{"id":12902,"date":"2008-11-15T20:02:08","date_gmt":"2008-11-15T19:02:08","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12902"},"modified":"2012-05-15T15:18:55","modified_gmt":"2012-05-15T13:18:55","slug":"12902","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/11\/12902\/","title":{"rendered":"Briefwechsel zwischen Sabine L&#246;sing und Lucy Redler\/Sascha Stanicic"},"content":{"rendered":"<p>  ein offener Brief vom LINKE-Parteivorstandsmitglied Sabine L&#246;sing an   Lucy Redler und mich, sowie unsere Antwort auf Sabines Kritik.<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Offener Brief an Lucy Redler Sascha Stanicic und andere<\/b><\/p>\n<p>  Hallo Lucy, Hallo Sascha und andere,<\/p>\n<p>  Ihr fordert linke GenossInnen und Genossen der Partei DIE LINKE. auf ,   sich mit Euch solidarisch zu zeigen gegen den Widerspruch von Klaus   Ernst zu Eurer Aufnahme in die Partei.<\/p>\n<p>  Da ich auch mehrfach pers&#246;nlich angeschrieben wurde, will ich Euch   mitteilen. was ich in diesem Zusammenhang denke.<\/p>\n<p>  Wie Ihr Euch wahrscheinlich noch erinnert, habe ich mich als Mitglied   des gesch&#228;ftsf&#252;hrenden Bundesvorstandes der damaligen WASG energisch und   konsequent gegen die L&#246;sung politischer Differenzen auf administrativem   Wege und gegen eine Unvereinbarkeitserkl&#228;rung mit der SAV eingesetzt.<\/p>\n<p>  Der Wunsch nach letzterem hatte seinen Ursprung &#252;brigens nicht in   Bestrebungen aus den Reihen des Bundesvorstandes, sondern erreichte uns   aus verschiedenen Kreisverb&#228;nden, die eine Zusammenarbeit mit   Mitgliedern eurer Organisation nicht gedeihlich fanden.<\/p>\n<p>  Trotzdem habe ich energisch daran festgehalten, dass politische   Konflikte in Auseinandersetzungen und Diskussionen gel&#246;st werden und   nicht administrativ. Dieser Meinung bin ich auch heute noch.<\/p>\n<p>  Allerdings, und auch daraus habe ich niemals einen Hehl gemacht, fand   ich Eure Entscheidung nicht mit in die neue Partei &#252;ber zu gehen f&#252;r den   eigenen Wahlantritt falsch.<\/p>\n<p>  Diese Meinung teilte und teile ich mit den meisten Menschen in der alten   WASG und heute in der Partei DIE LINKE, die zum linken Fl&#252;gel der alten   und der neuen Partei geh&#246;ren.<\/p>\n<p>  Das hat auch niemals interessiert.<\/p>\n<p>  Ihr schreibt: &#8222;Mittlerweile sind wir zu der &#220;berzeugung gekommen, dass   trotz der Politik der LINKE in Berlin, eine Mitarbeit in der Partei   sinnvoll ist, um einen Beitrag dazu zu leisten, dass bundesweit eine   starke, k&#228;mpferische und sozialistische Partei aufgebaut wird.&#8220;<\/p>\n<p>  Da habt Ihr Recht und viele GenossInnen und Genossen haben mit viel   Arbeit, Einsatz und M&#252;hen daran gearbeitet was Ihr beschreibt. In   unz&#228;hligen &#196;nderungsantr&#228;gen auf Parteitagen, in Diskussionen an der   Basis &#8211; wo auch immer &#8211; Wo wart Ihr da und wo war Eure Solidarit&#228;t?<\/p>\n<p>  &#8220;Und an anderer Stelle&#8220; schreibt Ihr: &#8222;Dies sind vorgeschobene und   konstruierte Argumente, die von der eigentlichen Motivation des   Einspruchs (von Klaus Ernst ,d.Verf.) ablenken sollen. Diese sehen wir   darin, profilierten GegnerInnen der Politik des rot-roten Senats in   Berlin und grunds&#228;tzlich von Regierungsbeteiligungen mit SPD und Gr&#252;nen   die Mitgliedschaft zu verwehren, um dadurch die wachsenden Reihen der   innerparteilichen KritikerInnen an dieser &#8222;Realpolitik&#8220; zu schw&#228;chen.&#8220;<\/p>\n<p>  Ihr schreibt , dass man profilierte Gegnerinnen der Politik des   Rot-Roten Senates davon abhalten wolle Mehrheiten f&#252;r diesen Ansatzes zu   gewinnen.