{"id":12840,"date":"2008-10-17T00:00:00","date_gmt":"2008-10-17T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12840"},"modified":"2008-10-17T00:00:00","modified_gmt":"2008-10-17T00:00:00","slug":"12840","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12840\/","title":{"rendered":"Crash an der Wall Street"},"content":{"rendered":"<p>  Kein James Bond f&#252;r die Rettung der Finanzwelt in Sicht<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Am 18. September waren von den f&#252;nf gro&#223;en Investmentbanken in den   USA drei verschwunden und die vierte suchte h&#228;nderingend einen K&#228;ufer.   Um die Panik an den Finanzm&#228;rkten einzud&#228;mmen, versprach die   US-Regierung ein gigantisches Rettungspaket. Von 700 Milliarden Dollar   ist die Rede. Dass es dauerhaft helfen wird, bleibt fraglich.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Wolfram Klein, Plochingen bei Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  Im Fr&#252;hjahr ging die Investmentbank Bear Stearns Pleite und wurde von JP   Morgan &#252;bernommen. Mitte September &#252;bernahm die Bank of America Merrill   Lynch. Und Lehman Brothers ging Pleite. Am 18. September suchte Morgan   Stanley einen K&#228;ufer. Auf der Website der Financial Times Deutschland   erkl&#228;rte ein Artikel die Investmentbanken insgesamt zur &#8222;gef&#228;hrdeten   Gattung&#8220;.<\/p>\n<p>  Es ist eine Ironie der Geschichte, dass die Trennung von   Investmentbanken und Gesch&#228;ftsbanken in den USA 1933 eingef&#252;hrt wurde &#8211;   als Reaktion auf die damalige Weltwirtschaftskrise. Jetzt versch&#228;rft sie   die Lage, wenn sie erstmals in einer schweren Krise getestet wird. Wir   sollten daraus lernen, nicht an Symptomen herumzudoktorn, sondern die   tiefer liegende Krisenursache &#8211; das kapitalistische System &#8211; ins Visier   zu nehmen.<\/p>\n<h4>  Rettungsplan soll geschmiedet werden<\/h4>\n<p>  In der eskalierenden Panik Mitte September verk&#252;ndeten Vertreter von   Regierung, Notenbank und Parlament ein gigantisches Rettungspaket.   Kurzfristig beruhigte das die M&#228;rkte. Mittelfristig werden aber Fragen   auftauchen: Wie soll das eigentlich aussehen? Werden sich Regierung und   Parlament mitten im Wahlkampf einigen k&#246;nnen (zum Beispiel darauf, ob   nur die Gro&#223;banken gerettet werden sollen oder auch bis zu zehn   Millionen von Zwangsversteigerung bedrohter Eigenheimbesitzer)? Eine   Auffanggesellschaft soll den US-Banken ihre problematischen Wertpapiere   abnehmen &#8211; aber ein betr&#228;chtlicher Teil dieser Wertpapiere geh&#246;rt Banken   au&#223;erhalb der USA. Derartige Schwierigkeiten lassen noch verschiedene   Finanzpaniken erwarten, bevor ein entsprechendes Gesetz in Kraft tritt   (falls es jemals zustande kommt). Erst Recht, wenn die &#8222;Realwirtschaft&#8220;   weiter abw&#228;rts geht (und die Instabilit&#228;t der Finanzm&#228;rkte wird die   Konsum- und Investitionsbereitschaft weiter herabdr&#252;cken).<\/p>\n<p>  Und selbst dann w&#228;ren die Probleme nicht gel&#246;st. Seit den siebziger   Jahren haben US-Gro&#223;konzerne weitgehend traditionelle Bankkredite durch   die Ausgabe von Firmenanleihen (corporate bonds) ersetzt, die wie Aktien   oder Staatsanleihen an der B&#246;rse gehandelt werden. Deshalb mussten sich   US-Gro&#223;banken neue Kunden und T&#228;tigkeitsfelder suchen, die riskanter,   aber (im Erfolgsfall) profitabler waren. Nachdem diese Risikostrategie   in einer Katastrophe geendet hat, k&#246;nnen sie nicht einfach zu ihren   alten, weniger riskanten T&#228;tigkeiten zur&#252;ck, weil dieser Markt eben   nicht mehr existiert.