{"id":12892,"date":"2008-11-23T00:00:00","date_gmt":"2008-11-23T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12892"},"modified":"2008-11-23T00:00:00","modified_gmt":"2008-11-23T00:00:00","slug":"12892","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/11\/12892\/","title":{"rendered":"Leiharbeit: Ausgeliehen und rausgeschmissen"},"content":{"rendered":"<p>  Prek&#228;r Besch&#228;ftigte werden in der Krise als Erste entlassen<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>BMW tut es, VW ebenfalls und andere werden ihnen folgen. Leiharbeiter   rausschmeissen ist in Mode gekommen. Mit Hilfe jener Branche, die vor   kurzem noch in den h&#246;chsten T&#246;nen als &#8222;Jobmotor&#8220; gelobt wurde,   schrumpfen sich die Konzerne jetzt &#8222;gesund&#8220;.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Torsten Sting, Rostock<\/i><\/h4>\n<p>  Als in den vergangenen Jahren die Wirtschaft noch kr&#228;ftig wuchs, wurde   die Leiharbeitsbranche zu einem der gr&#246;&#223;ten &#8222;Arbeitgeber&#8220; in   Deutschland. Im Jahre 2007 waren 730 000 ArbeitnerhmerInnen hier   angestellt (Quelle: Institut f&#252;r Arbeitsmarkt -und Berufsforschung,   IAB). Dies entspricht einem Zuwachs von 25% im Vergleich zum Vorjahr und   von 274% gegen&#252;ber vor 15 Jahren! Was ist die Ursache f&#252;r diese   Entwicklung?<\/p>\n<h4>  Strukturelle Krise<\/h4>\n<p>  In den Boomjahrzehnten des Kapitalismus nach dem 2.Weltkrieg gab es bis   Anfang der 70er Jahre de facto Vollbesch&#228;ftigung. Die Kapitalisten   fuhren hohe Profite ein und hatten eine sichere Perspektive, dass dies   so bleiben w&#252;rde. Es gab f&#252;r sie keine Notwendigkeit von &#8222;flexiblen   Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnissen&#8220;. Zudem waren damals die Organisationen der   Arbeiterbewegung in einer komfortablen Situation. Besch&#228;ftigte wurden   dringend gebraucht und waren auch individuell in einer guten Position   gegen&#252;ber den Unternehmern. Mit der Krise 1974 \/ 75 enstand zum   erstenmal wieder Massenarbeitslosigkeit, diese stieg von Krise zu Krise   weiter an und erreichte 2003 mit &#252;ber 5 Millionen Erwersblosen einen   H&#246;hepunkt. Die Zeiten hatten sich gewandelt. Die langfristige,   profitable Perspektive war vorbei, mit den herk&#246;mmlichen Industrien war   f&#252;r die Kapitalisten weniger Geld zu verdienen als an der B&#246;rse. Seither   nimmt in allen L&#228;ndern der Druck enorm zu, aus den Besch&#228;ftigten mehr   herauszupressen. L&#246;hne, Arbeitszeiten und soziale Rechte stehen seither   unter massivem Beschuss. Die Leiharbeit, welche fr&#252;her nur f&#252;r spezielle   Berufszweige interessant war, wurde in den USA und Gro&#223;brittanien als   erstes zum Massenph&#228;nomenen.<\/p>\n<p>  Die Kapitalisten verfolgten damit das Ziel, schnell auf   Produktionsschwankungen reagieren zu k&#246;nnen. Nur unter dem Eindruck der   massiven Schw&#228;chung der Gewerkschaften die in beiden L&#228;ndern stattfand,   war es aber m&#246;glich dies durchzusetzen. Deutschland hinkte dieser   Entwicklung lange hinterher. Dies ge&#228;ndert zu haben ist das &#8222;Verdienst&#8220;   von Rot-Gr&#252;n unter Kanzler Schr&#246;der. Mit der Agenda 2010 wurde in zwei   Jahren das nachgeholt, was Thatcher und Reagan in einem knappen   Jahrzehnt angerichtet hatten. Mit der &#196;nderung des   Arbeitnehmer&#252;berlassungsgesetzes im Jahre 2003 wurde ein Dammbruch   erzielt. Bis dahin gab es noch engere Grenzen (maximal 12 Monate durften   die Besch&#228;ftigten bei einer Firma arbeiten) f&#252;r Leiharbeitsfirmen. Zudem   ist durch die Hartz-Gesetze der Druck erheblich gestiegen, jeden   angebotenen Job annehmen zu m&#252;ssen. Mit dem Anziehen der Weltkonjunktur   2005 haben Arbeitgeber aller Branchen massiv &#252;ber Leiharbeitsfirmen   Leute eingestellt.<\/p>\n<h4>  Vorteile f&#252;r das Kapital<\/h4>\n<p>  Das Gesch&#228;ft lohnt sich. Zeitarbeiter sind jederzeit k&#252;ndbar, es sind   also keine l&#228;stigen Abpfindungen und Verhandlungen mit dem Betriebsrat   n&#246;tig. Zudem werden ausgeliehene Besch&#228;ftigte deutlich schlechter   bezahlt, laut IGM bis zu 40%. Hinzu kommt, dass die gr&#246;&#223;ere Angst vor   dem Verlust des Arbeitsplatzes genutzt werden kann um die Besch&#228;ftigten   gegeneinander auszuspielen.