<\/p>\n<p>  Eure Worte h&#246;re und lese ich wohl, aber ich beurteile politisches   Handeln nicht nach Worten, sondern nach Wirkungen. Eure Wirkung war, die   innerparteiliche Opposition gegen die Politik des Berliner Senates zu   schw&#228;chen, diese zu spalten.<\/p>\n<p>  Ihr habt Euch dagegen entschieden die innerparteiliche Opposition   konstruktiv und verl&#228;sslich zu st&#228;rken.<\/p>\n<p>  Ihr seid einen &#8222;eigenst&#228;ndigen &#8222; Weg gegangen.<\/p>\n<p>  Und nun habt Ihr gemerkt habt, dass sich Euer Weg recht schnell im   Nirwana politischer Kleinstgruppen verlor.<\/p>\n<p>  Und da kommt auf einmal diese Wendung?<\/p>\n<p>  Und nun fordert Ihr die Solidarit&#228;t derjenigen ein um deren Meinung Ihr   Euch nie geschert habt.<\/p>\n<p>  Ihr fordert Solidarit&#228;t unter den MarxistInnen in der Partei ? In   Verlautbarungen aus Euren Kreisen z. B. im Rahmen der B&#252;ndnis &#8211;Arbeit zu   den Bremer Wahlen habe ich da ganz andere T&#246;ne geh&#246;rt. Und ich habe mich   bei marxistischen Genossinnen und Genossen in Berlin erkundigt. Die   haben von dieser Solidarit&#228;t bei Euch nicht viel gemerkt.<\/p>\n<p>  Ich setze mich weiterhin f&#252;r eine pluralistische linke Partei ein, in   der SozialistInnen und KommunistInnen ihren Platz haben. Und ich setze   mich weiterhin daf&#252;r ein, dass sich unsere Partei zu einer glaubw&#252;rdigen   und starken sozialistischen Alternative zu den b&#252;rgerlichen Parteien   entwickelt.<\/p>\n<p>  Pluralistisch hei&#223;t f&#252;r mich aber nicht willk&#252;rlich . Solidarit&#228;t unter   GenossInnen und Genossen hat etwas mit Verl&#228;sslichkeit, und mit   konstruktivem Arbeiten zu tun Und Solidarit&#228;t unter GenossInnen und   Genossen hat einen gro&#223;en Gegner &#8211;Die Spaltung. Und leider, das bleibt   mir nicht umhin zu sagen, diesem Gegner seid ihr sehr nahe.<\/p>\n<p>  <i>Sabine L&#246;sing G&#246;ttingen, 29.10.08<\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  <b>Antwort auf den offenen Brief von Sabine L&#246;sing an L. Redler, S.   Stanicic und andere <\/b>    <\/p>\n<\/p>\n<p>  Liebe Sabine,<\/p>\n<p>  wir haben Deinen offenen Brief erhalten und wollen Dir hiermit   antworten. Wir sch&#228;tzen offene Worte und sind auch der Meinung, dass   Kritik ein wichtiger Bestandteil der Zusammenarbeit auf der Linken sein   muss. Wir wollen Dir deshalb ebenso offen und kritisch antworten.<\/p>\n<p>  Nachdem wir Deinen Brief gelesen haben, waren wir etwas erstaunt, weil   Du verschiedene Dinge durcheinander bringst und diese nicht einmal   besonders sachlich argumentierst.<\/p>\n<p>  Du antwortest auf eine Aufforderung von uns an die verschiedenen linken   Str&#246;mungen in der LINKEn, sich gegen die Einspr&#252;che von Klaus Ernst   gegen die Mitgliedschaften von uns und anderen SAV-Mitgliedern in Berlin   auszusprechen. Es handelte sich nicht um eine Aufforderung zur   retrospektiven politischen Solidarit&#228;t mit dem Wahlantritt der WASG   Berlin oder um eine Aufforderung zur Sympathieerkl&#228;rung mit der SAV.<\/p>\n<p>  Es wundert uns, dass Du nun den Ausgrenzungsversuch von Klaus Ernst und   die daraus resultierende Debatte um unsere Mitgliedschaft bzw. unsere   Bitte um Solidarit&#228;t in dieser &#8211; und keiner anderen &#8211; Frage, zum Anlass   nimmst, einen so scharfen Rundumschlag gegen die SAV vorzunehmen. Das   wundert uns umso mehr, da wir uns nicht erinnern k&#246;nnen, dass Du jemals   das politische Gespr&#228;ch mit uns gesucht hast &#8211; weder vor oder nach den   Abgeordnetenhauswahlen 2006, weder vor oder nach der Fusion von WASG und   PDS.