{"id":12890,"date":"2008-11-06T00:00:00","date_gmt":"2008-11-05T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12890"},"modified":"2012-05-15T15:19:14","modified_gmt":"2012-05-15T13:19:14","slug":"12890","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/11\/12890\/","title":{"rendered":"Ein Schritt vorw&#228;rts f&#252;r die Bremer LINKE"},"content":{"rendered":"<p>  Bericht vom 3. Landesparteitag<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Auf ihrem dritten Parteitag hat der Bremer Landesverband eine   personelle Wachabl&#246;sung vollzogen, die auf frischen Wind und   Fortschritte auf dem Weg zu einer antikapitalistischen Oppositionspartei   hoffen l&#228;&#223;t. <\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Heino Berg und Ingo Rehmke<\/i><\/h4>\n<h4>  Der neue Landesvorstand<\/h4>\n<p>  Nachdem die Bremer LINKE im letzten Jahr fast ausschlie&#223;lich in der   Bremer B&#252;rgerschaft &#8222;stattfand&#8220; und das innerparteiliche sowie vor allem   das au&#223;erparlamentarische Leben der Partei mehr oder weniger   eingeschlafen ist, wurde der bisherige Landessprecher A. Troost durch   Christoph Spehr abgel&#246;st. Damit f&#252;hrt nun ein &#8211; zwischenzeitlich   gek&#252;ndigter &#8211; Angestellter der B&#252;rgerschaftsfraktion die Partei, was auf   den Grad der &#8222;Parlamentarisierung&#8220; unseres Landesverbandes hinweist.<\/p>\n<p>  Gleichzeitig steht der neue Landessprecher f&#252;r eine offene   Diskussionskultur und hat die administrativen Ma&#223;nahmen gegen Lucy   Redler und andere SAV-Mitglieder vor und nach der Parteigr&#252;ndung   &#246;ffentlich abgelehnt. Sein unterlegener Gegenkandidat, der bisherige   stellvertretende Landessprecher Michael Lassowski, bef&#252;rwortet mit dem   &#8222;Forum Demokratischer Sozialismus&#8220; die neoliberale Regierungspolitik der   Berliner LINKEN ebenso wie die Aussperrung ihrer marxistischen   KritikerInnen. Seine Niederlage ist damit auch ein Signal f&#252;r das   Kr&#228;fteverh&#228;ltnis zwischen dem antikapitalistischen und regierungstreuen   Fl&#252;gel der neuen Partei.<\/p>\n<h4>  Leitantrag<\/h4>\n<p>  Die inhaltliche Diskussion &#252;ber die Aufgaben des neuen Landesvorstands   litt unter dem Versuch, beim Leitantrag Einstimmigkeit zu erzielen und   daf&#252;r alle umstrittenen Fragen unter den Teppich zu kehren. Diese   scheinbare &#8222;Harmonie in Rot&#8220; (taz) geht nat&#252;rlich auf Kosten eines   klaren Profils der Partei: So vermeidet der Leitantrag jede   Positionierung zur Finanzkrise &#8211; dies wurde erst in einem Extra-Antrag   f&#252;r die Vergesellschaftung des Bankwesens nachgeholt -, zur   Regierungsbeteiligung der LINKEN, oder, auch wenn er den Stellenabbau   verurteilt, zu au&#223;erparlamentarischen Aktionsb&#252;ndnissen f&#252;r die Rettung   der Krankenh&#228;user. Eine Ausnahme bildet in dieser Schl&#252;sselfrage f&#252;r   erfolgreiche Kampagnen der LINKEN nur die klare Unterst&#252;tzung des   bundesweiten Schulstreiks und der Aktionsb&#252;ndnisse von Sch&#252;lern, Lehrern   und Eltern zu seiner Vorbereitung.<\/p>\n<p>  Obwohl die weltweite Krise der bestehenden Finanz- und   Gesellschaftsordnung die fr&#252;her nur unter Linken diskutierte   &#8222;Systemfrage&#8220; jetzt zum Tagesgespr&#228;ch in der Bev&#246;lkerung und sogar in   den b&#252;rgerlichen Medien gemacht hat, versucht ihr die Bremer LINKE mit   ihrem Leitantrag immer noch auszuweichen. Die wolkigen Bekenntnisse zu   &#8222;neuen Instrumenten und Regularien&#8220; beantworten nicht die Frage, ob die   Schl&#252;sselsektoren der Wirtschaft weiterhin privaten Anteilseignern und   damit dem Profitprinzip ausgeliefert bleiben sollen. Wenn die LINKE den   dr&#228;ngenden System- und Eigentumsfragen ausweicht &#8211; wer soll sie sonst   beantworten?