{"id":12920,"date":"2008-12-04T00:00:00","date_gmt":"2008-12-04T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12920"},"modified":"2008-12-04T00:00:00","modified_gmt":"2008-12-04T00:00:00","slug":"12920","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/12\/12920\/","title":{"rendered":"Venezuela: Die Regionalwahlen"},"content":{"rendered":"<p>  14 Millionen Menschen machten sich schon in den fr&#252;hen Morgenstunden auf   den Weg zu den Wahllokalen, um Gouverneure, B&#252;rgermeister und   Regionalvertreter zu w&#228;hlen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Johan Rivas, Colectivo Socialismo Revolucionario   (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in Venezuela), 29.   November 2008<\/i><\/h4>\n<p>  Am Sonntag, 23. November, machten sich mehr als 14 Millionen   Wahlberechtigte seit den fr&#252;hen Morgenstunden auf und besuchten die   Wahllokale, um Gouverneure, B&#252;rgermeister und Regionalvertreter zu   w&#228;hlen. Es waren die zweiten Regionalwahlen, die seit Beginn der   &#8222;Bolivarianischen Revolution&#8220; stattgefunden haben (die ersten wurden   2004 durchgef&#252;hrt). In 22 Provinzen, 330 Kommunen und 225 Vertreter f&#252;r   die f&#246;deralen Instanzen waren aus 8.000 BewerberInnen zu w&#228;hlen, die im   Namen von 7.860 politischen Organisationen (landesweit wie auch nur   regional vertretenen Parteien und unabh&#228;ngigen Gruppen) antraten. Das   sind die offiziellen Zahlen des CNE (Consejo Nacional Electoral, der   Nationalen Wahlleitung), der f&#252;r den Wahlvorgang im Land   verantwortlichen Regierungsbeh&#246;rde.<\/p>\n<p>  &#8222;Die Bolivarianische Regierung hat 17 der 22 Provinzen gewonnen, in   denen am 23. November Entscheidungen angestanden hatten; Pr&#228;sident   Ch&#225;vez bekr&#228;ftigte, dass der Triumph die Best&#228;tigung der Menschen f&#252;r   das sozialistische Projekt des 21. Jahrhunderts ist&#8221;, so der   stellvertretende Vorsitzende der PSUV (Vereinigte Sozialistische Partei   Venezuelas), General a.D. Muller Rojas, in einer Pressekonferenz. &#8222;Die   sechs Provinzen [f&#252;nf Bundesstaaten plus Gro&#223;-Caracas; Erg. d. &#220;bers.],   die von der politischen Opposition gewonnen wurden, bedeuten f&#252;r sie   keinen Sieg.&#8220;<\/p>\n<h4>  Zweiter Erfolg f&#252;r die Opposition oder Konsolidierung des   bolivarianischen Projektes?<\/h4>\n<p>  Diese Ergebnisse bedeuten offensichtlich ein Voranschreiten der   oppositionellen Kr&#228;fte, die den konspirativen Weg f&#252;rs erste   augenscheinlich verlassen haben und sich darauf konzentrieren, Ch&#225;vez   mit demokratischen Mitteln aus dem Amt zu bekommen. Es ist m&#246;glich, dass   die Opposition einen langfristigen Plan hat und ihre n&#228;chsten   Zielobjekte die Kommunalwahlen sowie die landesweiten Parlamentswahlen   2009 sind. F&#252;r die bolivarianische Seite gilt, dass sie bei allen   inneren Widerspr&#252;chen weiterhin die Mehrheit der Gouverneure und auch   der Unterst&#252;tzung durch die Bev&#246;lkerung inne hat. In diesem konkreten   Fall scheint es, als ob eine Kraft sich erholen konnte w&#228;hrend die   andere an Boden verlor. Von den sechs Gouverneursposten, die die   Opposition erlangte, wurden vier neu hinzu gewonnen und unter diesen ist   auch der des Hohen Gouverneurs von Caracas (der Gouverneur f&#252;r die   Region um die Hauptstadt). Die anderen drei sind der an Kolumbien   grenzenden Bundesstaat Taxhira, der zentralen Bundesstaat Carabobo (eine   der Hauptindustrieentwicklungszonen, zu der der wichtigste Seehafen des   Landes, Puerto Cabello, geh&#246;rt, wo die Mehrzahl der Importe ankommen)   und in Miranda, wo der Kandidat der PSUV als Nachfolger von Ch&#225;vez und   als Erbe des Chavismus als F&#252;hrer des reformistischen Fl&#252;gels betrachtet   worden war.