<\/p>\n<p>  Du hast geschrieben, dass man politisches Handeln nicht nach Worten,   sondern nach Wirkungen beurteile. Die Wirkung Deines Schreibens st&#228;rkt   nicht unsere Position in der aktuellen Auseinandersetzung, sondern gibt   denjenigen Munition, die uns aus der Partei fern halten wollen. Umso   mehr, da aus Deinem Brief nicht klar wird, welche praktische   Schlussfolgerung Du ziehst. Deshalb hier an Dich die konkrete Frage:   setzt Du Dich in irgendeiner Weise f&#252;r die Aufnahme der elf betroffenen   SAV&quot;lerInnen in DIE LINKE ein?<\/p>\n<p>  Wir wollen deshalb noch einmal betonen, dass der Angriff von Klaus Ernst   gegen uns die Gefahr weitgehender Folgen f&#252;r alle linken KritikerInnen   in der Partei beinhaltet. Wenn solche Methoden einmal benutzt werden,   dann werden sie in Zukunft auch andere teffen, die den Klaus Ernsts in   der Partei nicht genehm sind. Das ist der tiefere politische Grund,   weshalb Solidarit&#228;t mit uns sinnvoll ist.<\/p>\n<p>  Du stellst zwei Mal in Deinem Brief fest, dass es von unserer Seite   keine Solidarit&#228;t gegeben habe, ohne die konkreten Anl&#228;sse zu nennen, wo   wir Solidarit&#228;t verweigert haben sollen. Ganz sicher haben weder wir   pers&#246;nlich, noch die SAV als Gruppierung, GenossInnen in der Partei, die   von Ausgrenzungsversuchen durch Teile der Parteif&#252;hrung oder sonst   jemandem aufgrund ihrer kritischen Positionen betroffen waren, die   Solidarit&#228;t verweigert.<\/p>\n<p>  Aber Du scheinst auch nicht auf F&#228;lle anzuspielen, die mit unserem Fall   vergleichbar w&#228;ren. Du sprichst von der Solidarit&#228;t mit den   Parteimitglidern, die &#8222;mit viel Arbeit, Einsatz und M&#252;hen (&#8230;)   gearbeitet haben&quot;. Und Du sprichst davon, dass MarxistInnen in der   Berliner LINKEn von Solidarit&#228;t bei uns &#8222;nicht viel gemerkt&#8220; haben.   Solidarit&#228;t ist etwas konkretes. Zu argumentieren, weil wir &#8211; die   SAV&quot;lerInnen in Berlin &#8211; bisher nicht in die fusionierte Partei gegangen   sind, seien wir unsolidarisch, ist unpolitisch. Mit unserer politischen   Enscheidung kannst Du einverstanden sein oder nicht, Du kannst sie   kritisieren oder es lassen. Aber das hat nichts mit Solidarit&#228;t zu tun.   Wie w&#252;rdest Du reagieren, wenn Aktive aus den sozialen Bewegungen Dir   mangelnde Solidarit&#228;t vorwerfen, weil Du die WASG gegr&#252;ndet hast und   Dich entschieden hast, Deinen politischen Schwerpunkt auf die Partei zu   legen?<\/p>\n<p>  Nenne uns bitte einen konkreten Fall von politischen oder   gewerkschaftlichen Auseinandersetzungen, in denen wir als Personen oder   die SAV als Str&#246;mung Solidarit&#228;t verweigert haben. Deine kryptische   Formulierung zu der &#8222;B&#252;ndnis-Arbeit zu den Bremer Wahlen&#8220;, die Du aus   &quot;unseren Kreisen&quot; geh&#246;rt haben willst, verstehen wir ganz einfach nicht.   Du musst schon sagen, was wir uns da Deiner Meinung nach haben zu   Schulden kommen lassen oder solltest auf solche Anspielungen verzichten.