{"id":12853,"date":"2008-10-07T01:00:00","date_gmt":"2008-10-07T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12853"},"modified":"2008-10-07T01:00:00","modified_gmt":"2008-10-07T01:00:00","slug":"12853","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12853\/","title":{"rendered":"Weltwirtschaft: Die gro&#223;e Implosion"},"content":{"rendered":"<p>  Kapitalistische Finanzkrise n&#228;hert sich dem Schmelzpunkt<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Leitartikel der Socialism Today (Oktoberausgabe), Monatsmagazin der   Socialist Party (Schwesterorganisation der SAV und Sektion des CWI in   England und Wales), 26. September 2008<\/p>\n<p>  In den vergangenen Jahren wurde uns h&#228;ufig vorgehalten, eine   &#8222;Katastrophentheorie&#8220; zu vertreten. Und zwar deshalb, weil wir   prognostiziert haben, dass die kreditfinanzierte, aufgebl&#228;hte   Wirtschaft, die vom hoch profitablen und stark risikobehafteten   Finanzkapitalismus dominiert wird, zu einem bestimmten Zeitpunkt   zusammenbrechen und in der Folge in einen ernsthaften Niedergang der   Weltwirtschaft m&#252;nden w&#252;rde. Wie eine R&#252;ckschau auf unsere Artikel zeigt   (vgl. Kasten), haben wir nicht st&#228;ndig behauptet, dass unmittelbar eine   &#8222;Katastrophe&#8220; bevorstehe, sondern in jeder Phase der Entwicklungen eine   behutsame und differenzierte Analyse vorgelegt. Und unsere Analysen   finden heute reichlich Best&#228;tigung.<\/p>\n<p>  Leider beugten sich einige Vertreter auf der Linken der Annahme, dass   der Boom des Weltkapitalismus, der auf einer beschleunigten   Globalisierung und einer Politik des ultrafreien Marktes basierte, sich   ohne weiteres fortsetzen k&#246;nne. Die Ereignisse der letzten Wochen nach   dem Zusammenbruch der US-Immobilienblase und den schwerwiegenden   Auswirkungen der Subprime-Hypothekenkrise haben dieses Bild v&#246;llig   ver&#228;ndert. Nun sind es die Titelseiten der seri&#246;sen kapitalistischen   Presse, die eine &#8222;Katastrophentheorie&#8220; verk&#252;nden. &#8222;Die Kr&#228;mpfe des   Kapitalismus&#8220; lautete die Schlagzeile in der Financial Times vom 20.   September.<\/p>\n<p>  George Bushs Rettungsversuch des Finanzsystems im Umfang von vielen   Milliarden US-Dollar, schrieb John Plender, hat &#8222;den Preis, dem   US-Modell eines Kapitalismus des freien Marktes schweren Schaden   zuzuf&#252;gen&#8220;. (Financial Times, 20. September) Nach den vom Staat   finanzierten Notk&#228;ufen und &#220;bernahmen von Bear Stearns, Fannie Mae und   Freddie Mac, American Insurance Group etc. ist es &#252;blich geworden, von   der &#8222;Sozialisierung&#8220; oder &#8222;Verstaatlichung&#8220; von Finanzinstituten zu   reden. In Wahrheit werden die kolossalen Schulden des waghalsigen und   r&#228;uberischen Finanzkapitalismus auf den Schultern der Arbeiterklasse   abgeladen.<\/p>\n<p>  Als US-Finanzminister Hank Paulson sein   700-Milliarden-Dollar-Rettungspaket ank&#252;ndigte, schrieb der Kommentator   Paul Krugman (ein liberaler Demokrat) folgendes: &#8222;Genosse Paulson   &#252;bernimmt die Kommandoh&#246;hen&#8220;. Der Finanzmakler Bill Perkins, ein   Anh&#228;nger der freien Marktwirtschaft, platzierte eine Anzeige in der New   York Times. Sie stellt Bush, Paulson und den Chef der US-Notenbank, Ben   Bernanke, als die &#8222;neuen Kommunisten&#8220; dar, die auf dem Grab des &#8222;freien   Unternehmertums&#8220; und des &#8222;Kapitalismus&#8220; die amerikanische Fahne   schwingen. Perkins meint, dass Banken, die versagt haben,   zusammenbrechen und nicht auf Kosten der Steuerzahler notgekauft werden   sollten. &#8222;Ich denke, dass das die Sparversion des Sozialismus oder   Kommunismus ist&#8220;, sagte er. &#8222;Man hat hier eine Regierung, die mehr   Institutionen verstaatlicht als jene in Venezuela&#8220;. (Guardian, 25.   September)<\/p>\n<p>  Einige Tage lang waren Bush, Paulson und Bernanke mit der M&#246;glichkeit   eines neuen Crashs des Finanzsystems wie 1929 konfrontiert. H&#228;tten sie   so etwas &#8211; wie Notenbank und Regierung 1929 &#8211; zugelassen, h&#228;tte dies das   &#220;berleben des kapitalistischen Systems bedroht. Von kapitalistischem   Standpunkt betrachtet hatten sie keine Wahl als einzugreifen, um das   Finanzsystem zu stabilisieren zu versuchen. Ob Paulsons Hilfspaket   erfolgreich sein wird, bleibt abzuwarten. Es gibt eine Verkettung von   Krisen, die noch nicht an ihrem Ende angelangt ist.<\/p>\n<p>  Nichtsdestotrotz sind die H&#228;ufung staatlicher Rettungsaktionen und de   facto Verstaatlichungen sowie der nun aufgelegte Rettungsplan in H&#246;he   von 700 Mrd. US-Dollar ein niederschmetternder Schlag f&#252;r das Ansehen   des US-Kapitalismus und die Ideologie des freien Marktes.