{"id":12858,"date":"2008-10-15T01:00:00","date_gmt":"2008-10-14T23:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12858"},"modified":"2012-05-15T15:23:11","modified_gmt":"2012-05-15T13:23:11","slug":"12858","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12858\/","title":{"rendered":"Hessen: LINKE beschlie&#223;t Unterst&#252;tzung von Rot-Gr&#252;n"},"content":{"rendered":"<p>  Parteitag von heftigen Debatten gepr&#228;gt<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Der Parteitag der LINKEN im hessischen Friedberg beschloss am 11.   Oktober mit gro&#223;er Mehrheit bei drei Gegenstimmen und elf Enthaltungen   eine Unterst&#252;tzungserkl&#228;rung f&#252;r eine rot-gr&#252;ne Minderheitsregierung   unter F&#252;hrung von Andrea Ypsilanti (<a href=\"\/media\/m\/20081015144807ErklaerungZurUnterstuetzung_Beschluss_Landesrat.pdf\">dokumentiert   hier<\/a>). Diese ist unter Ber&#252;cksichtigung inhaltlicher Positionen der   LINKEN auf die gesamte Legislaturperiode ausgelegt.<\/b><\/p>\n<p>  <b>Der Beschlussfassung war eine heftige Debatte vorangegangen, die den   Unmut &#252;ber das Unterst&#252;tzungspapier bei vielen Delegierten zum Ausdruck   brachte.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Lucy Redler, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  Leonie Blume, Delegierte aus Kassel und Mitglied der SAV, bezeichnete   die Erkl&#228;rung als &#8222;Unterordnung der LINKEN unter Rot-Gr&#252;n&#8220;. Die   eigenst&#228;ndigen Positionen der LINKEN w&#252;rden daf&#252;r zur&#252;ckgestellt. So   seien auf einmal zentrale Positionen wie die Einf&#252;hrung einer   Gemeinschaftsschule oder der Kampf gegen den Flughafenausbau   Kassel-Calden nicht mehr Gegenstand des Papiers. Um die Privatisierungen   der Unikliniken Gie&#223;en\/Marburg r&#252;ckg&#228;ngig zu machen, solle laut   Erkl&#228;rung &#8222;der rechtliche und finanzielle Rahmen gepr&#252;ft werden&#8220;. &#8222;Wir   werden die Rekommunalisierung aber nicht von rot-gr&#252;n geschenkt   bekommen, sondern nur im Kampf mit den Besch&#228;ftigten durchsetzen   k&#246;nnen,&#8220; so Blume. Ein Politikwechsel werde es nicht durch eine   Unterst&#252;tzung von einer rot-gr&#252;nen Regierung, sondern nur durch massiven   Druck von unten und Massenbewegungen geben &#8211; gegen die Interessen aller   etablierten Parteien inklusive SPD und Gr&#252;ne. Wie Leonie Blume &#228;u&#223;erten   sich viele auf dem Parteitag der LINKEN.<\/p>\n<p>  Ferdinand Hareter kritisierte, dass die Partei mit diesem Papier hinter   die Positionen des letzten Parteitages in Lollar zur&#252;ckfalle. Die   Delegierte Fl&#246;ter betonte, die Erkl&#228;rung sei &#8222;eine Anpassung an die   kapitalistischen Spielregeln&#8220;. Peter Grau&#223; schimpfte, in dem Papier   bef&#228;nden sich nur Punkte, die auch im Programm von SPD und Gr&#252;nen   st&#252;nden. Nur aus dem LINKE-Programm f&#228;nde man nichts in der Erkl&#228;rung.   Ein Gegner des Frankfurter Flughafens fragte, wie die Partei sich   verhalten sollte, wenn eine SPD-Regierung die Protestierenden mit   Polizeigewalt r&#228;umen lassen w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Kein Schritt in die falsche Richtung?