<\/p>\n<p>  Angesichts dieser Lage w&#228;re es unm&#246;glich, keine Ver&#228;nderungen in der   Politikausrichtung der Regierung und der Situation im Land selbst zu   sehen. Es ist n&#246;tig herauszustellen, dass die Opposition die Kontrolle   &#252;ber den Bundesstaat Zulia halten konnte, der an Kolumbien grenzt und in   dem ein Gro&#223;teil des &#214;lreichtums des Landes zu finden ist. Hier hat die   Opposition ihren ideologischen F&#252;hrer Manuel Rosales, der &#8211; analog zur   Autonomiebewegung der Media Luna in Bolivien &#8211; die Autonomiebewegung   anheizte (sein Leitspruch lautet: &#8222;F&#252;r ein liberales und   kapitalistisches, unabh&#228;ngiges Zulia&#8220;). Dieser Bundesstaat ist von   Pr&#228;sident Ch&#225;vez am h&#228;ufigsten besucht worden und ist der Bundesstaat,   auf den er w&#228;hrend des Wahlkampfes das meiste Gewicht gelegt hatte. Der   Pr&#228;sident hatte sogar damit gedroht, den Oppositionskandidaten aufgrund   vorgeblicher Korruption ins Gef&#228;ngnis zu bringen. Wir werden sehen, ob   diese Drohung sich in der Zukunft wahrgemacht wird. In Zahlen   ausgedr&#252;ckt kontrolliert die Opposition sechs Regionen von grundlegender   Bedeutung. Drei davon stellen die gr&#246;&#223;ten W&#228;hlerschaften: Zulia mit 2,1   Millionen, Miranda mit 1,7 Millionen, Carabobo mit 1,3 Millionen.   Insgesamt kontrolliert sie damit 37 Prozent der landesweiten   W&#228;hlerschaft. Das ist Vorbote einen neuen Abschnitt in der   Bolivarianischen Revolution.<\/p>\n<h4>  Die soziale und politische Situation vor den Wahlen<\/h4>\n<p>  Venezuela hat ohne Erfolg versucht, ein sozialistisches Modell zu   schaffen ohne mit den Strukturen des Kapitalismus und dem b&#252;rgerlichen   Staat, den man geerbt hatte, zu brechen. Obwohl dies eine der   Regierungen mit den h&#246;chsten sozialen Investitionen und Reformen war,   die zu einem hohen Ma&#223; die am meisten marginalisierten Bev&#246;lkerungsteile   bevorzugt haben &#8211; w&#228;hrend 1998 50 Prozent in Armut lebten, sind es nach   heutigen offiziellen Angaben noch sch&#228;tzungsweise 20 Prozent &#8211; gelten   heute in der Bev&#246;lkerung dieselben Forderungen Forderungen, die Ch&#225;vez   in seinem Wahlkampf 1998 benutzte, als er zum ersten Mal gew&#228;hlt wurde:   &#220;berwindung der Unsicherheit, die Forderung nach neuen Arbeitspl&#228;tzen,   Wohnraum, einem besseren &#246;ffentlichen Dienst und Ma&#223;nahmen zur   Verringerung der Lebenshaltungskosten. Bis zum jetzigen Zeitpunkt hat   sich in diesem Jahr eine Inflationsrate bei Lebensmitteln und   Grundbedarfsg&#252;tern in Caracas von &#252;ber 45 Prozent angeh&#228;uft und f&#252;r Ende   des Jahres wird der Preissteigerungsindex zwischen 28 Prozent und 30   Prozent liegen. Gleichzeitig stieg der Mindestlohn f&#252;r die   Arbeiterklasse dieses Jahr um 30 Prozent. Es ist in Caracas zu mehr   Mordf&#228;llen gekommen, was nach manchen Statistiken und Erhebungen der   wichtigen Menschenrechtsorganisationen Mord zur dritth&#228;ufigsten   Todesursache hat werden lassen. Hinzu kommt, dass es bis 2006 dauerte,   bis die Regierung wirklich damit begann, Wohnungen zu bauen. Und selbst   in diesem Jahr wurden weniger 50 Prozent der urspr&#252;nglich geplanten   200.000 Wohnungen fertig gestellt. Jedes Jahr erh&#246;ht sich der   Wohnungsmangel f&#252;r die venezolanische Bev&#246;lkerung um 100.000 Wohnungen.