{"id":12877,"date":"2008-11-28T00:38:03","date_gmt":"2008-11-28T00:38:03","guid":{"rendered":".\/?p=12877"},"modified":"2008-11-28T00:38:03","modified_gmt":"2008-11-28T00:38:03","slug":"12877","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/11\/12877\/","title":{"rendered":"Imperialismus &amp; Krise: &#8222;Jetzt ist Krieg&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Weltwirtschaftskrise wird zur Versch&#228;rfung zwischenimperialistischer   Konflikte f&#252;hren<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Als im US-Kongress das Rettungspaket f&#252;r die Banken debattiert wurde,   trat der 50-fache Milliard&#228;r Warren Buffet vor die Fernsehkameras.   Nachdem er vor laufender Kamera gefragt wurde, ob man die Krise nicht   h&#228;tte voraussehen und fr&#252;her reagieren m&#252;ssen, erwiderte Buffet: &#8222;Am Tag   nach Pearl Harbor streitet man nicht dar&#252;ber, was man h&#228;tte tun k&#246;nnen.   Jetzt ist Krieg.&#8220;<\/p>\n<p>  Die Parallele zu Pearl Harbor war kein Versprecher. Auf diesen Vergleich   kam Buffet in den letzten Wochen wieder und wieder zur&#252;ck. Nach dem   Angriff Japans auf den US-St&#252;tzpunkt Pearl Harbor waren die USA 1941 in   den Zweiten Weltkrieg eingetreten.<\/p>\n<p>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/p>\n<p>  16. Oktober: Der Bundestag billigt die Aufstockung der   Afghanistan-Truppe von 3.500 auf 4.500 Soldaten.<\/p>\n<p>  17. Oktober: Der Bundestag segnet das 480-Milliarden-Euro-Programm f&#252;r   die Banken ab.<\/p>\n<p>  Es ist kein Zufall, dass diese beiden Beschl&#252;sse an zwei aufeinander   folgenden Tagen &#252;ber die B&#252;hne gingen. Zwar wurde die   Grundgesetz&#228;nderung zum Bundeswehreinsatz im Inneren vertagt, aber auch   zu dieser Frage richtete die Gro&#223;e Koalition in der gleichen Woche eine   neue Arbeitsgruppe ein. &#220;berhaupt ist in diesem &#8222;schwarzen Herbst&#8220; (DER   SPIEGEL) viel von Notverordnungen die Rede. F&#252;r die FAZ liegt &#8222;ein Hauch   von Wilhelm II. in der Luft&#8220;. Als das Deutsche Reich 1914 den Ersten   Weltkrieg begann, hatte der letzte deutsche Kaiser erkl&#228;rt, er kenne   keine Parteien mehr, nur noch Deutsche.<\/p>\n<p>  <b>Aufr&#252;stung<\/b><\/p>\n<p>  Kapitalismus beruht auf Konkurrenz. Bereits im Inland ist der Sinn der   Konkurrenz, den Konkurrenten auszul&#246;schen. Wird die Konkurrenz &#252;ber   Grenzen hinausgetragen, wird sie zum Kampf zwischen Unternehmen, die   verschiedenen Nationen angeh&#246;ren. Kriege und Weltkriege tr&#228;gt der   Kapitalismus von Anfang an in sich.<\/p>\n<p>  Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks ist der US-Imperialismus darauf   aus, seine Position als einzige verbliebene Supermacht auszubauen und   errichtete weltweit offiziell 700 Milit&#228;rst&#252;tzpunkte, inoffiziell sollen   es doppelt so viele sein. Deutschland und Japan, jahrzehntelang   &#246;konomische Riesen und milit&#228;rische Zwerge, stellten die Weichen auf   Auslandseins&#228;tze. Eine Macht nach der anderen r&#252;stete auf. Die   R&#252;stungsausgaben erh&#246;hten sich im vergangenen Jahrzehnt um 45 Prozent.<\/p>\n<p>  Mit dem Beginn der globalen Rezession wird es nicht nur zu   Protektionismus, zu Handelskonflikten und Handelskriegen kommen. Der   Kampf um Anlagem&#246;glichkeiten f&#252;r das Kapital nimmt zu. Das Gerangel um   Rohstoffquellen und M&#228;rkte gewinnt an Intensit&#228;t. Neue Waffeng&#228;nge sind   vorprogrammiert.