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich bedeutet eine Verstaatlichung durch das Bush-Regime keinen   wirklichen &#8222;Sozialismus&#8220;. Ihr Ziel ist es, die staatlichen Ressourcen &#8211;   einschlie&#223;lich einer drastischen Zunahme &#246;ffentlicher Schulden &#8211;   einzusetzen, um den Kapitalismus zu stabilisieren und den Boden f&#252;r eine   Erholung zu einem sp&#228;teren Zeitpunkt vorzubereiten. Die Rechnung f&#252;r die   Rettungspakete wird der Arbeiterklasse &#252;berreicht, die den gr&#246;&#223;ten   Anteil an Steuern f&#252;r die US-Regierung tr&#228;gt. Ferner wurden Millionen   von Arbeiterklasse-Familien von betr&#252;gerischen Finanzunternehmen in die   Subprime-Hypothekenfalle gelockt und viele verlieren somit ihr Zuhause.   Millionen werden von Arbeitslosigkeit und Armutsl&#246;hnen betroffen sein,   wenn die Finanzkrise die US-Wirtschaft tiefer in die Rezession treibt.<\/p>\n<p>  Wirklicher Sozialismus w&#252;rde die &#220;bernahme des Finanzsektors und der   Kommandoh&#246;hen der Wirtschaft durch eine Regierung der Arbeiterklasse   bedeuten, um unter demokratischer Kontrolle derer gef&#252;hrt zu werden, die   den Wohlstand produzieren. Eine demokratische Planung w&#252;rde die Anarchie   des Marktes ersetzen. Die Produktion w&#252;rde die Bed&#252;rfnisse der   Gesellschaft und nicht die Profitinteressen einiger weniger befriedigen.   Trotzdem demonstrieren &#8211; wie Karl Marx und Friedrich Engels es dargelegt   haben &#8211; selbst die vom kapitalistischen Staat f&#252;r seine eigenen Zwecke   durchgef&#252;hrten Verstaatlichungsma&#223;nahmen die &#220;berholtheit des privaten   Eigentums und die M&#246;glichkeit eines alternativen, fortgeschritteneren   Wirtschaftssystems.<\/p>\n<h4>  Dominanz des Finanzkapitals<\/h4>\n<p>  Viele f&#252;hren nun die momentane Krise auf die &#8222;Gier&#8220; und die &#8222;Furcht&#8220; der   Banker, Hedgefonds-Manager, Finanzmarkt-H&#228;ndler usw. zur&#252;ck. Diese Leute   haben zweifelsohne eine r&#228;uberische und parasit&#228;re Rolle gespielt. Deren   spekulative Aktivit&#228;ten haben Wohlstand und Profite in den H&#228;nden einer   winzigen, superreichen Minderheit konzentriert. Im vergangenen Jahr   beispielsweise erhielt der durchschnittliche Vorstandvorsitzende im   Finanzsektor ein 275-fach h&#246;heres Einkommen als einE ArbeiterIn. Ihre   egoistischen Motive sind jedoch ein Symptom des Systems &#8211; nicht der   Grund f&#252;r die Entwicklungen.<\/p>\n<p>  In den letzten 30 Jahren ist die Kapitalistenklasse in den USA,   Gro&#223;britannien und andernorts davon abgegangen, in produktive   T&#228;tigkeiten, in die Herstellung von von der Mehrheit der Menschen   ben&#246;tigten Waren und Dienstleistungen zu investieren. Sie suchten h&#246;here   Profitniveaus im Finanzsektor an &#8211; sowohl in den entwickelten   kapitalistischen L&#228;ndern als auch in China und in weiteren sich   entwickelnden &#214;konomien. Die Niederlagen der Arbeiterklasse in den   1980er Jahren, denen der Zusammenbruch des Stalinismus in der   Sowjetunion und Osteuropa folgte, erlaubte es der Kapitalistenklasse,   die Ausbeutung der Arbeiterklasse &#8211; vor allem in den neo-kolonialen   L&#228;ndern der unterentwickelten Welt &#8211; zu intensivieren. Das   kapitalistische System wurde insgesamt zunehmend parasit&#228;r.<\/p>\n<p>  Das war die Basis, auf der der parasit&#228;re Finanzkapitalismus   vorherrschend werden konnte. Es wurde ihm mittels der Globalisierung und   der Politik des ultrafreien Marktes (des Neoliberalismus) freie Bahn   gelassen. Doch das Anwachsen der grotesken Ungleichheit mit der   weltweiten Verringerung des Anteils der Arbeiterklasse am Wohlstand   setzte dem Marktkapitalismus zunehmend Grenzen. Die Kapitalistenklasse &#8211;   und vor allem jene, die auf Grundlage des angloamerikanischen Modells   operierten &#8211; konnte relativ hohe Wachstumsraten auf der Grundlage eines   immer weiter wachsenden Schuldenberges aufrechterhalten. 1980 war die   weltweite Schuldensumme sch&#228;tzungsweise gleich dem weltweiten   Bruttoinlandsprodukt. Seither bl&#228;hte sich die globale Schuldenlast   jedoch auf das 3,5fache der weltweiten Produktion auf. Gleichzeitig   strich der Finanzkapitalismus &#8211; der Kanal, &#252;ber den diese Schulden mit   Gewinn gehandelt werden &#8211; ca. ein Drittel der kapitalistischen Profite   ein.