{"id":12933,"date":"2009-01-01T00:00:03","date_gmt":"2009-01-01T00:00:03","guid":{"rendered":".\/?p=12933"},"modified":"2009-01-01T00:00:03","modified_gmt":"2009-01-01T00:00:03","slug":"12933","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2009\/01\/12933\/","title":{"rendered":"Vor 50 Jahren: Revolution auf Kuba"},"content":{"rendered":"<p>  Am 1. Januar 1959 floh der kubanische Diktator Fulgencio Batista und die   von Fidel Castro gef&#252;hrte Bewegung des 26. Juli errang die Macht.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  In den folgenden Jahren wurden Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus auf Kuba   abgeschafft und ein auf Staatseigentum und Planwirtschaft basierendes   System errichtet, das sich an der damaligen Sowjetunion anlehnte. Die   politische Macht wurde in den H&#228;nden der Kommunistischen Partei und   Fidel Castros zentralisiert, eine demokratische Selbstverwaltung von   Wirtschaft und Gesellschaft gibt es nicht. Der Sturz der Diktatur und   der Profitwirtschaft machte aber eine enorme wirtschaftliche und soziale   Entwicklung m&#246;glich. Das ist aufgrund der jahrzehntelangen   Wirtschaftsblockade durch die USA umso imposanter. Kubas Bildungs- und   Gesundheitswesen ragen auf dem lateinamerikanischen Kontinent heraus.   Auf Kuba wurde auch nach dem internationalen Zusammenbruch der   stalinistischen Staaten 1989-91 der Kapitalismus nicht wieder   eingef&#252;hrt. Die kleine Insel behauptet sich gegen den Druck der USA und   genie&#223;t weltweit gro&#223;e Sympathien und Ansehen unter ArbeiterInnen und   Unterdr&#252;ckten. 50 Jahre nach der Revolution sind deren Errungenschaften   jedoch gef&#228;hrdet &#8211; von innen und von au&#223;en.<\/p>\n<p>  Wir ver&#246;ffentlichen in den n&#228;chsten Tagen verschiedene Dokumente des   Komitees f&#252;r eine Arbeiterinternationale (CWI, die internationale   sozialistische Organisation, der die SAV angeschlossen ist) zu Kuba und   der kubanischen Revolution.<\/p>\n<p>  Den Beginn macht hiermit eine erstmals 1978 in der britischen   marxistischen Zeitung Militant ver&#246;ffentlichte Artikelserie von Peter   Taaffe zu Verlauf und Analyse der Revolution.<\/p>\n<p>  Wir ver&#246;ffentlichen erstmals online das Buch &#8222;<a href=\"\/?p=12931\">Castros   Kuba &#8211; eine marxistische Kritik<\/a>&#8220;, das Peter Taaffe im Jahr   2000 schrieb und das 2001 in deutscher &#220;bersetzung erschien, sowie einen   Artikel zu den <a href=\"\/?p=11959\">Entwicklungen   auf Kuba nach Fidel Castros Erkrankung aus dem Jahr 2007<\/a>, ebenfalls   von Taaffe.<\/p>\n<p>  Peter Taaffe ist Generalsekret&#228;r der Socialist Party in England und   Wales und Mitglied im Internationalen Sekretariat des CWI.<\/p>\n<p>  Au&#223;erdem wird eine Besprechung der im Herbst 2008 beim Rotbuch-Verlag   erschienen Autobiographie Fidel Castros erscheinen und hier kann die   Brosch&#252;re <a href=\"\/media\/m\/20081219153005Che_innen.pdf\">&#8222;Ch&#233;   Guevara &#8211; Revolution&#228;r und Internationalist&#8220;<\/a> als   pdf abgerufen werden.<\/p>\n<p>  <b>Weitere Artikel zu Kuba auf www.archiv.sozialismus.info findet man hier:<\/b><\/p>\n<p>  <a href=\"\/?p=12280\">Ch&#233; Guevara<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"\/?p=12718\">Wie weiter f&#252;r Kuba?<\/a><\/p>\n<p>  <a href=\"\/?p=11744\">Fidels Erkrankung &#8211; Ende   einer &#196;ra? <\/a><\/p>\n<\/p>\n<h1>  Die kubanische Revolution<\/h1>\n<p>  aus Peter Taaffe: Castros Kuba &#8211; eine marxistische Kritik<\/p>\n<p>  <i>(Das Buch kann f&#252;r 2,50 Euro inklusive Versand bei der SAV bestellt   werden: 030-24723802 oder <a href=\"mailto:finanzen@sav-online.de\">finanzen@sav-online.de<\/a>)<\/i><\/p>\n<p>  Die Ereignisse in Afrika und der Karibik haben dazu gef&#252;hrt, dass Kuba   wieder die B&#252;hne der Weltpolitik betreten hat. Der US-Imperialismus   hatte S&#252;dafrika gedr&#228;ngt , mit seinen Truppen in Angola einzufallen, um   die Revolution niederzuschlagen. Doch er sch&#228;umte vor Wut, als   kubanische Truppen und Material eingesetzt wurden, um die MLPA zu   unterst&#252;tzen. Das war m&#246;glicherweise f&#252;r die Wende zugunsten der MLPA   ausschlaggebend und f&#252;hrte zur Abschaffung von Gro&#223;grundbesitz und   Kapitalismus in Angola.<\/p>\n<p>  Kuba war auch zu einem Anziehungspunkt f&#252;r die L&#228;nder der Karibik wie   Jamaika und Guayana geworden, die durch den wirtschaftlichen Einbruch   von 1974-75 schwer getroffen worden waren. F&#252;r die Massen in   Lateinamerika wirkte Kuba angesichts von Milit&#228;rdiktaturen und   Hungersn&#246;ten &#8211; wie in Argentinien und Chile &#8211; wie ein sicherer Hafen des   Fortschritts und der Ruhe. In den entwickelten kapitalistischen L&#228;ndern   betrachten Teile der Jugend die charismatischen F&#252;hrer der kubanischen   Revolution wie Fidel Castro und den ermordeten Che Guevara ganz anders   als die grauen Figuren wie Breschnjew und Kossygin [die sowjetischen   Staatsf&#252;hrer in den 70er und fr&#252;hen 80er Jahren]. Selbst Arthur Scargill   [der Vorsitzende der britischen Bergarbeitergewerkschaft] sagte k&#252;rzlich   bei einem TV-Interview, Kuba w&#228;re ein Modell einer Gesellschaft, wie er   sie anstrebe.<\/p>\n<p>  Kann Kuba f&#252;r die Arbeiter und Bauern der unterentwickelten L&#228;nder oder   die Arbeiterbewegung in den entwickelten L&#228;ndernein ein Vorbild im Kampf   gegen den Kapitalismus sein? Welchen Charakter hat das kubanische   Regime? Diese Fragen k&#246;nnen nur gekl&#228;rt werden, wenn man die Ursachen   und die Entwicklung der kubanischen Revolution untersucht.<\/p>\n<p>  Vor der Revolution war Kuba ein Paradies f&#252;r die Reichen &#8211; eine   Spielwiese vor allem f&#252;r die amerikanischen Touristen &#8211; aber ein   Alptraum f&#252;r die Arbeiter und Bauern. 1950-54 betrug das   Pro-Kopf-Durchschnittseinkommen in Delaware, dem reichsten   US-Bundesstaat, 2.279 Dollar, in Kuba waren es lediglich 312 Dollar, 6   Dollar pro Woche. Selbst in Mississippi, dem &#228;rmsten Staat der USA,   betrug das Pro-Kopf-Einkommen 829 Dollar. F&#252;nfzig Prozent der   Landbev&#246;lkerung verf&#252;gten nicht &#252;ber Toiletten &#8211; sie hatten nicht einmal   ein Plumpsklo. Tuberkulose und Syphilis waren weit verbreitet. 25   Prozent waren Analphabeten, ebenso hoch war die Arbeitslosigkeit . In   den 50er Jahren besuchten anteilsm&#228;&#223;ig weniger Sch&#252;ler im schulf&#228;higen   Alter die Schule als in den 20er Jahren. Der Grund und Boden war in den   H&#228;nden weniger konzentriert, in gro&#223;en Latifundien. 