{"id":12850,"date":"2008-10-26T23:00:00","date_gmt":"2008-10-26T23:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12850"},"modified":"2008-10-26T23:00:00","modified_gmt":"2008-10-26T23:00:00","slug":"12850","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12850\/","title":{"rendered":"Kaukasus: Nicht &#8222;Kalter Krieg&#8220; sondern imperialistischer Krieg"},"content":{"rendered":"<p>  Waffengang im Kaukasus und weltweit wachsende milit&#228;rische Konflikte<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Schrille T&#246;ne zwischen Washington und Moskau, russische und   US-amerikanische Kriegsschiffe belauern sich im Schwarzen Meer,   hektische Reisediplomatie von europ&#228;ischen Staatschefs, EU- und   NATO-Konferenzen l&#246;sen einander ab &#8211; der Krieg und der andauernde   Konflikt um Georgien zog von Anbeginn weltweite Kreise.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Georg K&#252;mmel, K&#246;ln<\/i><\/h4>\n<p>  Dass es in diesem Konflikt nicht um die karge Bergregion S&#252;dossetiens   mit seinen gerade mal 75.000 EinwohnerInnen ging, wei&#223; jeder. Durch   Georgien f&#252;hren gleich mehrere wichtige Pipelines f&#252;r &#214;l und Gas. Aber   auch das reicht nicht aus, um zu erkl&#228;ren, welches enorme   Konfliktpotenzial sich hier zwischen Russland, den USA und den   europ&#228;ischen Staaten offenbarte.<\/p>\n<h4>  Kein Systemgegensatz mehr zwischen Ost und West<\/h4>\n<p>  Politiker und Zeitungs-Kommentatoren sprechen von der R&#252;ckkehr des   &#8222;Kalten Krieges&#8220;. Das ist falsch. Erstens starben die Menschen, deren   Leichname jetzt in der kalten Erde am Kaukasus liegen, in einem hei&#223;en   Krieg. Zweitens standen sich im &#8222;Kalten Krieg&#8220; zwei unterschiedliche   Systeme gegen&#252;ber. Das machte den historisch besonderen Charakter dieser   Periode aus. Auf der einen Seite stand ein Block kapitalistischer   Staaten, milit&#228;risch organisiert in der NATO. Auf der anderen Seite die   Ostblock-Staaten zusammengeschlossen im &#8222;Warschauer Pakt&#8220;. Entgegen der   westlichen und &#246;stlichen Propaganda waren das zwar keine sozialistischen   oder kommunistischen L&#228;nder, sondern undemokratische stalinistische   Staaten. Aber nicht fehlende Demokratie, sondern die Tatsache, dass in   diesem Teil der Welt der Kapitalismus abgeschafft war, war die Ursache   daf&#252;r, dass sich beide Gesellschaftssysteme vierzig Jahre lang feindlich   gegen&#252;berstanden. Bis zum Zusammenbruch des Ostblocks wurde auf   westlicher Seite die Aufr&#252;stung mit der &#8222;kommunistischen&#8220; Bedrohung   gerechtfertigt.<\/p>\n<p>  Heute ist in s&#228;mtlichen Staaten des ehemaligen Ostblocks der   Kapitalismus wieder zur&#252;ckgekehrt. Der Systemgegensatz des &#8222;Kalten   Krieges&#8220; existiert nicht mehr, warum wird jetzt trotzdem von seiner   R&#252;ckkehr geredet? Weil die Millionen Menschen, die Angst vor neuer   R&#252;stungsspirale und neuen Kriegen haben, sich mit einer falschen Antwort   zufrieden geben sollen, noch bevor sie die richtige Frage stellen: Wieso   gibt es Krieg zwischen Staaten mit demselben Wirtschaftssystem? Ist   dieses Wirtschaftssystem vielleicht die Ursache?