{"id":12854,"date":"2008-10-08T00:00:00","date_gmt":"2008-10-07T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12854"},"modified":"2012-06-13T17:02:15","modified_gmt":"2012-06-13T15:02:15","slug":"12854","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12854\/","title":{"rendered":"Gr&#246;&#223;te Demo im Gesundheitswesen am 25.9. in Berlin"},"content":{"rendered":"<p>  Der Deckel muss weg &#8211; mehr Personal muss her<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  80.000, 100.000 und am Ende 130.000 wurde als Teilnehmerzahl von der   Hauptb&#252;hne der Krankenhausdemo am Brandenburger Tor am 25.9.08   bekanntgegeben. Krankenschwestern, TherapeutInnen, ArbeiterInnen,   Reinigungskr&#228;fte, Verwaltungsangestellte, &#196;rztInnen und einige   Krankenhausgesch&#228;ftsf&#252;hrer waren an diesem Tag nach Berlin gekommen um   Gesundheitsministerin Ulla Schmidt, der Bundesregierung, den   Abgeordneten und den Landesregierungen in Sachen Krankenhausfinanzierung   einzuheizen. Es war die gr&#246;&#223;te Demonstration in der Geschichte des   Gesundheitswesens. F&#252;r viele war es die erste Demo in ihrem Leben. Bis   zu 30 Stunden nahmen die Kolleginnen und Kollegen in Kauf, um f&#252;r einige   Stunden in Berlin zu demonstrieren. Maximal ein bis eineinhalb   Arbeitstage bekamen sie daf&#252;r von ihren Tr&#228;gern bezahlt. W&#228;hrend einige   Krankenhausmanager es vorzogen bequem im Flugzeug anzureisen, mussten   sich KollegInnenen zwei N&#228;chte um die Ohren schlagen und viel Freizeit   opfern.<\/p>\n<h4>  Alle gemeinsam<\/h4>\n<p>  Die Stra&#223;e des 17. Juni versank f&#252;r mehrere Stunden in einem   Menschenmeer und in tausenden von Fahnen, Transparenten und Schildern.   Immer wieder ert&#246;nte der Sprechchor: &#8222;Der Deckel muss weg&#8220;. Es war ein   enormer Fortschritt, dass Krankenschwestern und &#196;rzte, Besch&#228;ftigte aus   &#246;ffentlichen, kirchlichen und privaten Krankenh&#228;usern gemeinsam auf die   Stra&#223;e gingen. Die Demo hat gezeigt, dass es m&#246;glich ist, gemeinsam zu   k&#228;mpfen. &#220;berall leiden die Besch&#228;ftigten unter chronischem   Personalmangel und Unterbezahlung. Der n&#228;chste Schritt sollte sein, dass   ver.di die Initiative ergreift f&#252;r eine tarifliche Personalbemessung in   allen Krankenh&#228;usern und Pflegeheimen und daf&#252;r einen gemeinsamen Kampf   mit Marburger Bund, dbb Beamtenbund und Pflege-Berufsverband anstrebt.<\/p>\n<h4>  Papiertiger Aktionsb&#252;ndnis<\/h4>\n<p>  Dass ver.di darauf setzt im B&#252;ndnis mit den Arbeitgebern eine   ausreichende Finanzierung der Krankenh&#228;user durchzusetzen, ist ein   Armutszeugnis f&#252;r eine der gr&#246;&#223;ten Gewerkschaften der Welt. Diese   Strategie wird unweigerlich in einer Niederlage enden. Der Gesetzentwurf   von Ulla Schmidt erh&#246;ht den Druck auf die Krankenh&#228;user weiter. Anstatt   dies bewusst zu machen und die n&#228;chsten Kampfschritte anzuk&#252;ndigen,   reden ver.di-Funktion&#228;re das Aktionsb&#252;ndnis mit den Arbeitgebern sch&#246;n.   Frank Bsirske sprach bei der Demo in Berlin von einem &#8222;tollen B&#252;ndnis&#8220;.   Doch die Besch&#228;ftigten auf den Stationen erleben tagt&#228;glich dass die   &#8222;tollen B&#252;ndnispartner&#8220; bereits die Messer f&#252;r die n&#228;chste K&#252;rzungsrunde   wetzen.<\/p>\n<h4>  Ver.di-F&#252;hrung l&#228;sst sich vorf&#252;hren<\/h4>\n<p>  Die Gewerkschaftsmitglieder, die sich trotz des B&#252;ndnisses auf den Weg   nach Berlin machten, hatten zumindest erwartet, dass die   GewerkschaftsrednerInnen am konsequentesten die Wut auf die Politiker in   Berlin zum Ausdruck br&#228;chten. Doch weit gefehlt. Es war gerade zu   peinlich, dass die Redner aus dem Arbeitgeberlager radikaler und   emp&#246;rter auftraten als der ver.di-Vorsitzende Bsirske. So entlarvte der   Pr&#228;sident des Deutschen St&#228;dtetages und M&#252;nchner SPD-Oberb&#252;rgermeister   Christian Ude den Gesetzentwurf zur Krankenhausfinanzierung als   &#8222;Taschenspielertrick&#8220; und forderte &#8222;reale Hilfen, nicht Luftbuchungen&#8220;.   