{"id":12897,"date":"2008-11-25T00:00:00","date_gmt":"2008-11-25T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12897"},"modified":"2008-11-25T00:00:00","modified_gmt":"2008-11-25T00:00:00","slug":"12897","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/11\/12897\/","title":{"rendered":"Russland: Vorsicht, die BRIC-Staaten kommen zu Fall!"},"content":{"rendered":"<p>  Russlands B&#246;rsenhandel aus drei Gr&#252;nden geschlossen &#8211; &#246;konomische Krise   steht bevor<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <i>von Rob Jones, Sotsialisticheskoye Soprotivlemiye   (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in den GUS-Staaten),   Moskau, 29.9.08<\/i><\/h4>\n<p>  Der Zusammenbruch der US-Banken bestimmt weltweit die Schlagzeilen. Doch   die Folgen der momentanen Krise beginnen auch die sogenannten   BRIC-Staaten &#8211; Brasilien, Russland, Indien und China &#8211; in Beschlag zu   nehmen, die vermeintlichen neuen &#8222;Wunder-&#214;konomien&#8220;, die von den   pro-kapitalistischen Kommentatoren als der potenzielle neue Motor zur   Weiterf&#252;hrung der Weltwirtschaft angepriesen wurden. Und tats&#228;chlich   steuern sie seit 2001 &#8211; als sie (mit mehr als einem Drittel der   Weltbev&#246;lkerung) noch weniger als 10 Prozent zum Welt-Sozialprodukt   beitrugen &#8211; jetzt fast 15 Prozent bei.<\/p>\n<p>  Doch nun beginnen sich die Auswirkungen der Krise in allen vier L&#228;ndern   bemerkbar zu machen. W&#228;hrend New York und London &#8222;Preisschwankungen&#8220;   unterliegen und dabei seit Mai &#252;ber ein Sechstel ihres Wertes verloren   haben, waren die Verluste in den BRIC-Staaten sagenhaft. Der MSCI-Index   f&#252;r die BRIC-Staaten (hierbei geht es um die wirtschaftliche Entwicklung   der sog. aufstrebenden M&#228;rkte; Anm. d. &#220;bers.) ist seit Januar um 37   Prozent gefallen, der brasilianische BOVESPA um 15 Prozent seit Januar   und 38 Prozent seit seinem H&#246;chstand im Mai, der indische Aktienmarkt in   Bombay fiel um &#252;ber 32 Prozent seit Januar. Die B&#246;rse von Shanghai   befindet sich in freiem Fall. Seit ihrem H&#246;chstwert von 6124 Punkten im   Oktober 2007 ist sie auf jetzt 2154 eingebrochen &#8211; eine unglaubliche   Baisse von &#252;ber 60 Prozent. In China sind bereits 67.000 Unternehmen in   die Insolvenz gegangen und haben damit weitere zwei Millionen Menschen   in die Arbeitslosigkeit getrieben.<\/p>\n<p>  Abgesehen von der allgemeinen Kreditkrise leiden diese L&#228;nder unter dem   Abfall der weltweiten Rohstoffpreise. Der russische B&#246;rsenhandel ist so   sprunghaft, dass die Beh&#246;rden ihn aus drei Gr&#252;nden Anfang September   dicht gemacht haben. Es ist allerdings erwiesener Ma&#223;en unm&#246;glich, damit   den allgemeinen Trend aufzuhalten. Die russische B&#246;rse ist von ihrem   H&#246;chststand im Mai (2.500 Punkte) abgest&#252;rzt auf heute 1.340 Punkte &#8211;   ein Minus von 45 Prozent in nur vier Monaten.<\/p>\n<p>  Der chinesische und der russische Aktienmarkt waren 2007 zwei der   erfolgreichsten der Welt &#8211; 2008 geh&#246;ren sie zu den schlechtesten. Die   Baisses sind in vielerlei Hinsicht von Bedeutung. Vor zehn Jahren noch   spielten diese B&#246;rsenm&#228;rkte keine gro&#223;e Rolle in der Weltwirtschaft.   Trotzdem betr&#228;gt der Gesamtwert der vier M&#228;rkte jetzt sieben Billionen   US-Dollar und damit fast doppelt so viel wie das der Londoner B&#246;rse   (vier Billionen). Der Umsatz liegt im Vergleich zu Londons neun   Millionen bei f&#252;nf Billionen j&#228;hrlich.