{"id":12929,"date":"2008-12-14T00:00:00","date_gmt":"2008-12-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12929"},"modified":"2008-12-14T00:00:00","modified_gmt":"2008-12-14T00:00:00","slug":"12929","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/12\/12929\/","title":{"rendered":"Pal&#228;stina: Hebt die Sanktionen gegen Gaza auf"},"content":{"rendered":"<p>  Es folgt der Text eines Flugblatts, das Mitglieder des CWI im Libanon   bei einer Protestaktion zur Verteidigung pal&#228;stinensischer Rechte und   gegen die israelischen Sanktionen gegen Gaza verteilten. Die   Originalversion in Arabisch gibt es <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\/eng\/2008\/12\/05palestine.pdf \">hier.<\/a><\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>F&#252;r massenhaften Widerstand der pal&#228;stinensischen ArbeiterInnen<\/b><\/h4>\n<h4>  <i>von Ayisha Zaki, CWI im Libanon, 5.12.08<\/i><\/h4>\n<p>  Zum ersten Mal in diesem Monat hat Israel heute zeitweise einige   Restriktionen f&#252;r MitarbeiterInnen von Hilfsorganisationen und   JournalistInnen in Gaza aufgehoben. Die Menschen im Gaza-Streifen zahlen   einen hohen Preis f&#252;r die israelischen Sanktionen und die Politik des   Aushungerns und der Erniedrigung. Hunderttausende Pal&#228;stinenserInnen in   Gaza k&#228;mpfen t&#228;glich darum, genug Lebensmittel, Wasser, Kraftstoff und   Gas zum Kochen zu ergattern. Der Schwarzmarktpreis f&#252;r Gas zum Kochen   liegt mittlerweile bei 100 US-Dollar pro Kartusche!<\/p>\n<p>  Die sich verschlechternde Situation in den pal&#228;stinensischen Gebieten   hat jetzt dazu gef&#252;hrt, dass zum ersten Mal 80 Prozent der Familien in   Gaza in erb&#228;rmlicher Armut leben und die Anzahl der Unterern&#228;hrten unter   den Kindern dort ist rasant angestiegen.<\/p>\n<p>  Die Belagerung wird allgemein als kollektive Strafaktion gegen die   Zivilbev&#246;lkerung aufgefasst, und sie stellt einen von der Vierten Genfer   Konvention als Kriegsverbrechen bezeichneten Akt dar. Die Sanktionen   Israels gegen&#252;ber dem verarmten K&#252;stenareal begannen, nachdem die Hamas   die Parlamentswahlen von 2006 gewann, die von internationalen   Beobachtern als frei und fair bezeichnet wurden. Der israelische Staat   zog die Schlinge enger, nachdem die Hamas die rivalisierende   Fatah-Bewegung verdr&#228;ngte nach einer Aktion, die von vielen als von   Israel und den USA unterst&#252;tzte Offensive der Fatah zur Vertreibung der   Hamas aus dieser Enklave betrachtet wird.<\/p>\n<p>  In der Vergangenheit ist Israel in einer Reihe von Offensiven mit   Panzern und SoldatInnen nach Gaza einmarschiert und hat dabei   Hamas-Mitglieder und ZivilistInnen get&#246;tet. Diese zahlreichen Br&#252;che von   Waffenstillstandsvereinbarungen haben K&#228;mpfer in Gaza dazu veranlasst,   die Raketenbesch&#252;sse fortzusetzen.<\/p>\n<p>  Die Reaktion auf den Sieg der Hamas bei den Wahlen von 2006 war ein   koordiniertes Embargo durch Israel, die USA und die EU zusammen mit der   Arabischen Liga, die dadurch mitmachte, indem man dazu schwieg.   Millionen von US-Dollar an Hilfsgeldern f&#252;r die Pal&#228;stinensische   Autonomiebeh&#246;rde wurden zur&#252;ckgehalten und die Misere in den besetzen   Gebieten ist zu einer Notlage ausgewachsen. Seit 2006 wurden hunderte   Pal&#228;stinenserInnen get&#246;tet, darunter auch Kinder.