<\/p>\n<p>  Bemerkungen, dass uns andere Meinungen nicht interessieren oder wir uns   darum nie geschert haben, k&#246;nnen wir nicht nachvollziehen. Wir haben die   Debatte um die Regierungsbeteiligung in Berlin, um die Kandidatur des   Berliner WASG-Landesverbandes, um fr&#252;here Ausgrenzungsversuche gegen   Linke, um die Sammlung der antikapitalistischen Kr&#228;fte in der WASG und   auch der LINKEn immer gesucht. Wir haben zu SAV-Veranstaltungen bzw. die   WASG Berlin hat zu ihren Veranstaltungen immer auch VertreterInnen   anderer linker Str&#246;mungen eingeladen. Bei den verschiedenen bundesweiten   Treffen zur Diskussion unter kritischen WASG-Mitgliedern wurden immer   zum Beispiel auch AKL-VertreterInnen eingeladen und geh&#246;rten zu den   ReferentInnen. Wir k&#246;nnen uns aber nicht daran erinnern, dass Du auf uns   zugekommen bist, als Ihr die erste AKL-Erkl&#228;rung im Kreise von linken   Funktion&#228;ren erarbeitet habt oder dass Ihr ein SAV-Mitglied als   ReferentIn oder auch nur offizielleN DiskussionpartnerIn zu auch nur   einer AKL-Versammlung eingeladen h&#228;ttet. Stattdessen hattet Ihr nichts   besseres zu tun, in der Erkl&#228;rung Eurer ersten AKL-Konferenz in Berlin   im Juni 2006 mit einer faktischen Distanzierung vom Berliner   WASG-Landesverband zu beginnen. Wer sich da nicht um wessen Meinung   geschert hat, sehen wir anders als Du.<\/p>\n<p>  Es bleiben in Deinem ganzen Brief nur zwei Argumente: erstens sei der   Wahlantritt der WASG Berlin und die Entscheidung zum Zeitpunkt der   Fusion nicht in die neue Partei zu gehen ein Fehler gewesen. Zweitens   w&#252;den wir die innerparteiliche Opposition gegen den Berliner Senat   schw&#228;chen und spalten.<\/p>\n<p>  Wir respektieren, dass Du unsere politischen Entscheidungen falsch   findest. Wir k&#246;nnen auch nachvollziehen, dass Du der Meinung bist, unser   Verhalten habe die innerparteiliche Opposition gegen den Berliner Senat   geschw&#228;cht. Wir sind aber davon ausgegangen, dass es zur Zeit darauf   ankommt, die au&#223;erparteiliche Opposition der Gewerkschaften und sozialen   Bewegungen gegen den Senat zu st&#228;rken, da die Parteistrukturen in Berlin   extrem b&#252;rokratisch und verkrustet sind.<\/p>\n<p>  Allerdings h&#228;tten wir uns gew&#252;nscht, dass Du zur Kenntnis nimmst, dass   die SAV-Mitglieder in Westdeutschland sehr wohl Teil der   innerparteilichen Opposition sind und die Partei aktiv mit aufbauen. Du   wei&#223;t genau, dass die SAV zu keinem Zeitpunkt eine Absage an den Aufbau   einer starken, linken, sozialistischen Partei ausgesprochen hat. Wir   sind aber mit der Situation konfrontiert, dass die Menschen, die wir in   Berlin f&#252;r ein solches Parteiprojekt gewinnen wollen, Opfer der   Senatspolitik sind und DIE LINKE Berlin wenig attraktiv f&#252;r sie ist.   Unseren Versuch diese Menschen in einer, sehr wohl auf DIE LINKE als   bundesweitem Projekt orientierte, regionalen Berliner Gruppierung zu   sammeln, sehen wir weiter als legitim an. Zur LINKEn sind diese Aktiven   aus sozialen Bewegungen und ehemaligen WASG-Aktiven sicher nicht   gegangen. Sich uns gegen&#252;ber &#252;ber das politische Nirwana lustig zu   machen wird zu einem Bumerang. Wir haben immerhin versucht, ein linkes   Angebot zu schaffen. Im Nirwana befinden sich, bezogen auf eine   politische Interessenvertretung, leider die vielen Berlinerinnen und   Berliner, die in G&#246;ttingen, K&#246;ln oder Kassel zur LINKEn kommen w&#252;rden.   Das ist nicht lustig und kein Grund zur Schadenfreude, sondern ein   Problem f&#252;r uns alle, die wir tats&#228;chlich linke Politik machen wollen.<\/p>\n<p>  Wir sind in Berlin seit 2002 mit einer Situation konfrontiert, wo es in   der Auseinandersetzung mit der Berliner PDS bzw. jetzt LINKEn nicht um   innerlinke politische Meinungsverschiedenheiten, unterschiedliche   Sozialismusvorstellungen oder Marx-Rezeptionen geht. Es geht hier um   knallharte Klassenfragen, bei denen sich die F&#252;hrung der Berliner LINKEn   entschieden hat auf der falschen Seite der Klassenlinie zu stehen. Wir   wollen die Liste der Angriffe des rot-roten Senats auf den   Lebensstandard und die Rechte der Lohnabh&#228;ngigen, Erwerbslosen und   Jugendlichen hier nicht wiederholen, aber Dich trotzdem daran erinnern,   dass dieser Senat an der Spitze gewerkschaftsfeindlicher Politik steht.