<\/p>\n<p>  Dieser Trend war &#8211; wie wir oft dargelegt haben &#8211; nicht aufrecht zu   halten. Es war nur eine Frage der Zeit, wann das ganze Geb&#228;ude   einst&#252;rzen w&#252;rde. Und genau dies geschieht jetzt. Das im Dunkeln   operierende Bankensystem, das Netzwerk nicht regulierter   Investmentbanken und Hedgefonds sowie die bankeneigenen bilanzexternen   Finanzierungsfonds sind implodiert. Das Schatten-Netzwerk wurde   entwickelt, um die der Regulierung unterliegenden Gesch&#228;ftsbanken zu   umgehen. Doch die Gro&#223;banken, die immer noch den Kern des Finanzsystems   ausmachen, sind von der Liquidit&#228;tskrise und der Krise der   Kapitalverf&#252;gbarkeit nicht verschont geblieben. Derivate &#8211; ein weites   Feld exotischer Finanzinstrumente -, die angeblich die Risiken streuen,   wenn nicht gar abschafften sollten, sind in Wirklichkeit zu   &#8222;finanziellen Massenvernichtungswaffen&#8220; geworden, wie Warren Buffett,   der Finanzmakler alter Schule, warnte.<\/p>\n<p>  Es wird in den USA wie auch international zu tief greifenden Reaktionen   auf die kapitalistische Krise und die staatlichen Rettungsaktionen   abgeschriebenen Finanzkapitals kommen. Abgesehen von den &#246;konomischen   Widerspr&#252;chen wird die Krise zweifellos einen gigantischen Skandal an   Korruptionspraktiken, Betr&#252;gereien und Diebstahl in weitaus gr&#246;&#223;erem   Ausma&#223; als beim Enron-Skandal erzeugen. Die ArbeiterInnen werden   gezwungen sein, sich zu organisieren und gegen die Auswirkungen der   kapitalistischen Krise zu k&#228;mpfen. Diese Ereignisse werden den   fruchtbaren Boden bereiten f&#252;r das Anwachsen des Interesses an   wirklichem Sozialismus und am Marxismus.<\/p>\n<h4>  Countdown der Kernschmelze<\/h4>\n<p>  Die Geschehnisse im September markierten eine neue, kritische Stufe der   Krise im globalen Finanzsystem. Die Welt wurde an den Rand eines   Kollapses wie dem von 1929.<\/p>\n<p>  Am 7. September war das US-Finanzministerium gezwungen, einzugreifen und   das laufende Gesch&#228;ft von Fannie Mae und Freddie Mac, den beiden   gigantischen, staatlich gesponserten Hypothekenanbietern, zu &#252;bernehmen.   Dies geschah nach der Intervention der Regierung vom Juli, als diese   deren 5 Billionen US-Dollar an Hypothekenschulden als Gegenleistung f&#252;r   Anteile an den beiden Institutionen garantierte &#8211; eigentlich eine   Teilverstaatlichung. Doch selbst dies schlug fehl, um die Giganten zu   stabilisieren. Paulsons &#8222;Panzerfaust&#8220; erwies sich anscheinend als nicht   genug, um ausl&#228;ndische Investoren &#8211; vor allem asiatische Zentralbanken,   die Fannie- und Freddie-Obligationen abstie&#223;en &#8211; zu beschwichtigen. Es   blieb nur noch die komplette &#220;bernahme durch die Regierung &#8211; eine   tats&#228;chliche Verstaatlichung der Institutionen &#8211; als letzte Ma&#223;nahme   &#252;brig.<\/p>\n<p>  Dann standen am 14.\/15. September Lehman Brothers und Merrill Lynch,   zwei der f&#252;nf gigantischen Investmentbanken an der Wall Street, vor dem   Konkurs. Andere Wall-Street-Banken lehnten es ab, ohne eine Zusage der   Regierung, die vergifteten Kapitalanlagen von Lehman und Merrill zu   garantieren, einzugreifen. Paulson und Bernanke lehnten dies ab. Sie   waren unter betr&#228;chtlichen politischen Druck geraten, um die Vergabe   weiterer Dollar der SteuerzahlerInnen zu vermeiden. Dar&#252;ber hinaus   forderten die Anh&#228;nger der freien Marktwirtschaft, dass sie es   unterlassen sollten, f&#252;r weiteren &#8222;moralischen Hasard&#8220; zu sorgen, das   hei&#223;t, ein weiteres Signal auszusenden, wonach leichtsinnige Spekulanten   &#252;ber die Versicherung eines Rettungspakets durch die Regierung vor ihrem   eigenem Wahnwitz gesch&#252;tzt w&#228;ren. Indem Paulson und Bernanke es   ablehnten, eine Rettung von Lehman und Merrill durch die Regierung zu   unterst&#252;tzen, hofften sie, ein Zeichen auszusenden, wonach es keine   weiteren von der Regierung gesponserten Rettungsaktionen f&#252;r   gescheiterte Banken wie bei Bear Stearns geben w&#252;rde. Lehman Brothers   meldete Konkurs an und Barclays International wie auch weitere Geier   begannen damit, sich die Rosinen aus den m&#246;glicherweise profitablen   Lehman-Anlagewerten herauszupicken. Merrill Lynch beeilte sich auf der   anderen Seite, sich selbst an die Bank of America, eine Einlage-Bank mit   weitaus gr&#246;&#223;eren Kapitalreserven, zu verkaufen.<\/p>\n<p>  Paulson und Bernanke machten dennoch eine monumentale Fehlkalkulation.   