<\/p>\n<p>  Obwohl die chinesische und die indische Regierung sagen, dass die   Ausl&#228;ndischen Direktinvestitionen (FDI) weiterhin in ihre L&#228;nder   flie&#223;en, verebbten sie in Russland vor dem Krieg in Georgien.   Finanzminister Alexej Kudrin berichtete, dass w&#228;hrend des   F&#252;nf-Tage-Krieges weitere 16 Milliarden Euro aus Russland abgezogen   wurden. In den vergangenen drei Monaten erlebten die   Emerging-market-Fonds Abz&#252;ge in H&#246;he von 26 Milliarden US-Dollar   verglichen mit Zug&#228;ngen von 100 Milliarden US-Dollar in den vergangenen   f&#252;nf Jahren. Mit anderen Worten ist in den letzten drei Monaten mehr aus   den aufstrebenden M&#228;rkten an Kapital abgezogen worden als ihm vorher   durchschnittlich pro Jahr zugef&#252;hrt wurde!<\/p>\n<p>  Die Reaktion der Regierungen darauf war in gewisser Weise vorhersehbar.   Die indische Regierung pumpte sieben Milliarden US-Dollar aus den   staatlichen R&#252;cklagen in die St&#252;tzung der Rupie. Die chinesische   Regierung nutzte ihre immer noch betr&#228;chtlichen staatlichen   Beteiligungen, um den kommerziellen Banken unter die Arme zu greifen.   Die Hauptkraft f&#252;r Chinas Wachstum war der Export, aber die Zunahme des   Ausfuhrvolumens hat sich im letzten Jahr halbiert. Die Blase des   Eigentumsbooms ist gleichfalls unter Druck. Nach Angaben einer der   gr&#246;&#223;ten Objektgesellschaften Hong Kongs sind Grundst&#252;cksverk&#228;ufe im   vergangenen Jahr in den gro&#223;en St&#228;dten um 40 bis 50 Prozent   zur&#252;ckgegangen.<\/p>\n<h4>  Bevorstehende Krise<\/h4>\n<p>  Der deutlichste Hinweis auf eine bevorstehende Krise ist in Russland   wahrzunehmen. Die Regierung hat hier alles M&#246;gliche unternommen, um zu   versuchen die Situation zu beruhigen. Sogar zur Schlie&#223;ung der B&#246;rse um   einen Kollaps zu verhindern ist es gekommen.<\/p>\n<p>  Pr&#228;sident Medwedew versucht jeden davon zu &#252;berzeugen, dass sich die   russische Wirtschaft in einwandfreiem Zustand befindet und alle   zeitweiligen, durch die US-Krise hervorgebrachten Schwierigkeiten   schnell &#252;berwunden sein werden. In den Fernsehnachrichten werden die   Probleme, mit denen Russland konfrontiert ist, als blo&#223;e Fu&#223;noten in den   Berichten &#252;ber die US-amerikanische Krise dargestellt.<\/p>\n<p>  Jedoch erweisen sich die &#8222;kleine(n) zeitweilige(n) Schwierigkeiten&#8220; als   ziemlich gro&#223;. Nach dem Zusammenbruch von Freddie Mac und Fanny Mae   stellte sich heraus, dass die staatliche Sberbank, die gr&#246;&#223;te Bank   Russlands, den USA mit einer Anlage von &#252;ber 100 Milliarden US-Dollar an   die beiden Finanzh&#228;user dabei geholfen hat, das Schuldenproblem zu   l&#246;sen. Im August hie&#223; es dann, dass diese Summe auf 30 Mrd. geschrumpft   sei &#8211; teilweise in Folge der Anteilsverk&#228;ufe von Sberbank, teilweise   aufgrund des allgemeinen Wertverfalls der US-Unternehmen. Das war das   erste Anzeichen daf&#252;r, dass Russland nicht der sichere Himmel ist, zu   dem Putin ihn zuvor noch erkl&#228;rt hat.<\/p>\n<p>  Nach dem Zusammenfall von Lehman Brothers begannen die realen Probleme.   