<\/p>\n<p>  Vor diesem Hintergrund halten wir es immer noch f&#252;r falsch, dass im   Fusionsprozess dieses Problem au&#223;er von der WASG Berlin, der SAV und   einigen anderen von vielen, die sich zur innerparteilichen Linken   z&#228;hlen, doch nur sehr zur&#252;ck haltend thematisiert wurde, wenn &#252;berhaupt.   Ohne die Zuspitzung der Berliner WASG auf die eigenst&#228;ndige Kandidatur   w&#228;re die Frage der Regierungsbeteiligung doch niemals so breit   debattiert und ein solches Problembewusstsein daf&#252;r entwickelt worden.   Wir waren in einer Situation, wo es ausgeschlossen war, die Kandidatur   der Linkspartei.PDS in Berlin zu unterst&#252;tzen, wenn man die eigene   Glaubw&#252;rdigkeit nicht verlieren wollte, denn wir waren Teil der vielen   K&#228;mpfe gegen die Politik des Senats in den Jahren zuvor. Alle   diejenigen, die sich im Walkampf mit dem Material der Berliner   WASG-Minderheit auf die Stra&#223;e gestellt haben, in dem dem rot-roten   Senat eine sozial ausgewogene Politik bescheinigt wurde, haben sich in   ihrer Opposition zum Senat unglaubw&#252;rdig gemacht. Dazu hast Du nicht   geh&#246;rt, aber die gro&#223;e Mehrheit der GegnerInnen der eigenst&#228;ndigen   WASG-Kandidatur in Berlin.<\/p>\n<p>  Wahlen sind auch eine Form des Klassenkampfes und im Klassenkampf kann   man sich nicht enthalten, vor allem nicht, wenn man Landesverband einer   politischen Partei ist. Das gilt aus unserer Sicht auch trotz der   Fusionsverhandlungen. Enthaltung der WASG Berlin w&#228;re einer   Unterst&#252;tzung der Linkspartei.PDS gleich gekommen, die einen Wahlkampf   unter dem Motto &#8222;weiter so&#8220; gef&#252;hrt hat, w&#228;re also eine Unterst&#252;tzung   des Senats gleich gekommen, w&#228;re also einer Akzeptanz von Sozialabbau,   Ein-Euro-Jobs, Tarifflucht, Arbeitsplatzvernichtung und Privatisierung   gleich gekommen. Wir haben uns damals dazu entschieden, zu versuchen dem   sozialen Protest in der Stadt eine politische Stimme bei den Wahlen zu   geben. Das ist uns angesichts der unz&#228;hligen Kn&#252;ppel, die uns aus dem   Bundesvorstand und der Bundestagsfraktion zwischen die Beine geworfen   wurden, ganz gut gelungen. Sowohl hinsichtlich der Kandidatenliste, auf   der viele Aktive aus Gewerkschaften und sozialen Bewegungen antraten,   als auch hinsichtlich des Wahlergebnisses von 50.000 Stimmen. H&#228;tte die   WASG damals an einem Strang gezogen und bundesweit den Wahlkampf des   Berliner Landesverbandes unterst&#252;tzt, h&#228;tten wir wahrscheinlich die   F&#252;nf-Prozent-H&#252;rde geschafft und die linken Kr&#228;fte und der soziale   Widerstand in der Stadt w&#228;ren deutlich gest&#228;rkt und h&#228;tten eine   parlamentarische Vertetung auf Landesebene &#8211; das haben sie jetzt n&#228;mlich   nicht. Das h&#228;tte aus unserer Sicht die innerparteilichen   Kr&#228;fteverh&#228;ltnisse weitaus mehr zugunsten der linken Kr&#228;fte verschoben,   als wenn wir darauf verzichtet h&#228;tten. Deshalb halten wir die   eigenst&#228;ndige Kandidatur der WASG Berlin weiterhin f&#252;r notwendig und   richtig, auch wenn wir die damit verbundenen Ziele nicht erreicht haben   und wir in diesem Sinne als Verlierer aus diesen Auseinandersetzungen   hervor gegangen sind. Aber wir haben gek&#228;mpft und unsere &#220;berzeugungen   nicht an der Garderobe abgegeben.