{"id":12842,"date":"2008-10-05T00:00:00","date_gmt":"2008-10-04T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12842"},"modified":"2012-05-15T15:23:40","modified_gmt":"2012-05-15T13:23:40","slug":"12842","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12842\/","title":{"rendered":"F&#252;r eine k&#228;mpferische, sozialistische LINKE: &#8222;Einen starken       marxistischen Fl&#252;gel in der Partei aufbauen&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  SAV-Mitglieder haben beschlossen, jetzt auch in Ostdeutschland und   Berlin in die Partei DIE LINKE einzutreten &#8211; um die Kr&#228;fte f&#252;r eine   aktive, antikapitalistische Linkspartei zu st&#228;rken. Gespr&#228;ch mit Lucy   Redler, Mitglied der SAV-Bundesleitung.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h5>  Bisher geh&#246;rten SAV-Mitglieder nur in Westdeutschland der LINKEN an.   Warum seid ihr nun im Osten und Berlin in DIE LINKE eingetreten?<\/h5>\n<p>  Immer mehr Menschen sind emp&#246;rt dar&#252;ber, dass die Profite der   Unternehmer steigen und die Reall&#246;hne sinken. Mit der kapitalistischen   Krise wird die soziale Verarmung und die gesellschaftliche Polarisierung   zunehmen. Um gegen die Angriffe der Herrschenden zu k&#228;mpfen, ist eine   starke sozialistische Partei notwendig. Daf&#252;r setzen wir uns ein.<\/p>\n<p>  DIE LINKE ist bundesweit die Partei, die sich &#8211; in Opposition zu allen   etablierten Parteien &#8211; gegen Hartz IV, Billigl&#246;hne und Kriegseins&#228;tze   zur Wehr setzt. Millionen haben Hoffnungen in die Linkspartei. Aber ob   diese Erwartungen entt&#228;uscht werden oder nicht, h&#228;ngt davon ab, wie die   Partei sich weiterentwickelt. Wird sie sich &#8211; wie in Berlin &#8211; der   kapitalistischen Sachzwanglogik unterordnen? Oder wird sie eine   k&#228;mpferische Kraft, in die Menschen eintreten, um f&#252;r ihre Interessen   aktiv zu werden?<\/p>\n<p>  Bisher haben SAV-Mitglieder im Osten und in Berlin &#8211; auch in   Zusammenarbeit mit Mitstreitern in der LINKEN &#8211; versucht, von au&#223;en   Druck auf die Partei auszu&#252;ben. Jetzt treten wir in DIE LINKE ein, um   innerhalb dieser Formation die Kr&#228;fte zu st&#228;rken, die f&#252;r den Aufbau   einer Partei sind, die ihren Schwerpunkt auf Gegenwehr legt, eine   Anpassung an die SPD ablehnt und f&#252;r die Sozialismus kein Fernziel,   sondern Ma&#223;stab der allt&#228;glichen Politik ist.<\/p>\n<h5>  Ein wichtiges Argument, warum ihr zum Zeitpunkt der Fusion nicht in DIE   LINKE eingetreten seid, war die unterschiedliche Politik der LINKEN in   West und Ost. Hat sich daran etwas ge&#228;ndert?<\/h5>\n<p>  Nein. DIE LINKE im Osten ist weiterhin in vielen Kommunen am Sozialabbau   beteiligt. In Berlin setzt sie die unsoziale Politik im rot-roten Senat   ohne mit der Wimper zu zucken fort. Rot-Rot verweigert beispielsweise   weiterhin den Kollegen des &#214;ffentlichen Dienstes eine substanzielle   Lohnerh&#246;hung.<\/p>\n<p>  Mit dieser Politik besch&#228;digt die Berliner LINKE die Glaubw&#252;rdigkeit der   LINKEN bundesweit. W&#228;hrend DIE LINKE bundesweit gegen Hartz IV auftritt,   setzt die Berliner Linkspartei im Senat Hartz IV mit um. W&#228;hrend die   Partei auf Bundesebene den Abbau demokratischer Rechte ablehnt, hat   Rot-Rot die Video&#252;berwachung im &#246;ffentlichen Raum wie beispielsweise an   U-Bahnh&#246;fen versch&#228;rft.