114 Farmen, weniger   als 0,1 Prozent aller Farmen, umfassten 20,1 Prozent des Landes. Acht   Prozent aller Farmen verf&#252;gten &#252;ber 71,1 Prozent des Bodens, w&#228;hrend   andererseits 39 Prozent aller landwirtschaftlichen Betriebe b&#228;uerliche   Kleinbetriebe mit weniger als einem Hektar Land waren. Sie umfassten nur   3,3 Prozent des Bodens.<\/p>\n<h2>  Die Dominanz des Imperialismus<\/h2>\n<p>  Au&#223;erdem wurde die kubanische Wirtschaft durch die riesigen US-Monopole   dominiert. US-Firmen besa&#223;en 90 Prozent der Telekommunikation und des   Elektrizit&#228;tssektors, ca. 50 Prozent der &#246;ffentlichen Dienstleistungen   und 40 Prozent der Rohzuckerproduktion. Da Kuba an die US-Wirtschaft   gekettet war, war das Land gezwungen, sich auf die Produktion eines   landwirtschaftlichen Erzeugnisses f&#252;r den amerikanischen Markt, des   Zuckers, zu konzentrieren. Der gr&#246;&#223;te Teil der kubanischen Zuckers wurde   in die USA exportiert, j&#228;hrliche Quoten und Preise waren festgesetzt.   Die Kr&#246;nung dieser Verh&#228;ltnisse war die Diktatur des Gangsters Batista.   Sch&#228;tzungen ergaben, dass zwischen seiner zweiten Macht&#252;bernahme 1953   und seinem Sturz 1959 20.000 Menschen von seinen Soldaten und Folterern   umgebracht wurden.<\/p>\n<p>  Die Aufgaben der kapitalistisch-demokratischen Revolution waren im Kuba   der 50er Jahre noch nicht erledigt worden. Die Bauern hatten kein Land   erhalten, die Befreiung von der ausl&#228;ndischen wirtschaftlichen und   politischen Dominanz und der Aufbau einer modernen Industrie hatten   nicht stattgefunden. Die Erfahrung der russischen Revolution, die von   Leo Trotzkis Theorie der Permanenten Revolution theoretisch brillant   vorweggenommen wurde, zeigte, dass in den unterentwickelten L&#228;ndern nur   die Arbeiterklasse die Nation zur Vollendung dieser Aufgaben f&#252;hren   konnte. Nachdem sie einmal an die Macht gekommen war und die Aufgaben   der kapitalistisch-demokratischen Revolution durchgef&#252;hrt hatte, ging   die Arbeiterklasse zu den sozialistischen Aufgaben weiter &#8211; wie der   Verstaatlichung der entscheidenden Teile der Wirtschaft &#8211; und gab damit   auch einen Anschub f&#252;r den Beginn der internationalen sozialistischen   Revolution.<\/p>\n<h2>  &#8222;Fortschrittlich&#8220;<\/h2>\n<p>  Die kubanische KP vertrat wie die meisten &#8222;kommunistischen&#8220; Parteien   Lateinamerikas eine Linie, die diesen Erfahrungen und den Methoden von   Lenin und den Bolschewiki diametral entgegen stand. Sie wollte ein   B&#252;ndnis mit der sogenannten &#8222;fortschrittlichen nationalen Bourgeoisie&#8220;,   um die &#8222;antimperialistische patriotische und demokratische Revolution&#8220;   zu verwirklichen. Aber die kubanischen Kapitalisten investierten in   Landbesitz und die Besitzer gro&#223;er Latifundien in die Industrie. F&#252;r   eine ernsthafte Landreform waren die kubanischen Kapitalisten nicht zu   haben. Genauso wenig waren sie in der Lage, einen Kampf gegen den   US-Imperialismus zu f&#252;hren. Sie st&#252;tzten sich auf ihn, um sich gegen die   kubanischen Massen zu verteidigen. Die Suche nach der geheimnisvollen   &#8222;fortschrittlichen nationalen Bourgeoisie&#8220; f&#252;hrte die kubanische KP so   weit, dass sie Batista schon bald nach seiner ersten Macht&#252;bernahme 1933   unterst&#252;tzte.<\/p>\n<p>  Zu Anfang beschimpfte der Parteif&#252;hrer Blas Roca Batista als &#8222;diesen   nationalen, vom Imperialismus bezahlten Verr&#228;ter&#8220;. Aber 1938 fand das   KP-Zentralkomitee heraus, dass Batista &#8222;nicht mehr die f&#252;hrende Person   im reaktion&#228;ren Lager&#8220; sei! Die wunderbare Verwandlung kam dadurch   zustande, dass Batista von niemand anders als dem USPr&#228;sidenten Franklin   Delano Roosevelt das Pr&#228;dikat &#8222;demokratisch&#8220; verliehen worden war. Die   bescheidene Herkunft von &#8222;Sergeant Batista&#8220; f&#252;hrte nun dazu, dass er den   Segen der &#8222;kommunistischen&#8220; Partei erhielt. Batista revanchierte sich   1938, indem er die KP legalisierte.<\/p>\n<p>  Vier Jahre sp&#228;ter holte er zwei KP-Minister in sein Kabinett. Blas Roca   &#8211; der auch sp&#228;ter in Castros Regierung sa&#223; &#8211; erschien 1942 zusammen mit   Batista auf dem Balkon, um die Huldigungen der Massen entgegenzunehmen.   Trotz dieser Unterst&#252;tzung wurde Batista 1944 aus dem Amt vertrieben.   Fidel Castro wurde von der KP 1947 als &#8222;Gangster&#8220; angegriffen. Selbst   sp&#228;ter noch, als die Verh&#228;ltnisse sie zwangen, ihre Position zu Fidel   Castro zu ver&#228;ndern, bezweifelte die KP, dass Batista durch die Guerilla   gest&#252;rzt werden k&#246;nne und forderte im November 1958 eine &#8222;demokratische   Koalitionsregierung&#8220;.<\/p>\n<p>  Batistas zweiter Putsch 1952 provozierte breite Opposition in Kuba, vor   allem seitens der Studierenden und Intellektuellen, darunter Fidel   Castro und sein Bruder Ra&#250;l. Sie griffen mit 120 Anh&#228;ngern am 26. Juli   1953 die Moncada-Kaserne an. Die Revolte wurde niedergeschlagen, Castro   wurde inhaftiert. Nach seiner Freilassung ging er nach Mexiko, um dort   die Guerilla-Truppe zu organisieren, die 1956 in Kuba landete. In einem   drei Jahre w&#228;hrenden heldenhaften Kampf bezwang die Guerilla mit Hilfe   der verarmten Bauernschaft die zahlenm&#228;&#223;ig vielfach &#252;berlegenen Truppen   Batistas. Einige Soldaten Batistas und selbst Offiziere gingen auf die   Seite der Guerilla &#252;ber.<\/p>\n<h2>  Harmonie<\/h2>\n<p>  Castro behauptete 1961, w&#228;hrend Kuba gegen den US-Imperialismus auf   Leben und Tod k&#228;mpfte, er sei &#8222;im Herzen schon immer ein   Marxist-Leninist&#8220; gewesen. In seinem Buch &#8222;Guerillas in Power&#8220; merkt KS   Karol allerdings ironisch an: &#8222;Einige seiner Genossen, zu denen dieses   Etikett noch weniger passte, sagten, sie w&#228;ren die ganze Zeit schon   Marxisten gewesen ohne es zu wissen. Andere waren niemals   Antikommunisten gewesen und waren offen daher f&#252;r die Bekehrung.&#8220;<\/p>\n<p>  Tats&#228;chlich war Castro bis zu diesem Zeitpunkt nichts anderes als ein   radikaler Mittelklasse-Demokrat, dessen Ideal das demokratische   kapitalistische Amerika war. Er erkl&#228;rte in einem Interview mit dem   US-Journalisten Herbert Matthews w&#228;hrend des Kampfes gegen Batista: &#8222;Sie   k&#246;nnen sicher sein, dass wir die USA und das amerikanische Volk nicht   ablehnen &#8230; Wir k&#228;mpfen f&#252;r ein demokratisches Kuba und das Ende der   Diktatur.&#8220; In einem Dokument von Castros Bewegung &#8211; der Bewegung 26.   