<\/p>\n<p>  Die &#228;gyptischen Beh&#246;rden haben die Grenze zu Gaza geschlossen und   Menschen davon abgehalten zu passieren, um Lebensmittel zu besorgen und   medizinischen Bedarf in &#196;gypten zu decken. Einige Lebensmittel wurden   &#252;ber Tunnel aus &#196;gypten eingeschmuggelt, doch die meisten   Grundnahrungsmittel stehen nur in begrenztem Ma&#223; zur Verf&#252;gung.<\/p>\n<p>  Anfang der Woche kam es zu Zusammenst&#246;&#223;en zwischen &#228;gyptischer   Bereitschaftspolizei und hunderten von Studierenden an der Universit&#228;t   von Kairo, die ebenfalls gegen die Blockade protestierten und die   &#214;ffnung der Grenze zu Gaza bei Rafah forderten. Viele &#196;gypterInnen sind   entschlossen gegen die Willf&#228;hrigkeit ihrer Regierung bei der Belagerung   des Gaza-Streifens.<\/p>\n<h4>  Wirtschaftssanktionen<\/h4>\n<p>  Das einzige Kraftwerk in Gaza liefert um die 30 Prozent des Stroms in   den Gebieten. Wiederholte Abschaltungen aufgrund der Sanktionen haben zu   Stromausf&#228;llen gef&#252;hrt und Teile der Produktionsst&#228;tten besch&#228;digt, die   wegen der israelischen Blockade nicht ersetzt werden konnten.<\/p>\n<p>  Obwohl die israelische Regierung die j&#252;dischen Siedlungen 2005 aus dem   Gaza-Streifen entfernt hat, h&#228;lt Israel die absolute Kontrolle &#252;ber die   Grenzen nach Gaza und den Luftraum mit dem seit &#252;ber 40 Jahren   geschlossenen Hafen von Gaza aufrecht. Die brutale Blockade Israels   betrifft seit &#252;ber zwei Jahren 1,5 Millionen ZivilistInnen, sie l&#228;sst   die Armut und die Zahl der Unterern&#228;hrten dramatisch ansteigen.<\/p>\n<p>  Der komplette Streifen wurde ohne Entkommen in den Zustand schrecklicher   Entbehrung versetzt und die Mehrheit der Bev&#246;lkerung ist somit jetzt   arbeitslos und auf Hilfslieferungen und Almosen angewiesen.<\/p>\n<p>  Zu einem Abzug aus Gaza mit dem Ziel eines echten pal&#228;stinensischen   Staates ist es nie gekommen. Als die Hamas dann 2006 gew&#228;hlt wurde, um   die Pal&#228;stinensische Autonomiebeh&#246;rde zu regieren, verst&#228;rkte sich die   israelische milit&#228;rische Bestrafung &#252;ber planm&#228;&#223;ige brutale Einf&#228;lle   mittels Panzern, Bulldozers und Hubschraubern.<\/p>\n<p>  Die israelische Regierung versucht ihre Bodenangriffe damit zu   rechtfertigen, dass von Gaza aus Raketen auf Israel abgefeuert werden.   Dies geschieht trotz der Tatsache, dass die Zahl der durch   pal&#228;stinensische Raketen get&#246;teten Israelis im Zehnerbereich liegt,   derweil Pal&#228;stinenserInnen von israelischen Kr&#228;ften zu Hunderten get&#246;tet   werden.<\/p>\n<h4>  Pal&#228;stinensische Gebiete<\/h4>\n<p>  Mordanschl&#228;ge und Brutalit&#228;ten der israelischen Armee beschr&#228;nken sich   nicht auf Gaza. Einige in der West Bank (Westjordanland; Anm. d. &#220;bers.)   stationierte israelische SoldatInnen haben offen &#252;ber die Folterungen   pal&#228;stinensischer B&#252;rgerInnen durch die Armee dort und von   religi&#246;s-j&#252;dischen Siedlern in Hebron ver&#252;bten Gewalttaten gegen   Pal&#228;stinenserInnen gesprochen. &#220;berdies sind die Pal&#228;stinenserInnen von   der Existenz des &#8222;Sicherheits&#8220;-Zauns betroffen, der sich ma&#223;geblich in   pal&#228;stinensisches Land hineinfrisst und mit der Ausdehnung j&#252;discher   Siedlungen zur Aufl&#246;sung pal&#228;stinensischer Gebiete einhergeht.   