{"id":12863,"date":"2008-10-22T17:10:12","date_gmt":"2008-10-22T15:10:12","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12863"},"modified":"2012-05-15T15:22:23","modified_gmt":"2012-05-15T13:22:23","slug":"12863","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12863\/","title":{"rendered":"Zum Einspruch gegen die Mitgliedschaft von SAV-Mitgliedern in der Partei       DIE LINKE"},"content":{"rendered":"<p>  Der stellvertretende Parteivorsitzende der LINKEn, Klaus Ernst, und   andere wollen verhindern, dass wir &#8211; Lucy Redler, Sascha Stanicic, Hakan   Doganay und Aron Amm &#8211; Mitglied der Partei DIE LINKE werden und haben   Einspruch gegen die Mitgliedschaft erhoben.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Die Argumente zur Begr&#252;ndung dieses Einspruchs konstruieren einen   Widerspruch der von uns vertretenen politischen Positionen zu Programm   und Satzung der LINKEn.<\/p>\n<p>  Insbesondere wird von Klaus Ernst argumentiert, dass die Fusion von WASG   und Linkspartei.PDS ein politischer Grundsatz der neuen Partei ist und   die ablehnende Haltung, die von uns zu einer bedingungslosen Fusion der   beiden Parteien eingenommen wurde, daher einen Widerspruch zur   Programmatik darstellt. Weiterhin wird die eigenst&#228;ndige Kandidatur der   WASG Berlin zu den Abgeordnetenhauswahlen 2006 als parteisch&#228;digend und   Obstruktion des Vereinigungsprozesses bewertet und au&#223;erdem als Bruch   demokratischer Entscheidungen der damaligen WASG, deren Bundesparteitag   sich gegen konkurrierende Wahlantritte von WASG und Linkspartei.PDS   ausgesprochen hatte.<\/p>\n<p>  Dies sind vorgeschobene und konstruierte Argumente, die von der   eigentlichen Motivation des Einspruchs ablenken sollen. Diese sehen wir   darin, profilierten GegnerInnen der Politik des rot-roten Senats in   Berlin und grunds&#228;tzlich von Regierungsbeteiligungen mit SPD und Gr&#252;nen   die Mitgliedschaft zu verwehren, um dadurch die wachsenden Reihen der   innerparteilichen KritikerInnen an dieser &#8222;Realpolitik&#8220; zu schw&#228;chen.<\/p>\n<p>  Im Gegensatz zur Programmatik der Partei stehen nicht wir, sondern die   F&#252;hrung des Landesverbandes Berlin, die f&#252;r die Exekutierung von   Sozialabbau, Privatisierungen, Tarifflucht etc. mit verantwortlich ist.   Die Politik des rot-roten Senats ist nicht vereinbar mit dem Anspruch   der LINKEn, die Interessen von abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten und Erwerbslosen   zu vertreten und gegen Sozialabbau, Arbeitsplatzvernichtung und   Privatisierung zu k&#228;mpfen. Nicht unsere Opposition gegen diese   arbeitnehmerfeindliche Politik des Berliner Senats ist parteisch&#228;digend,   sondern eben diese Politik &#8211; was sich auch in dem desastr&#246;sen Ergebnis   der Linkspartei.PDS bei den letzten Abgeordnetenhauswahlen zeigte. Die   Politik der Berliner LINKEn ist eine schwere Hypothek f&#252;r die   Bundespartei und untergr&#228;bt deren Glaubw&#252;rdigkeit.<\/p>\n<p>  Aus diesem Grund waren wir gegen eine bedingungslose Fusion von WASG und   Linkspartei.PDS und sind daf&#252;r eingetreten, dass erst ein Ende der   Beteiligug der L.PDS an Sozialabbau und Privatisierungen eine   Voraussetzung f&#252;r eine dauerhaft erfolgreiche neue linke Kraft legen   kann. Aus diesem Grund hatten wir uns entschlossen, der neuen Partei in   Berlin zum Zeitpunkt der Fusion nicht beizutreten, weil wir die Politik   der LINKEn in Berlin nicht unterst&#252;tzen k&#246;nnen, sondern gemeinsam mit   Gewerkschaften, Sch&#252;lervertretungen und sozialen Bewegungen gegen diese   Politik mobilisieren und k&#228;mpfen m&#252;ssen. Wir waren zu keinem Zeitpunkt   prinzipiell gegen eine Fusion. Wir haben 2005 Wahlkampf f&#252;r die   Linkspartei.PDS zu den Bundestagswahlen gemacht und haben immer erkl&#228;rt,   dass wir &#8211; w&#228;ren wir in Westdeutschland &#8211; der neuen Partei beigetreten   w&#228;ren, wie es SAV-Mitglieder in vielen westdeutschen St&#228;dten ja auch   gemacht haben.