<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang ist Dein Spaltungsvorwurf ziemlich inhaltsleer.   Einheit als abstraktes Prinzip unabh&#228;ngig von politischen Inhalten hat   wenig Wert und kann sogar vom Kampf abhalten. das haben wir zuletzt beim   Kampf der Lokf&#252;hrer gesehen, denen von vielen Seiten die Solidarit&#228;t f&#252;r   ihren berechtigten Kampf mit dem &quot;Spaltungs-Argument&quot; verwehrt wurde.   Die Einheit in Berlin, so wie sie von uns verlangt wurde und so wie sie   von der damaligen WASG-Minderheit praktiziert wurde, kam einem Verzicht   auf realen Widerstand gegen den Sozialabbau des Senats und damit   letztlich einer Anbiederung an die Berliner Linkspartei.PDS gleich.<\/p>\n<p>  Es ist immer einfach, r&#252;ckblickend schlau zu sein. Und es gibt sicher   auch in unseren Reihen GenossInnen, die sagen, &#8222;h&#228;tten wir gewusst, wie   die Dinge sich entwickeln, h&#228;tten wir die Fusion mitmachen sollen&#8220;. Es   w&#228;re f&#252;r uns in der jetzigen Situation sogar einfacher, Asche auf unser   Haupt zu sch&#252;tten und Fehler einzugestehen, um in der Partei eine   wohlwollendere Aufnahme zu finden. Nicht wenige, die mit uns   sympathsieren, haben uns das vorgeschlagen. Aber wir sind mit Rosa   Luxemburg der Meinung, dass die revolution&#228;rste Tat immer noch ist, die   Wahrheit auszusprechen.<\/p>\n<p>  Von unseren linken KritikerInnen erwarten wir zumindest, dass sie sich   in der Lage der WASG Berlin nach den Abgeordnetenhauswahlen versetzen   und unsere Motivation zur Kenntnis nehmen. Wir hatten einen   WASG-Landesverband mit hohem Aktivit&#228;tsgrad, gutem Ansehen in den   sozialen Bewegungen (die gegen den Senat k&#228;mpften &#8211; wir erinnern daran,   dass zum Beispiel das Anti-Privatisierungsb&#252;ndnis damals nicht einmal   VertreterInnen der Linkspartei.PDS auf seine Podien einlud, weil diese   aus Sicht des B&#252;ndnisses keine Anti-Privatisierungspartei war) und   50.000 Stimmen, sowie 14 Bezirksverordnete. Es war klar, dass der   soziale Widerstand in den n&#228;chsten Jahren in Berlin sich weiterhin auch   (nicht nur!) gegen den rot-roten Senat wird richten m&#252;ssen, was sich   angesichts der Streiks der Landesbesch&#228;ftigten, des Sch&#252;lerstreiks von   8.000 Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern am 12.11., der K&#252;rzungen bei der Hilfe   zu Erziehung etc. best&#228;tigt hat. Wir waren au&#223;erdem in einer Situation,   wo es f&#252;r die Mehrheit der aktiven WASG-Mitglieder einfach nicht in   Frage kam, in die vereinigte Partei zu gehen. Zu gro&#223; war die Wut auf   die Linkspartei.PDS und auf die WASG-F&#252;hrung. Wir mussten in den   Debatten, die wir damals in der WASG-Mehrheit gef&#252;hrt haben, von Seiten   der SAV erhebliche Energie darauf verwenden, uns gegen die Gr&#252;ndung   einer bundesweiten Partei auszusprechen und zu erkl&#228;ren, dass die   vereinigte Partei in Berlin und zum Teil in Ostdeutschland gro&#223;e   Unterschiede zur Partei in Westdeutschland aufweist. Wir haben uns   damals in der Verantwortung gesehen, zu versuchen diese f&#252;r die sozialen   Proteste in Berlin wertvollen Kr&#228;fte zusammen zu halten. Das ist uns   nicht gelungen, unter anderem weil die Entfremdung von der   Linkspartei.PDS und der WASG-F&#252;hrung so gro&#223; war, dass viele   WASG-Mitglieder die differenzierte Haltung der SAV nicht nachvollziehen   konnten. In den Debatten um die Gr&#252;ndung der BASG war eine   Hauptauseinandersetzung, ob Doppelmitgliedschaften mit der LINKEn   m&#246;glich sein sollen, wof&#252;r