{"id":12942,"date":"2009-01-07T00:00:00","date_gmt":"2009-01-06T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12942"},"modified":"2012-05-15T15:18:06","modified_gmt":"2012-05-15T13:18:06","slug":"12942","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12942\/","title":{"rendered":"Verr&#252;ckter Kapitalismus zur Therapie auf Oskars Couch?"},"content":{"rendered":"<p>  Die Krise, DIE LINKE und die Forderung nach Regulierung der Finanzm&#228;rkte<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>Der Absturz in die Rezession hat kapitalismuskritische Stimmungen   unter vielen Arbeitnehmern und Jugendlichen verst&#228;rkt. <\/b><\/h4>\n<p>  <b>Hartgesottene Neoliberale wie George Bush oder Gordon Brown haben mit   Verstaatlichungs- und St&#252;tzungsma&#223;nahmen f&#252;r marode Banken und Konzerne   selbst die Eigentumsfrage aufgeworfen.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Claus Ludwig, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Die Frage steht im Raum, wer die Wirtschaft in wessen Interesse   bestimmen und kontrollieren soll. Diese Vorg&#228;nge sind eine Steilvorlage   f&#252;r die Partei DIE LINKE. Auf die Verwandlung der Flanke in einen   Treffer verzichtet die Partei jedoch.<\/p>\n<h4>  Wie ist die Linkspartei aufgestellt?<\/h4>\n<p>  Zu Recht besteht die Partei auf einem Investitionsprogramm zur Schaffung   qualifizierter, vollwertiger Jobs, auf der Einf&#252;hrung des Mindestlohns   und der Anhebung der Sozialleistungen. Diese Ma&#223;nahmen sind wichtig, um   die Abw&#228;lzung der Krisenfolgen auf die arbeitenden Menschen zu bremsen.   Doch damit l&#228;sst sich das wirtschaftliche Chaos nicht unter Kontrolle   bekommen.<\/p>\n<p>  Eine provokante und zugleich popul&#228;re Kampagne zur Verstaatlichung der   Banken und Autokonzerne, vor allem der profitablen H&#228;user, sowie eine   schonungslose Analyse des &#8222;Rettungspaketes&#8220; f&#252;r die Banken (besser   gesagt, f&#252;r die Bankvorst&#228;nde), das w&#228;ren die Aufgaben der Stunde.<\/p>\n<p>  Die Partei bleibt blass, Verstaatlichung taucht zwar auf manchen   Landesparteitagen auf, nicht aber auf der Website der Bundespartei. Dort   findet man vor allem bescheidene, technokratisch anmutende Analysen und   Forderungen, welche das Bild vermitteln, der au&#223;er Kontrolle geratene   Kapitalismus k&#246;nne gez&#228;hmt werden, wenn die Deregulierungsma&#223;nahmen der   letzten Jahre zur&#252;ckgenommen w&#252;rden.<\/p>\n<p>  In einer Stellungnahme vom 14. Oktober 2008 hei&#223;t es: &#8222;Nur wenn die   Konjunktur gest&#228;rkt und die Finanzbranche zur Realwirtschaft   zur&#252;ckgebracht ist, erw&#228;chst ein berechtigtes Vertrauen und werden   h&#246;here Folgekosten vermieden.&#8220; In einem Flugblatt der Bundestagsfraktion   wird unter anderem gefordert: &#8222;Dazu m&#252;ssen der Wechselkurs stabilisiert,   Kreditverbriefungen und Hedge-Fonds verboten und eine B&#246;rsenumsatzsteuer   eingef&#252;hrt werden. Die Banken sollen der Realwirtschaft dienen, statt   sie kaputt zu spekulieren.&#8220; Auf einer Veranstaltung in K&#246;ln Anfang   Dezember sprach Oskar Lafontaine davon, der Neoliberalismus sei eine   &#8222;Verr&#252;cktheit&#8220;, man m&#252;sse zur&#252;ck zur &#8222;Normalit&#228;t&#8220;. Als ob der   gemeingef&#228;hrliche Patient Kapitalismus mit ein wenig psychiatrischer   Behandlung geheilt und als ungef&#228;hrlich entlassen werden k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  Die gro&#223;e Krise musste kommen<\/h4>\n<p>  Als das globalisierungskritische Netzwerk Attac Anfang dieses Jahrzehnts   die Forderungen nach einer Steuer auf Devisengesch&#228;fte (Tobin Tax) und   f&#252;r die Re-Regulierung der unkontrollierten Finanzm&#228;rkte popul&#228;r machte,   war das sehr hilfreich. Damals herrschte der Neoliberalismus auch   ideologisch. Attac zeigte, dass die Deregulierung zum Abbau von   Demokratie und politischer