Ude sprach in seiner Rede davon, dass er jeden Tag Baukl&#246;tze staune, wie   viel Geld die kranken Banken erhalten und dass den Krankenh&#228;usern schon   mit einem Bruchteil zufrieden seien. In Bsirskes Redemanuskript war der   Vergleich mit den Banken gar nicht vorgesehen. Erst als er registrierte,   dass er vom Arbeitgeberlager links &#252;berholt wurde wich er zumindest in   diesem Punkt von seinem Redemanuskript ab. Bez&#252;glich der   Einnahmenerh&#246;hung der Krankenkassen sprach Bsirske von der   &#8222;unumg&#228;nglichen Anhebung der Krankenkassenbeitragss&#228;tze&#8220;. D.h. die   abh&#228;ngig Besch&#228;ftigten sollen f&#252;r die Defizite der Krankenh&#228;user   bezahlen. Kein Wort von der R&#252;ckkehr zur vollen Parit&#228;t f&#252;r die   Arbeitgeber oder h&#246;heren staatlichen Zusch&#252;ssen f&#252;r die Krankenkassen.   Kein Wort gegen den Gesundheitsfond. Als einzige Alternative zur   Erh&#246;hung der Krankenkassenbeitr&#228;ge nannte Bsirske die Anhebung der &#8222;viel   zu niedrig angesetzten Krankenkassenbeitr&#228;ge f&#252;r die Bezieher von   Arbeitslosengeld II&#8220;.<\/p>\n<h4>  Den Deckel sprengen<\/h4>\n<p>  Es w&#228;re bitter n&#246;tig gewesen, dass Bsirske erkl&#228;rt, dass die   Besch&#228;ftigten in den Krankenh&#228;usern nicht l&#228;nger bereit sind die   Defizite der Krankenh&#228;user zu finanzieren. Stattdessen konnte sich   M&#252;nchens Oberb&#252;rgermeister Ude unwidersprochen mit der Aussage   profilieren, dass die St&#228;dte es unertr&#228;glich f&#228;nden, wenn die   Krankenh&#228;user durch Finanznot zu Notlagentarifvertr&#228;gen und Tarifflucht   gezwungen w&#252;rden. Diese Aussage bedeutet auch, dass es weiter geht mit   Angriffen auf das Personal, wenn das n&#246;tige Geld nicht kommt. Und wenn   nach der machtvollen Demo in Berlin keine Steigerung der Kampfmittel   erfolgt, kommt Ulla Schmidt mit ihren Pl&#228;nen durch. Ihr Gesetzentwurf   bedeutet, dass der Budgetdeckel bleibt und allenfalls vor&#252;bergehend ein   bisschen angehoben wird. Von den medienwirksam verbreiteten 3 Milliarden   Budgeterh&#246;hung bleibt nicht mal die H&#228;lfte als zus&#228;tzliches Geld &#252;brig.   Bei einem Betriebskostendefizit von fast 7 Milliarden Euro bleiben   demnach mindestens ein 5 Milliarden-Loch, geschweige denn gibt es eine   einzige dauerhaft refinanzierten zus&#228;tzliche Stelle. Oberb&#252;rgermeister   Ude wies darauf hin, dass die gleichen Politiker, die jetzt die volle   Refinanzierung der Tariferh&#246;hung verweigern, diesen Tarifvertrag mit   unterschrieben h&#228;tten.<\/p>\n<h4>  Wie geht es weiter?<\/h4>\n<p>  Nicht Frank Bsirske, aber einige andere Redner erkl&#228;rten, dass der Kampf   weiter gehen werde. Wie, lie&#223;en sie offen. Lediglich der Vertreter des   Marburger Bundes, Rudolf Henke, gab eine vage Vorstellung indem er seine   Rede wie folgt beendete:<\/p>\n<p>  &#8222;Unser K&#228;mpfen h&#246;rt nicht auf. Wir machen es wie Rudolf Virchow. Wenn es   n&#246;tig ist, verlassen wir unseren Arbeitsplatz und k&#228;mpfen an anderer   Stelle f&#252;r unsere PatientInnen und Patienten. Damit h&#246;ren wir nicht   auf.&#8220; Der ver.di-Kampagnenrat &#8222;Der Deckel muss weg&#8220; schl&#228;gt f&#252;r die   Woche vom 13. bis 17. Oktober in allen Bezirken Treffen der Aktiven vor   in denen Bilanz gezogen werden soll von der bisherigen Kampagne und   diskutiert werden soll, wie es weiter geht. Wir sind der Meinung, dass   die Kampagne die Bundesregierung bisher zwar unter Druck gesetzt hat,   aber nicht das erreicht wurde, was n&#246;tig ist und dass der Druck durch   einen Arbeitskampf f&#252;r eine Personalbemessung erh&#246;ht werden muss. Anders   werden wir nicht die Stellen bekommen, die wir brauchen. Es darf nicht   sein, dass die 150.000 niedergelassenen &#196;rzte mit einer Streikdrohung   eine 20% Honorarerh&#246;hung durchgesetzt haben und die   Krankenhausbesch&#228;ftigten am Ende wieder leer ausgehen. Es darf nicht   sein dass der Staat mit mehreren zehn Milliarden Euro Banken vor der   Pleite rettet und Krankenh&#228;user durch weitere Unterfinanzierung in die   Pleite treibt. Die teilweise Zustimmung und weiche Kritik von ver.di zum   Gesetzentwurf zur Krankenhausfinanzierung ist v&#246;llig inakzeptabel. Wir   m&#252;ssen die Abschaffung von Fallpauschalen und die Wiedereinf&#252;hrung der   Selbstkostendeckungs fordern, anstatt die Ausweitung der DRGsauf die   Psychatrie und die Einf&#252;hrung von Bundesbasisfallwerten zu akzeptieren   bzw. nur zu hinterfragen. .