Unterdessen ist das durchschnittliche Pro-Kopf-Einkommen in den   Pal&#228;stinensischen Gebieten im Vergleich zu dem bei 20.000 US-Dollar   j&#228;hrlich in Israel liegenden auf 1.700 US-Dollar j&#228;hrlich zur&#252;ckgegangen.<\/p>\n<h4>  F&#252;r Arbeiter-Widerstand<\/h4>\n<p>  W&#228;hrend bewaffneter Widerstand der Pal&#228;stinenserInnen n&#246;tig ist, sollte   dieser durch demokratisch kontrollierte Arbeiter-Milizen organisiert   werden und Angriffe sollten nicht auf israelische ZivilistInnen   gerichtet sein. Das w&#252;rde nur zu weiterer Repression gegen&#252;ber den   Pal&#228;stinenserInnen f&#252;hren, ihr Leiden verst&#228;rken und den Kampf noch   schwieriger machen. Zudem sind solche Angriffe nicht dazu geeignet, den   israelischen Staatsapparat dadurch zu bezwingen, und sie entfernen die   israelischen ArbeiterInnen nur weiter von der &#8222;pal&#228;stinensischen Sache&#8220;   und treiben sie geradewegs in die Arme ihrer eigenen extrem rechten und   rassistischen israelischen Kapitalisten-Klasse.<\/p>\n<p>  Viele Hamas-F&#252;hrungsfiguren wurden als aufopfernd angesehen, da sie die   Korruption der Fatah ablehnten und den US-Imperialismus verurteilten.   Doch einmal an der Macht &#8211; ganz egal, ob in Stadtr&#228;ten oder an der   Regierung &#8211; haben sie sich gewendet und die Last der &#246;konomischen Krise   durch Jobstreichungen und Privatisierungen auf den Schultern der   ArbeiterInnen abgeladen &#8211; genau wie die Fatah es tat.<\/p>\n<p>  Pal&#228;stinensiche Gewerkschaftsf&#252;hrer sind verbunden mit der Fatah und der   pal&#228;stinensische Gewerkschaftsbund, der in den 1990ern gegr&#252;ndet wurde,   um die bestehenden Gewerkschaften unter einem Dach zusammen zu bringen,   hat eine F&#252;hrung, die nie demokratisch gew&#228;hlt worden ist. Diese besteht   aus Besch&#228;ftigten der Fatah und sie erhalten ihre Einkommen von ihr. Die   Gewerkschaftsf&#252;hrung hat die Interessen der Arbeiterklasse nie   unabh&#228;ngig von der Fatah-Regierung verteidigt. So haben sie zum Beispiel   nie f&#252;r einen Mindestlohn gek&#228;mpft. Stattdessen haben sie mit NGO&#8217;s   (Nichtregierungsorganisationen; Anm. d. &#220;bers.) zusammengearbeitet und   Ans&#228;tze wie etwa Handelsabkommen statt Arbeiterk&#228;mpfe zur Absicherung   der Lebens- und Arbeitsbedingungen vorangetrieben.<\/p>\n<p>  Die Geschichte zeigt, dass die pal&#228;stinensischen ArbeiterInnen   unabh&#228;ngig von ihren F&#252;hrern spontane Streikaktionen durchgef&#252;hrt haben,   um ihre Arbeitspl&#228;tze und L&#246;hne zu verteidigen. Im September 2006   erkl&#228;rten die Besch&#228;ftigten der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde einen   allgemeinen Streik f&#252;r die Forderung zur vollen Auszahlung ihrer L&#246;hne.   165.000 bei der Pal&#228;stinensischen Autonomiebeh&#246;rde besch&#228;ftigte   ArbeiterInnen standen &#252;ber sechs Monate ohne Lohn da. Von diesen   Einkommen sind ungef&#228;hr eine Million Pal&#228;stinenserInnen abh&#228;ngig. Der   Streik umfasste rund 100.000 ArbeiterInnen und warf wichtige Fragen &#252;ber   die politische Situation innerhalb der Pal&#228;stinensischen Gebiete nach   den Wahlen auf.