<\/p>\n<h5>  Gegen diese Politik haben wir &#8211; oft mit anderen zusammen &#8211; Widerstand   geleistet und werden das auch weiterhin tun. Aber wenn dem so ist: Warum   tretet ihr dann ein?<\/h5>\n<p>  Aus zwei Gr&#252;nden: Zum einen, weil zentrale politische Debatten in der   LINKEN stattfinden. So ist die Debatte um Regierungsbeteiligung nicht   auf Berlin beschr&#228;nkt. In Hessen ist die Frage &#8222;Regierungsbeteiligung   durch Tolerierung&#8220; verdammt aktuell. Und auch im Saarland, Th&#252;ringen und   anderen L&#228;ndern muss DIE LINKE beantworten, wie Verbesserungen   durchgesetzt werden k&#246;nnen: Durch Widerstand und Massenbewegungen gegen   die b&#252;rgerlichen Parteien oder durch kleine Formelkompromisse mit der   SPD? Es ist n&#246;tig, sich an diesen Auseinandersetzungen und   Richtungsk&#228;mpfen zu beteiligen und einen starken marxistischen Fl&#252;gel in   der Partei aufzubauen, der f&#252;r wichtige Prinzipien wie beispielsweise   die klare Ablehnung von Regierungsbeteiligungen mit der SPD k&#228;mpft. Dazu   wollen wir als Mitglieder der SAV und als Marxisten in der LINKEN und   bei Linksjugend [&#8216;solid] einen Beitrag leisten.<\/p>\n<p>  Der zweite Grund ist, dass auch die Menschen in Berlin und   Ostdeutschland trotz der unsozialen Politik der LINKEN vor Ort die   bundesweite Partei als eine oppositionelle Kraft wahrnehmen. Die Wirkung   der Bundespartei auch nach Berlin hinein, hat es sehr schwer gemacht,   die BASG &#8211; die Berliner Alternative f&#252;r Solidarit&#228;t und Gegenwehr &#8211; als   linke Alternative in Berlin aufzubauen.<\/p>\n<p>  Im Verlauf der Wirtschaftskrise sind heftige gesellschaftliche Konflikte   zu erwarten. Bei diesen Konflikten werden politische Fragen eine   zentrale Rolle spielen. Wir gehen davon aus, dass dann noch mehr als   heute Arbeiter und Arbeitslose, die nach Antworten suchen, auf DIE LINKE   sto&#223;en werden.<\/p>\n<h5>  Was sagst du den Leuten, die Sorge haben, dass ihr Euch mit einem   Eintritt in Berlin anpasst?<\/h5>\n<p>  Wir haben nichts von unserer inhaltlichen Position zur&#252;ck zu nehmen. Es   ist die Berliner LINKE, die sich mit ihrer Politik au&#223;erhalb der   Positionen der Bundespartei stellt. Wir werden uns aber dar&#252;ber hinaus   auch kritisch mit der Entwicklung der Partei auf Bundesebene   auseinandersetzen.<\/p>\n<p>  Angesichts der Rezession, in die auch die deutsche &#214;konomie gerade   schlittert, braucht DIE LINKE dringend ein Antikrisenprogramm, das   beantwortet, wie verhindert werden kann, dass die arbeitende Bev&#246;lkerung   f&#252;r die kapitalistische Krise bluten muss. Oskar Lafontaine forderte vor   Kurzem die Enteignung der Eigent&#252;mer des Automobilzulieferers   Schaefflers. Zu Recht wies er darauf hin, dass nicht Frau Schaeffler und   ihr Sohn, sondern die Schaeffler-Besch&#228;ftigten die Werte in H&#246;he von   zehn Millarden Euro geschaffen haben &#8211; und von den Schaefflers enteignet   wurden. Leider ist Lafontaine schon kurz darauf wieder zur&#252;ckgerudert.