Sie dachten, dass sie eine Haltelinie einziehen k&#246;nnten. Doch ihre   Weigerung, eine Rettung Lehmans und Merrills zu unterst&#252;tzen, l&#246;ste   einen allgemeinen Kurseinbruch bei den Bankaktien aus. Dies zeigte, dass   eine ganze Reihe von Banken dabei waren, dem Beispiel Lehmans und   Merrills zu folgen und sich in Staub aufzul&#246;sen. Unter den am meisten   Bedrohten waren die beiden &#252;brig gebliebenen Investmentbanken Morgan   Stanley und Goldman Sachs. Das komplette &#8222;Schatten-Bankensystem&#8220;, das   unkontrollierte, schuldenfinanzierte, hoch spekulative Netzwerk von   Investmentbanken und Hedgefonds implodierte. Aufgrund ihrer vielfachen   Verbindungen zu den Gro&#223;banken, die ebenfalls mit bilanzexternen   Finanzierungsfonds operierten, drohten die Investmentbanken viele   weitere Institutionen zu Fall zu bringen. Wenn Paulson und Bernanke die   Rettung von Lehman und Merrill unterst&#252;tzt h&#228;tten, h&#228;tte das das   Abfaulen nicht beendet (wie die anschlie&#223;ende Insolvenz von Washington   Mutual zeigt), aber indem sie sich heraushielten, als Lehman und Merrill   versanken, beschleunigt sie das Tempo der Bankenkrise.<\/p>\n<p>  In Gro&#223;britannien stand die HBOS (Halifax-Bank of Scotland), eine   Gro&#223;bank und Hypothekenanbieter, vor dem Bankrott. Sie konnte nur durch   eine von der Bank of England forcierte, rasante Verm&#228;hlung mit der   Lloyds TSB gerettet werden.<\/p>\n<p>  Das Versagen von Lehman und Merrill hatte eine sofortige Auswirkung auf   den kurzfristigen Geldmarkt. Geldmarkt-Fonds, die von den Banken genutzt   werden, um deren kurzfristigen Kredite zu finanzieren, wurden bisher als   fast so sicher wie Bargeld betrachtet. Ein Schl&#252;sselreiz in dieser   Kreditklemme ist das Erstarren des kurzfristigen Geldmarktes, wenn   Banken Geld horten und es ablehnen, anderen Banken irgendwelche   m&#246;glicherweise risikobehafteten Kredite zu gew&#228;hren. Trotz der   drastischen Zinssenkungen der US-Notenbank, ist der Kreditzins im   Gesch&#228;ft zwischen den Banken, der normalerweise geringf&#252;gig &#252;ber dem   Zinssatz der Notenbank rangiert, auf ein bespielloses Niveau   hochgeschnellt. Taumelnd unter dem Druck der Lehman- und   Merrill-Insolvenzen, verwandelte sich die schwere Kreditklemme in eine   v&#246;llige L&#228;hmung dieses lebenswichtigen Geldmarktes.<\/p>\n<p>  Die US-Notenbank war gezwungen, in Zusammenarbeit mit anderen gro&#223;en   Zentralbanken 180 Milliarden US-Dollar in das globale Bankensystem zu   pumpen (in diesem Fall durch W&#228;hrungs-&#8222;Swap&#8220;-Tauschgesch&#228;fte, Dollar f&#252;r   Euro, Pfund etc). In den darauf folgenden Tagen pumpte sie weitere 100   Mrd. US-Dollar ins System und die Zentralbanken Gro&#223;britanniens, Japans   sowie die Europ&#228;ische Zentralbank pumpten ebenfalls zus&#228;tzliche liquide   Mittel in den Markt. Dar&#252;ber hinaus einigten sich die US-Notenbank und   andere Zentralbanken darauf, eine gr&#246;&#223;ere Bandbreite an Wertpapieren als   Sicherheiten f&#252;r Kredite (einschlie&#223;lich Aktien, Unternehmensbonds), mit   anderen Worten: wesentlich risikoreichere Anlagewerte zu akzeptieren als   die Staatsanleihen, auf denen man zuvor noch bestanden hatte. (Seitdem   wurden von den Zentralbanken weitere liquide Mittel in Form von   kurzfristigen Krediten hineingepumpt.)<\/p>\n<p>  Paulson hatte den Zusammenbruch von Lehman und Merrill zugelassen, aber   angesichts des m&#246;glichen Zusammenbruches einer gigantischen   Versicherung, der American Insurance Group (AIG), musste die Regierung   eingreifen. Die AIG-Krise wurde durch die Herabstufung ihres   Bonit&#228;ts-Status durch eine Ratingagentur ausgel&#246;st. Dies drohte einen   Run auf AIG-Aktien auszul&#246;sen und damit die Kapitalreserven weiter   aufzubrauchen. Das Problem lag nicht im riesigen Versicherungsgesch&#228;ft   von AIG in den USA, Europa und Asien begr&#252;ndet. Die Krise entsprang aus   ihrer Teilnahme am &#8222;Schatten-Banken-System&#8220; aufgrund ihrer weltweiten   Gesch&#228;ftst&#228;tigkeit mit credit default swaps, einer Art von Absicherung,   die benutzt wird, um einer gro&#223;en Bandbreite von Wertpapieren den Status   von Investitionen (im Unterschied zu spekulativen Geldanlagen, die als   riskanter gelten und daher eine niedrigere Bonit&#228;t haben &#8211; der   &#220;bersetzer) zu garantieren (hypothekengest&#252;tzte Wertpapiere,   Unternehmensanleihen, Kommunalobligation etc.). AIG hat solche   Sicherheiten im Wert von 447 Mrd. US-Dollar herausgegeben (darunter im   Werte von 300 Mrd. US-Dollar an europ&#228;ische Institutionen).