{"id":12835,"date":"2008-10-12T00:00:00","date_gmt":"2008-10-12T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12835"},"modified":"2008-10-12T00:00:00","modified_gmt":"2008-10-12T00:00:00","slug":"12835","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/10\/12835\/","title":{"rendered":"Autoindustrie steckt in der Krise"},"content":{"rendered":"<p>  Welche Aufgaben stellen sich f&#252;r Besch&#228;ftigte und GewerkschafterInnen?<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b>Jeder siebte Arbeitsplatz in Deutschland und Hunderte von   Zulieferfirmen sind von der Autobranche abh&#228;ngig. Weltweit gibt es   sch&#228;tzungsweise &#220;berkapazit&#228;ten von 30 Prozent. Zu viele Hersteller   wollen zu viele Autos f&#252;r einen zu kleinen Markt verkaufen. Die   Besch&#228;ftigen bangen um ihre Jobs.<\/b><\/p>\n<h4>  <i>von Pablo Alderete, Stuttgart<\/i><\/h4>\n<p>  Die Autokonzerne sind von einer Krisenstimmung erfasst. Sinkende   Pkw-Verkaufszahlen, Produktionsdrosselung, Sparpakete, Jobvernichtung,   m&#246;rderischer Konkurrenzkampf: Die Kosten der Krise werden auf dem R&#252;cken   der Besch&#228;ftigten ausgetragen.<\/p>\n<h4>  Sparprogramme<\/h4>\n<p>  Das j&#252;ngste Sparpaket wurde bei Opel in Bochum geschn&#252;rt. Mit dem   &#8222;Zukunftsvertrag 2016&#8220; werden erneut die Lohnkosten gesenkt und die   Produktion rationalisiert. Dessen Mutterkonzern General Motors (GM),   gr&#246;&#223;ter US-Autokonzern, steckt seit langem in einer tiefen Krise. Vier   Werke in den USA, Mexiko und Kanada sollen schlie&#223;en und damit auch   10.000 Jobs verschwinden. In Europa k&#246;nnten die Werke von Opel in   Antwerpen und Bochum mittelfristig bedroht sein.<\/p>\n<p>  BMW musste im August eine Gewinnwarnung ver&#246;ffentlichen. &#8222;Voll   getroffen&#8220; titelte die Stuttgarter Zeitung am 2. August und wies darauf   hin, dass BMW voll in die Turbulenzen des wichtigen US-Markts geraten   war. Schon vor dieser Meldung hatte BMW begonnen, 8.000 Arbeitspl&#228;tze zu   streichen und Leiharbeitern zu k&#252;ndigen.<\/p>\n<p>  Daimler reagierte bereits 2004 mit einem gro&#223;en Sparpaket und einem   Abfindungsprogramm, das Tausende von Stellen vernichtete. Wegen   mangelndem Absatz wird jetzt &#252;ber Produktionsdrosselung und   Ausfallschichten verhandelt.<\/p>\n<h4>  Verdr&#228;ngungswettbewerb<\/h4>\n<p>  Die Pkw-Absatzzahlen in den USA, dem weltweit gr&#246;&#223;ten Automarkt, sind   weiter r&#252;ckl&#228;ufig. In diesem Jahr soll der Verkauf neuer Autos   sch&#228;tzungsweise um 20 Prozent zur&#252;ck gehen. Vor diesem Hintergrund   findet ein harter Verdr&#228;ngungswettbewerb statt. Der japanische Konzern   Toyota ist dabei, GM als weltgr&#246;&#223;tem Autokonzern den Rang abzulaufen.   Porsche und VW bilden einen neuen deutschen &#8222;Superkonzern&#8220;. Die   Spekulationen, dass einer der &#8222;Big Three&#8220;, der drei gro&#223;en   US-Autokonzerne Ford, GM und Chrysler, im Zuge der Krise verschwindet,   sind ernstzunehmen.<\/p>\n<h4>  Neue M&#228;rkte?<\/h4>\n<p>  Die Bosse suchen nach neuen M&#228;rkten und schielen dabei nach Russland,   Indien, China. Aber Chinas gr&#246;&#223;ere St&#228;dte stehen jetzt schon kurz vor   einem Verkehrsinfarkt. Und unser Planet angesichts der   Umweltverschmutzung vor einem Herzinfarkt.<\/p>\n<p>  K&#246;nnen m&#246;glicherweise neue Antriebstechniken, die den klassischen   Benzinmotor ersetzen, einen neuen Boom ausl&#246;sen? Auch das ist   unwahrscheinlich. Die Krise ist eine klassische &#220;berproduktionskrise und   sie zeigt, wie chaotisch und anarchisch der Kapitalismus funktioniert.   Nicht im Mangel, sondern im &#220;berangebot steckt der Wurm drin.<\/p>\n<h4>  Gemeinsam k&#228;mpfen &#8211; international<\/h4>\n<p>  Die Belegschaften werden sich &#8222;verlassen&#8220; f&#252;hlen, wenn sie sich zur   Bew&#228;ltigung der Krise auf ihre hohen Gewerkschaftsfunktion&#228;re verlassen.   Lustreisen, Korruption, Co-Management, Sozialpartnerschaft&#8230; Sie haben   ihren Frieden mit den Managern geschlossen und auch mit der   Marktwirtschaft.<\/p>\n<p>  Nein, n&#246;tig ist es, die gemeinsamen Interessen mit den Arbeitskollegen   von anderen Werken, anderen Herstellern und anderen L&#228;ndern   herauszustellen und gemeinsam f&#252;r die Jobs, Einkommen und   Arbeitsbedingungen zu k&#228;mpfen. Welche enorme Sympathie hat doch der   Streik der rum&#228;nischen ArbeiterInnen in der Autofabrik von Dacia   ausgel&#246;st! Ausgerechnet sie, die von den Besch&#228;ftigten hier misstrauisch   als &#8222;Billiglohnland&#8220; be&#228;ugt werden, standen auf und streikten gegen den   Weltkonzern Renault (Besitzer von Dacia) und sagten: &#8222;Unsere L&#246;hne   reichen nicht zum Leben.&#8220;<\/p>\n<p>  Die gewerkschaftliche Strategie muss sein: Statt Standortwettbewerb   gemeinsamer Kampf aller Belegschaften. Statt Lohnspirale nach unten   Kampagnen f&#252;r einheitliche Standards in der gesamten Automobilindustrie,   zum Beispiel: Steink&#252;hler-Pause in allen Werken einf&#252;hren, l&#228;ngere   Taktzeiten, Arbeitszeitverk&#252;rzung bei vollem Lohn.<\/p>\n<p>  Und statt der Produktion nach Profit in einem chaotischen   Wirtschaftssystem muss die Autoindustrie in eine gesamtgesellschaftliche   Planung nach den Bed&#252;rfnissen von Mensch und Umwelt eingebettet werden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Welche Aufgaben stellen sich f&#252;r Besch&#228;ftigte und GewerkschafterInnen?\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11,127],"tags":[208],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12835"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12835"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12835\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12835"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12835"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12835"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}