<\/p>\n<p>  Auch wenn einige unserer &#196;nderungsantr&#228;ge zu diesen Fragen keine   Mehrheit fanden: Sie sorgten immerhin f&#252;r eine inhaltliche politische   Debatte. Mit gro&#223;er Mehrheit wurde trotz der Gegenrede von A. Troost   unser Antrag angenommen, dass die Linke eine &#8222;sozialistische&#8220; Partei   sei, die den Kapitalismus &#252;berwinden will. Auf Wunsch von fr&#252;heren   Landesvorstandsmitgliedern war das Adjektiv &#8222;sozialistisch&#8220; aus dem   urspr&#252;nglichen Antragstext gestrichen worden.<\/p>\n<p>  Nachdem der fr&#252;here Landesvorstand Parteitagsbeschl&#252;sse zur   innerparteilichen Kommunikation au&#223;er Kraft gesetzt und zum Teil nicht   einmal ver&#246;ffentlicht hatte, betont der Leitantrag nun die   Verbindlichkeit solcher Delegiertenbeschl&#252;sse, ohne jedoch die Rechte   von Minderheiten klar zu regeln. Auch unser Erg&#228;nzungsantrag, dass die   Fraktion die Parteigremien &#252;ber wichtige B&#252;rgerschaftsantr&#228;ge vor ihrer   Ver&#246;ffentlichung unterrichten muss, wurde abgelehnt, was angesichts der   unklaren Weisungsbefugnisse der Fraktion gegen&#252;ber dem von ihr   besch&#228;ftigten Parteisprecher sehr gef&#228;hrlich werden k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  Bankenverstaatlichung<\/h4>\n<p>  Trotz dieser Halbheiten ist der Bremer Landesverband unter dem Druck der   Umfragemehrheiten in der Bev&#246;lkerung f&#252;r eine Verstaatlichung der Banken   und den entsprechenden Parteitagsbeschl&#252;ssen von Hessen und NRW deutlich   nach links ger&#252;ckt. Zun&#228;chst wollten sowohl die Gruppierung um Troost   und Lassowski, als auch die Gruppe um C. Spehr jede Festlegung gegen das   Bankenpaket der Bundesregierung vermeiden. Der Leitantrag beschr&#228;nkte   sich deshalb auf die jetzt &#252;berall ge&#252;bte Kritik an den Spekulanten,   ohne daraus programmatische oder praktische Schlussfolgerungen   abzuleiten. A. Troost rechtfertigte die Zustimmung der Berliner LINKEN   und die ausweichende Stellungnahme der Bremer B&#252;rgerschaftsfraktion zur   Sanierung der Privatbanken aus Steuermitteln damit, dass diese   hochverschuldeten Stadtstaaten im Gegenzug eine Lockerung der sog.   &#8222;Schuldenbremse&#8220; und zus&#228;tzliche Haushaltsmittel erreichen k&#246;nnten. Wenn   Bodo Ramelow k&#252;nftig in Th&#252;ringen in der Regierung sitzen w&#252;rde, so   Troost, h&#228;tte er in seinem Bundesland das Geld f&#252;r Rettung des   bestehenden Bankensystems &#8222;nat&#252;rlich&#8220; ebenfalls bewilligen m&#252;ssen. Dem   entsprechend fiel bei einer Einzelabstimmung die &#8222;Missbilligung&#8220; der   Haltung des rot-roten Berliner Senats durch: 19 Delegierte stimmten f&#252;r   diesen Antrag, 29 dagegen.<\/p>\n<p>  In dem von Axel Troost u.a. eingebrachten Antrag zur Finanzkrise &#8211;   gr&#246;&#223;tenteils &#252;bernommen aus dem Beschluss der NRW-LINKEN &#8211; fehlte daher   auch die dort und in Hessen beschlossene Forderung nach &#220;berf&#252;hrung des   gesamten Bankensektors in demokratisch kontrolliertes Gemeineigentum.   Erst als sich eine Mehrheit f&#252;r den von uns eingebrachten Antrag   abzeichnete, musste A. Troost zur&#252;ckrudern und einer &#220;bernahme dieser   Forderungen in den dann mit gro&#223;er Mehrheit beschlossenen gemeinsamen   Antrag zustimmen.