Juli &#8211; hie&#223; es 1956, man vertrete eine &#8222;Jeffersonsche Philosophie&#8220;,   wurde die &#8222;Lincoln-Formel&#8220; unterst&#252;tzen und bekr&#228;ftigte die Absicht   &#8222;einen Zustand von Solidarit&#228;t und Harmonie zwischen Kapital und Arbeit   zu erreichen, um die Produktivit&#228;t zu steigern.&#8220;<\/p>\n<p>  Selbst nach Batistas Sturz erkl&#228;rte Castro am 6. M&#228;rz 1959 vor einem   Treffen von B&#228;nkern, dass er mit ihnen zusammenarbeiten wolle. Laut dem   US-amerikanischem News and World Report sagt er au&#223;erdem, er h&#228;tte   &#8222;keine Absicht, irgendwelche Industrien zu verstaatlichen&#8220;. War das etwa   ein Trick, um die Gro&#223;grundbesitzer und Kapitalisten an der Nase   herumzuf&#252;hren? Im Gegenteil. Alles weist darauf hin, dass Castro und   seine Anh&#228;nger ihren Kampf nicht mit klaren sozialistischen Perspektiven   und Programm begannen, wie es Lenin und die Bolschewiki in Russland   taten. Lenin st&#252;tzte sich auf die Arbeiterklasse. Er ging davon aus,   dass die Arbeiter die arme Bauernschaft in den Kampf gegen den Zarismus   f&#252;hren w&#252;rden. Castro und Guevara st&#252;tzten sich auf die Landbev&#246;lkerung.   Die Arbeiterklasse trat erst mit einem Generalstreik in Havanna in den   Kampf, als die Guerilla schon gesiegt hatte und Batista um sein Leben   lief. Die russische Arbeiterklasse spielte die f&#252;hrende Rolle. Die   bewusste Kontrolle und Verwaltung von Staat und Wirtschaft wurde durch   Arbeiter- und Bauernr&#228;te ausge&#252;bt &#8211; die demokratischsten Institutionen,   die man je gesehen hatte. Dies f&#252;hrte zu einer machtvollen Bewegung der   Arbeiterklasse in der ganzen Welt, die sich der Sache ihrer russischen   Br&#252;der anschloss. Die Arbeiter versuchten, die russische Revolution in   ihren eigenen L&#228;ndern nachzuahmen.<\/p>\n<h2>  Sackgasse<\/h2>\n<p>  Castro kam durch eine &#252;berwiegend l&#228;ndliche Bewegung an die Macht. Davon   war der gesamte Charakter seiner Bewegung gepr&#228;gt. Nur eine besondere   Kombination von Umst&#228;nden f&#252;hrte dazu, dass Castro bei der Enteignung   der Gro&#223;grundbesitzer und Kapitalisten federf&#252;hrend war. Er hatte zu   Beginn nicht die Perspektive, &#252;ber den Rahmen des Kapitalismus   hinauszugehen. Auf der einen Seite gab es auf der Grundlage des   bankrotten kubanischen Kapitalismus keinen Ausweg aus der Sackgasse. Auf   der anderen Seite existierte ein gewaltiger Druck seitens der   Bauernschaft und der Arbeiterklasse. Nach der Niederlage Batistas   besetzten die Bauern das Land. Die Arbeiterklasse forderte   Lohnerh&#246;hungen und die Wiedereinstellung der unter dem altem Regime   Entlassenen. Im Fr&#252;hjahr forderten 6.000 Arbeiter der kubanischen   Elektrizit&#228;ts-Gesellschaft eine 20prozentige Lohnerh&#246;hung. 600 Arbeiter,   die zuvor entlassen worden waren, begannen einen Protest vor dem   Pr&#228;sidentenpalast. Die Massen waren bewaffnet und bildeten Milizen.   Wegen der Radikalisierung der kubanischen Massen verfiel der Vertreter   des US-Imperialismus, Pr&#228;sident Eisenhower, in Panik und versuchte, die   kubanische Regierung zu erpressen und zum Gehorsam gegen&#252;ber den USA zu   zwingen.<\/p>\n<h2>  Widerstand<\/h2>\n<p>  Dies spitzte sich zu, als Russland auf der Grundlage eines im Januar   1960 unterzeichneten Handelsabkommens mit Kuba Roh&#246;l zu liefern begann.   Im Juni verweigerten die drei gro&#223;en &#214;lkonzerne (Jersey Standard, Texaco   und Shell) unter dem Druck der US-Regierung die Raffinierung des   russischen &#214;ls. Aber die kubanische Regierung griff ein und setzte die   Bearbeitung des &#214;ls durch. Die Konzerne griffen zu Vergeltungsma&#223;nahmen   und verweigerten, &#214;l aus Venezuela anzuliefern. Kuba entschied sich,   s&#228;mtliches &#214;l aus Russland zu beziehen. Die Eisenhower-Regierung schlug   im Juli zur&#252;ck, indem sie die Abnahme der im Abkommen vereinbarten   700.000 Tonnen kubanischen Zuckers verweigerte. Sie spekulierte darauf,   damit das Castro-Regime zu Boden zu zwingen. Aber Russland sprang ein   und garantierte, die 700.000 Zucker zu kaufen. Am 6. August wurden die   kubanische Telefongesellschaft, die Elektrizit&#228;tsgesellschaft sowie alle   &#214;l- und Zucker-Raffinerien &#8211; bei denen es zuvor nur ein   &#8222;Mitspracherecht&#8220; der Regierung gab &#8211; verstaatlicht. In den folgenden   vier Monaten wurden Schl&#228;ge und Gegenschl&#228;ge ausgeteilt, nach und nach   wurden s&#228;mtliche im Besitz des US-Kapitals befindlichen Betriebe   &#252;bernommen.<\/p>\n<p>  Im September wurden die kubanischen Au&#223;enstellen der US-Konzerne in   &#246;ffentliches Eigentum &#252;berf&#252;hrt. Kubanische Gesellschaften wurden im   Oktober verstaatlicht. Ende 1960 war der Kapitalismus in Kuba   ausradiert. Der US-Imperialismus schlug zur&#252;ck: er verh&#228;ngte ein totales   Handels-Embargo und bereitete sich auf die milit&#228;rische Intervention   vor, um die kubanische Revolution zu zerschlagen. Der Druck der Massen,   die Schw&#228;che des kubanischen Kapitalismus und die Fehlkalkulationen und   Schnitzer des US-Imperialismus waren Faktoren, die in ihrer Kombination   Castro zur Enteignung von Gro&#223;grundbesitz und Kapital dr&#228;ngten.<\/p>\n<p>  Wir konnten so in Kuba die Best&#228;tigung von Trotzkis Theorie der   Permanenten Revolution in einer karikaturhaften Form beobachten. Die   kapitalistisch-demokratische Revolution konnten nur gegen den Widerstand   der Kapitalisten in Kuba und international vollzogen werden. Dies f&#252;hrte   dazu, dass Castro sich im Gegenzug auf die Massen st&#252;tzen, die   Gro&#223;konzerne verstaatlichen und eine geplante Wirtschaft einf&#252;hren   musste. Anders als bei Lenin und Trotzki in der russischen Revolution   gab es keine ausgearbeitete Vorstellung oder bewusste Voraussicht. Wenn   man Castro vor der Revolution einen Film &#252;ber seine nachfolgende   Entwicklung gezeigt h&#228;tte, h&#228;tte er dies als eine monstr&#246;se F&#228;lschung   bezeichnet.<\/p>\n<p>  Die Sowjets sowie die demokratische Verwaltung und Kontrolle des Staates   waren zusammen mit dem Bewusstsein der Massen, dass das Schicksal der   Revolution vom Sieg der weltweiten Revolution abh&#228;ngt, ausschlaggebend   daf&#252;r, dass der russischen Revolution die revolution&#228;re Bewegung der   Arbeiterklasse in Europa und der ganzen Welt folgte. Weltweit   unterst&#252;tzten die Arbeiter ihre russischen Schwestern und Br&#252;der und   versuchten, ihnen w&#228;hrend der bewegten Zeiten 1918 und 1919   nachzueifern, weil sie ihre Klasse in Russland an der Macht sahen, egal,   welche monstr&#246;sen L&#252;gen die Herrschenden des eigenen Landes auch   verbreiten mochten. Die kubanische Revolution hatte die Folgen eines   Erdbebens, vor allem in Lateinamerika. Aber wegen der beteiligten Kr&#228;fte   &#8211; einer &#252;berwiegend b&#228;uerlichen Armee &#8211; und dem Fehlen der bewussten   Kontrolle durch die Arbeiterklasse und die armen Bauern konnte sie nicht   die selben Folgen haben wie die russische Revolution. Es wurde ein   Arbeiterstaat direkt vor der Nase der USA errichtet, aber die Macht war   in den H&#228;nden einer Schicht privilegierter Funktion&#228;re konzentriert.