<\/p>\n<p>  Die Herabstufung des Kreditstatus&#180; von AIG bedeutete automatisch die   Herabstufung der Wertpapiere, die durch von der AIG ausgegebene credit   default swaps abgesichert waren. Dies h&#228;tte wiederum Probleme f&#252;r jedes   Finanzhaus mit sich gebracht, das von der AIG abgesicherte Wertpapiere   als Sicherheiten f&#252;r seine eigenen Kredite verwendet hat. Mit anderen   Worten h&#228;tte der Zusammenbruch von AIG die enorme Zunahme fauler Kredite   im weltweiten Finanzsystem bedeutet. Die Verluste w&#228;ren vollkommen   niederschmetternd gewesen (nach einer Sch&#228;tzung h&#228;tte das wenigstens 180   Mrd. US-Dollar f&#252;r den weltweiten Finanzsektor bedeutet). Gleichzeitig   w&#252;rde der Zusammenbruch von AIG auch den Kollaps ihres weltweiten   Versicherungsgesch&#228;ftes zur Folge haben. Um einen katastrophalen Crash   zu verhindern, war Paulson gezwungen einzuschreiten, indem er als   Gegenleistung f&#252;r Vorzugsaktien des Versicherungskonzerns f&#252;r   AIG-Verm&#246;genswerte im Wert von 85 Mrd. US-Dollar b&#252;rgte.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend der kritischen Woche vom 15. zum 19. September brachen die   weltweiten B&#246;rsen ein. Das Rettungspaket der Regierung f&#252;r die AIG   schaffte es nicht, die Aktienm&#228;rkte zu stabilisieren. Zur gleichen Zeit   begann der &#214;lpreis, der in den letzten Wochen tendenziell gefallen war,   wieder zu steigen &#8211; vermutlich aufgrund panikartiger K&#228;ufe im   &#214;l-Termingesch&#228;ft. Paulson und Bernanke realisierten offenbar, dass sie   mit einer Situation konfrontiert waren, die g&#228;nzlich an 1929 erinnert.   Wenn sie abseits gestanden h&#228;tten, w&#228;re es zweifelsohne zum   Zusammenbruch des globalen Finanzsystems gekommen, der wiederum einen   m&#228;chtigen Einbruch in der kapitalistischen Weltwirtschaft provoziert   h&#228;tte. Weil sie ihre Lehren aus dem Crash von 1929 gezogen haben, als   Notenbank und US-Regierung beiseite standen und zulie&#223;en, dass das   Finanzdomino zusammenfiel, entschieden Paulson und Bernanke, dass sie   keine andere Wahl h&#228;tten als zur Absicherung des kapitalistischen   Systems einzugreifen.<\/p>\n<p>  Am 19. September k&#252;ndigte Paulson sein Troubled Asset Relief Programme   (TARP), einen 700 Mrd. US-Dollar umfassenden &#8222;Plan&#8220; an, um vom   Zusammenbruch bedrohten Finanzinstituten wieder Boden unter den F&#252;&#223;en zu   verschaffen und das US-amerikanische wie weltweite Bankensystem zu   restabilisieren. Paulsons Ank&#252;ndigung wendete einen globalen Crash   zumindest vorl&#228;ufig ab. Das ist jedoch nur eine lindernde Ma&#223;nahme, die   f&#252;r sich genommen die Kreditklemme und die L&#228;hmung des Bankensystems   nicht &#252;berwinden wird.<\/p>\n<p>  Kurz vor Redaktionsschluss dieser Zeitung kommt die Meldung &#252;ber eine   Insolvenz von Washington Mutual, die gr&#246;&#223;te Bankenpleite in der   US-Geschichte. WaMu wurde am 25. September vom Konkursverwalter   &#252;bernommen und an JP Morgan Chase verkauft.<\/p>\n<p>  Europ&#228;ische Banken sind ebenfalls geplagt von gro&#223;en Abschreibungen   fauler Subprime-Hypothekenwertpapiere. Am h&#228;rtesten traf es die   schweizerische Bank UBS, die Abschreibungen von insgesamt gut 50 Mrd.   US-Dollar (das ist mehr als im Falle von Merrill Lynch) vornahm. Die   Financial Times kommentierte, dass viele europ&#228;ische Banken jetzt nicht   nur &#8222;zu gro&#223; sind, als dass sie fallen k&#246;nnten&#8220;, sondern &#8222;zu gro&#223;, um   sie st&#252;tzen zu k&#246;nnen&#8220;. &#8222;Die gesamten Verbindlichkeiten der Deutschen   Bank zum Beispiel (die Schulden sind mehr als 50mal so hoch wie das   Eigenkapital!) betragen bis zu 2.000 Mrd. Euro (das ist mehr als bei   Fannie Mae) oder &#252;ber 80 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP)   Deutschlands. Das ist einfach zu viel f&#252;r die Bundesbank oder sogar f&#252;r   den deutschen Staat [&#8230;].&#8220; (European Banking Lives on Borrowed Time,   in: Financial Times, 24. September 2008)<\/p>\n<h4>  Paulsons Paket<\/h4>\n<p>  Nach der Krise bei Lehman Brothers und Merrill Lynch und dem Einfrieren   des kurzfristigen Geldmarktes (trotz fortgesetzter, massiver   Liquidit&#228;tsspritzen seitens der US-Notenbank und anderen Zentralbanken)   war Paulson am 18. September gezwungen, das Hilfspaket TARP,   anzuk&#252;ndigen. Ohne, dass er Details preisgab, beabsichtigte Paulson 700   Mrd. US-Dollar an Steuergeldern aufzuwenden, um eine Sonderm&#252;lldeponie   f&#252;r unverk&#228;ufliche Wertpapiere einzurichten, die sich immer noch in den   B&#252;chern der Finanzinstitute befinden.<\/p>\n<p>  Berichten zufolge wurden bereits 500 Mrd. US-Dollar abgeschrieben.   