<\/p>\n<p>  Die Glaubw&#252;rdigkeit von Beschl&#252;ssen gegen ein Paket zur Stabilisierung   des privaten Bankensystems und f&#252;r dessen komplette Vergesellschaftung   h&#228;ngt aber nicht zuletzt davon ab, wie sie &#246;ffentlich vermittelt und in   praktische Politik umgesetzt werden.<\/p>\n<h4>  Presseerkl&#228;rung<\/h4>\n<p>  In der Presseerkl&#228;rung, die dann ohne Abstimmung mit dem neuen   Landesvorstand von seinem Gesch&#228;ftsf&#252;hrer herausgegeben wurde, fehlte   prompt die Forderung nach &#8222;Verurteilung des Bankenpakets durch den   Bremer Senat&#8220;, wozu laut Beschluss sogar eine &#8222;aktuelle Stunde in der   B&#252;rgerschaft beantrag&#8220; werden soll. Die Erkl&#228;rung behauptet im   Gegenteil, dass der Parteitag die &#8222;parlamentarisch kontrollierte   Umsetzung des Rettungspakets&#8220; sowie seine &#8222;Finanzierung durch eine   Verm&#246;gensabgabe&#8220; gefordert habe. Die h&#246;here Besteuerung der Reichen ist   damit keine Erg&#228;nzung des Kampfes f&#252;r die Vergesellschaftung des   gesamten Bankensektors, sondern im Gegenteil ein Ersatz daf&#252;r. Indem   solche Forderungen als Teil der &#8222;Umsetzung&#8220; und &#8222;Finanzierung&#8220; von   Merkels Rettungspaket f&#252;r die Privatbanken beschrieben werden,   verwandelt die Presserkl&#228;rung den Parteitagsbeschluss zur Verurteilung   des Bankenpakets in sein genaues Gegenteil, n&#228;mlich in dessen kritisch   garnierte Unterst&#252;tzung. Die Vergesellschaftung der Banken ist dann   keine praktische Tagesforderung und Antwort auf die beginnende   Weltwirtschaftskrise des Kapitalismus mehr, sondern nur noch ein   unverbindliches Fernziel, dass in der praktischen (Regierungs)politik   die Mitarbeit von LINKEN an der Stabilisierung des   privatkapitalistischen Bankensystems verbr&#228;men soll.<\/p>\n<h4>  Linker Pluralismus<\/h4>\n<p>  Die Frage, ob die neue Partei den Herausforderungen einer globalen Krise   des kapitalistischen Systems gewachsen ist, wird auch davon abh&#228;ngen,   wie sie mit Marxisten in ihren eigenen Reihen umgeht. Deshalb hatten im   Vorfeld und im Verlauf des Landesparteitags mehr als 40 Bremer   Parteimitglieder, darunter 28 (von 72) Delegierte, der neue   Landessprecher Spehr, drei weitere neue Landesvorstandsmitglieder sowie   P. Erlanson, J. Beilken und M. Tr&#246;del aus der B&#252;rgerschaftsfraktion den   Versuch zur&#252;ckgewiesen, Lucy Redlern und anderen Mitgliedern der SAV in   Berlin die Aufnahme in die neue Partei zu verweigern. Damit werde, so   Christoph Spehr in seiner Begr&#252;ndung f&#252;r den entsprechenden   Dringlichkeitsantrag, durch die &#8222;Hintert&#252;r eine Unvereinbarkeit&#8220; der   Mitgliedschaft in SAV und der &#8222;LINKEN&#8220; angestrebt. Dies sei unvereinbar   mit ihrem Gr&#252;ndungsanspruch, alle Linken in einer gemeinsamen Partei zu   vereinen.<\/p>\n<p>  A. Troost stellte dagegen zun&#228;chst den Antrag auf Nichtbefassung, weil   der Widerspruch gegen Lucy Redler, den er pers&#246;nlich f&#252;r einen &#8222;Fehler&#8220;   halte, ja im zust&#228;ndigen Bezirksvorstand abgelehnt worden sei. Sein   B&#252;rovorsteher J&#246;rg G&#252;thler bestand jedoch auf Ablehnung des Antrags, um   deutlich zu machen, dass SAV-Mitglieder den Zielen der &#8222;LINKEN&#8220; schaden   w&#252;rden. Bei der Abstimmung, die von der Parteitagsregie an das Ende des   zweit&#228;gen Antragsmarathons verlegt wurde, und an der viele Delegierte   nicht mehr teilnehmen konnten, kam es dann zu einem Stimmpatt von 25   F&#252;r- und 25 Nein-Stimmen.<\/p>\n<p>  <b><i>Heino Berg, Ingo Rehmke 4.11.08<\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bericht vom 3. 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