<\/p>\n<h2>  Die Macht in den H&#228;nden einer b&#252;rokratischen Elite<\/h2>\n<p>  Die Abschaffung von Gro&#223;grundbesitz und Kapitalismus in Kuba 1960   ersch&#252;tterte Nord- und S&#252;damerika. Der US-Imperialismus wollte die   Revolution so schnell wie m&#246;glich ersticken und finanzierte und   bewaffnete die Invasionsstreitmacht, die im April am Playa Gir&#243;n   (Schweinebucht) landete. Die Invasoren spielten sich als &#8222;Retter&#8220; der   kubanischen Revolution auf. Die Tatsache, das die 1.500 M&#228;nner der   Streitmacht zuvor eine Million Hektar Land, 10.000 H&#228;user, 70 Fabriken,   f&#252;nf Bergwerke, zwei Banken und zehn Zuckerraffinerien besessen hatten,   war nat&#252;rlich rein zuf&#228;llig! Doch die Massenbasis der Revolution f&#252;hrte   zu ihrer Niederlage und der aller konterrevolution&#228;ren Angriffe, die von   den vom CIA unterst&#252;tzen Emigranten unternommen wurden. Ohne Zweifel,   das Castro-Regime genoss eine enorm gro&#223;e Unterst&#252;tzung im Volk. Die   Massen waren bewaffnet und in der 200.000 Mann starken Arbeiter- und   Bauernmiliz organisiert. Der konservative Historiker Hugh Thomas gab den   Kommentar eines 15j&#228;hrigen bewaffneten Schuljungen von 1961 wider: &#8222;Wir   Kubaner sind ein bewaffnetes Volk.&#8220;<\/p>\n<p>  Es gab in der ersten Phase der Revolution unzweifelhaft Elemente von   Arbeiterkontrolle in den Betrieben. Jeder H&#228;userblock und jede Stra&#223;e   hatte ein &#8222;Komitee zur Verteidigung der Revolution&#8220;. Anzeichen f&#252;r die   breite Unterst&#252;tzung f&#252;r das Regime waren die riesigen Menschenmengen,   die sich in Havanna versammelten, um Castros Reden zu h&#246;ren. Bei der   Versammlung, bei der Castro die Rede vortrug, die als &#8222;Zweite Erkl&#228;rung   von Havanna&#8220; bekannt wurde, str&#246;mte am 4. Februar 1962 eine Million   Menschen &#8211; bei einer Gesamtbev&#246;lkerung von sechs Millionen! &#8211; auf dem   Plaza de la Revoluci&#243;n zusammen. Aber gleichzeitig hatten die Massen   nicht den Staatsapparat unter ihrer Kontrolle. KS Karol kommentiert in   seinem Buch &#8222;Guerillas in Power&#8220;, in dem er stark mit Castro und der   kubanischen Revolution symphatisiert, seinen Besuch in Kuba 1961: &#8222;Diese   enthusiastischen Menschen [die Arbeiterklasse und die armen Bauern]   sollten eigentlich &#252;ber ihre &#8218;R&#228;te&#8217; und &#252;ber ihre &#8218;sozialistischen   Pl&#228;ne&#8217; reden (wenn die Revolution mit Russland oder dem spanischen   B&#252;rgerkrieg vergleichbar w&#228;re). Ich hatte allerdings vergebens versucht   an der Basis, sowohl in der Provinz als auch in Havanna, Zeichen gro&#223;er   Begeisterung f&#252;r eines der beiden Dinge zu finden. Es gab eine   beeindruckend gro&#223;e Unterst&#252;tzung f&#252;r die Revolution, aber das Fehlen   politischer Initiativen selbst innerhalb der Miliz und das eher   primitive Verst&#228;ndnis von Sozialismus waren doch &#252;berraschend.&#8220;<\/p>\n<p>  Der rein plebiszit&#228;re Charakter der Staates &#8211; ein Bestandteil des   Bonapartismus &#8211; zeigte sich in den Massenveranstaltungen, die von Castro   geleitet wurden. Die Arbeiter waren aufgerufen, &#8222;S&#237;&#8220; oder &#8222;No&#8220; zu sagen,   aber nicht, die Angelegenheiten zu diskutieren und zu entscheiden.<\/p>\n<h2>  Ungarische Revolution<\/h2>\n<p>  Doch ohne die bewusste Kontrolle der Massen ist die Entstehung einer   neuen Elite unvermeidlich. Selbst in Russland war trotz brillanter   F&#252;hrer wie Lenin und Trotzki und trotz der bewussten Teilnahme der   Arbeiterklasse an der Verwaltung der Gesellschaft die b&#252;rokratische   Entartung unvermeidbar, so lange die Revolution in einem r&#252;ckst&#228;ndigen   Land isoliert blieb.<\/p>\n<p>  Die Bolschewiki hatten die Vorstellung, dass die russische Revolution   die Revolution in Europa ausl&#246;sen w&#252;rde, welche im Gegenzug Russland mit   wirtschaftlicher Unterst&#252;tzung, Technikern usw. zu Hilfe kommen w&#252;rde.   Der Beginn des Sozialismus und damit verbunden das Absterben des Staates   ist nur auf der Grundlage h&#246;herer Produktivit&#228;t als im h&#246;chstproduktiven   kapitalistischen Land, d.h. der USA, m&#246;glich.<\/p>\n<p>  Die vereinigten sozialistischen Staaten von Europa als Schritt zum   weltweiten sozialistischen Staatenbund h&#228;tten dies ohne Zweifel   erm&#246;glicht. Aber die Isolation der Revolution in einem Land, einem   r&#252;ckst&#228;ndigen noch dazu, f&#252;hrte zur b&#252;rokratischen Degeneration, die von   Stalin verk&#246;rpert wurde. Die Massen wurden von der b&#252;rokratischen Elite   beiseite gefegt und hatten nichts mehr zu sagen.<\/p>\n<p>  In Kuba waren Kontrolle und Verwaltung gleich von Beginn an in den   H&#228;nden Castros und seiner Anh&#228;nger konzentriert, bei den   Staatsfunktion&#228;ren, der regierenden Partei, der Armee usw. Der Charakter   des Regimes lie&#223; sich an der Haltung der russischen B&#252;rokratie gegen&#252;ber   Kuba ablesen, die ganz anders war als ihre Haltung zur ungarischen   Revolution 1956. Die Existenz von R&#228;ten in Ungarn und die Macht in den   H&#228;nden der Massen waren eine t&#246;dliche Gefahr f&#252;r die b&#252;rokratischen   Empork&#246;mmlinge. H&#228;tte man die Revolution gew&#228;hren lassen, h&#228;tten   &#228;hnliche Aufst&#228;nde &#8211; politische Revolutionen &#8211; auf Osteuropa und   Russland selbst &#252;bergegriffen. Es konnte f&#252;r die B&#252;rokratie keinen   Kompromiss mit der ungarischen Revolution geben. Der &#8222;liberale&#8220;   Chruschtschow war entschlossen, die Revolution in Blut zu ertr&#228;nken.<\/p>\n<p>  Dem Castro-Regime reichte die russische B&#252;rokratie ihre Hand.   Tats&#228;chlich w&#228;re die kubanische Revolution ohne russische Hilfe im   Volumen von einer Million Dollar pro Tag zusammengebrochen. 40 Prozent   des kubanischen Au&#223;enhandels werden mit Russland abgewickelt. 95 Prozent   der &#214;limporte kommen aus Russland. Die russische B&#252;rokratie bezahlt   heute 30 Cent f&#252;r ein Pfund kubanischen Zuckers. Als das Abkommen 1975   unterzeichnet wurde, waren es nur 14 Cent, urspr&#252;nglich sollte dieses   Abkommen bis 1980 gelten. Au&#223;erdem wurde die Bezahlung der enormen   Schulden Kubas bei Russland, die zwischen 3 und 4 Milliarden Dollar   lagen, durch das selbe Abkommen aufgeschoben.