Einige Sch&#228;tzungen beziffern verbliebene Sicherheiten aus dem   Immobilienmarkt auf weitere 1.000 Mrd. US-Dollar. Umgehend nach Paulsons   Ank&#252;ndigung belebten sich die weltweiten B&#246;rsen wieder. Beinahe so   umgehend begannen jedoch f&#252;hrende Kongressabgeordnete &#8211; sowohl   Demokraten als auch Republikaner &#8211; wegen des weit reichenden Charakters   von Paulsons Rettungsplan und die au&#223;erordentlichen Befugnisse, die er   f&#252;r sich als Finanzminister einforderte, zu protestieren.<\/p>\n<p>  Paulson schlug vor, dass dem Finanzminister (zun&#228;chst f&#252;r zwei Jahre)   uneingeschr&#228;nkte Befugnisse einger&#228;umt w&#252;rden, um unter Bezug auf seine   Diskretionspflicht von jedem und zu jedem Preis Wertpapiere aufkaufen zu   k&#246;nnen. Ferner forderte er Immunit&#228;t f&#252;r jegliches Vorgehen vor   Gerichten oder Verwaltungsbeh&#246;rden der Regierung. Zun&#228;chst schlug er   vor, ausschlie&#223;lich Wertpapiere von US-Banken aufkaufen zu wollen,   weitete dies aber bald auf US-Tochterfirmen ausl&#228;ndischer Banken aus.<\/p>\n<p>  Sollte dies vom Kongress angenommen werden, so w&#228;re Paulson der   m&#228;chtigste Finanzminister in der Geschichte der USA. Die Newsweek kr&#246;nte   ihn auf ihrer Titelseite zum &#8222;K&#246;nig Henry&#8220;. Der Finanzminister w&#252;rde in   der Tat zum wirtschaftlichen Vollzugsbeamten des US-Kapitalismus ohne   Aufsichtsorgan (mit lediglich zweimal j&#228;hrlicher Berichtspflicht   gegen&#252;ber dem Kongress), ein mit dem Pr&#228;sidenten konkurrierende   Machtquelle.<\/p>\n<p>  Wie Bush nach dem 11. September 2001, versucht nun auch der von Bernanke   gest&#252;tzte Paulson den weltweit drohenden finanziellen Kollaps zu nutzen,   um f&#252;r seine Vorhaben rasch und ohne gr&#252;ndliche Debatte ihrer Inhalte   die Zustimmung vom Kongress zu bekommen. Paulson verlangt zum Beispiel,   dass das Paket sauber sein m&#252;sse, d.h., dass es nicht durch Vorschl&#228;ge   behindert werden soll wie etwa: Kapitalbeteiligung der Regierung im   Tausch gegen aufzukaufende faule Kredite oder Begrenzung von   Bankergeh&#228;ltern oder Entlastung der von Pf&#228;ndung betroffenen   Eigenheimbesitzer. Sehr daran interessiert, insolvente Banken   aufzukaufen, weist Paulson die legitimen Forderungen der   Eigenheimbesitzer auf brutale Weise zur&#252;ck.<\/p>\n<p>  Paulson schl&#228;gt vor einen Preis nahe des Nennwertes der faulen   Wertpapieren zu zahlen, &#252;ber 60 Cent je Dollar, im Unterschied zu deren   momentanem Wert von 20 Cent oder 30 Cent. Dar&#252;ber hinaus setzt sich eine   ganze Palette von Banken, Finanzh&#228;usern und weiteren Unternehmen daf&#252;r   ein, den Geltungsbereich der Rettungsma&#223;nahmen auszuweiten. Es gibt zum   Beispiel Forderungen danach, auch Kommunalobligationen,   Kreditkarten-Schulden und Schulden aus Autok&#228;ufen mit einzubeziehen.   Wall-Street-Unternehmen freuen sich bereits auf die Geb&#252;hren, die sie   durch die Einbeziehung in Paulsons Programm einzunehmen hoffen.<\/p>\n<p>  Es ist daher kaum &#252;berraschend, dass die K&#246;pfe der Finanzunternehmen von   Paulsons Vorschl&#228;gen begeistert sind. Einige Anh&#228;nger des freien Marktes   unter den Republikanern haben den Plan dennoch als &#8222;Sozialisierung der   Schulden&#8220; heftig verurteilt. Senator Jim Bunning, Republikaner aus   Kentucky, verk&#252;ndete: &#8222;Der freie Markt f&#252;r alle Absichten und Zwecke ist   tot in Amerika&#8220;. Er sagte, dass Paulsons Plan &#8222;der Wall Street die   Leiden nehmen und sie unter den Steuerzahlern verbreiten (w&#252;rde) [&#8230;]. Er   ist Finanzsozialismus und ist unamerikanisch&#8220;.<\/p>\n<p>  F&#252;hrende Demokraten fordern auf der anderen Seite Ma&#223;nahmen, um   verzweifelten Hausbesitzern zu helfen. Diese Forderung hat Paulson mit   der Begr&#252;ndung zur&#252;ckgewiesen, dass die B&#252;ndel fauler Wertpapiere zu   komplex seien, um zu erlauben, die Zahlungsverpflichtungen einzelnen   Hausbesitzer zu verringern. &#8222;Die Bank- und Wertpapier-Industrie [&#8230;]   k&#228;mpft mit aller Macht gegen den Umbruch, wie sie es auch schon mit dem   Wohnungs-Gesetz getan hat, das im Juli angenommen wurde.&#8220; (International   Herald Tribune, 24. September 2008)<\/p>\n<p>  Paulsons jetziger Vorschlag ist v&#246;llig anders als die Ma&#223;nahmen, von   denen Gebrauch gemacht wurde, um die Bausparkassen in den fr&#252;hen 1990er   Jahren zu retten. Damals verstaatlichte die US-Regierung de facto die   gescheiterten Bausparkassen und verkaufte &#252;ber eine gewisse Periode   deren verbliebene Anlagewerte, bevor sie die Bausparkassen zur&#252;ck in   private Hand brachte. Das stabile Wirtschaftswachstum nach 1994 stellte   den Wert der hypothekenbelasteten Immobilien wieder her und gestattete   der Regierung, Teile der Kosten f&#252;r die Rettungsaktion wieder   hereinzuholen.