<\/h4>\n<p>  Die Landesvorsitzende Ulrike Eifler hatte zu Beginn betont, dass die   Unterst&#252;tzungserkl&#228;rung eine einseitige Erkl&#228;rung der LINKEN sei und   damit abstecke, unter welchen Gesichtspunkten die LINKE bereit sei, die   Regierung zu unterst&#252;tzen. Ihr Ko-Vorsitzender Ullrich Wilken machte   dann sp&#228;ter deutlich, worum es bei dem Papier tats&#228;chlich ging: Andrea   Ypsilanti sei nicht bereit, sich zur Ministerpr&#228;sidentin w&#228;hlen zu   lassen, wenn DIE LINKE dieses Papier nicht beschlie&#223;e. W&#228;hrend Wilken,   Gregor Gysi und andere offensiv f&#252;r die Tolerierung warben, betonte   Janine Wissler, marx21-Unterst&#252;tzerin und Abgeordnete des hessischen   Landtags, dass das Papier nichts Falsches enthalte. Es w&#252;rde klare   Haltelinien aufzeigen und beinhalte keine falschen Schritte oder   Verschlechterungen. &#196;hnlich defensiv wie Wissler argumentierten Manfred   Coppik und andere.<\/p>\n<h4>  Die ganze Unterst&#252;tzung ist der falsche Schritt<\/h4>\n<p>  Die Argumentation von Wissler und Coppik blendet jedoch aus, dass das   gesamte Papier und die Unterst&#252;tzung von rot-gr&#252;n ein falscher Schritt   ist und die Zukunft der LINKEn gef&#228;hrdet.<\/p>\n<p>  Die Tolerierung er&#246;ffnet der SPD T&#252;r und Tor, die LINKE zu erpressen und   &#252;ber den Tisch zu ziehen. Bei jeder Abstimmung wird Ypsilanti versuchen,   DIE LINKE zur Zustimmung zu zwingen, mit der Drohung, sonst Roland Koch   wieder an die Macht zu bringen.<\/p>\n<p>  &#8222;Gerade angesichts der Finanzkrise wird eine SPD-gef&#252;hrte Regierung den   Sparkurs versch&#228;rfen und Angriffe auf die arbeitende Bev&#246;lkerung   durchsetzen, die in keinem Vergleich zu Hartz IV stehen,&#8220; so Eckhard   Geitz aus Kassel und Mitglied der SAV. &#8222;Die LINKE&#8220;, so Geitz weiter   &#8222;d&#252;rfe sich nicht zum Erf&#252;llungsgehilfen von Rot-Gr&#252;n machen und m&#252;sse   daf&#252;r k&#228;mpfen, den Kapitalismus auf den M&#252;llhaufen der Geschichte zu   bringen.&#8220;<\/p>\n<p>  Mitglieder der SAV argumentierten beim Parteitag daf&#252;r, Koch durch eine   Wahl von Ypsilanti abzuw&#228;hlen, dann jedoch im Einzelfall zu entscheiden,   ob eine Gesetzesinitiative oder Ma&#223;nahme von Rot-Gr&#252;n im Interesse der   arbeitenden und erwerbslosen Bev&#246;lkerung Hessens liegt oder nicht und   dementsprechend abzustimmen. SAV-Mitglieder warben deshalb f&#252;r eine   Ablehnung der Unterst&#252;tzungserkl&#228;rung. (<a href=\"\/?p=12851\">Die   Stellungnahme der SAV findet sich auf sozialismus.info<\/a>).<\/p>\n<p>  Dar&#252;ber hinaus brachten SAV-Mitglieder einen Antrag f&#252;r eine   Demonstration vor dem Landtag gemeinsam mit sozialen Bewegungen und   Gewerkschaften an dem Tag ein, an dem Ypsilanti zur Ministerpr&#228;sidentin   gew&#228;hlt werden soll. Damit solle der Druck f&#252;r die Forderungen der   LINKEN erh&#246;ht werden. Dieser Antrag wurde genauso abgelehnt wie der   Antrag von SAVlern, eine Kommission einzusetzen, die gemeinsam mit   au&#223;erparlamentarischen B&#252;ndnispartnern einen bedarfsorientierten   Haushalt aufstellt, der sich nicht an kapitalistischen Sachzw&#228;ngen,   sondern an den Bed&#252;rfnissen der Bev&#246;lkerung orientiert.<\/p>\n<h4>  Gysi: Tolerieren darf man nur einmal<\/h4>\n<p>  Welche Interessen die Parteipsitze der LINKEN mit der Tolerierung in   Hessen verfolgt, wurde in der Rede von Gysi deutlich. Er warb immer   wieder f&#252;r das Beispiel Berlin, wo DIE LINKE im rot-roten Senat sitzt   und massiven Sozialabbau mittr&#228;gt.<\/p>\n<p>  Und folgerte: &#8222;Tolerieren darf man nur einmal. Das n&#228;chste Mal muss es   Opposition oder Regierung sein.&#8220; Wenn es nach Gysi ginge, sollte es dann   wohl die Beteiligung an der Regierung sein.