<\/p>\n<p>  Mittlerweile sind wir zu der &#220;berzeugung gekommen, dass trotz der   Politik der LINKEn in Berlin, eine Mitarbeit in der Partei sinnvoll ist,   um einen Beitrag dazu zu leisten, dass bundesweit eine starke,   k&#228;mpferische und sozialistische Partei aufgebaut wird. Wir sind aber   auch davon &#252;berzeugt, dass das nur m&#246;glich ist, wenn die Partei   bundesweit nicht dem Berliner Kurs folgt. Deshalb wollen wir mit unserem   Eintritt auch die Stimmen der Senats-KritikerInnen in der Berliner   LINKEn st&#228;rken. Damit vertreten wir eine Haltung, die von vielen tausend   Basismitgliedern geteilt wird.<\/p>\n<p>  Die Ablehnung der Fusion, in der Form wie sie stattfand, als Grund f&#252;r   eine Ablehnung der Mitgliedschaft in der neuen Partei zu nehmen,   betrifft nicht nur uns, sondern viele ehemalige WASG-Mitglieder in   Berlin und bundesweit, die mittlerweile aktive Mitglieder der LINKEn   sind. Wir erinnern auch daran, dass in den Wochen vor der Fusion von   Oskar Lafontaine und anderen Mitgliedern der Parteif&#252;hrung mehrmals   &#246;ffentlich erkl&#228;rt wurde, dass die Mitglieder der WASG Berlin inklusive   Lucy Redler in der neuen Partei willkommen sind.<\/p>\n<p>  Der eigenst&#228;ndige Wahlantritt war nicht parteisch&#228;digend, was damals   sogar von einem b&#252;rgerlichen Gericht fest gestellt wurde, das die   Absetzung des WASG-Landesvorstands durch den WASG-Bundesvorstand aufhob.   Er war die logische Konsequenz aus der arbeitnehmerfeindlichen Politik   der Linkspartei.PDS im Senat. Nachweislich geschadet hat die   Senatspolitik aber der Linkspartei.PDS, die f&#252;nfzig Prozent ihrer   Stimmen bei der Abgeordnetenhauswahl 2006 verlor. Unter den damals   bestehenden Bedingungen war die WASG-Kandidatur eine Notwendigkeit, um   der sozialen Opposition in Berlin &#252;berhaupt eine Stimme zu geben.   Entscheidend ist aus unserer Sicht aber, dass Klaus Ernst eine Schlacht   der Vergangenheit bem&#252;ht, um MarxistInnen aus der Partei heraus zu   halten. Wir erinnern daran, dass es gerade Klaus Ernst war, der schon in   der Anfangsphase der WASG Front gegen MarxistInnen in der Partei machte.<\/p>\n<p>  Bleibt als Argument, dass wir demokratische Entscheidungen gebrochen   h&#228;tten und zu erwarten sei, dass wir dies wieder tun werden.   Innerparteiliche Demokratie ist keine Einbahnstra&#223;e und auch keine   formale Angelegenheit. Sie ist ein lebendiger Prozess. Der   WASG-Bundesparteitag von Geseke hat sich gegen konkurrierende   Kandidaturen von WASG und Linkspartei.PDS ausgesprochen. Das war eine   demokratische Entscheidung. Der Landesparteitag der WASG Berlin hat sich   wiederholt mit gro&#223;er Mehrheit f&#252;r eine eigenst&#228;ndige Kandidatur der   WASG Berlin ausgesprochen. Das war ebenso eine demokratische   Entscheidung. Es ist formal demokratisch, aber inhaltlich undemokratisch   und dr&#252;ckt ein zentralistisches Parteikonzept aus, wenn man   argumentiert, dass der Bundesparteitag als h&#246;heres Organ einen   Landesparteitag in landespolitischen Fragen &#252;berstimmen kann. Dies war   auch weder in der WASG, noch in der Linkspartei.PDS Praxis, noch ist es   das in der LINKEn. Wieso gilt im Fall der Regierungsbeteiligung der   LINKEn in Berlin &#8222;das entscheidet die Landesebene&#8220;, beim Wahlantritt der   WASG Berlin aber nicht? Hier wird sich Demokratie gerade so zurecht   gelegt, wie es Klaus Ernst inhaltlich passt.