Am ersten Tag der Krise pumpte die russische Regierung 20 Milliarden   Dollar in den Markt. Zum Zeitpunkt, da dieser Artikel geschrieben wurde,   hat sie jetzt 127 Mrd. US-Dollar angewiesen, die 20 Mrd. US-Dollar zur   Unterst&#252;tzung von zwei der gr&#246;&#223;ten Banken und des Rosneft &#214;lkonzerns   beinhalten. Bedenkt man, dass das Bruttoinlandsprodukt der USA zehn Mal   so gro&#223; ist wie die russische Wirtschaft, so entspr&#228;che diese Summe 1,27   Billionen US-Dollar, die die US-Regierung h&#228;tte aufwenden m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Im weiteren Vergleich ist das, was den russischen Gro&#223;konzernen   &#252;bermittelt wurde wohl doppelt so viel, wie das, was die US-Regierung   bereitgestellt hat. Und trotzdem findet das alles kaum Erw&#228;hnung in den   Wirtschaftsteilen der russischen Presse. Das mag nat&#252;rlich daran liegen,   wie und auf welche Weise die Finanzst&#252;tzen verabreicht wurden; &#220;blicher   Weise durch das Aufkaufen von Anteilen der &#252;berseeischen Unternehmen,   die die Banken nominell besitzen. Unn&#246;tig zu sagen, dass es oft   Verbindungen zwischen diesen Unternehmen und Regierungsministern gibt.<\/p>\n<p>  Trotzdem ist es nach wie vor zu Bankenkrisen gekommen. Die State   Investment Bank, deren Aufsichtsratsvorsitzender ganz zuf&#228;llig Wladimir   Putin ist, war diese Woche gezwungen, mit dem Kauf von 95 Prozent der   Anteile der unter den russischen Privatbanken auf Platz 20 liegenden   Svyaz Bank einzugreifen. Dies Bank ist deshalb von Bedeutung, da sie   s&#228;mtliche Geldtransfers zur Zahlung aller Renten in ganz Russland   abwickelt. Sie konnte den freien Geldfluss nicht l&#228;nger garantieren. Zur   gleichen Zeit waren zwei andere Investmentbanken, die Renaissance   Capital und die KIT Finance, zu raschen Umstrukturierungsma&#223;nahmen   gezwungen. Bei der Renaissance Capital handelt es sich um Russlands   gr&#246;&#223;tes Investmenthaus. Die H&#228;lfte ihrer Anteile wurden in einer Aktion,   die &#8222;nicht eine Rettung, sondern Pr&#228;ventivschlag&#8220; war &#8211; so die   hinl&#228;ngliche Beschreibung &#8211; von einem der russischen Oligarchen f&#252;r eine   halbe Milliarde Dollar aufgekauft. Doch das aufgewendete Geld   unterstreicht das Ausma&#223; der Krise; vor zwei Jahren war diese Bank noch   vier Milliarden Dollar wert. Nun wird erwartet, dass eine ganze Reihe   von zweit- und drittklassigen Banken entweder kollabieren oder gezwungen   sein werden, sich selbst an eine der staatlichen Banken zu verkaufen.<\/p>\n<p>  Der Absturz des Rubel ersch&#252;tterte 1998 im Zusammenhang mit der   s&#252;dostasiatischen Wirtschaftskrise die Volkswirtschaften der Welt.   Paradoxer Weise half die daraus resultierende Abwertung des Rubel um 30   Prozent, die quasi &#252;ber Nacht stattfand, dabei, einem zehnj&#228;hrigen   Wirtschaftswachstum den Weg zu ebnen. Das bedeutete, dass Einfuhren nach   Russland teurer wurden und RussInnen daher mehr im Inland hergestellte   Waren kauften, um dar&#252;ber die regionalen Produktion anzukurbeln. Ein   weiterer Faktor f&#252;r den &#246;konomischen Wachstum war selbstverst&#228;ndlich der   &#214;l- und Gaspreis. In den 1990ern ging der &#214;lpreis zu keinem Zeitpunkt   &#252;ber die Marke von 22 Dollar pro Barrel. Ab ca. 2000 begann der &#214;lpreis   &#8211; zeitgleich mit der Wahl Putins zum Pr&#228;sidenten &#8211; in die H&#246;he zu   schnellen. Das f&#252;hrte dazu, dass gro&#223;e Barmittel in die russische   Wirtschaft flossen und sp&#228;testens ab 2005\/-06 das Wirtschaftswachstum   schnell steigen lie&#223;en. Letztes Jahr lag das Wirtschaftswachstum bei gut   acht Prozent.