<\/p>\n<p>  Eine vergleichbare Ma&#223;nahme unternahm die schwedische Regierung nach dem   Zusammenbruch der Immobilienblase 1991\/-92. Die Regierung verstaatlichte   weite Teile des schwedischen Bankensektors, indem sie die Aktion&#228;re   dieser gescheiterten Institutionen ausschaltete und danach wurden wieder   alle verkaufbaren Anlagewerte abgesto&#223;en und die Banken sp&#228;ter wieder in   den Privatsektor zur&#252;ckgef&#252;hrt. Die Rettungsaktion kostete dennoch um   die 4 Prozent des schwedischen Bruttoinlandsproduktes (obgleich ein Teil   davon mit der Zeit wieder ausgeglichen wurde). Die Kapitalistenklasse in   den USA wird dennoch ohne Zweifel starken Widerstand gegen die komplette   Verstaatlichung des US-Bankensektors leisten.<\/p>\n<p>  Der jetzige Rettungsvorschlag von Paulson, der um die 700 Mrd. US-Dollar   kostet, umfasst damit gut 5 Prozent des BIP. Paulson hat trotzdem nicht   die Absicht, die gescheiterten US-Banken zu &#252;bernehmen. Er will ihnen   lediglich aus der Klemme helfen, indem ihre faulen Kredite abgekauft   werden, wodurch ihnen erm&#246;glicht wird, ihr Kapital wider aufzuf&#252;llen und   wie gewohnt weiterzumachen. Paulson fordert noch nicht einmal Anteile an   den Banken als Gegenleistung f&#252;r das Abkaufen ihrer faulen Kredite.<\/p>\n<p>  Doch wird Paulson die Zustimmung des Kongresses f&#252;r sein Paket bekommen?   In Anbetracht des Gewichtes der Opposition im Kongress wird das   wahrscheinlich Verz&#246;gerungen mit sich bringen und Paulson k&#246;nnte sich   gezwungen sehen, einige Ab&#228;nderungen &#8211; vor allem hinsichtlich der   au&#223;erordentlichen, ungehinderten Befugnisse, die er einfordert &#8211; zu   akzeptieren. Es scheint allerdings wahrscheinlich zu sein, dass der   Kongress &#8211; konfrontiert mit drohenden weiteren Einbr&#252;chen der   Finanzm&#228;rkte und der M&#246;glichkeit neuer Spannungen &#8211; das Paket in der   einen oder anderen Form noch vor seiner Aufl&#246;sung vor den Wahlen im   November akzeptieren wird.<\/p>\n<h4>  Eine sozialistische Alternative<\/h4>\n<p>  Paulson behauptet, dass es den Menschen egal ist, wem die Banken   geh&#246;ren. Millionen von EigenheimbesitzerInnen wird es allerdings   interessieren, dass die Regierung Steuergelder benutzt, um den Banken   aus der Klemme zu helfen, die faule Hypotheken verkauft und in   Wertpapiere umgewandelt haben, w&#228;hrend Millionen mit &#252;berh&#246;hten Zinsen   und drohenden Zwangsvollstreckungen konfrontiert sind. Millionen   Amerikaner sind &#252;ber Paulsons Plan in der Tat bereits erbost.<\/p>\n<p>  Organisationen aus den Communities, Gewerkschaften und all jene, die die   Interessen der arbeitenden Menschen verteidigen, sollten fordern, dass   anstelle einer Verstaatlichung der faulen Kredite und ausstehenden   Forderungen des Finanzkapitals, die Banken und Finanzinstitutionen   (Versicherungen, Hedgefonds etc.) verstaatlicht und mit demokratischer   Planung unter der Kontrolle und Verwaltung der Besch&#228;ftigten   weitergef&#252;hrt werden. Entsch&#228;digungen f&#252;r Kleinaktion&#228;rInnen und   KontoinhaberInnen sollten nur im Falle nachgewiesener Bed&#252;rftigkeit   gezahlt werden.<\/p>\n<p>  Der Bankensektor sollte arbeiten, um die Interessen der Branchen zu   f&#246;rdern, die Waren und Dienstleistungen bereitstellen, welche von der   Mehrheit der Bev&#246;lkerung gebraucht werden. Er sollte nicht spekulative   Aktivit&#228;ten einer hyperreichen Minderheit von Kapitaleignern   finanzieren. Die Banken sollten g&#252;nstige Hypotheken f&#252;r private   Hausk&#228;ufer bereitstellen (mit einer H&#246;chstgrenze, um Luxusvillen f&#252;r die   Reichen davon auszunehmen). Sie sollten ebenfalls g&#252;nstige Kredite f&#252;r   Kleinbetriebe und Kleinbauern anbieten, damit den Bed&#252;rfnissen lokaler   Communities nachgekommen wird.<\/p>\n<p>  Solche Ma&#223;nahmen w&#252;rden nat&#252;rlich f&#252;r viele die Frage nach dem Eigentum   und der Kontrolle weiterer Teile der Wirtschaft und die Notwendigkeit   einer demokratischen Planung aufwerfen, um damit die Anarchie des   Marktes und das nackte Streben nach pers&#246;nlichem Profit zu ersetzen. So   erw&#228;gt die US-Regierung zurzeit ein Paket staatlich garantierter   Darlehen f&#252;r die gro&#223;en Automobilkonzerne Ford, Chrysler und GM. Diese   Unternehmen sind in einer tiefen Krise und sollten ebenso &#252;bernommen   werden und unter der demokratischen Kontrolle und Verwaltung der   ArbeiterInnen gef&#252;hrt werden, um die Bed&#252;rfnisse der Gesellschaft zu   befriedigen.