wir uns eingesetzt haben. Der Versuch eine   substanzielle Kraft aus der WASG Berlin zusammen zu halten, wurde von   uns auch nicht aufgrund einer &quot;Berliner Brille&quot; unternommen. Unsere   Einsch&#228;tzung war, dass es in der Berliner LINKEn kaum m&#246;glich sein wird,   auf absehbare Zeit eine wirkungsvolle linke Opposition aufzubauen, die   die Verh&#228;ltnisse in der Partei zum tanzen bringen k&#246;nnte. Das hat sich   best&#228;tigt. Gleichzeitig hatten wir gehofft, dass mit einer lebendigen   und substanziellen Nachfolgeorganisation der WASG sowohl ein positives   Beispiel f&#252;r eine andere Politik gesetzt werden k&#246;nnte, die mittels der   Arbeit in den Bezirksverordnetenversammlungen und der Beteiligung an den   sozialen Protesten die Berliner LINKE effektiv unter Druck setzen k&#246;nnte   und man an den bundesweiten Debatten, die sich in und um DIE LINKE herum   entwickeln, h&#228;tte teilnehmen k&#246;nnen. In diesem Zusammenhang haben wir   uns f&#252;r die Bildung eines oppositionellen Netzwerks von AktivistInnen,   die in der Partei und au&#223;erhalb der Partei sind, eingesetzt. Dies hat   nicht funktioniert und wir sind in der Lage, das zu erkennen und daraus   entsprechende Schlussfolgerungen zu ziehen. Man kann uns vorwerfen, dass   das absehbar war &#8211; was wir nicht glauben -, aber uns aus dieser   komplexen Situation Spaltung und Entsolidarisierung vorzuwerfen, halten   wir f&#252;r nicht gerechtfertigt. Die Entsolidarisierung in Berlin findet   weiterhin durch die Politik des Senats statt und wir sind an vielen   Fronten an dem leider notwendigen Widerstand gegen diese Landesregierung   beteiligt bzw. aktiv solidarisch: ob bei den KollegInnen an der Charit&#233;   oder den Vivantes-Krankenh&#228;usern, die in Auseinandersetzungen gegen den   Senat stehen; ob bei den Sch&#252;lerinnen und Sch&#252;lern, die auch gegen die   Schulpolitik des Landes in den Streik getreten sind; ob bei den   Landesbesch&#228;ftigten, die streiken; den Kampagnen gegen das   Mediaspree-Prestigeobjekt.Und wir werden auch dabei sein, wenn sich   hoffentlich noch mehr Widerstand gegen das sogenannte Rettungspaket der   Bundesregierung f&#252;r die Banken formiert, dem der Berliner Senat   zugestimmt hat.<\/p>\n<p>  Liebe Sabine, uns interessiert Deine Meinung. Wir laden Dich schon jetzt   ein, bei den Sozialismustagen der SAV zu Ostern 2009 mit uns &#252;ber die   Aufgaben von &quot;den Linken in der LINKEn&quot; zu debattieren. Ob wir dort als   Parteimitglieder mit Dir diskutieren k&#246;nnen oder als die ersten aus der   Partei ferngehaltenen KritikerInnen, h&#228;ngt auch davon ab, ob Du und   andere in der Auseinandersetzung &quot;Ernst vs. SAV&quot; ihre Energie in die   richtige Richtung lenken.<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Mit sozialistischen Gr&#252;&#223;en<\/i><\/p>\n<p>  <i>Lucy Redler, Sascha Stanicic &quot;und andere&quot; <\/i>    <\/p>\n<p>  Berlin, den 12.11.2008<\/p>\n<\/p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      ein offener Brief vom LINKE-Parteivorstandsmitglied Sabine L&#246;sing an<br \/>\n      Lucy Redler und mich, sowie unsere Antwort auf Sabines Kritik.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12902"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12902"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12902\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12902"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12902"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12902"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}