<\/p>\n<p>  <b>Gemeinsame Probleme, getrennte L&#246;sungsversuche<\/b><\/p>\n<p>  Nachdem die international bedeutendsten Aktienindizes innerhalb einer   Woche im Schnitt um 20 Prozent eingebrochen waren, setzte eine hektische   Reiset&#228;tigkeit ein. Am Freitag, den 10. Oktober fanden sich die   Finanzminister und Notenbankvorsitzenden der G7 in Washington ein. Zwei   Tage sp&#228;ter kamen die 15 Staats- und Regierungschefs der Euro-L&#228;nder und   Gro&#223;britanniens in Paris zusammen. Auf beiden Gipfeln verst&#228;ndigte man   sich auf &#8222;Werkzeugk&#228;sten&#8220; f&#252;r Reparaturma&#223;nahmen. Vielfach wurde ein   gemeinsames Vorgehen beschworen. Allerdings bleiben Auswahl,   Durchf&#252;hrung und Finanzierung der Werkzeuge den einzelnen Regierungen   &#252;berlassen. F&#252;r die S&#252;ddeutsche Zeitung zeugen &#8222;die panischen   Konferenz-Bem&#252;hungen&#8220; nur davon, dass die &#8222;Finanzkrise sich zu einer   Weltordnungskrise wandelt&#8220;.<\/p>\n<p>  Nicht einmal auf europ&#228;ischer Ebene kam es zu einem gemeinsamen Handeln.   Als der franz&#246;sische Pr&#228;sident Nicolas Sarkozy f&#252;r einen gemeinsamen   EU-Fonds zur Rettung strauchelnder Banken warb, wurde ihm von Kanzlerin   Angela Merkel nach den Einfl&#252;sterungen des Deutsche-Bank-Chefs Josef   Ackermann br&#252;sk eine Abfuhr erteilt. &#8222;Die hat gesagt, jeder soll seinen   Schei&#223; selber wegr&#228;umen&#8220;, so Sarkozy. Innerhalb der Europ&#228;ischen Union   bestehen erhebliche Spannungen zwischen der irischen und britischen   Regierung, seit Dublin als erste EU-Regierung f&#252;r die Einlagen auf allen   irischen Konten garantierte &#8211; und so eine Flucht britischer Sparer in   den scheinbar sicheren Hafen Irland ausl&#246;ste. Zu Auseinandersetzungen   kam es auch zwischen Frankreich, Belgien, Luxemburg und den   Niederlanden, als diese in separaten Aktionen die Pleite der Bank Fortis   abwenden wollten. Diese Risse in der EU offenbaren, dass der beschworene   Suprastaat Europa auf kapitalistischer Basis nie Realit&#228;t werden wird.   In Krisenzeiten suchen die Unternehmerklassen st&#228;rker als sonst den   R&#252;ckhalt durch ihren eigenen Staat. Die Konflikte zwischen den   Nationalstaaten spitzen sich zu. Strukturen wie die EU werden fragiler.   Es ist m&#246;glich, dass die Einheitsw&#228;hrung Euro die Krise nicht   &#252;berdauert. Schlie&#223;lich sehen sich die herrschenden Klassen der   einzelnen Euro-L&#228;nder ihrer M&#246;glichkeit beraubt, mittels eigenst&#228;ndiger   W&#228;hrungspolitik gegen&#252;ber den Kontrahenten Boden gut zu machen. So hatte   Italien zum Beispiel immer wieder Zuflucht in die Abwertung der Lira   genommen, um ihrem Export unter die Arme zu greifen.<\/p>\n<p>  <b>Niedergang des US-Imperialismus<\/b><\/p>\n<p>  &#8222;Amerika ist milit&#228;risch geschw&#228;cht und geopolitisch erm&#252;det. Die Welt   befindet sich im &#220;bergang vom amerikanischen Hegemon zu einer   multipolaren Ordnung&#8220;, schrieb die FAZ am 10. Oktober. Nach wie vor   stemmen die USA ein Drittel des globalen Sozialproduktes und t&#228;tigen   fast die H&#228;lfte alle R&#252;stungsausgaben auf diesem Erdball. Dennoch ist   diese Supermacht in der Tat angeschlagen. Und wird herausgefordert &#8211; wie   das britische Empire erst vom Deutschen Reich herausgefordert und sp&#228;ter   vom US-Imperialismus ausgebotet wurde. Heute ist keine vergleichbare   neue Supermacht in Sicht. Vielmehr lassen mehrere M&#228;chte ihre Waffen   blitzen. Dazu geh&#246;ren Russland, China und die EU-Staaten.<\/p>\n<p>  Schon im Irak-Krieg vor f&#252;nf Jahren scherten f&#252;hrende EU-L&#228;nder wie   Deutschland und Frankreich aus und verweigerten Washington den blinden   Gehorsam. Die damalige Lagerbildung innerhalb der EU &#8211; zwischen den USA   besonders nahe stehenden Staaten wie Gro&#223;britannien und Polen auf der   einen und Frankreich und Deutschland auf der anderen Seite &#8211; vollzog   sich w&#228;hrend des Kaukasus-Krieges erneut. Am Beginn der aktuellen   wirtschaftlichen Talfahrt sind es wiederum franz&#246;sische und deutsche   Regierungsvertreter, die gegen die USA schie&#223;en. So machte   Finanzminister Peer Steinbr&#252;ck die USA f&#252;r das Ausma&#223; der Krise   verantwortlich und prophezeite, dass Nordamerika seine Position als   Supermacht des Weltfinanzsystems einb&#252;&#223;en w&#252;rde. Sarkozy appellierte   mehrfach, die europ&#228;ische Industrie m&#252;sse vor allem gegen die   amerikanischen Wettbewerber gesch&#252;tzt werden.