<\/p>\n<p>  &#8222;Wess&#8217; Brot ich ess, dess&#8217; Lied ich sing&#8217;.&#8220; Angeblich hat ein russischer   Botschaftsangestellter w&#228;hrend eines Streits mit dem kubanischen Regime   arrogant verk&#252;ndet: &#8222;Wir m&#252;ssen nur sagen, dass die Reparaturen in Baku   drei Wochen lang gestoppt werden m&#252;ssen und das w&#228;r&#8217;s dann.&#8220;<\/p>\n<p>  Es gab nat&#252;rlich Differenzen zwischen Castro und der russischen   B&#252;rokratie sowie mit deren Messdienern in den &#8222;kommunistischen&#8220; Parteien   Lateinamerikas. Aber die kubanische Revolution war keine Bedrohung f&#252;r   die privilegierte Elite in Russland. Im Gegenteil, der Aufbau eines dem   eigenen &#228;hnelnden Regimes vor der Haust&#252;r des US-Imperialismus half, die   Macht und das Prestige der russischen B&#252;rokratie zu festigen.<\/p>\n<h2>  Geplante Wirtschaft<\/h2>\n<p>  Die gewaltige Wirtschaftshilfe und die aus einer geplanten Wirtschaft   resultierenden Vorteile f&#252;hrten zu einer starken Entwicklung der   kubanischen Gesellschaft, vor allem im Vergleich mit der   Arbeitslosigkeit, dem Hunger und Elend, die den Rest Lateinamerikas   plagen. Praktisch in jedem Bereich ist der Lebensstandard der Kubaner   weit h&#246;her als bei den lateinamerikanischen Nachbarn. Die   Sterblichkeitsrate bei Kindern war 1975 mit 27,4 pro Tausend Geburten   die geringste in ganz Lateinamerika.<\/p>\n<p>  Die Lebenserwartung in Kuba liegt jetzt bei 69,2 Jahren, verglichen mit   45,3 Jahren in Bolivien, 58,8 in Kolumbien, 59,7 in Brasilien und 60,6   in Chile. Vor 1959 gingen rund die H&#228;lfte aller Kinder im   Grundschulalter &#252;berhaupt nicht zur Schule. Heute gehen alle zur Schule,   es gibt fast 2 Millionen Grundsch&#252;ler verglichen mit weniger als 720.000   vor 1959, au&#223;erdem 79.000 Grundschullehrer, 1959 waren es 17.000. F&#252;r   alle Kinder gibt es vom 45. Tag an Kinderkrippen. Hugh Thomas gesteht   zu: &#8222;Nur wenige sterben wegen Unterern&#228;hrung. Auf dem Land, vor allem in   der Provinz Oriente, scheinen die sehr armen Bauern besser ern&#228;hrt als   vor der Revolution &#8230; die Arbeitslosigkeit ist ohne Zweifel gefallen,   obwohl viele Frauen, die vorher an Heim und Herd gefesselt waren, jetzt   in die Wirtschaft gehen.&#8220;<\/p>\n<p>  Man vergleiche das mit Argentinien, wo gesch&#228;tzt wurde, dass der   Lebensstandard um 50 Prozent gefallen ist, seitdem die Armee an die   Macht gekommen ist. Auch aus einer unerwarteten Richtung kam eine   Best&#228;tigung der Entwicklung Kubas seit der Revolution. Pat Holt,   Sekret&#228;r des Senatausschusses f&#252;r ausw&#228;rtige Beziehungen, sagte im Juni   1974: &#8222;1973 hatte das Land das zweith&#246;chste Pro-Kopf-Einkommen   Lateinamerikas (1.578 Dollar)nach Venezuela.&#8220; Und Venezuela liegt nur   wegen seiner reichhaltigen &#214;lreserven vor Kuba.<\/p>\n<p>  Auf der anderen Seite ist Kuba ein &#252;berwiegend agrarisches Land mit   Zucker als wichtigstes Produkt geblieben. 1974 kamen 85 Prozent der   Gewinne aus dem Au&#223;enhandel vom Zucker. Gleichzeitig gab es eine   Entwicklung der Industrie. Zwischen 1959 und 1965 stieg die industrielle   Produktion um 50 Prozent. 1975 wuchs die Wirtschaft um ca. 9 Prozent.   Nickel hat Tabak als zweitwichtigstes Exportgut des Landes nach Zucker   &#252;berholt. Die Stahlproduktion soll in der n&#228;chsten Phase um ca. eine   Million Tonnen erh&#246;ht werden. So beeindruckend diese Erfolge sind, sie   sind nichts im Vergleich mit dem, was auf der Basis der   Arbeiterdemokratie h&#228;tte erreicht werden k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Missmanagement, gewaltige Verschwendung und ein Zick-Zack-Kurs in der   Wirtschaftspolitik sind ohne die Planung, den Abgleich, die Kontrolle   und die Initiative unvermeidlich, die nur durch Arbeiterdemokratie   entstehen k&#246;nnen. Die Planwirtschaft braucht dies wie der K&#246;rper den   Sauerstoff. Ohne Arbeiterdemokratie verstopfen die Poren der Wirtschaft   und es ist unvermeidlich, dass der gesellschaftliche Organismus von   Krankheiten befallen wird. Diese Situation sehen wir jetzt in Russland   und Osteuropa, wo die b&#252;rokratische Kaste um Breschnjew und Co. zu einer   absoluten Bremse f&#252;r die weitere Entwicklung der Gesellschaft geworden   ist. In einem unterentwickelten Land wie Kuba kann die B&#252;rokratie noch   immer eine relativ fortschrittliche Rolle dabei spielen, die Industrie   zu entwickeln, indem sie die Technologie der entwickelten L&#228;nder nutzt   und versucht, gegen&#252;ber ihnen aufzuholen &#8211; allerdings zu hohen Kosten.   Misswirtschaft und Verschwendung sind seit den ersten Tagen der   kubanischen Revolution bekannt.<\/p>\n<p>  1963 akzeptierte Castor in einer ersten Welle von Enthusiasmus   Chruschtschows Angebot von 1.000 Traktoren, um die Zuckerernte zu   mechanisieren. Erst nachdem sie nach Kuba geliefert worden waren, wurde   festgestellt, dass sie f&#252;r das Schneiden von Zuckerrohr, f&#252;r das   Spezialmaschinen n&#246;tig sind, ungeeignet sind. Zur gleichen Zeit   beschimpfte Che Guevara in einer geheimen Rede &#8222;f&#252;r die private   Verwendung politischer und wirtschaftlicher F&#252;hrer&#8220; (Karol, &#8222;Guerillas   in Power&#8220;) die Manager wegen der miesen Qualit&#228;t vieler Produkte: &#8222;Es   gibt zur Zeit einen Mangel an Zahnpasta &#8230; Erst als die Reserven zur   Neige gingen und keine neuen Rohstoffe mehr kamen, handelten die   Verantwortlichen &#8230; unverzagt schafften es die Genossen, eine Zahnpasta   zu machen, die dem Auge gefiel und so wei&#223; war wie jede andere, aber die   nach einer Weile hart wird &#8230; nach einigen Monaten werden sich die   Leute beschweren, weil wir ihnen Steine in Tuben verkaufen.&#8220;<\/p>\n<h2>  Von oben nach unten<\/h2>\n<p>  Guevara und Castro klagten &#252;ber die Symptome aber waren nicht in der   Lage, die Krankheit zu diagnostizieren oder gar die heilenden Mittel zu   verschreiben. Eigenm&#228;chtige Entscheidungen und Produkte niedriger   Qualit&#228;t sind eine Begleiterscheinung jedes Regimes, wo die &#8222;Macher&#8220;   sich nicht der Kritik der Massen, Wahlen und Abwahl stellen m&#252;ssen. So   hatten Krisen und Kurs&#228;nderungen in der Wirtschaftspolitik das   Castro-Regime von Beginn an gepr&#228;gt. 1961 sagte Guevara voraus, dass   Kuba in 12 Monaten ein Industrieland werden w&#252;rde! Angesichts der   Schw&#228;che der kubanischen Wirtschaft war solch eine Perspektive   vollkommen utopisch, selbst mit der enormen Hilfe der russischen   B&#252;rokratie. Kurze Zeit sp&#228;ter musste diese Perspektive der Konzentration   auf die Landwirtschaft und vor allem der auf den Zucker weichen. Aber   die Ziele der Zucker-Produktion wurden durch die Spitzen entschieden und   den Massen lediglich pr&#228;sentiert.