<\/p>\n<h4>  Kapitalismus bedeutet Krieg<\/h4>\n<p>  Das Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri meldete im Juni einen   neuen Rekordstand bei den weltweiten R&#252;stungsausgaben. Im letzten   Jahrzehnt sind die Ausgaben f&#252;r milit&#228;rische Zwecke real um 45 Prozent   gewachsen. Die Begrifflichkeit vom &#8222;Kalten Krieg&#8220; wird wieder   aufgew&#228;rmt, um eine einfache Tatsache zu verschleiern: Kapitalismus   bedeutet Aufr&#252;stung und Krieg. Doch warum ist das so? K&#246;nnen die Staaten   ihre Konflikte nicht friedlich, &#8222;vern&#252;nftig&#8220; l&#246;sen?<\/p>\n<p>  Der Kapitalismus beruht auf dem Konkurrenzkampf, auf dieses Prinzip sind   die Verteidiger des kapitalistischen Systems sogar stolz. In diesem   Kampf konkurrieren aber nicht nur einzelne Firmen und Konzerne   gegeneinander, sondern auch Staaten und Staatenbl&#246;cke.<\/p>\n<p>  Das Ziel, das Motiv im Kapitalismus ist die Kapitalverwertung. Das   eingesetzte Kapital muss st&#228;ndig profitbringend investiert, das so   vermehrte Kapital reinvestiert und abermals vermehrt werden.<\/p>\n<p>  Schon vor &#252;ber hundert Jahren reichten dazu die M&#228;rkte im eigenen Land   nicht mehr aus. Das britische, franz&#246;sische, deutsche Kapital suchte   nach Anlagem&#246;glichkeiten in anderen Teilen der Welt. Konkret suchte es   in der restlichen Welt nach Rohstoffquellen, nach Menschen, deren   Arbeitskraft ausgebeutet werden konnte und nach Absatzm&#228;rkten. Solange   alle Beteiligten ihr Kapital vermehren konnten, war der Konkurrenzkampf   mehr oder weniger friedlich. Vom wachsenden Kuchen bekam jeder ein   wachsendes St&#252;ck ab. Sobald aber die ganze Welt unter den   imperialistischen M&#228;chten aufgeteilt war, profitable M&#246;glichkeiten zur   Neuanlage von Kapital nur noch auf Kosten und in den Einflusssph&#228;ren der   konkurrierenden Staaten gefunden werden konnten, wandelte sich der   Konkurrenzkampf vom relativ friedlichen Wettbewerb zum Krieg. Das war   die Ursache f&#252;r den I. Weltkrieg, der erste allgemeine Krieg zwischen   den imperialistischen Weltm&#228;chten der damaligen Zeit. Auch die   kapitalistische Weltwirtschaftskrise Anfang der drei&#223;iger Jahre f&#252;hrte   letztendlich zum noch grauenhafteren Massaker des II. Weltkrieges.<\/p>\n<h4>  Zwischenimperialistische Spannungen<\/h4>\n<p>  Heute stehen die gro&#223;en kapitalistischen L&#228;nder vor einer &#228;hnlichen   Situation. Sie streben nach unbegrenzter Kapitalvermehrung und pl&#252;ndern   dabei die begrenzten Rohstoffquellen. Auch die Absatzm&#228;rkte sind   begrenzt, denn alle Kapitalisten wollen, dass ihre Kunden viel kaufen,   ihre Besch&#228;ftigten aber sollen m&#246;glichst wenig verdienen.<\/p>\n<p>  Um den &#246;konomischen Interessen eines kapitalistischen Landes   entsprechend Nachdruck verleihen zu k&#246;nnen, bedarf es nicht nur   wirtschaftlicher, sondern auch milit&#228;rischer St&#228;rke. Deshalb wird   aufger&#252;stet. Weil die meisten L&#228;nder zu klein sind, um allein in diesem   Konkurrenzkampf bestehen zu k&#246;nnen, suchen sie B&#252;ndnisse und Verb&#252;ndete,   wirtschaftlich und milit&#228;risch. Da ist zum Beispiel die Europ&#228;ische   Union (EU) unter der F&#252;hrung Deutschlands und Frankreichs. Immer   offensichtlicher wird der Widerspruch zu den Interessen der USA.<\/p>\n<p>  Die NATO hat ihren urspr&#252;nglichen Sinn als B&#252;ndnis gegen den gemeinsamen   Gegner Ostblock verloren. Das wurde auch im Konflikt um Georgien   deutlich &#8211; die USA sind f&#252;r dessen Beitritt zur NATO, Frankreich und   Deutschland sind dagegen.