<\/p>\n<h4>  Ungleiche Investitionen<\/h4>\n<p>  Doch noch bevor die Banken- und Kreditkrise in den USA ausbrach,   tauchten Hinweise auf sich entwickelnde Probleme in der russischen   Wirtschaft auf. Ungeachtet der gro&#223;en Menge an Barzahlungen, die in die   Wirtschaft flossen, waren die Investitionen &#228;u&#223;erst ungleich verteilt.   Das Nebenprodukt der steigenden &#214;l- und Gaspreise war ein starker Rubel.   Das hie&#223;, dass es sehr teuer war, Investitionen in Branchen zu   finanzieren, die mit &#214;l und Gas nicht zu tun hatten. Im besten Falle   waren Unternehmen noch dazu in der Lage, marode Anlagen zu ersetzen aber   keine neuen zu entwickeln. Selbst der &#214;l-Sektor litt unter diesem   Problem. In den vergangenen zehn Jahren ist Russland darin erfolglos   geblieben seine Potenzial aus der &#214;lproduktion ma&#223;geblich auszuweiten.   Stattdessen ist die &#214;lproduktion in diesem Jahr sogar leicht   zur&#252;ckgegangen. Die &#214;l-Bosse sagen nun, dass sie f&#252;r Investitionen keine   Mittel &#252;brig haben. Lukoil ist zum Beispiel dabei, sein   Investitionsprogramm aufzuheben und begr&#252;ndet dies damit, das es auf   einem &#214;lpreis von 105 US-Dollar pro Barrel und nicht auf den jetzigen 95   Dollar basiert, die realistischer Weise veranschlagt werden m&#252;ssen.<\/p>\n<p>  Jetzt beklagen einige Konzerne, dass es nahezu unm&#246;glich geworden ist,   Kredite zu bekommen oder auch nur den t&#228;glichen Betrieb   aufrechtzuerhalten. Dies f&#252;hrte zu einer Krise bei einem der Moskauer   Flugh&#228;fen hinaus, wo sechs regionale Fl&#252;ge gestrichen wurden, weil die   Unternehmen Sorge hatten, das Kerosin nicht mehr zahlen zu k&#246;nnen. Die   Passagiere wurden &#252;ber eine Woche lang hilflos zur&#252;ckgelassen, bis die   Regierung den Fluggesellschaften aus der Klemme half, indem sie einem   der neuen &#8222;Staatsunternehmen&#8220; (Russian Technology) erlaubte, sie zu   &#252;bernehmen.<\/p>\n<p>  Sofern die Industrieproduktion betroffen, existieren widerspr&#252;chliche   Berichte. Eine Ende August von einem f&#252;hrenden Forschungsinstitut   durchgef&#252;hrte Untersuchung besagt, dass das Wachstum der   Industrieproduktion zum Stillstand gekommen ist. Dem wird von   Statistiken der Regierung widersprochen, welche von einer j&#228;hrlichen   Wachstumsrate von f&#252;nf Prozent ausgehen (obgleich das Wachstum im   vergangenen Jahr bei sieben Prozent lag). Was nicht bestritten wird,   ist, dass sich das industrielle Wachstum verlangsamt. Das ist ein   Spiegelbild der Investitionsrate. In den Jahren 2005, 2006 und 2007   wuchs das investierte Kapital um 10,7 Prozent, 13,7 Prozent bzw. 21,1   Prozent. Dieses Jahr w&#228;re es ein Gl&#252;ck, wenn es bei neun Prozent liegt.<\/p>\n<p>  Ebenfalls zum ersten Mal seit Jahren kommt auch wieder das Ph&#228;nomen der   Zahlungsverz&#252;ge bei den L&#246;hnen auf. Im August nahmen die Zahlungsverz&#252;ge   um 14 Prozent zu, obgleich die Gesamtzahl der nicht ausgezahlten L&#246;hne   deutlich unter der der Alptraum-Jahre in den 1990ern liegt.<\/p>\n<p>  Doch die unmittelbarste Bedrohung geht allem Anschein nach vom   Immobilienmarkt aus. In den Zeitungen sind die ersten &#220;berschriften zu   lesen gewesen, die fragten: &#8222;Was bedeutet es, wenn die gr&#246;&#223;ten   Bauunternehmen des Landes ank&#252;ndigen, Bauvorhaben auf Eis zu legen?