<\/p>\n<p>  Gewerkschaften und Gruppierungen aus den Communities sollten jede   Zwangpf&#228;ndung umfassend ablehnen. Wo zweifelhafte Hypotheken durch   Betr&#252;gerei oder Irref&#252;hrung verkauft worden sind, sollten diese   annulliert werden. Hausk&#228;uferInnen, die ihre Hypotheken nicht bedienen   k&#246;nnen, sollten das Recht haben, die Wohnungen zu einer angemessenen   sozialen Miete zu mieten. Wo durch Zwangsvollstreckungen und die   Insolvenz der Bauherren und Objektgesellschaften Wohnraum leer steht,   sollten die Regierung bzw. &#246;rtliche Beh&#246;rden nicht bewohnte H&#228;user   &#252;bernehmen und sie zu bezahlbaren Mieten zur Verf&#252;gung stellen.   Entscheidungen, die nicht bediente Hypothekenschulden,   Zwangsvollstreckungen und die Rechte der HausbesitzerInnen im   Allgemeinen betreffen, sollten nicht von Regierungsbeamten oder   Konkursgerichten gef&#228;llt werden, sondern von gew&#228;hlten Komitees der   Bev&#246;lkerung, die die Rechte der Arbeiterklasse gew&#228;hrleisten werden.<\/p>\n<h4>  Eine neue Phase<\/h4>\n<p>  Wenn Paulsons Paket den Kongress &#8211; vermutlich mit einigen Ab&#228;nderungen &#8211;   passiert, mag es einen Finanzcrash abwenden. Es wird weiterhin ernste   Zwistigkeiten hinsichtlich der Details der durchzuf&#252;hrenden Ma&#223;nahmen   geben. Der Rettungsplan wird jedoch f&#252;r sich genommen den Finanzsektor   nicht wiederbeleben. Die US-Immobilienkrise, die Wurzel der Kreditkrise,   ist noch l&#228;ngst nicht vor&#252;ber. Riesige Verluste im Finanzsektor   bedeuten, dass die Kreditklemme &#252;ber Jahre hinweg fortbestehen wird,   auch, wenn die faulen Kredite von der Regierung &#252;bernommen werden.<\/p>\n<p>  Die Rettung des Finanzsektors wird eine Rezession in der US-Wirtschaft   nicht verhindern, die bereits an Fahrt aufnimmt. Ferner wird die   Abschw&#228;chung in den USA verbunden mit Finanzkrisen vieler anderer   Volkswirtschaften die Welt in Richtung eines wirtschaftlichen Abschwungs   treiben. In den europ&#228;ischen Volkswirtschaften herrscht jetzt eine   schneidende Rezession. Japan ist nach einer schwachen Phase der Erholung   in den vergangenen Jahren wieder ins Null-Wachstum abgeglitten. Von   China, das immer noch als Motor der Weltwirtschaft betrachtet wird, wird   angenommen, dass sein Wachstum sich von 11 Prozent bis 12 Prozent auf   ca. 8 Prozent &#252;ber das Jahr 2008 abschw&#228;cht. Obwohl 8 Prozent   vergleichsweise hoch sind, h&#228;tte dies ernste Folgen innerhalb Chinas &#8211;   wirtschaftlich wie politisch.<\/p>\n<p>  Die allem zugrunde liegende Krise der kapitalistischen Produktion und   Rentabilit&#228;t ist seit den 1980er Jahren durch eine Reihe von   Finanzblasen mehrere Male hinausgez&#246;gert worden, die schuldenfinanzierte   Konsumausgaben in den USA und anderorts anheizten (was die Produktion   von Billigwaren in China und anderen kosteng&#252;nstigen Volkswirtschaften   hochfahren lie&#223;). Doch jetzt ist die Zeit der Abrechnung. Der   Zusammenfall der enormen Schuldenberge bedeutet fast sicher eine   anhaltende Phase langsamen Wachstums in der kapitalistischen   Weltwirtschaft. Zweifellos wird es weiterhin Konjunkturzyklen geben.   Aber es ist nicht wahrscheinlich, dass es eine R&#252;ckkehr zu dem globalen   Boom geben wird, den man zwischen 2001 und 2007 erleben konnte.<\/p>\n<p>  Die jetzige Periode von beschleunigter Globalisierung und   uneingeschr&#228;nkter neoliberaler Politik neigt sich dem Ende zu und eine   vollkommen neue Phase von Entwicklungen tut sich auf. Das umfangreiche   staatliche Eingreifen in den Finanzsektor hat breitere Auswirkungen auf   den Handel, die internationalen Finanzstr&#246;me und die Industriepolitik.   Es wird weit gr&#246;&#223;ere Spannungen zwischen den gro&#223;en kapitalistischen   M&#228;chten geben. Eine anhaltende Stagnation, unterbrochen durch schwache   Erholungsphasen und erneute Rezessionen, wird soziale Krisen und   m&#228;chtige politische Auseinandersetzungen provozieren. Die &#246;konomische   Krise des Kapitalismus ist gleichzeitig auch eine ideologische und   politische Krise und dies wird den Marxismus unvermeidbar wieder auf die   politische Tagesordnung bringen.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Kapitalistische Finanzkrise n&#228;hert sich dem Schmelzpunkt\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12853"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12853"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12853\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12853"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12853"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12853"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}