<\/p>\n<h4>  Gewerkschaften<\/h4>\n<p>  Massenarbeitslosigkeit und Gesetzes&#228;nderungen haben zweifellos den Boden   f&#252;r die Leiharbeit bereitet. Eine Ursache liegt aber auch im Versagen   der Gewerkschaftsf&#252;hrung. In den meisten Satzungen und bei vielen   Gewerkschaftstagen fordern immer wieder Gewerkschaften die Eind&#228;mmung   oder gar das Verbot von Leiharbeit. Die Realit&#228;t sah aber meist anders   aus. Viele hauptamtliche Betriebsr&#228;te in Gro&#223;betrieben haben der   Ausweitung von Leiharbeit entweder wenig entgegengesetzt oder gar   mitgetragen, weil sie sich selber als Co-Manager verstehen. Flexible und   kostenk&#252;nstige Besch&#228;ftigte sind eben ein Wettbewerbsvorteil gegen&#252;ber   den anderen Konzernen und vielleicht l&#228;sst sich ja so der Druck durch   Billiglohnl&#228;nder mildern und Produktion in Deutschland halten, so deren   &#220;berlegungen. Die Leiharbeit hat aber mittlerweile solche Dimensionen   angenommen, dass die Besch&#228;ftigten 2. Klasse inzwischen h&#228;ufig 20 bis   30% der gesamten Belegschaft ausmachen. So wird es immer schwieriger die   KollegInnen zum gemeinsamen Kampf zu mobilisieren. Dies schw&#228;cht   wiederum die Gewerkschaften und auch die Position der Betriebsr&#228;te.<\/p>\n<h4>  Welche Strategie?<\/h4>\n<p>  Diese Entwicklung d&#252;rfte auch ausschlaggebend gewesen sein, dass sich   die Gewerkschaftsspitzen dieses Themas bem&#228;chtigten. Die IGM hat in den   vergangenen Monaten eine Kampagne gestartet mit dem Titel &#8222;Leiharbeit &#8211;   fair gestalten&#8220;. Ziel der Kampagne ist es, die Bedingungen f&#252;r die   Leiharbeiter zu verbessern. In vielen Verleihbetrieben ist das laut IGM   auch gelungen. Es ist richtig hier und jetzt f&#252;r Verbesserungen zu   k&#228;mpfen. Dass f&#252;r die gleiche Arbeit auch der gleiche Lohn gezahlt wird   und dass Anspr&#252;che bei Sozialleistungen und Urlaub angeglichen werden.   Aber gerade jetzt, wo sich speziell in der Autoindustrie die Rezession   sehr schnell entwickelt, m&#252;ssen die Gewerkschaften die Leiharbeiter   genauso verteidigen, wie die KollegInnen der Stammbelegschaften. Bei den   Ank&#252;ndigungen der Unternehmen massenhaft Zeitarbieter zu entlassen,   waren die Reaktionen der Gewerkschaftsspitzen auffallend zur&#252;ckhaltend.   Die Tarifrunde der IGM muss mit dem Kampf zum Erhalt aller Arbeitspl&#228;tze   verbunden werden. Zudem bedarf es einer mittelfristigen Strategie um den   Leiharbeitsfirmen g&#228;nzlich den Garaus zu machen. Zu Recht wird beklagt,   dass diese Firmen besonders widerliche Ausbeuter sind.<\/p>\n<p>  Der gesamte DGB sollte die Kampagne der IGM mit dem Ziel aufgreifen und   erweitern, dass betriebs- und branchen&#252;bergreifend daf&#252;r gek&#228;mpft wird,   dass alle Leiharbeiter von den jeweiligen Arbeitgebern zu den selben   Konditionen wie die Stammbesch&#228;ftigten &#252;bernommen werden und damit die   Leiharbeit abgeschafft wird. Bisher wurden auch auf betrieblicher und   tarifvertraglicher Ebene Begrenzungen des Einsatzes von Leiharbeitern   durchgesetzt. Ziel muss sein, eine 0%-Quote f&#252;r Leiharbeitern (bei   &#220;bernahmegarantie der bisherigen Leiharbeiter) durchzusetzen.<\/p>\n<p>  Mit der Partei DIE LINKE zusammen sollte zudem daf&#252;r eingetreten werden,   dass die Hartz-Gesetze und die ihnen innewohnenden Arbeitszwangma&#223;nahmen   abgeschafft und Leiharbeit gesetzlich verboten wird.<\/p>\n<h5>  Forderungen der SAV:<\/h5>\n<p>  <b><i>* Weg mit Hartz I bis IV <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>* Gewerkschaftlicher Kampf f&#252;r den Ausschluss von Leiharbeit und   die Verhinderung des Einsatzes von KollegInnen unter dem Tarifniveau f&#252;r   die Stammbelegschaften durch die &#173;Tarifvertr&#228;ge. Ein Betrieb &#8211; eine   Belegschaft! <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>* F&#252;r eine gewerkschaftliche Kampagne zur &#173;Organisierung von   prek&#228;r Besch&#228;ftigten und sogenannten &#8222;illegal&#8220; &#173;Besch&#228;ftigten <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>* Gleicher Lohn f&#252;r gleiche Arbeit &#8211; in Ost und West, f&#252;r Frau und   Mann, f&#252;r Deutsche und MigrantInnen <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>* Verbot von Leiharbeit bei garantierter &#220;bernahme aller   LeiharbeiterInnen in den bisher entleihenden Betrieben <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>* Sofortige Einf&#252;hrung eines Mindestlohns von zehn Euro pro Stunde   als erster Schritt zu einem Mindestlohn von zw&#246;lf Euro pro Stunde <\/i><\/b><\/p>\n<p>  <b><i>* Einf&#252;hrung der 30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und   &#173;Personalausgleich<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Prek&#228;r Besch&#228;ftigte werden in der Krise als Erste entlassen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,78],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12892"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12892"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12892\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12892"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12892"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12892"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}