&#8220;   Eines der gr&#246;&#223;ten Unternehmen hat ein Projekt &#252;ber 10 Mio. Quadratmeter   an neuen Wohnungen f&#252;r mindestens ein, vielleicht sogar zwei oder drei   Jahre eingefroren. Ein anderes Unternehmen hat bekannt gegeben, dass es   Baugrundst&#252;cke im Wert von einer halben Milliarde US-Dollar abgesto&#223;en   hat. Ein Analyst legte dar, dass, weil die Bauunternehmen nicht l&#228;nger   Geld finden k&#246;nnen, um gegenw&#228;rtige Bauten zu finanzieren, die meisten   Projekte um bis zu sechs Monate in R&#252;ckstand geraten sind. Er erkl&#228;rt,   dass &#8222;Bauunternehmer&#8220; sich beklagen, weil man Geld aus weniger   profitablen und risikoreicheren Bereichen rausgezogen hat, um in die   Baubranche zu investieren, da sie glaubten, diese k&#246;nne weiterhin rapide   wachsen. Doch nach dem B&#246;rsenkrach sind die Aktien von Baukonzernen im   Schnitt um 15 Prozent bis 25 Prozent eingebrochen, und somit konnten sie   ihr Engagement nicht aufrechterhalten. Jetzt, da die ersten Ausl&#228;ufer   der Krise heraufziehen, kursieren Ger&#252;chte, die das Problem weiter   anheizten. Es ist die Rede von Wohnungspreisen, die in den kommenden   Monaten um 20 Prozent fallen werden. Selbst ohne die momentane Krise   w&#228;re es nur eine Frage der Zeit, wann dies geschehen w&#252;rde, da ganz   deutlich &#220;berkapazit&#228;ten im Bausektor vorhanden sind &#8211; zumindest in den   gro&#223;en St&#228;dten. Aber jetzt, da potentielle K&#228;ufer wissen, dass man von   fallenden Preisen spricht, z&#246;gern sie, bevor sie einen Neukauf wagen.   Dies wird ebenso den Industriesektor betreffen. Sch&#228;tzungen sprechen   davon, dass die Baubranche bis zu 15 Prozent der Industrieproduktion in   Russland ausmacht.<\/p>\n<p>  Doch der Faktor, der sich unter die Probleme mischt, ist der der   Staatsausgaben. Zu Beginn des &#214;lbooms schaffte es die russische   Regierung, das Haushaltsdefizit ins Haben zu bringen. Dies funktionierte   aufgrund einer drastischen K&#252;rzung der Staatsausgaben einerseits und   andererseits wegen steigender Einnahmen aus dem &#214;l- und Gasgesch&#228;ft. Der   erste ausgeglichene Haushalt wurde berechnet, als der &#214;lpreis bei 24   US-Dollar pro Barrel lag. Seither hat die Regierung die enorme Zunahme   der Eink&#252;nfte benutzt, um eine &#8222;Stabilisierung&#8220; im Umfang von 500   Milliarden US-Dollar herbeizuf&#252;hren und eine Reihe &#8222;nationaler Projekte&#8220;   wie z.B. im Bildungs- und Gesundheitsbereich sowie im Wohnungssektor zu   starten. W&#228;hrend diese Projekte zu einigen vordergr&#252;ndigen   Verbesserungen gef&#252;hrt haben, war die erste Folge, dass die Inflation   angekurbelt wurde (offiziell wird nun erwartet, dass sie in diesem Jahr   &#252;ber 15 Prozent steigen wird) und es zu einer massiven Zunahme an   Korruptionsf&#228;llen kam. Es ist aber nicht l&#228;nger m&#246;glich, einen   ausgeglichenen Haushalt zu gew&#228;hrleisten, wenn der &#214;lpreis unter 85   US-Dollar je Barrel f&#228;llt. Und wie zu erkennen ist, ist der   Stabilit&#228;tsfonds nicht so umfangreich &#8211; momentan kommen die 127   Milliarden US-Dollar, die versprochen wurden, um die B&#246;rse zu   stabilisieren, aus Quellen des Staatshaushaltes. Doch der Druck auf den   Stabilit&#228;tsfonds nahm bereits zu, als die Regierung bereits ank&#252;ndigte,   dass dieser zum Notaufkauf des Rentenfonds herangezogen wird, welcher   aufgrund der demografischen Krise in Mitleidenschaft gezogen wird.