<\/p>\n<p>  Die wirklichen Potenziale einer geplanten Wirtschaft k&#246;nnen nur durch   eine umfassende Diskussion unter den Massen ermittelt werden. So k&#246;nnen   diese die notwendigen Korrekturen, Erg&#228;nzungen usw. vornehmen. Ohne   diese Diskussion und ohne das Sich-St&#252;tzen auf die Initiative der Massen   werden Fehler und St&#252;mperei bei der Umsetzung der Pl&#228;ne unvermeidlich.   Dies bewahrheitete sich in Kuba in Bezug auf die Zuckerindustrie. Castro   erkl&#228;rte, Kuba w&#252;rde es bis 1970 schaffen, 10 Millionen Tonnen Zucker zu   produzieren. Doch die folgenden Jahre machten deutlich, und selbst dann   w&#228;ren immer noch die Launen des Wetters und dessen Auswirkungen auf die   Landwirtschaft zu bedenken gewesen, dass dies nur auf der Basis der   Mechanisierung der Landwirtschaft und der Entwicklung der Industrie   m&#246;glich gewesen w&#228;re. Nur das h&#228;tte die harmonische Entwicklung von   Industrie und Landwirtschaft erm&#246;glicht.<\/p>\n<p>  Leo Trotzki bewies in seiner Kritik an Stalins St&#252;mperhaftigkeit in der   Agrarfrage, dass ein Regime des b&#252;rokratischen Absolutismus eine   ausgewogene Beziehung zwischen Industrie und Landwirtschaft unm&#246;glich   macht. Castro beging nicht die selben Verbrechen wie Stalin. Doch auch   er versuchte, Kubas Mangel an technischen und industriellen Mitteln   durch die massive Nutzung freiwilliger Arbeit und manchmal sogar durch   Zwangsarbeit auszugleichen, um die beschlossenen Ziele zu erreichen. Bei   der Zuckerernte 1970 wurden 400.000 Kubaner mobilisiert, um das Ziel von   zehn Millionen Tonnen Zucker zu erreichen. Industriearbeiter, Hausfrauen   und Jugendliche wurden zur Einbringung der Ernte mobilisiert, die Kosten   der Unterbrechungen und Beeintr&#228;chtigungen in der Industrie waren   gewaltig. Es wurden trotzdem nur 8,5 Millionen Tonnen produziert. 1975   waren es nur 5,4 Millionen Tonnen. F&#252;r 1980 ist geplant, 8,7 Millionen   Tonnen zu produzieren. Das ist eine klare Demonstration, dass die   vorherigen Ziele auf der Basis des derzeitigen Regimes praktisch nicht   zu erreichen waren.<\/p>\n<p>  Diesen Zielen ging die &#8222;Gro&#223;e Revolution&#228;re Offensive&#8220; voraus, eine   kubanische Version der &#8222;Kulturrevolution&#8220;. Anschuldigungen gegen die   &#8222;B&#252;rokratie&#8220; und die praktische Militarisierung der Arbeit wurden mit   Erkl&#228;rungen verbunden, Kuba &#8222;bewege sich Richtung Kommunismus&#8220; sowie mit   einer Kampagne, Kleinunternehmen abzuschaffen. 1968 wurden ungef&#228;hr   58.000 Kleinbetriebe, darunter Gesch&#228;fte, St&#228;nde und 9.179 Handwerker,   die selbst&#228;ndig arbeiteten, verstaatlicht. Die Regierung behauptete   damals, Kuba sei jetzt das &#8222;sozialistische Land mit dem gr&#246;&#223;ten   verstaatlichten Sektor&#8220;. Doch die Abschaffung s&#228;mtlicher kleiner L&#228;den,   ohne dass die Bedingungen geschaffen waren, die den Staatsbetrieben   erm&#246;glicht h&#228;tten, ausreichend Produkte &#8211; vor allem Konsumg&#252;ter &#8211;   herzustellen, f&#252;hrte zur Versch&#228;rfung des allgemeinen Mangels. Dies   wiederum lie&#223; die Unzufriedenheit anwachsen. Weitere Ziele der Kampagne   waren, die Privilegien der B&#252;rokratie zu beschneiden, um notwendige   Mittel f&#252;r die Industrialisierung und die Mechanisierung der   Landwirtschaft freizusetzen sowie eine Versch&#228;rfung des Tempos, um den   Plan zu erf&#252;llen. Dies war von der Regierung nach eigenem Gutd&#252;nken   entschieden worden. Castro stellte in Bezug auf den Lebensstandard   reichlich k&#252;hne Thesen auf. 1960 prophezeite er, Kuba w&#252;rde bis 1965   einen mit Schweden vergleichbaren Lebensstandard haben. Im   darauffolgenden Jahre wurde eine scharfe Rationierung von Lebensmitteln   und Kleidung eingef&#252;hrt! Rationierungsma&#223;nahmen hielten bis in die 70er   Jahre an und wurden f&#252;r einige Konsumg&#252;ter erst in den letzten Jahren   aufgehoben oder gelokkert.<\/p>\n<h2>  F&#252;r die vereinigten sozialistischen Staaten der Karibik und   Lateinamerikas<\/h2>\n<p>  Castro sah sich in der Sackgasse und war gezwungen, seinen Kurs zu   &#228;ndern. So gab er im November 1973 beim Gewerkschaftskongress zu, &#8222;Kuba   war noch nicht reif f&#252;r den Kommunismus und musste in einigen Bereichten   wegen der revolution&#228;ren Unerfahrenheit vieler Kubaner und der niedrigen   Wachstumsrate in einigen Bereichen der Industrie R&#252;ckschritte machen.&#8220;   Am 14. Januar 1974 gestand er ein, dass &#8222;mehr Arbeiter f&#252;r die gleichen   Arbeiten gebraucht werden als zu der Zeit, wo die Betriebe US-Konzernen   geh&#246;rten.&#8220;<\/p>\n<p>  1966 betrug der nationale Durchschnitt in Kuba vier produktive   Arbeitsstunden am Tag. Fehlzeiten in der Leichtindustrie waren auf 16   Prozent, in der Nahrungsmittelindustrie auf 31 Prozent angestiegen.   Castro erkl&#228;rte 1975: &#8222;Das Volk kann jeden ersetzen, mich   eingeschlossen, wenn sie wollen&#8220; und rief zu mehr Beteiligung bei   Entscheidungen auf. In Wirklichkeit gab es keine demokratischen Kan&#228;le   f&#252;r die Massen, um die Politik ihrer F&#252;hrer zu ver&#228;ndern. KS Karol   kommentiert: &#8222;Alle Organe [der KP] vom Zentralkomitee bis zum B&#252;ro auf   niedriger Ebene werden von oben ernannt, durch Fidel Castro und seine   engsten Mitstreiter.&#8220;<\/p>\n<p>  Die castristische kubanische KP wurde 1965 gegr&#252;ndet, hielt ihren ersten   Kongress jedoch 1975 ab! Selbst w&#228;hrend des russischen B&#252;rgerkrieges   hielt die bolschewistische Partei unter Lenin und Trotzki j&#228;hrlich ihre   Konferenz ab.<\/p>\n<p>  Es blieb Dr. Jorge Risquest, Castros Arbeitsminister, &#252;berlassen,   zumindest eine Ahnung der wahren Gr&#252;nde der Misere zu vermitteln. Im   Juli 1975 gab er zu, &#8222;die wirtschaftlichen Probleme des Landes   [resultieren] haupts&#228;chlich aus dem weitverbreiteten passiven Widerstand   der Arbeiter.&#8220; Er r&#228;umte ein, &#8222;dass es &#8222;keinen angemessenen Beziehungen   zwischen den Arbeitern einerseits und der staatlichen Verwaltung, den   Funktion&#228;ren der kommunistischen Partei und den Gewerkschaften   andererseits gibt.