Kontrolle f&#252;hrt, die Privatisierung   vorangetrieben und die Besch&#228;ftigten auf das jeweils niedrigere Niveau   gedr&#252;ckt werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Die Analysen und Aktionen von Attac und anderen f&#252;hrten dazu, dass   weltweit viele GewerkschafterInnen, Kleinbauern und Jugendliche erstmals   Argumente gegen den sogenannten &#8222;Casino-Kapitalismus&#8220; hatten. Es war   aber schon damals ein Trugschluss, dass die &#246;konomischen Probleme des   Kapitalismus haupts&#228;chlich auf der Deregulierung beruhen w&#252;rden. Die   unkontrollierten Finanzm&#228;rkte haben zwar aktuell dazu gef&#252;hrt, dass die   Krise sich schneller und chaotischer ausbreitet. Die Globalisierung   wirkt dahin gehend, dass es zu einer zeitgleichen Krise in allen   Sektoren der Welt kommt. Doch die Jahre zuvor wirkte die Finanzblase als   ein Krisen d&#228;mpfender beziehungsweise verschiebender Faktor. Die Ursache   der Krise liegt ebenso in der &#8222;Realwirtschaft&#8220;, in der   Produktionssph&#228;re; tief verwurzelt in den inneren Widerspr&#252;chen der   kapitalistischen &#214;konomie.<\/p>\n<h4>  Ende des Nachkriegsaufschwungs 1974\/75<\/h4>\n<p>  Der Neoliberalismus war die Antwort des Kapitals auf die Profitkrise der   siebziger Jahre. Die Profitrate, das Verh&#228;ltnis des eingesetzten   Kapitals zum sp&#228;teren Gewinn, sank damals. Der Nachkriegsaufschwung war   &#8211; nach der Vernichtungsorgie des Zweiten Weltkriegs &#8211; aufgrund mehrerer   Faktoren m&#246;glich geworden. So konnten die US-Konzerne, trotz im   Vergleich zur Konkurrenz h&#246;herer L&#246;hne, ihre Profite vor allem dank   ihres Produktivit&#228;tsvorsprungs steigern. Die kapitalistischen Staaten in   Westeuropa oder Japan dagegen &#8222;profitierten&#8220; von Niedrigl&#246;hnen. In den   verschiedenen L&#228;ndern setzte also ein neuer industrieller Zyklus ein. In   dessen Verlauf verschlechterten sich die Profitbedingungen f&#252;r die USA,   weil die Kontrahenten &#246;konomisch aufholten und sich die   &#8222;Technologie-L&#252;cke&#8220; schloss. Gleichzeitig lie&#223;en sich f&#252;r die   Kapitalisten in Europa und Japan mit ann&#228;hernder Vollbesch&#228;ftigung in   den sechziger Jahren die besonders niedrigen L&#246;hne und langen   Arbeitszeiten nicht mehr aufrecht erhalten. Die Arbeiterklasse konnte   sich einen gr&#246;&#223;eren Teil am Volkseinkommen erk&#228;mpfen. Auf   internationaler Ebene fand ein Ausgleich der Profitraten statt.<\/p>\n<p>  Die Weltwirtschaftskrise in den siebziger Jahren konnte der damalige   &#8222;regulierte Kapitalismus&#8220; nicht verhindern. Bis Anfang der siebziger   Jahre hatte es zum Beispiel feste Wechselkurse gegeben.<\/p>\n<h4>  Die neoliberale Krisenl&#246;sung sollte aus Sicht der Kapitalisten Folgendes   erreichen:<\/h4>\n<h4>  l Druck auf die L&#246;hne, Steigerung der Arbeitsintensit&#228;t, um den   kapitalistischen Anteil am Volkseinkommen wieder zu erh&#246;hen<\/h4>\n<h4>  l Schaffung neuer Gesch&#228;ftsfelder und Anlagem&#246;glichkeiten durch   Privatisierung &#246;ffentlicher Dienste und staatlicher Versicherungen und   Fonds<\/h4>\n<h4>  l Neue profitable Anlagem&#246;glichkeiten im spekulativen Bereich, um   Alternativen zu niedrigen Profitraten in der Produktion zu haben.<\/h4>\n<p>  Dies f&#252;hrte tats&#228;chlich zu Wachstumssch&#252;ben und zu h&#246;herer   Profitabilit&#228;t der Banken und Konzerne &#8211; allerdings auf Kosten der   arbeitenden Bev&#246;lkerung. Durch diese Ma&#223;nahmen zur &#220;berwindung einer   Krise bereiteten die Kapitalisten die n&#228;chste, tiefere, gewaltigere vor.<\/p>\n<h4>  Folgen der Deregulierung<\/h4>\n<p>  H&#246;hepunkt der Deregulierung war die Entwicklung hochspekulativer   Finanzinstrumente wie der Hedge-Fonds, die letztendlich das Finanzwesen   zu einer Art Pyramidenspiel werden lie&#223;en.