<\/p>\n<h4>  Folgen des wirtschaftlichen Niedergangs<\/h4>\n<p>  Die Wachstumsraten sind in den BRIC-Staaten immer noch vergleichsweise   hoch, aber es ist klar, dass ein Sturm aufzieht. W&#228;hrend immer noch   nicht vollkommen sicher feststeht, wie die Wirtschaftskrise sich weiter   entwickeln wird, ist das einzige, was mit Sicherheit gesagt werden kann,   das die vergangene Wachstumsphase an ihr Ende gekommen ist.<\/p>\n<p>  Dies hat weitreichende Konsequenzen f&#252;r Millionen von russischen   ArbeiterInnen und die Armen in den l&#228;ndlichen Regionen. Nach dem   Zusammenbruch der UdSSR und den desastr&#246;sen Jahren unter Jelzin   bedeutete der &#214;l- und Gasboom f&#252;r Teile der Mittelschicht und der gut   ausgebildeten ArbeiterInnen, dass sie in der Lage waren, ihren   Lebensstandard in begrenzten Rahmen zu verbessern &#8211; wenn auch mittels   Verl&#228;ngerung der Arbeitszeiten, eingeschr&#228;nkten Rechten und h&#228;ufig unter   armseligen Bedingungen am Arbeitsplatz. Millionen anderer jedoch   k&#228;mpften weiterhin &#8211; vornehmlich auf dem Land und in der Peripherie -,   um den t&#228;glichen Bedarf zu bestreiten. Nun ist das Land mit   wirtschaftlichen Schwankungen, Unsicherheiten und einem m&#246;glichen   krassen wirtschaftlichen Abschwung konfrontiert. Putin und Medwedew   werden feststellen, dass ihre beschr&#228;nkte soziale Basis an Unterst&#252;tzung   deutlich dezimiert ist, und nicht l&#228;nger in der Lage sein, auf den   Wirtschaftsboom als die unerl&#228;ssliche &#8222;Gegenleistung&#8220; f&#252;r ihren   autorit&#228;ren F&#252;hrungsstil hinzuweisen. Mehr Arbeitende und junge Menschen   werden gezwungen sein, nach Alternativen zu den Putin wohlgesonnenen,   marktfreundlichen &#8222;Parteien&#8220; Ausschau zu halten. Der vom Regime erzeugte   populistische Chauvinismus und Nationalismus, der zur Zeit des kurzen   Krieges in Georgien seinen bisherigen H&#246;hepunkt erreichte, wird f&#252;r   Millionen von RussInnen zunehmend hohl klingen, die mit Arbeitslosigkeit   konfrontiert sind und damit &#252;ber die Runden kommen m&#252;ssen. In dieser   Situation kann eine klare Klassen-Alternative einen breiten Widerhall   unter ArbeiterInnen und Jugendlichen hervorrufen. Wirklich unabh&#228;ngige   Gewerkschaften sind von N&#246;ten, um Arbeits- und Lebensbedingungen zu   verteidigen und f&#252;r einen Lohn, der die Lebenshaltungskosten deckt, zu   k&#228;mpfen. Eine neue massenhafte Arbeiterpartei ist essentiell, um die   wirklichen Interessen von ArbeiterInnen und Jugendlichen zu   artikulieren; gegen die marktfreundlichen und   reaktion&#228;r-chauvinistischen Parteien Putins und um eine Alternative   wahrer, internationaler Arbeiter-Solidarit&#228;t und Opposition zum   Kapitalismus anzubieten.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Russlands B&#246;rsenhandel aus drei Gr&#252;nden geschlossen &#8211; &#246;konomische Krise<br \/>\n      steht bevor\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12897"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12897"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12897\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12897"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12897"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12897"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}