&#8220; Um die sich h&#228;ufenden Beschwerden gegen die   B&#252;rokratie zu zerstreuen, wurde 1975 ein Entwurf f&#252;r eine Verfassung   vorgelegt, mit der die sogenannte &#8222;Volksmacht&#8220; errichtet werden sollte.   In der Provinz Matanzas wurden im selben Jahr testweise Wahlen zu den   &#8222;st&#228;dtischen Versammlungen&#8220; abgehalten. Normalerweise standen zwei   Kandidaten zur Wahl, manchmal nahmen jedoch bis zu 15 an der Wahl teil.<\/p>\n<h2>  Eine Partei<\/h2>\n<p>  Der Trick dabei war, dass alle Kandidaten Mitglieder der   &#8222;kommunistischen&#8220; Partei oder ihren Unterorganisationen wie der dem Bund   der jungen Kommunisten sein mussten! Mit anderen Worten, die Wahlen   waren ein Farce. Man stelle sich die Reaktion der britischen Arbeiter   vor, wenn man ihnen sagen w&#252;rde, sie k&#246;nnten bei einer Vertrauensleute-   oder Gewerkschaftswahl nur die Kandidaten einer Partei w&#228;hlen.<\/p>\n<p>  Die Bef&#252;rworter des castristischen Regimes &#8211; unter ihnen auch einige   angebliche &#8222;Trotzkisten&#8220; &#8211; wenden ein, dass Castro in der Vergangenheit   nicht gez&#246;gert h&#228;tte, die B&#252;rokratie zu beschuldigen, vor allem die   russische B&#252;rokratie, indem er sie als &#8222;Pseudo-Revolution&#228;re&#8220;   bezeichnete. Au&#223;erdem, so sagen sie, h&#228;tte Castro versucht, die   Revolution auf das lateinamerikanische Festland auszubreiten und w&#228;re   dabei in einen Konflikt mit den &#8222;kommunistischen&#8220; Parteif&#252;hrern der   Region geraten. Stalin, Mao Tse-Tung und Tito haben alle zu ihrer Zeit   die &#8222;B&#252;rokratie&#8220; beschuldigt. Aber sie griffen damit die Exzesse ihres   eigenen Systems auf, nutzten die auf&#228;lligsten und krassesten F&#228;lle von   b&#252;rokratischer Misswirtschaft, Verschwendung und Gier, um die   Privilegien der Kaste, die sie vertraten, insgesamt umso besser   verteidigen zu k&#246;nnen. Castro stie&#223; mit der russischen B&#252;rokratie   zusammen, als die Interessen des kubanischen Staates gef&#228;hrdet waren.   Daher beschuldigte er An&#237;bal Escalante 1962 und 1968 ein Erzb&#252;rokrat zu   sein.<\/p>\n<p>  Doch hinter dem Konflikt um Escalante stand der Streit zweier nationaler   B&#252;rokratien. Escalante war schon vor dem Zusammenschluss der   &#8222;Kommunisten&#8220; mit den Castristen ein KP-F&#252;hrer gewesen. Er war ein   gef&#252;giges Werkzeug der russsischen B&#252;rokratie und verbreitete die   Kritik, die diese hinter vorgehaltener Hand an Castro &#228;u&#223;erte. Er klagte   Castro an, &#8222;undankbar&#8220; gegen&#252;ber seinen russischen Wohlt&#228;tern zu sein   und verurteilte dessen &#8222;Abenteurertum&#8220; auf dem lateinamerikanischen   Kontinent. Wie mit ihm umgegangen wurde, spricht jedoch auch gegen die   Methoden Castros.<\/p>\n<h2>  Guerilla-Krieg<\/h2>\n<p>  Escalante wurde beschuldigt, eine &#8222;Mikro-Fraktion&#8220; zu organisieren,   dieses Verbrechen existierte jedoch laute kubanischem Gesetz gar nicht.   Man vergleiche die Haltung Castros mit der Lenins zur Zeit des   russischen B&#252;rgerkrieges. Lenin gestand Bucharin, Radek und anderen zu,   eine Tageszeitung zu ver&#246;ffenlichten, die leidenschaftlich gegen Lenins   Haltung zum Friedensvertrag von Brest-Litowsk und damit   zusammenh&#228;ngenden Angelegenheiten argumentierte.<\/p>\n<p>  In der ersten Phase, als die Lava der Revolution noch nicht abgek&#252;hlt   war, konnten wir Zeugen der &#8222;Zweiten Erkl&#228;rung von Havanna&#8220; werden, die   brillant das Elend der lateinamerikanischen Massen beschrieb und zur   Revolution aufrief. Che Guevara wurde w&#228;hrend des heldenhaften aber   sinnlosen Abenteuers in Bolivien ermordet. Doch Castro griff die   opportunistischen &#8222;kommunistischen&#8220; Parteien &#8211; vor allem in Venezuela &#8211;   nicht wegen ihrer Aufgabe der revolution&#228;ren Perspektive an, sondern   wegen ihrer Weigerung, die Waffen zu ergreifen und seiner   Guerilla-Strategie zu folgen. Zu keinem Zeitpunkt orientierte sich   Castro auf die m&#228;chtige Arbeiterklasse Lateinamerikas als dem Dreh- und   Angelpunkt f&#252;r die sozialistische Ver&#228;nderung. Die Guerilla-Erfahrung   der kubanischen Revolution sollte k&#252;nstlich auf den Kontinent &#252;bertragen   werden, alle Hoffnung wurde auf die Bauernschaft gesetzt. Der Grund f&#252;r   diesen Versuch, die Erfahrung der kubanischen Revolution in   Lateinamerika zu wiederholen, war das brutale Handelsembargo, das der   US-Imperialismus und seine Satelliten Kuba aufgezwungen hatten.<\/p>\n<p>  Die Au&#223;enpolitik ist die Fortsetzung der Politik im Inneren. Die   Festigung der kubanischen B&#252;rokratie zusammen mit der Abschw&#228;chung des   Boykotts f&#252;hrten zu einer &#196;nderung der Au&#223;enpolitik des Regimes. Es gab   Versuche, sich mit dem USImperialismus und seiner Gefolschaft in   Lateinamerika zu arrangieren, was zur Abschw&#228;chung<\/p>\n<p>  selbst der verbalen Unterst&#252;tzung f&#252;r die Revolution im Kontinent   f&#252;hrte. Als die getarnte Milit&#228;rdiktatur im Mexiko im Oktober 1968 mehr   als 300 Studenten ermordete kam kein Wort des Protestes von der   kubanischen Regierung oder der KP. Die Studenten hatten erkl&#228;rt, sie   w&#252;rden Kuba unterst&#252;tzen, aber Mexiko war eines der wenigen   kapitalistischen L&#228;nder, welches die diplomatischen Beziehungen mit Kuba   aufrechterhalten hatte. Die nationalen Interessen des kubanischen   Staates waren hier wichtiger als die internationale Solidarit&#228;t. Auch   herrschte in Havanna eisernes Schweigen, als zehn Millionen Arbeiter in   Frankreich die Fabriken besetzten und den Kapitalismus in Europa und   weltweit bis in seine Grundfesten ersch&#252;tterten. Nicht einmal eine   Solidarit&#228;tsbotschaft f&#252;r die franz&#246;sischen Studierenden kam von der   staatlichen kontrollierten Studentenbewegung, der UJC-FEU.<\/p>\n<p>  Diese Tendenz wird verst&#228;rkt werden, wenn der Boykott des   US-Imperialismus gegen Kuba aufgehoben und die diplomatischen   Beziehungen zwischen den beiden L&#228;ndern aufgenommen werden. Die   Carter-Regierung ist bereit, das kubanische Regime anzuerkennen, wenn es   sein Engagement auf dem afrikanischen Kontinent<\/p>\n<p>  beendet. Mit unverhohlener Befriedigung hat der US-Imperialismus   registriert, dass das Castro-Regime seine fr&#252;heren &#8222;Abenteuer&#8220; in   Lateinamerika aufgegeben hat.<\/p>\n<h2>  Privilegien<\/h2>\n<p>  Unter seinen gl&#252;hendsten Anh&#228;ngern in Lateinamerika hat die   Desillusionierung &#252;ber Castro begonnen. 