<\/p>\n<h4>  Trotz Kritik: Parteitag stimmt zu<\/h4>\n<p>  Trotz des Unmuts vieler Delegierten wurde die Tolerierung am Ende mit   nur drei Gegenstimmen und elf Enthaltungen beschlossen. Warum? Der   Landesvorsitzende Wilken hatte in seinem Redebeitrag allen, die gegen   das Papier stimmen w&#252;rden, unterstellt, sie w&#252;rden damit f&#252;r Koch   stimmen. Zudem d&#252;rfe an diesem Papier nichts mehr ge&#228;ndert werden, weil   Rot-Gr&#252;n diese Erkl&#228;rung bereits unterst&#252;tzt h&#228;tten und der Landesrat   der LINKEn es bereits beschlossen habe. Dieser Druck zeigte seine   Wirkung: Die Sorge, &#196;nderungen oder gar eine Ablehnung des Papiers   w&#252;rden dazu f&#252;hren, dass eine rot- gr&#252;ne Minderheitsregierung an der   LINKEN scheitern w&#252;rde, veranlasste viele Delegierte, dem Papier trotz   Kritik zuzustimmen.<\/p>\n<p>  Trotz dieser Abstimmung hat der Parteitag den Druck auf Fraktion und   Landesvorstand erh&#246;ht. Viele Delegierte werden genau hinschauen, welchen   Ma&#223;nahmen DIE LINKE zustimmt und welchen nicht und was im Haushalt   stehen wird. Angesichts der Finanzkrise und den zu erwartenden K&#252;rzungen   einer rot-gr&#252;nen Regierung kann die Nagelprobe f&#252;r DIE LINKE viel   schneller kommen, als es ihr lieb ist.<\/p>\n<h4>  F&#252;r die Verstaatlichung aller Banken<\/h4>\n<p>  Das Thema Finanzkrise zog sich wie ein roter Faden durch den Parteitag.   Nicht wenige Delegierte bem&#252;hten Karl Marx und erkl&#228;rten, dass diese   Krise systemimmanent sei. Zur Diskussion standen zwei Antr&#228;ge, die die   Krise zum Gegenstand hatten. Zum einen ein Antrag von Werner Dreibus,   der sich im Einklang mit der Bundesf&#252;hrung der LINKEn f&#252;r eine st&#228;rkere   Regulierung der Finanzm&#228;rkte einsetzte. Zum anderen ein Antrag des   Kreisvorstands Frankfurt, der sich f&#252;r die Verstaatlichung aller Banken   aussprach. In der kurzen Debatte zum Thema kritisierte ein Delegierter,   dass die Vorschl&#228;ge der Bundestagsfraktion DIE LINKE nicht ausreichend   seien, weil sie nicht dar&#252;ber hinaus gehen w&#252;rden, was die   Bundesregierung fordert.<\/p>\n<p>  Zum Schluss wurden beide Antr&#228;ge beschlossen. Es ist ein Erfolg, dass   der erste Landesverband der LINKEn offensiv die Verstaatlichung aller   Banken fordert. Auf Antrag eines Mitglieds der SAV wurde der folgende   Zusatz zum Antrag beschlossen: &#8222;Mit einer demokratischen Kontrolle der   Banken kann erreicht werden, dass die gewaltigen Ressourcen der Banken   dazu genutzt werden, die Wirtschaft im Interese der Mehrheit der   Bev&#246;lkerung zu lenken.&#8220;<\/p>\n<p>  Der Landesparteitag in NRW am 18.\/19. Oktober wird sich ebenfalls mit   Antr&#228;gen zur Bankenkrise befassen. Es ist n&#246;tig, Druck von unten in Der   LINKEn aufzubauen, dass sie statt der Zustimmung zu milliardenschweren   Rettungspakaten im Interesse der Finanzhaie f&#252;r die &#220;berf&#252;hrung des   gesamten Bankensektors in &#246;ffentliches Eigetum bei demokratischer   Kontrolle und Verwaltung eintritt. Diese Krise macht deutlich, dass der   Kapitalismus nicht funktioniert. DIE LINKE sollte jetzt offensiv f&#252;r   sozialistische Positionen als Alternative zum kapitalistischen Chaos   Unterst&#252;tzung mobilisieren.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Parteitag von heftigen Debatten gepr&#228;gt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12858"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12858"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12858\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12858"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12858"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12858"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}