{"id":12875,"date":"2008-11-15T00:34:53","date_gmt":"2008-11-15T00:34:53","guid":{"rendered":".\/?p=12875"},"modified":"2008-11-15T00:34:53","modified_gmt":"2008-11-15T00:34:53","slug":"12875","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/11\/12875\/","title":{"rendered":"Die Gewerkschaften in Zeiten der Krise"},"content":{"rendered":"<p>  DGB-Spitze will Proteste einstellen, statt Tarifk&#228;mpfe mit dem Kampf   gegen Entlassungen zu verbinden<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Bankenkrise und Rezession steigern in den Belegschaften und an der   Gewerkschaftsbasis die Wut &#252;ber die da oben und auf das kapitalistische   System. Gleichzeitig w&#228;chst die Angst um den Arbeitsplatz. <\/b><\/p>\n<p>  <b>Die Gewerkschaftsf&#252;hrung spielt in dieser Situation eine fatale   Rol-le. Sie spielt die Krise herunter, behauptet, es g&#228;be keine   Alternative zur Marktwirtschaft und hilft den Herrschenden, die   Krisenlasten auf die Besch&#228;ftigten abzuw&#228;lzen. H&#246;chste Zeit, einen   Kurswechsel zu erk&#228;mpfen.<\/b><\/p>\n<p>  <i>von Ursel Beck, Stuttgart<\/i><\/p>\n<p>  &#8222;Aufgrund der Vorbedingungen der Arbeitgeber befinden wir uns in einem   versch&#228;rften Tarifkonflikt, und das bedeutet die Fortsetzung des   Streiks&#8220;, lie&#223; ver.di-Bundesvorstandsmitglied Uwe Foullong nach der   ergebnislosen vierten Tarifverhandlung f&#252;r die 250.000   Bank-Besch&#228;ftigten am 17. September verk&#252;nden. Genau vier Wochen sp&#228;ter   erkl&#228;rte ver.di in einer Pressemitteilung, die Gewerkschaft werde die   f&#252;r November geplanten Urabstimmungen und Streiks aussetzen.<\/p>\n<p>  <b>Tarifkonflikt bei Banken<\/b><\/p>\n<p>  Von Juni bis September haben die Bank-Besch&#228;ftigten mit Warnstreiks ihre   Kampfbereitschaft gezeigt. Die Krise auf den Finanzm&#228;rkten und der   drohende Verlust von 12.000 Arbeitspl&#228;tzen durch die Fusion von Dresdner   und Commerzbank h&#228;tten genutzt werden m&#252;ssen, die Forderung nach   Verstaatlichung der Banken und der Sicherung der Arbeitspl&#228;tze durch   radikale Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohnausgleich mit der   Forderung nach acht Prozent mehr Lohn zu verbinden. Man stelle sich vor,   ver.di h&#228;tte in der Woche, als im Bundestag das Gesetz f&#252;r die   Finanzm&#228;rkte durchgezogen wurde, gestreikt. Man stelle sich vor, die IG   Metall h&#228;tte einen solchen Streik mit einem gleichzeitigen bundesweiten   Warnstreik in der Metallindustrie unterst&#252;tzt. Das alles w&#228;re ganz legal   im Rahmen der Lohntarifrunde m&#246;glich gewesen. Eine hohe Beteiligung bei   einem solchen Streik und die massenhafte Unterst&#252;tzung durch die   Bev&#246;lkerung h&#228;tte au&#223;er Frage gestanden. Stattdessen haben ver.di und   IGM der Bundesregierung und den Bankern den R&#252;cken freigehalten f&#252;r eine   der gr&#246;&#223;ten Umverteilungsaktionen, die beschlossen wurde. Und es ist   einfach nur erb&#228;rmlich, wenn ver.di nach Verabschiedung des Hilfspakets   f&#252;r die Banken in einer Presserkl&#228;rung bem&#228;ngelt, dass in dem Gesetz die   Sicherung der Arbeitspl&#228;tze fehlen w&#252;rde. Was ver.di sich bei den Banken   derzeit leistet, ist eine Bankrotterkl&#228;rung f&#252;r eine der gr&#246;&#223;ten   Gewerkschaften der Welt.<\/p>\n<p>  <b>IG-Metall-Tarifrunde<\/b><\/p>\n<p>  Ein &#228;hnliches Bild bei der IG Metall. Bei der ersten Verhandlungsrunde   in der Metallindustrie erkl&#228;rten Berthold Huber und die Bezirksleiter,   dass es f&#252;r die Gewerkschaft keinen Grund gebe, von ihrer Forderung nach   acht Prozent abzur&#252;cken. Bereits vor der zweiten Verhandlung kam das   erste Einknicken. In einem Interview mit dem SPIEGEL erkl&#228;rte Huber am   13. Oktober, dass er zu einer Laufzeit von &#8222;20 Monaten oder l&#228;nger&#8220;   bereit sei. Zudem zeige er sich f&#252;r &#8222;neue Elemente offen, beispielsweise   einen Tarifvertrag &#252;ber Ergebnisbeteiligung&#8220;.<\/p>\n<p>  Die ver.di-F&#252;hrung begr&#252;ndet ihre Streikabsage bei den Banken mit den   Auswirkungen der Finanzkrise. Die IGM-Spitze erkl&#228;rte ihr Zugest&#228;ndnis   verl&#228;ngerter Laufzeiten mit den &#8222;wirtschaftlichen Unsicherheiten&#8220;.