<\/p>\n<h4>  Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di f&#252;r   Personalbemessung<\/h4>\n<p>  Das Netzwerk f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di brachte ein   Extrablatt der Krankenhauszeitung &#8222;Antiserum&#8220; und ein neue Ausgabe der   Zeitung zur Demo heraus. Darin wird die Fortsetzung des Kampfes f&#252;r mehr   Stellen unabh&#228;ngig von den Arbeitgebern und durch einen Tarifvertrag   Personalbemessung gefordert. Das Interesse f&#252;r unser Material war gro&#223;.   Um die 4.500 Flugbl&#228;tter und ca. 700 Zeitungen waren schnell verteilt.   Fast 40 Krankenhausbesch&#228;ftigte gaben an, in den Krankenhausverteiler   des Netzwerks aufgenommen zu werden. 165 Euro Spenden wurden eingenommen.<\/p>\n<p>  F&#252;r Samstag, den 1.11.08 l&#228;dt das <a href=\"http:\/\/www.netzwerk-verdi.de\">Netzwerk   f&#252;r eine k&#228;mpferische und demokratische ver.di<\/a> zu einem   Krankenhaustreffen nach Kassel ein. Hier sollen die Ideen und Vorschl&#228;ge   des Netzwerks weiter diskutiert und gemeinsam &#252;berlegt werden wie wir   den Krankenh&#228;usern und ver.di-Gliederungen den Kampf daf&#252;r f&#252;hren. Das   Krankenhaustreffen ist offen f&#252;r alle Interessierten.<\/p>\n<p>  Die bei der Demo am 25.9. begonnene Unterschriftensammlung soll bis   20.11. fortgef&#252;hrt und die gesammelten Unterschriften bei der   ver.di-Fachtagung &#8222;Pflege ist mehr wert&#8220; am 27. und 28.11. in Magdeburg   &#252;bergeben werden.<\/p>\n<h5>  Reden vom 25.9.08 im Internet:<\/h5>\n<p>  <a href=\"http:\/\/gesundheit-soziales.verdi.de\/++skin++print\/branchenpolitik\/deckel_weg\/rede_von_frank_bsirske\"><i>http:\/\/gesundheit-soziales.verdi.de\/++skin++print\/branchenpolitik\/deckel_weg\/rede_von_frank_bsirske<\/i><\/a><i> <\/i>    <\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.marburger-und.de\/marburgerbund\/bundesverband\/unsere_themen\/gesundheitspolitik\/texte2008\/rdk_statement_henke_080925.php\"><i>http:\/\/www.marburger-und.de\/marburgerbund\/bundesverband\/unsere_themen\/gesundheitspolitik\/texte2008\/rdk_statement_henke_080925.php<\/i><\/a><i> <\/i>    <\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.dbb.de\/dbb-beamtenbund-2006\/3158_3990.php\"><i>http:\/\/www.dbb.de\/dbb-beamtenbund-2006\/3158_3990.php<\/i><\/a><i> <\/i>    <\/p>\n<p>  <a href=\"http:\/\/www.staedtetag.de\/imperia\/md\/content\/pressedien\/2008\/13.pdf\"><i>http:\/\/www.staedtetag.de\/imperia\/md\/content\/pressedien\/2008\/13.pdf<\/i><\/a><i> <\/i>    <\/p>\n<p>  <i>Stellungnahme von ver.di zum Gesetzentwurf Krankenhausfinanzierung: <a href=\"http:\/\/www.verdi.de\/gesundheitspolitik\/gesundheit_von_a-z\/krankenhaeuser\/ver.di_stellungnahme_zur_krankenhausfinanzierung\">http:\/\/www.verdi.de\/gesundheitspolitik\/gesundheit_von_a-z\/krankenhaeuser\/ver.di_stellungnahme_zur_krankenhausfinanzierung<\/a><\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Deckel muss weg &#8211; mehr Personal muss her\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[14],"tags":[270],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12854"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12854"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12854\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12854"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12854"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12854"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}