<\/p>\n<p>  Das Problem ist, dass der Staat derselbe ist, den die vergangenen   b&#252;rgerlichen Regierungen hinterlassen haben. Dieser hat sich in den   letzten 10 Jahren gefestigt, mit zunehmenden F&#228;llen von Korruption,   B&#252;rokratie und Ineffizienz in einzelnen Ministerien. Aufgrund dieser   Widerspr&#252;che und Schw&#228;che im Entwicklungsprozess hat die Opposition auf   recht geschickte Weise eine Kampagne gefahren, die diese Punkte   herausstellte. Vor vier Jahren w&#228;re es zum Beispiel noch undenkbar   gewesen sich vorzustellen, dass eine F&#252;hrungsperson der Opposition   &#246;ffentliche Einrichtungen besucht, um eine politische Kampagne   durchzuf&#252;hren und sich in den armen Gemeinden selbst vorzustellen ohne   von der gro&#223;en Mehrheit dort abgelehnt zu werden. W&#228;hrend dieser   Kampagne in einem bedeutsamen Gesundheitszentrum von Caracas   pr&#228;sentierte sich dort der Oppositionskandidat f&#252;r das Amt des Hohen   Gouverneurs (Gouverneur von Gro&#223;-Caracas) und obwohl er von einigen   ArbeiterInnen abgelehnt wurde, war es ihm m&#246;glich, f&#252;r einige Minuten in   dem Geb&#228;ude zu bleiben und von anderen Besch&#228;ftigten dort Zustimmung zu   erhalten. In einem informellen Interview bekr&#228;ftigte eine Angestellte,   die den Oppositionskandidaten unterst&#252;tzte, dass sie f&#252;r Ch&#225;vez sei,   allerdings die Opposition f&#252;r das Gouverneursamt unterst&#252;tze. Sie sagte,   dass sie kein erb&#228;rmlicher Yankee w&#228;re (der Begriff wird benutzt, um die   pro-amerikanische Opposition zu charakterisieren), die Korruption des   bisherigen Gouverneurs jedoch Leid sei, dass es mit dieser Einrichtung   bergab gehe, weder die L&#246;hne p&#252;nktlich ausgezahlt werden noch ihren   weiteren Forderungen von dieser Seite &#252;berhaupt Geh&#246;r geschenkt wird und   dass sie als Denkzettel nun den Oppositionskandidaten w&#228;hlen w&#252;rde. Das   widerspiegelt das Bewusstsein der Menschen und die Konsequenzen des   Versprechens von Ver&#228;nderungen, die am Ende nicht erf&#252;llt wurden. Dieses   Beispiel mag uns eine Ahnung davon geben, was sich heute in Venezuela &#8211;   zehn Jahre nach Revolution und Konterrevolution &#8211; in der Stimmung der   Menschen tut und was die Wahlergebnisse jetzt wiedergeben.<\/p>\n<h4>  Die Patriotische Allianz<\/h4>\n<p>  Wie bei s&#228;mtlichen vorherigen Wahlen auch hat der Chavismus ein B&#252;ndnis   politischer Organisationen geschmiedet, um zu versuchen, seine Kr&#228;fte zu   b&#252;ndeln und gemeinsame Kandidaten aufzustellen. Dieses B&#252;ndnis (der   sogenannte Polo Patriotico) erzielte in der Vergangenheit z&#228;hlbare   Ergebnisse &#8211; wie zum Beispiel bei den Wahlen 2004 im Bundesstaat   Miranda, einem zentral gelegenen Bundesstaat, zu dem ein Teil von   Caracas, eine Gemeinde von erheblicher Bedeutung, geh&#246;rt. Ein Kandidat   des Chavismus verlor gegen den Kandidaten der vereinten Opposition,   gewann aber letztlich doch dank der Stimmen, die er von anderen Parteien   der Patriotischen Allianz erhielt. In der heutigen Situation aber finden   Entwicklungen statt, die diese Allianz in einigen Staaten zunichte   machen. Die Gesch&#228;ftsstelle der PSUV hatte Mitte des Jahres einige   interne Treffen anberaumt, auf denen die AktivistInnen ihre Kandidaten   w&#228;hlen konnten. Was aber anfangs als Akt revolution&#228;rer Demokratie der   Partei erschien, wurde alsbald zum Ausgangspunkt f&#252;r politische   Differenzen zwischen den unterschiedlichen innparteilichen Str&#246;mungen   und den Parteien der Allianz. Das lag daran, dass eine gro&#223;e Anzahl   derer, die vorhatten, PSUV-Kandidaten zu werden, nicht bekamen, was sie   wollten.