{"id":12821,"date":"2008-09-20T00:00:00","date_gmt":"2008-09-19T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12821"},"modified":"2012-05-15T15:25:30","modified_gmt":"2012-05-15T13:25:30","slug":"12821","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12821\/","title":{"rendered":"Berlin: Eskalation bei Vivantes"},"content":{"rendered":"<p>  Bei Berlins Krankenhauskonzern steht &#187;rot-rotem&#171; Senat der n&#228;chste   Tarifkonflikt ins Haus. &#187;Arbeitgeberangebot&#171; besteht in weiteren   Lohnk&#252;rzungen<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <i><b>von Daniel Behruzi, zuerst ver&#246;ffentlicht in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/09-19\/032.php\">jungen   Welt, 19.9.08<\/a><\/b><\/i><\/p>\n<p>  Berlins &#187;rot-roter&#171; Senat ist mit den Gewerkschaften des &#246;ffentlichen   Dienstes im Dauerkonflikt. Nicht nur die rund 60000 Landesbediensteten   demonstrieren mit Arbeitsniederlegungen nach der Sommerpause erneut   gegen das &#187;einseitige Tarifdiktat&#171; und f&#252;r Einkommenssteigerungen   entsprechend denen in anderen Bundesl&#228;ndern. Auch die Auseinandersetzung   beim st&#228;dtischen Krankenhauskonzern Vivantes steht vor einer Eskalation.   Die vom Klinikvorstand vorgelegte &#187;Offerte&#171; d&#252;rfte von der heute   tagenden ver.di-Tarifkommission zur&#252;ckgewiesen werden.<\/p>\n<h4>  &#187;Provokation&#171;<\/h4>\n<p>  &#187;Dieses Angebot ist eine Unversch&#228;mtheit und Provokation&#171;, erkl&#228;rte   Volker Gernhardt, Betriebsrat im Vivantes-Klinikum Neuk&#246;lln, am   Donnerstag gegen&#252;ber junge Welt. Ganz genauso sieht das die   verantwortliche ver.di-Sekret&#228;rin Heike Spies. &#187;Nach dieser Offerte   m&#252;&#223;ten die Besch&#228;ftigten noch st&#228;rker verzichten, als im jetzigen   Notlagen-Tarifvertrag &#8211; das machen wir nicht mit&#171;, sagte sie auf   jW-Nachfrage. Der im Sommer 2004 vereinbarte &#187;Notlagen-Tarifvertrag&#171;   beinhaltet eine drastische K&#252;rzung des Urlaubs- und Weihnachtsgeldes f&#252;r   die rund 13000 Besch&#228;ftigten. Die Vereinbarung &#252;ber diesen Verzicht   l&#228;uft Ende 2008 aus. Der im Gegenzug festgeschriebene Ausschlu&#223;   betriebsbedingter K&#252;ndigungen l&#228;uft hingegen noch bis Ende 2010. Unter   Zugzwang steht also in erster Linie die Klinikleitung, die mit Verweis   auf die schlechte finanzielle Lage von den Besch&#228;ftigten weitere   Zugest&#228;ndnisse fordert.<\/p>\n<p>  Das zuletzt vorgelegte &#187;Angebot&#171; des Vorstands sieht unter anderem vor,   sowohl die Lohnk&#252;rzung als auch den Ausschlu&#223; von Entlassungen bis Ende   2010 zu verl&#228;ngern. &#187;Das hie&#223;e, die Schutzma&#223;nahmen werden um ein Jahr,   der Verzicht aber um drei Jahre verl&#228;ngert &#8211; das ist doch kein   Entgegenkommen&#171;, erkl&#228;rte Spies.