1967 griff Castro die   venezolanische &#8222;kommunistische&#8220; Partei an und unterst&#252;tzte den   Guerilla-Kampf von Douglas Bravo. Doch 1970 &#8222;stoppten die Castristen   laut Bravo die Hilfe f&#252;r die lateinamerikanische Revolution in dem   Moment, als sie sich entschieden, sich auf ihre eigenen &#246;konomischen   Probleme zu konzentrieren und enger mit der<\/p>\n<p>  Sowjetunion zusammenzur&#252;cken.&#8220; Castro unterstrich den Charakter seines   Regimes als er die Intervention der russischen B&#252;rokratie in der   Tschechoslowakei 1968 unterst&#252;tze. Kurz danach meinte einer seiner   Minister, Llanusa, zu Studenten: &#8222;Wir sollten hier nicht etwas wie in   der Tschechoslowakei erleben.&#8220; Diese Entwicklungen sind nicht irgendeine   Art von Verirrung. Ideen fallen nicht vom Himmel. Von politischen   F&#252;hrern ausgesprochen, widerspiegeln sie die materiellen Interessen von   Klassen und sozialen Gruppen in der Gesellschaft.<\/p>\n<p>  Die kubanische B&#252;rokratie f&#252;rchtet inzwischen sowohl die sozialistische   Revolution im Westen als auch die politische Revolution im Osten. Beides   w&#252;rde die Ersetzung der b&#252;rokratischen Elite durch eine Arbeiter- und   Bauerndemokratie und die Abschaffung ihrer Privilegien bedeuten. Castro   ist der Vertreter und der oberste Gebieter der kubanischen B&#252;rokratie.   Seine Haltung sowohl zu Frankreich als auch zur Tschechoslowakei l&#228;sst   ahnen, welche Angst die wachsende kubanische Elite angesichts dieser   Ereignisse ergriffen hatte.<\/p>\n<p>  Die Elemente der Arbeiterkontrolle, die Arbeitermilizen usw., die es in   der ersten Phase der Revolution gab, sind schon l&#228;ngst geschw&#228;cht oder   ganz abgeschafft. KS Karol schreibt:&#8222;Die Kubaner erz&#228;hlen nicht mehr   stolz von ihrer Arbeitermiliz oder den Komitees zur Verteidigung der   Revolution. Letztere haben nur noch rein repressive Funktionen.&#8220; Die   Privilegien dieser Schicht existierten von Beginn der Revolution an.   Aber auf dem niedrigen wirtschaftlichen und kulturellen Niveau konnten   die Unterschiede zwischen Arbeiter und Bauern auf der einen, der   B&#252;rokratie auf der anderen Seite, nie so gro&#223; sein wie Russland oder   Osteuropa. Trotzdem merkt KS Karol an, dass er schon 1963 in einer   Fabrik einen Ingenieur getroffen, der ein 17fach h&#246;heres Gehalt erhielt   als ein Arbeiter. Er nennt andere Verg&#252;nstigungen und Privilegien der   B&#252;rokratie wie &#8222;hochklassige&#8220; Restaurants wie &#8222;Monse&#241;or&#8220;, das &#8222;Torre&#8220;,   das &#8222;1830&#8220;, das &#8222;Floridita&#8220;, welche gewaltige Preise f&#252;r ein Essen   verlangen. Auf der Parteikonferenz der KP 1975 wurde beschlossen,   Kubanern zu erlauben, Autos zu kaufen &#8211; was bis dahin ein Vorrecht der   Partei- und Staatsfunktion&#228;re war!<\/p>\n<p>  Mit der Weiterentwicklung der kubanischen Wirtschaft werden diese   Unterschiede nicht verschwinden, sondern wachsen. Aber mit der   Differenzierung der kubanischen Gesellschaft wird auch die Opposition   gegen das dr&#252;ckende gesellschaftliche Klima wachsen, das von der   herrschenden privilegierten Funktion&#228;rsschicht geschaffen wurde.<\/p>\n<p>  Herrschte in der ersten Phase eine relativ liberale Atmosph&#228;re, so ist   das Niederhalten s&#228;mtlicher Abweichung zur Norm geworden. 1962 konnte   man in Havanna noch die Werke Leo Trotzkis kaufen, Kultur und Kunst   bl&#252;hten auf. Jetzt haftet an allem der muffige Geruch der B&#252;rokratie.   Die unorthodoxen Schriftsteller, Dichter und K&#252;nstler wie Padilla werden   vom Regime schikaniert. Wie in Russland, China und Osteuropa scheint die   Tolerierung von Freiheiten f&#252;r K&#252;nstler die Gefahr heraufzubeschw&#246;ren,   dass die Massen die gleichen Recht auch f&#252;r sich verlangen. Die   ungarische Revolution begann mit der Opposition der Schriftsteller, die   sich im Pet&#246;fi-Kreis versammelten.<\/p>\n<p>  Die kubanische Revolution hat das gewaltige Potenzial von   Verstaatlichung und einer geplanten Produktion deutlich gemacht. Allein   die Statistiken f&#252;r Gesundheitsversorgung, Bildung, soziale Sicherheit   und die Entwicklung der Wirtschaft beweisen, dass sie absolut   gerechtfertigt war. Sie hat der Revolution in der Karibik<\/p>\n<p>  und Lateinamerika gro&#223;en Auftrieb gegeben.<\/p>\n<p>  Aber weil die Revolution in einem r&#252;ckst&#228;ndigen Land stattfand, dazu mit   einer F&#252;hrung, die sich vorwiegend auf die Bauernschaft st&#252;tzte und   gewisserma&#223;en einen national beschr&#228;nkten Horizont hatte, war die   b&#252;rokratische Entartung unvermeidlich. Ohne Zweifel hat das   Castro-Regime noch immer viel mehr Unterst&#252;tzung im Volk als die   stalinistischen Regime in Russland und Osteuropa. Aber die Entwicklung   der Industrie wird auch zum Wachstum der Arbeiterklasse f&#252;hren und damit   zum verst&#228;rkten Aufkommen von Forderungen nach Arbeiterdemokratie.   Au&#223;erdem werden politische Revolutionen in Osteuropa oder die soziale   Revolution in Europa, Amerika oder Japan Auswirkungen auf Kuba haben.<\/p>\n<p>  Der Sieg der sozialistischen Revolution zum Beispiel in Argentinien oder   Brasilien w&#252;rde dramatische Auswirkungen auf Kuba haben. In diesen   L&#228;ndern ist das soziale Gewicht der Arbeiterklasse so entscheidend, dass   die sozialistische Revolution sich &#228;hnlich wie die russische Revolution   entwickeln w&#252;rde. Ein Sieg der Arbeiterklasse in einem dieser L&#228;nder   w&#252;rde zur explosionsartigen Ausbreitung der sozialistischen Revolution   auf dem ganzen Kontinent und zu einer neuen Revolution in Kuba f&#252;hren &#8211;   dieses Mal zu einer politischen Revolution zur Schaffung einer   Arbeiterdemokratie.<\/p>\n<p>  Die L&#228;nder Mittel- und S&#252;damerikas, selbst Nordamerikas, w&#252;rden zusammen   mit der Karibik in einen gro&#223;en sozialistischen Staatenbund von Nord-   und S&#252;damerika gezogen werden wie Metallsp&#228;ne in Richtung eines   Magneten. Die kubanische Revolution hat das gewaltige Potenzial   aufgezeigt, welches in der geplanten Wirtschaft steckt. Aber selbst   diese Errungenschaften werden gegen&#252;ber den gro&#223;artigen M&#246;glichkeiten   verblassen, die sich durch die Arbeiterdemokratie und einen   sozialistischen Staatenbund ergeben w&#252;rden. Die kubanische Revolution   zeigt, dass nur die sozialistische Revolution und die Arbeiterdemokratie   eine Erl&#246;sung der Arbeiter und Bauern Lateinamerikas und der Karibik vom   Alptraum des Feudalismus und Kapitalismus bringen k&#246;nnen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Am 1. Januar 1959 floh der kubanische Diktator Fulgencio Batista und die<br \/>\n      von Fidel Castro gef&#252;hrte Bewegung des 26. 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