<\/p>\n<p>  Andere prangerten die Tatsache an, dass sie zwar bei den internen Wahlen   gewonnen hatten, ihr Sieg am Ende aber nicht ber&#252;cksichtigt wurde und   die Entscheidung vom Vorsitzenden der Partei, Ch&#225;vez, aufgezwungen   wurde. Das f&#252;hrte dazu, dass einige dieser KandidatInnen aus der PSUV   austraten und f&#252;r andere politische Organisationen antraten. Die   Situation mit den anderen Parteien der Allianz war allerdings noch   komplizierter. Die PSUV-Gesch&#228;ftsstelle pr&#228;sentierte ihre KandidatInnen   als die einzigen im Wahlkampf und die restlichen Parteien sollten diese   doch einfach unterst&#252;tzen. Das f&#252;hrte zu Konflikten unter den Parteien   und die Gesch&#228;ftsstelle, einschlie&#223;lich des Pr&#228;sidenten Ch&#225;vez selbst,   der diese Parteien bei verschiedenen Anl&#228;ssen gebrandmarkt hat und ihnen   vorwarf, sie w&#228;ren konterrevolution&#228;r und w&#252;rden seine F&#252;hrung nicht   anerkennen. Am Ende kamen aufgrund der inneren Auseinandersetzungen   statt einer breiten patriotischen Allianz revolution&#228;rer Kr&#228;fte zur   Unterst&#252;tzung der Bolivarianischen Revolution nur wenig mehr als eine   Reihe von zweckm&#228;&#223;igen Vereinbarungen in den Regionen heraus, in denen   sie mit ihren KandidatInnen &#252;bereinstimmten, und in anderen Gegenden, wo   sie gespalten waren, kam es zu keiner Allianz. Die PSUV stellte   Kandidaten auf und die PPT ebenso wie die Kommunistische Partei (PCV)   kandidierten mit eigenen BewerberInnen wie Gu&#225;rico, Cojedes und   Portuguesa. W&#228;hrend es zu diesen Entwicklungen kam k&#228;mpfte die   Opposition hart f&#252;r ihre Einheitlichkeit und ihre Kandidaten standen bis   zum letzten Tag zusammen.<\/p>\n<h4>  Gr&#246;&#223;te Wahlbeteiligung der vergangenen 10 Jahre<\/h4>\n<p>  Das war der Hintergrund der j&#252;ngsten Wahlen. Historisch betrachtet kam   es bei solchen Wahlen immer zu Stimmenthaltungen von 40 Prozent bis 50   Prozent. Die Regionalwahlen sind beim Wahlvolk nicht besonders attraktiv   und niemand hatte eine massive Wahlbeteiligung erwartet. Es nahmen   jedoch 65 Prozent teil &#8211; die h&#246;chste Beteiligung in den letzten 10   Jahren. Es war ein ungew&#246;hnlicher Wahlkampf, in dem es zu keiner gro&#223;en   Mobilisierung kam und der sich auf die aggressive Konfrontation zwischen   Ch&#225;vez und den Kandidaten der Opposition zuspitzte. Mit der   Unbeliebtheit der Mehrzahl seiner Kandidaten konfrontiert nahm Ch&#225;vez   den Wahlkampf wie seinen eigenen auf und wandelte ihn zu einer Art   Referendum um. Er erkl&#228;rte bei unterschiedlichen Gelegenheiten, dass   seine KandidatInnen die KandidatInnen des Volkes w&#228;ren und seine weitere   Macht garantieren w&#252;rden &#8211; die Hoffnung auf eine Fortschreiten der   Bolivarianischen Revolution &#8211; und dass daher jedeR Revolution&#228;rIn f&#252;r   sie stimmen solle. Inoffiziellen Angaben zufolge w&#228;hlten mehr als f&#252;nf   Millionen zu Gunsten der Kandidaten der Regierung und vier Millionen f&#252;r   die der Opposition. Das f&#252;hrte zu 17 Gouverneuren f&#252;r den Chavismus und   sechs f&#252;r die Opposition.