<\/p>\n<p>  Doch es greift zu kurz, das als &#8222;Verr&#252;cktheit&#8220; abzutun. Hedge-Fonds und   andere Instrumente sollten die Risiken verteilen und Finanzen   globalisieren. Die Deregulierung hat tats&#228;chlich zur Verschiebung von   wirtschaftlichen Einbr&#252;chen gef&#252;hrt. Allerdings wurden die   Krisenpotenziale nicht abgebaut, sondern nur aufget&#252;rmt. Dass die   Asien-Krise 1997 und das Platzen der Dotcom-Blase 2000 auf Weltebene   nicht zu langen und tiefen Rezessionen gef&#252;hrt haben, l&#228;sst die aktuelle   Krise umso tiefer werden. Am Ende wurde durch die   Spekulationsinstrumente das reale Risiko des Kapitalismus an die ganze   Welt verteilt.<\/p>\n<p>  Die Forderungen nach erneuter Regulierung der Finanzm&#228;rkte reichen nicht   aus. Vor einem Jahr hatten wir die Aff&#228;re um hinterzogene Steuern und   Liechtensteiner Konten. Vor einigen Wochen gab es den   50-Milliarden-Dollar-Betrugsskandal mit dem jahrelang betriebenen   Pyramidensystem von Bernard Madoff. Bis heute hat Helmut Kohl die Namen   von Gro&#223;spendern nicht genannt, wie es die in seiner eigenen Amtszeit   beschlossenen Vorschriften zur Parteienfinanzierung verlangen.   Kapitalisten und ihre Politiker missachten immer wieder die bestehenden   Regulierungen, wenn es um Profit und Macht geht. Die Gro&#223;banken und   -konzerne k&#246;nnen nur wirksam kontrolliert werden, wenn sie in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt werden.<\/p>\n<p>  In diesem Herbst erkl&#228;rte die Financial Times Deutschland die   US-Investmentbanken zur &#8222;gef&#228;hrdeten Gattung&#8220;. Die Trennung von   Investment- und Gesch&#228;ftsbanken in den USA 1933 war eine Reaktion auf   die damalige Krise. Diese regulierende Ma&#223;nahme versch&#228;rft heute die   Krise.<\/p>\n<p>  Gerade macht die scheidende Regierung Bush mit Unterst&#252;tzung des   kommenden Pr&#228;sidenten Barak Obama deutlich, dass auch ein st&#228;rker   regulierter Kapitalismus gegen die Arbeiterklasse gewendet werden kann.   Weitere Kredite f&#252;r die Autokonzerne sollen nur gew&#228;hrt werden, wenn die   L&#246;hne als Vorleistung massiv abgesenkt werden.<\/p>\n<p>  Eine Beschr&#228;nkung von Kapitalmacht durch Regulierung ist nur dann ein   Schritt nach vorn, wenn das mit dem Ziel verfolgt wird, die Herrschenden   komplett zu entmachten.<\/p>\n<h4>  Zentrale Aufgaben der LINKEN<\/h4>\n<p>  DIE LINKE und vor allem Oskar Lafontaine hielten dagegen, als alle   anderen Parteien das neoliberale &#8222;Vater unser&#8220; rauf- und runtergebetet   haben. Die Partei war das einzige Gegengewicht. In der heutigen   komplizierten Weltlage, in der die US-Regierung und Nicolas Sarkozy   Ma&#223;nahmen ergreifen, welche allzu brave Linke zuvor nicht zu fordern   wagten &#8211; nat&#252;rlich um ihr System zu retten &#8211;, steht DIE LINKE vor neuen   Aufgaben.<\/p>\n<p>  Um heute ein Gegengewicht zu sein, muss sich die Partei als klar   antikapitalistische Partei definieren, die ein konkretes &#8211;   sozialistisches &#8211; Programm zur Abschaffung des krisenhaften, chaotischen   Systems entwickelt. Sonst wird sie weiter stagnieren, vielleicht weiter   gew&#228;hlt werden, aber nicht die Herzen und Hirne der arbeitenden Menschen   und vor allem nicht der Jugend erobern. n<\/p>\n<h4>  Claus Ludwig ist Ratsmitglied der Stadt K&#246;ln f&#252;r die Fraktion DIE LINKE<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Die Krise, DIE LINKE und die Forderung nach Regulierung der Finanzm&#228;rkte\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,127],"tags":[210],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12942"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12942"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12942\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12942"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12942"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12942"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}