<\/p>\n<h4>  Bankenkrise zieht Kreise<\/h4>\n<p>  Die neue Runde der Bankenkrise ersch&#252;tterte das Finanzsystem weltweit.   Aktienb&#246;rsen hatten teils die st&#228;rkste Kurseinbr&#252;che seit dem 11.   September 2001. Die Moskauer B&#246;rse wurde vor&#252;bergehend geschlossen. Die   Notenbanken verliehen &#252;ber 200 Milliarden Dollar zus&#228;tzlich an die   Banken, die sich aus Angst vor neuen Pleiten nur noch zu hohen Zinsen   untereinander Geld leihen wollten. In Gro&#223;britannien wurde die   Hypothekenbank Halifax Bank of Scotland (HBOS) von der Gro&#223;bank Lloyds   TSB &#252;bernommen.<\/p>\n<p>  Nat&#252;rlich hat die Krise massive Auswirkungen auf die Bankbesch&#228;ftigten.   Bei Lehman Brothers arbeiteten 25.000. Angeblich sollen 9.000 ihre Jobs   behalten.<\/p>\n<h4>  Marktkr&#228;fte versagen<\/h4>\n<p>  Eine zentrale Folge ist, dass die jahrelange Propaganda von der   &#220;berlegenheit des freien Marktes von den Herrschenden selbst geradezu   l&#228;cherlich gemacht wird. Wenn George Bush, dem niemand besondere   Geisteskr&#228;fte und Finanzkenntnisse nachsagen kann, Termine absagt und in   Washington bleibt, um bereitzustehen, bei Bedarf das freie Spiel der   Marktkr&#228;fte durch staatliche Eingriffe zu hintertreiben &#8211; dann kann es   mit diesem freien Markt doch wirklich nicht weit her sein.<\/p>\n<p>  Nachdem die gro&#223;en Hypothekenfirmen Fannie Mae und Freddie Mac faktisch   verstaatlicht wurden, folgte die riesige Versicherung American   International Group (AIG); im Jahr 2007 110 Milliarden Dollar Umsatz und   116.000 Besch&#228;ftigte. Die US-Notenbank pumpte 85 Milliarden Dollar   hinein und wurde damit ihr Hauptaktion&#228;r (79,9 Prozent der Aktien). Von   den beiden verbleibenden US-Investmentbanken hofft die eine, Morgan   Stanley, auf Rettung durch den chinesischen Staatsfonds CIC, die andere,   Goldman Sachs, hat beste Beziehungen zur US-Regierung: ihr Ex-Chef ist   US-Finanzminister!<\/p>\n<h4>  Kapitalismus regulieren oder &#252;berwinden?<\/h4>\n<p>  Aufgabe der Partei DIE LINKE darf in solchen Zeiten nicht nur sein, eine   Regulierung des Marktes zu fordern, deren Notwendigkeit jeder in Worten   oder Taten anerkennt. Sie sollte erkl&#228;ren, dass die Entfesselung der   Finanzm&#228;rkte ein Versuch war, die Entwicklungsm&#246;glichkeiten des   Kapitalismus k&#252;nstlich zu erweitern. Ohne sie h&#228;tte es nicht einmal die   schw&#228;chlichen Aufschw&#252;nge der letzten Jahrzehnte gegeben. Eine   verst&#228;rkte Regulierung des Kapitalismus kann deshalb kein   kapitalistisches goldenes Zeitalter schaffen. Der Kampf f&#252;r eine   Einschr&#228;nkung der Macht der Kapitalisten durch Regulierung ist nur dann   ein Weg nach vorne, wenn er zu der Schlussfolgerung f&#252;hrt, sie v&#246;llig zu   entmachten. n<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Kein James Bond f&#252;r die Rettung der Finanzwelt in Sicht\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[127],"tags":[208],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12840"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12840"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12840\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12840"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12840"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12840"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}