<\/p>\n<p>  Auch innerhalb der EU zeigen sich Risse. Gro&#223;britannien setzt mehr auf   die USA, ebenso die baltischen L&#228;nder und Polen. Letztere sehen in den   USA einen Verb&#252;ndeten gegen die Gro&#223;machtinteressen Russlands &#8211; aber   auch, um im Machtpoker innerhalb der EU nicht von Deutschland und   Frankreich beliebig ausgenutzt werden zu k&#246;nnen.<\/p>\n<h4>  Deutscher Imperialismus<\/h4>\n<p>  Auf globaler Ebene werden unter dem Deckmantel des Kampfes gegen den   Terror auch innerimperialistische Machtk&#228;mpfe ausgetragen. Die   Bundeswehrsoldaten sind nicht in erster Linie in Afghanistan, um den USA   zu helfen. Es geht darum, in dieser energiepolitisch wichtigen Region   einen Fu&#223; in der T&#252;r zu haben und es geht darum, die Menschen in   Deutschland und in der Welt an den Einsatz deutscher Soldaten im Ausland   zu gew&#246;hnen. Dass die BRD bis 1989 als drittst&#228;rkste kapitalistische   Wirtschaftsmacht milit&#228;risch auf das Gebiet zwischen Flensburg und   Friedrichshafen beschr&#228;nkt war, stellte eine historische   Ausnahmesituation dar. Im aktuellen &#8222;Wei&#223;buch der Bundeswehr&#8220; hei&#223;t es:   &#8222;Aufgrund seiner Gr&#246;&#223;e, Bev&#246;lkerungszahl, Wirtschaftskraft und seiner   geografischen Lage in der Mitte des Kontinentes f&#228;llt dem vereinigten   Deutschland eine wichtige Rolle bei der k&#252;nftigen Gestaltung Europas und   dar&#252;ber hinaus zu.&#8220; Und an anderer Stelle: &#8222;Die Bundeswehr beschreitet   seit Jahren konsequent den Weg des Wandels zu einer Armee im Einsatz und   ver&#228;ndert sich dabei tiefgreifend&#8220; (Wei&#223;buch 2006, Bundesministerium der   Verteidigung).<\/p>\n<h4>  Es gibt eine Alternative<\/h4>\n<p>  Alle gro&#223;en Wirtschaftsm&#228;chte, auch das aufstrebende China, steigern   ihre R&#252;stungsausgaben. Die weltweite Krise der Wirtschaft, an deren   Beginn wir gerade stehen, wird dazu f&#252;hren, dass sich der globale   Konkurrenzkampf um profitable Anlagem&#246;glichkeiten, um billige Rohstoffe   und Absatzm&#228;rkte noch mal drastisch versch&#228;rfen wird. Leidtragende   werden die Besch&#228;ftigten, Erwerbslosen und armen Bauern rund um den   Globus sein.<\/p>\n<p>  Doch sie werden sich wehren. Wir MarxistInnen sehen unsere Aufgabe   darin, diesen Kampf zu unterst&#252;tzen, indem wir einen Ausweg aufzeigen.   Die Alternative zu kapitalistischer Krise und Krieg ist eine   internationale sozialistische Demokratie. Der Aufruf &#8222;Proletarier aller   L&#228;nder, vereinigt euch&#8220; ist aktueller denn je. Der Kampf f&#252;r Sozialismus   f&#228;nde heute massenhaft Unterst&#252;tzung, wenn die Idee nicht durch die   Herrschaft einer privilegierten B&#252;rokratie in Sowjetunion, DDR und   anderen L&#228;ndern diskreditiert worden w&#228;re. Wir verstehen unter   Sozialismus eine Gesellschaft, die durch und durch demokratisch ist.   Sozialismus ist keine Utopie, sondern Notwendigkeit.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Waffengang im Kaukasus und weltweit wachsende milit&#228;rische Konflikte\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[64],"tags":[208],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12850"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12850"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12850\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12850"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12850"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12850"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}