<\/p>\n<p>  Abgesehen davon lehnen wir eine blinde Parteiloyalit&#228;t ab. Eine solche   Haltung hat der Arbeiterbewegung in ihrer Geschichte nur geschadet. Wir   sind loyal zu unserer Klasse, den Lohnabh&#228;ngigen und Erwerbslosen, und   werden auch in Zukunft gegen jeden Beschluss der LINKEn und jeder   anderen Partei &#246;ffentlich Stellung nehmen, der sich gegen die Interessen   der Masse der Bev&#246;lkerung richtet. Klaus Ernst ist selber   Gewerkschafter. Wir auch. In Berlin streiken ver.di, GEW und GdP gegen   das Tarifdiktat des Senats. Als Mitglieder von Gewerkschaft und LINKE   muss man in dieser Stadt offensichtlich einen Beschluss brechen &#8211; den   der Gewerkschaft oder den der LINKEn. Wir haben uns daf&#252;r entschieden   auf Seite der Kolleginnen und Kollegen zu stehen und sie in ihrem Kampf   zu untersttzen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE hat den Anspruch als pluralistische Partei die linken Kr&#228;fte   in Deutschland zu vereinen. Dies bedeutet zwangsl&#228;ufig offene und   &#246;ffentliche Debatte &#252;ber unterschiedliche Vorstellungen im Rahmen von   linker, antikapitalistischer, sozialistischer Politik. Diese Politik   bewegt sich im Rahmen der Interessenvertretung von ArbeitnehmerInnen,   Erwerbslosen, Sch&#252;lerInnen und Studierenden. Diesen Rahmen haben nicht   wir verlassen, sondern DIE LINKE im Berliner Senat.<\/p>\n<p>  Deshalb weisen wir die Vorw&#252;rfe von Klaus Ernst zur&#252;ck und erkl&#228;ren,   dass wir einen legitimen Platz in der Partei DIE LINKE haben, wie viele   andere MarxistInnen und SAV-Mitglieder ihn jetzt schon einnehmen.<\/p>\n<p>  <i>Berlin, den 22.10.2008,<\/i><\/p>\n<p>  <i>Lucy Redler <\/i><\/p>\n<p>  <i>Sascha Stanicic <\/i><\/p>\n<p>  <i>Hakan Doganay <\/i><\/p>\n<p>  <i>Aron Amm<\/i><\/p>\n<\/p>\n<p>  Wir bitten alle Mitglieder der LINKEn sich in diese Debatte   einzuschalten und sich f&#252;r unsere Aufnahme einzusetzen. Sendet   entsprechende Schreiben an:<\/p>\n<p>  &#8211; DIE LINKE Pankow: vorstand@die-linke-pankow.de<\/p>\n<p>  Telefon (030) 44 01 77 80&#160; &#8226; fax (030) 44 01 77 81<\/p>\n<p>  &#8211; DIE LINKE Neuk&#246;lln: vorstand@die-linke-neukoelln.de<\/p>\n<p>  Telefon: (030) 6 13 59 19&#160;&#160; &#8226; fax: (030) 6 13 59 19<\/p>\n<p>  &#8211; DIE LINKE LaVo Berlin: info@die-linke-berlin.de&#160;&#160;<\/p>\n<p>  &#8211; Klaus Ernst: klaus.ernst@die-linke.de<\/p>\n<\/p>\n<p>  <i>Kopien bitte an: sst@sav-online.de<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der stellvertretende Parteivorsitzende der LINKEn, Klaus Ernst, und<br \/>\n      andere wollen verhindern, dass wir &#8211; Lucy Redler, Sascha Stanicic, Hakan<br \/>\n      Doganay und Aron Amm &#8211; Mitglied der Partei DIE LINKE werden und haben<br \/>\n      Einspruch gegen die Mitgliedschaft erhoben.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25,27,104],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12863"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12863"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12863\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12863"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12863"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12863"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}