitalismus dorthin zu bef&#246;rdern, wo   seine Vorg&#228;nger, Sklavenhaltergesellschaft und Feudalherrschaft, schon   gelandet sind: auf der M&#252;llhalde der Geschichte. &#8222;M&#246;gen die herrschenden   Klassen vor einer kommunistischen Revolution zittern. Die Proletarier   haben nichts in ihr zu verlieren als ihre Ketten. Sie haben eine Welt zu   gewinnen. Proletarier aller L&#228;nder, vereinigt euch!&#8221;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      &#8222;Eine Revolution ist n&#246;tig, um den ganzen Dreck vom Hals zu schaffen&#8220;\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[92],"tags":[270,210],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12946"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12946"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12946\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12946"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12946"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12946"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}