<\/p>\n<p>  Ich finde: DIE LINKE sollte offensiv die &#220;berf&#252;hrung der Banken und   Konzerne in &#246;ffentliches Eigentum bei demokratischer Kontrolle und   Verwaltung durch die arbeitende Bev&#246;lkerung fordern. Das ist schon   angesichts der steigenden Energiepreise und der Macht von Eon,   Vattenfall, EnBW und RWE zentral. Der Kampf f&#252;r diese Forderung wird   noch dringender, wenn die Autoriesen und andere Gro&#223;konzerne im Zuge der   wirtschaftlichen Talfahrt Massenentlassungen vornehmen.<\/p>\n<p>  Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Frage, wie Verbesserungen &#252;berhaupt   erreicht werden k&#246;nnen. Die F&#252;hrung der LINKEN ist zu stark auf die   parlamentarische Ebene fixiert. Ich denke, dass DIE LINKE und   Linksjugend [&#8216;solid] einen klaren Schwerpunkt auf den Aufbau von   Widerstand und sozialen Bewegungen legen m&#252;ssen. Nur so k&#246;nnen Erfolge   erk&#228;mpft werden. Aktuell ist es wichtig, dass DIE LINKE den geplanten   bundesweiten Schulstreik unterst&#252;tzt und einen Beitrag leistet, den   Druck f&#252;r die Forderungen der Sch&#252;ler zu erh&#246;hen. Linksjugend [&#8216;solid]   hat in mehreren St&#228;dten und Bundesl&#228;ndern den Aufruf von   &#8222;Bildungsblockaden einrei&#223;en&#8220; bereits unterzeichnet.<\/p>\n<h5>  Die CDU plant im Bundestagswahljahr eine regelrechte Kampagne zum Thema   &#8222;DDR und DIE LINKE&#8220;. Wie sollte darauf reagiert werden?<\/h5>\n<p>  Diese Kampagne ist nat&#252;rlich heuchlerisch. Die CDU steht mit Sch&#228;uble   f&#252;r &#220;berwachungspolitik, den Abbau demokratischer Rechte und den Einsatz   der Bundeswehr im Inneren. Sie will mit dem DDR-Bashing die sozialen   Errungenschaften der DDR, die es trotz stalinistischer B&#252;rokratie gab,   wegwischen und &#252;ber die soziale Katastrophe, die der Kapitalismus f&#252;r   Millionen Menschen bedeutet, hinwegt&#228;uschen.<\/p>\n<p>  DIE LINKE muss auf diese Kampagne politisch reagieren, indem sie sich   klar vom Stalinismus distanziert und die heutige Diktatur der Konzerne   mit einem Kampf f&#252;r eine sozialistische Demokratie beantwortet. Einige   in der F&#252;hrung der LINKEN distanzieren sich vom Stalinismus &#8211; aber   leider nicht aus sozialistischer Sicht, sondern aus der Akzeptanz der   sozialen Marktwirtschaft heraus. Das halte ich f&#252;r einen Fehler. Aus   meiner Sicht ist in Ostdeutschland nicht der Sozialismus, sondern der   Stalinismus gescheitert. Der Kampf f&#252;r eine sozialistische Ver&#228;nderung   ist aktueller denn je.<i> <\/i><\/p>\n<h5>  <i>Lucy Redler war 2006 die WASG-Spitzenkandidatin bei den Berliner   Abgeordnetenhauswahlen und geh&#246;rte vor der Fusion dem   WASG-Bundesvorstand an. 2007 wurde sie in den Vorstand der BASG gew&#228;hlt<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      SAV-Mitglieder haben beschlossen, jetzt auch in Ostdeutschland und<br \/>\n      Berlin in die Partei DIE LINKE einzutreten &#8211; um die Kr&#228;fte f&#252;r eine<br \/>\n      aktive, antikapitalistische Linkspartei zu st&#228;rken. 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