<\/p>\n<h4>  Welche Aussichten f&#252;r die kommende Periode?<\/h4>\n<p>  2008 hat sich die globale Finanzkrise vertieft und obwohl Pr&#228;sident   Ch&#225;vez anfangs erkl&#228;rte, dass diese ihn nicht treffen w&#252;rde, korrigierte   er sich selbst in den letzten Wochen und hat die Bev&#246;lkerung dazu   aufgerufen, seine Sparpolitik f&#252;r das n&#228;chsten Jahr zu unterst&#252;tzen. Der   Fall der &#214;lpreise w&#228;hrend der vergangenen Monate hat ihm Sorgen   bereitet, da mehr als 60 Prozent des Staatshaushaltes vom &#214;l abh&#228;ngen.   In Venezuela stammen von jedem US-Dollar an Eink&#252;nften 90 Cents aus dem   &#214;lgesch&#228;ft, die zu gro&#223;en Teilen zur Finanzierung der &#246;ffentlichen   Ausgaben f&#252;r soziale Programme herangezogen werden. Zur gleichen Zeit   wurden 60 Prozent dieser Eink&#252;nfte f&#252;r die Einfuhr von Lebensmitteln   aufgewendet, um aufgrund der Unf&#228;higkeit der eigenen Landwirtschaft, den   innerstaatlichen Konsum zu decken, diesem Eigenbedarf gerecht zu werden.<\/p>\n<p>  Diese Situation wird zweifelsohne bald von der Regierung ber&#252;cksichtigt   werden. Und sie wird diese dazu zwingen und sie in die Pflicht nehmen,   K&#252;rzungen vorzunehmen, die von der Opposition wiederum genutzt werden   k&#246;nnen, ihre Attacken zu intensivieren und damit fortzufahren, die   Unf&#228;higkeit der Revolution herauszustellen, die grundlegenden Probleme   der Menschen zu l&#246;sen. Wie auch immer wird dieser Ausblick f&#252;r 2009 f&#252;r   jegliche reformistische politische Str&#246;mung nicht einfach werden, die   versucht, die Massen im Sinne ihrer eigenen Interessen zu manipulieren.   Da in dieser akuten Situation die K&#228;mpfe zunehmen werden und die   Proteste im Sozialbereich f&#252;r legitime eigene Forderungen gr&#246;&#223;er werden,   wird dies die Regierung ebenso treffen wie die Opposition. Es ist   m&#246;glich, dass beide Seiten versuchen werden, die jeweils andere daf&#252;r   verantwortlich zu machen. Die Opposition wird behaupten, dass die   Regierung keine Ressourcen zur Entwicklung der sozialen Bereiche zur   Verf&#252;gung stellt und die Regierung wird die Finanzkrise f&#252;r etwaige   K&#252;rzungen verantwortlich machen.<\/p>\n<p>  Mit diesem m&#246;glichen Szenario konfrontiert sollten Revolution&#228;rInnen ein   sozialistisches Programm und den Kampf zur Vertiefung des Prozesses   vorschlagen.<\/p>\n<p>  Die globale Finanzkrise ist eine Krise des Kapitalismus, die die   Menschen und die Arbeiterklasse zwingt, Opfer zu bringen und f&#252;r die   Kosten aufzukommen. Mit dieser Situation in Venezuela konfrontiert   k&#246;nnen wir nicht zulassen, dass die Regierung oder die Opposition die   Massen manipuliert. Wir sollten die vollkommene Verstaatlichung des   Finanzsystems und die Beseitigung der Finanz- und Wirtschaftsmonopole   fordern, welche von den f&#252;nf m&#228;chtigsten Familien des Landes und   multinationalen Konzernen kontrolliert werden. Sie m&#252;ssen sofort unter   die Kontrolle der in ihren Gemeinden organisierten Menschen, der   landlosen B&#228;uerInnen und der in Komitees organisierten ArbeiterInnen   gestellt werden &#8211; unter demokratisch gew&#228;hlte Delegierte, um mit der   Planung der Wirtschaft auf Grundlage der wirklichen Bed&#252;rfnisse der   Menschen beginnen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Das w&#228;re der erste konkrete Schritt zur Transformation der momentanen   Strukturen und in Richtung Sozialismus. Nach demselben Muster muss die   Stra&#223;e &#252;bernommen werden und es muss eine kontinuierliche Mobilisierung   der revolution&#228;ren sozialen Bereiche geben, um die Menschen in den Kampf   f&#252;r ihre ureigenen Forderungen zu f&#252;hren. Wir d&#252;rfen es nicht der   Opposition &#252;berlassen, die Initiative bei der F&#252;hrung dieser Bewegungen   zu &#252;bernehmen. Das w&#228;re ein fataler Fehler der Linken. Auch gilt es,   dass die Arbeiterbewegung ihre Krise der politischen Leitung &#252;berwindet,   aufh&#246;rt, der Schwanz der sozialen Bewegungen zu sein und ihren Platz an   deren Spitze einnimmt. Wenn sie nicht in der Lage ist, sich in der   kommenden Phase zu regenerieren, indem sie sich selbst beweist und mit   einer neuen Schicht an sich herausgebildeten F&#252;hrungspersonen ihre   demokratische Basis wieder herstellt, wird der heutige Tag zum   Wendepunkt werden, der es den gegnerischen politischen Kr&#228;ften erlaubt,   sich aufzudr&#228;ngen und die Kontrolle &#252;ber das Land zu &#252;bernehmen.<\/p>\n<p>  Zuguterletzt muss dieses ganze Szenario eine politische Debatte &#252;ber die   Schw&#228;chen des bolivarianischen sozialistischen Modells er&#246;ffnen. Es hat   sich als unf&#228;hig erwiesen, das System zu ver&#228;ndern oder zu   transformieren. Die reformistischen Versuche, einen wirklichen oder   selbst kreierten Sozialismus einzuf&#252;hren, sind Strategien, die es dem   pro-kapitalistischen Sektor erm&#246;glichen, einen Vorteil aus der   ideologischen und programmatischen Schw&#228;che der revolution&#228;ren   Bewegungen wie der in Venezuela zu ziehen. Eine weitere Komponente gibt   es, die von der revolution&#228;ren Bewegung angegriffen werden muss: Die   Finanzkrise hat gezeigt, dass die kapitalistische neoliberale Ideologie   versagt hat. Sie wurden gezwungen, in eine ideologische Phase   zur&#252;ckzutreten, die sie schon &#252;berwunden zu haben glaubten, als   angenommen wurde, dass der Staat nicht in die Wirtschaft eingreifen darf   und die &#220;berlegenheit des Marktes au&#223;er Frage stand,. Man musste sogar   sozialistische L&#246;sungen gegen die Krise anwenden wie etwa die   Teilverstaatlichungen des Finanzsystems. Venezuela hat immer noch die   M&#246;glichkeit, eine erfolgreiche sozialistische Revolution zu   verwirklichen, aber dies h&#228;ngt davon ab, ob die bolivarianische Leitung   ihren Charakter &#228;ndern kann oder vom Aufkommen einer organisierten und   bewussten revolution&#228;ren Arbeiterbewegung mit klaren sozialistischen   Perspektiven. Was immer auch kommen mag: Die n&#228;chste Phase wird eine von   Revolution oder Konterrevolution sein.<\/p>\n<h4>  <a href=\"http:\/\/www.csrvenezuela.blogspot.com\">Website von Colectivo   Socialismo Revolucionario <\/a>(Schwesterorganisation der SAV und Sektion   des CWI in Venezuela):<\/h4>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      14 Millionen Menschen machten sich schon in den fr&#252;hen Morgenstunden auf<br \/>\n      den Weg zu den Wahllokalen, um Gouverneure, B&#252;rgermeister und<br \/>\n      Regionalvertreter zu w&#228;hlen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[41],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12920"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12920"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12920\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12920"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12920"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12920"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}