<\/p>\n<p>  <b>DGB-F&#252;hrung h&#228;lt an Marktwirtschaft fest<\/b><\/p>\n<p>  Die Aufgabe des Kampfes f&#252;r die Durchsetzung der beschlossenen   Lohnforderungen durch die Gewerkschaftsspitzen zeigt, dass sie ihrer   eigenen Propaganda nicht glauben, wonach h&#246;here L&#246;hne die   Binnennachfrage erh&#246;hen und dadurch die Konjunktur st&#252;tzen und eine   Rezession vermeiden k&#246;nnten. Oder anders ausgedr&#252;ckt: Huber, Bsirske und   Co. n&#228;hern sich dem Standpunkt der Kapitalisten, dass die   rezessionsbedingten Profiteinbr&#252;che und der versch&#228;rfte internationale   Konkurrenzkampf eine erh&#246;hte Ausbeutung der Arbeiterklasse zur Folge   haben muss. Anders kann die Politik der Gewerkschaftsf&#252;hrung nicht   erkl&#228;rt werden.<\/p>\n<p>  Es ist auch kein Zufall, dass in einer Situation, in der in den Augen   vieler Kolleginnen und Kollegen der Kapitalismus abgewirtschaftet hat   und selbst im b&#252;rgerlichen Lager der Glaube an die Marktwirtschaft   geschw&#228;cht wird, Gewerkschaftsf&#252;hrer ihre Hauptaufgabe darin sehen,   Vertrauen in das System Marktwirtschaft zu predigen. In der Logik dieser   system- und staatstragenden Haltung ist es dann auch nur konsequent,   wenn der DGB-Vorsitzende Michael Sommer und seine Freunde an der Spitze   der Einzelgewerkschaften den 480-Milliarden-Euro-Blankoscheck an die   Banken f&#252;r richtig und alternativlos halten und die Regierung daf&#252;r   loben, dass sie so schnell gehandelt hat.<\/p>\n<p>  <b>Verteilungs- und Eigentumsfrage<\/b><\/p>\n<p>  Die aktuelle Lage stellt betriebliche AktivistInnen vor die   Herausforderung, den Druck f&#252;r die volle Durchsetzung der aufgestellten   Forderungen zu intensivieren. Lohnverzicht rettet keine Arbeitspl&#228;tze,   sondern bedient nur die Profite. Das galt im Aufschwung und das gilt   erst Recht im Abschwung.<\/p>\n<p>  Aufgrund der Krise ist es notwendig, die Tarifrunde zur Gegenoffensive   gegen die Politik der Krisenabw&#228;lzung und Arbeitsplatzvernichtung zu   machen. Diese Auseinandersetzung ist hochpolitisch und muss auch so   gef&#252;hrt werden. Es geht nicht mehr nur um ein paar Prozente. Es geht   darum, den Kampf um mehr Lohn mit der Forderung nach der   30-Stunden-Woche bei vollem Lohn- und Personalausgleich zu verbinden.   Die Gewerkschaften fordern ein Investitions- und Besch&#228;ftigungsprogramm.   Das ist bitter n&#246;tig. Allein f&#252;r die Beseitigung der Notst&#228;nde in den   Schulen und Krankenh&#228;usern ist die Einstellung von 100.000 zus&#228;tzlichen   LehrerInnen und 100.000 zus&#228;tzlichen Krankenhausbesch&#228;ftigten n&#246;tig.   Aber ein solches Programm, finanziert durch Steuern auf hohe Verm&#246;gen,   kann nur durch politische Streiks erk&#228;mpft werden.<\/p>\n<p>  Der Kampf f&#252;r die volle Durchsetzung der acht Prozent, f&#252;r die   30-Stunden-Woche und ein Besch&#228;ftigungsprogramm muss in dem Bewusstsein   gef&#252;hrt werden, dass daf&#252;r ein harter Verteilungskampf notwendig ist,   der unweigerlich die Eigentums- und Machtfrage aufwirft. Und diese   Machtfrage muss von den Gewerkschaften beantwortet werden.<\/p>\n<p>  Wenn die Unternehmer sagen, Konkurrenzkampf und die Wirtschaftskrise   zwingen sie dazu, Arbeitspl&#228;tze abzubauen und Lohnkosten zu senken, dann   spricht das nicht f&#252;r Arbeitsplatzvernichtung und Lohnverzicht, sondern   gegen das Profit- und Konkurrenzsystem. Wenn das Privateigentum an   Produktionsmitteln dazu f&#252;hrt, dass der Masse der Bev&#246;lkerung die   Existenzgrundlage entzogen wird, dann m&#252;ssen die Produktionsmittel in   Gemeineigentum &#252;berf&#252;hrt werden. Dann m&#252;ssen endlich diejenigen   bestimmen, die den gesamten gesellschaftlichen Reichtum tagt&#228;glich durch   ihre Arbeit produzieren.<\/p>\n<p>  <i>Ursel Beck ist gewerkschaftspolitische Sprecherin der SAV<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      DGB-Spitze will Proteste einstellen, statt Tarifk&#228;mpfe mit dem Kampf<br \/>\n      gegen Entlassungen zu verbinden\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[209],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12875"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12875"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12875\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12875"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12875"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12875"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}