<\/p>\n<p>  <b>Globale Machtk&#228;mpfe<\/b><\/p>\n<p>  &#8222;Das Beben an den Finanzm&#228;rkten f&#252;hrt zu einer Verschiebung der   politischen Machtverh&#228;ltnisse der Welt. Darin liegen Risiken, aber auch   Chancen f&#252;r Europa&#8220;, frohlockt die FAZ. Steckte man diese wolkigen S&#228;tze   in eine Dechiffriermaschine, w&#252;rde der Apparat ausspucken: &#8222;Die   EU-Staaten m&#252;ssen ihre Stellung auf Kosten der USA entscheidend   verbessern. Ohne Kriege wird das nicht zu machen sein.&#8220; Es wurde nicht   nur eine 60.000 Mann starke Schnelle Eingreiftruppe geschaffen. 20   Eins&#228;tze auf drei Kontinenten haben schon stattgefunden. W&#228;hrend sich   die EU-Staaten gegen die USA und andere Kontrahenten zusammenschlie&#223;en,   sind die ebenfalls miteinander konkurrierenden europ&#228;ischen L&#228;nder   gleichzeitig auf Vorteile gegen&#252;ber ihren europ&#228;ischen &#8222;Partnern&#8220; aus.<\/p>\n<p>  Mit der Waffenruhe im Kaukasus sind die Konflikte keineswegs beigelegt.   Stattdessen werden neue Drohkulissen geschaffen: Mit der Errichtung des   US-Raketenabwehrschildes in Polen, mit Russlands Erw&#228;gung,   NATO-Nachschubwege zu blockieren, mit der Planung neuer Transitwege f&#252;r   &#214;l und Gas aus Zentralasien nach Westeuropa.<\/p>\n<p>  In Afghanistan und im Irak und einzelnen zus&#228;tzlichen Regionen tobt   weiterhin Krieg. Aber auch die Schaupl&#228;tze f&#252;r andere k&#252;nftige Kriege   stehen schon fest: neben dem &#246;lreichen Nahen Osten wird sich der Kampf   um den Einfluss &#252;ber die Gebiete der ehemaligen Sowjetunion fortsetzen,   neue Milit&#228;reins&#228;tze zur Pl&#252;nderung der Rohstoffe Afrikas sind nur eine   Frage der Zeit, der Machtkampf zwischen Japan und China im Pazifik wird   an Sch&#228;rfe gewinnen, die Kriegszone des mit Atomwaffen best&#252;ckten   indischen Subkontinentes wird sich ebenfalls ausweiten&#8230;<\/p>\n<p>  <b>Neuer Weltkrieg?<\/b><\/p>\n<p>  Kriege &#8222;brechen&#8220; nicht einfach &#8222;aus&#8220;. Kriege werden geplant, vorbereitet   und von kapitalistischen Regierungen angezettelt. Es ist nicht nur   deshalb bezeichnend, wenn Warren Buffet heute an Pearl Harbor erinnert,   weil er damit eine Verbindung zum letzten Weltkrieg zieht. Sondern auch   deshalb, weil die USA seinerzeit den japanischen Angriff provozierten,   um einen Vorwand zu bekommen, endlich in den Zweiten Weltkrieg   einsteigen zu k&#246;nnen.<\/p>\n<p>  Im Unterschied zu damals sind die f&#252;hrenden Gro&#223;m&#228;chte heute nuklear   bewaffnet. Ein direkter Krieg zwischen diesen Atomm&#228;chten k&#246;nnte zur   Vernichtung von Milliarden Menschen f&#252;hren und die Kapitalisten ihrer   eigenen Herrschaft berauben. Aus diesem Grund ist ein Dritter Weltkrieg   heute keine Perspektive. Trotzdem kann keine Entwarnung gegeben werden.   Wir stehen am Beginn einer neuen Spirale von Kriegspropaganda,   regionalen Kriegen und Stellvertreterkriegen &#8211; solange wir den   Kriegstreibern im Kanzleramt, im Elysee-Palast, im Wei&#223;en Haus, im Kreml   und anderswo nicht das Handwerk legen.<\/p>\n<p>  <i>Aron Amm ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Weltwirtschaftskrise wird zur Versch&#228;rfung zwischenimperialistischer<br \/>\n      Konflikte f&#252;hren\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64,127],"tags":[209],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12877"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12877"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12877\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12877"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12877"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12877"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}