<\/p>\n<p>  Die Organisation eines Kampfes der Massen erfordert den Aufbau von   Volkskomitees in den Gebieten, die Gr&#252;ndung einer unabh&#228;ngigen   Arbeiterpartei, die die unterdr&#252;ckten Schichten in der Gesellschaft   repr&#228;sentiert und die Transformierung der Gewerkschaften in k&#228;mpferische   und demokratische Kr&#228;fte. Solch eine Organisation w&#252;rde die   Notwendigkeit der &#220;bernahme des Besitzes der pal&#228;stinensischen Elite   aufwerfen, um die Aufgabe der Organisierung der Gesellschaft in Zeiten   der Krise bew&#228;ltigen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  In Abwesenheit einer solchen Bewegung und unter dem Gef&#252;hl der   Hilflosigkeit ist breite Unterst&#252;tzung f&#252;r eine Regierung der nationalen   Einheit zu beobachten. Aber der Kapitalismus kann den Pal&#228;stinenserInnen   keine Zukunft bieten.<\/p>\n<h5>  F&#252;r das sofortige Ende der Sanktionen gegen Gaza und die sofortigen   Abzug der israelischen Armee aus den besetzten Gebieten!<\/h5>\n<p>  <i>&#8211; F&#252;r das sofortige Ende der israelischen und internationalen   Sanktionen &#252;ber den Gaza-Streifen und f&#252;r allgemein ben&#246;tigte   Lieferungen, die unverz&#252;glich bereitgestellt werden m&#252;ssen. F&#252;r den   Abbau der Trenn-Mauer und aller Checkpoints und Barrieren in der West   Bank. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; F&#252;r den Aufbau von Basis-Komitees in den Gebieten; damit kann die   Grundlage f&#252;r eine echte und demokratische Arbeiter-F&#252;hrung geschaffen   werden. F&#252;r das Recht dieser Komitees sich zu Verteidigungszwecken zu   bewaffnen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; F&#252;r massenhaften Kampf der Pal&#228;stinenserInnen unter ihrer eigenen   demokratischen Kontrolle, um ihren Lebensstandard zu heben und f&#252;r   wirkliche nationale Befreiung eintreten zu k&#246;nnen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; F&#252;r den Abbau der Trenn-Mauer und aller Checkpoints und Barrieren   in der West Bank. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; F&#252;r den Kampf israelischer Pal&#228;stinenserInnen gegen   institutionalisierten Rassismus und ihre Behandlung als B&#252;rgerInnen   zweiter Klasse. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; F&#252;r den Kampf einer vereinten Arbeiterbewegung zur Beendigung des   israelischen Kapitalismus. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; F&#252;r einen sozialistischen Nahen Osten mit dem R&#252;ckkehrrecht der   Fl&#252;chtlinge und garantierten demokratischen Rechten f&#252;r alle nationalen   Minderheiten.<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Es folgt der Text eines Flugblatts, das Mitglieder des CWI im Libanon<br \/>\n      bei einer Protestaktion zur Verteidigung pal&#228;stinensischer Rechte und<br \/>\n      gegen die israelischen Sanktionen gegen Gaza verteilten. Die<br \/>\n      Originalversion in Arabisch gibt es <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\/eng\/2008\/12\/05palestine.pdf \">hier.<\/a>\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[37],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12929"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12929"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12929\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12929"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12929"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12929"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}