<\/p>\n<p>  Aber das &#187;Angebot&#171; hat noch weitere Fallstricke. So soll zwar &#8211; wie von   ver.di gefordert &#8211; der bundesweite Tarifvertrag f&#252;r den &#246;ffentlichen   Dienst (TV&#214;D) &#252;bernommen werden. Dieser gilt bislang nur f&#252;r die etwa   1000 Arbeiter, nicht jedoch f&#252;r die Angestellten des Klinikkonzerns. Die   im TV&#214;D enthaltenen Einkommenssteigerungen sollen jedoch nur zum Teil   und verz&#246;gert wirksam werden. F&#252;r die Krankenh&#228;user sieht der   Fl&#228;chentarif Lohnerh&#246;hungen von 50 Euro plus 1,6 Prozent seit Beginn   dieses Jahres sowie um weitere 4,3 Prozent zum 1. Januar 2009 vor.   Vivantes m&#246;chte den Betrag von 50 Euro jedoch erst ab 1. April 2009   zahlen. Ab 1. Oktober sollen die Einkommen dann um ein Prozent, ein Jahr   sp&#228;ter um 1,5 Prozent und ab dem 1. Oktober 2010 um weitere 1,9 Prozent   steigen. Das hie&#223;e, die Vivantes-Angestellten w&#252;rden mehr als anderthalb   Jahre nach Auslaufen des TV&#214;D noch deutlich unter dem darin   festgeschriebenen Gehaltsniveau bleiben. &#187;Es w&#252;rde eine Tarifmauer   entstehen, die nie wieder &#252;berwindbar w&#228;re &#8211; das k&#246;nnen wir nicht   zulassen&#171;, kommentierte Gernhardt dies.<\/p>\n<p>  Weitere Elemente der &#187;Offerte&#171; sind die K&#252;rzung der Jahressonderzahlung   (Weihnachts- und Urlaubsgeld) auf maximal 30 Prozent sowie die   Ausdehnung der Wochenarbeitszeiten in Westberlin um eine auf dann   einheitlich 39,5 Stunden. &#187;Schon diese Arbeitszeitverl&#228;ngerung w&#252;rde die   mickrigen Lohnsteigerungen mehr als ausgleichen, so da&#223; die   Besch&#228;ftigten am Ende noch schlechter dastehen als jetzt&#171;, rechnete   Gernhardt vor.<\/p>\n<p>  Der linke Gewerkschafter verlangt, da&#223; der TV&#214;D f&#252;r den gesamten   Konzern, also auch in den diversen Tochterunternehmen von Vivantes,   eingef&#252;hrt wird. Nach seinen Angaben sind fast ein Drittel der   Mitarbeiter mittlerweile in ausgegliederten Unternehmen t&#228;tig, die den   Neueingestellten deutlich weniger zahlen. Oftmals liegen die Einkommen   f&#252;r diese um rund 30 Prozent unter denen der Stammbelegschaft.<\/p>\n<h4>  Senat knauserig<\/h4>\n<p>  Die Argumentation der Vivantes-Spitze gegen diese und andere Forderungen   ist stets dieselbe: Die Kassen sind leer. Das wird von ver.di auch gar   nicht bestritten. Die Ursache der Finanzmisere sei allerdings darin zu   suchen, da&#223; das Land Berlin seiner gesetzlichen Verpflichtung zur   Deckung der Instandhaltungs- und Investitionskosten nicht nachkomme.   &#187;Diese Ausgaben zu tragen ist Sache des Senats, nicht der   Besch&#228;ftigten&#171;, betonte Spies, die den aufgelaufenen Investitionsbedarf   des Konzerns auf eine halbe Milliarde Euro sch&#228;tzt. Rund 40 Millionen   Euro haben die Besch&#228;ftigten durch ihren Verzicht laut Gernhardt in den   vergangenen Jahren bereits aufgebracht. &#187;Wir m&#252;ssen jetzt den Druck   verst&#228;rken, damit sich der Arbeitgeber endlich das notwendige Geld dort   holt, wo es nach dem System der Krankenhausfinanzierung auch herkommen   soll: vom Senat&#171;, meinte der Betriebsrat. Die Tarifkommissionsmitglieder   aus Neuk&#246;lln wollen bei der heutigen Sitzung deshalb den Antrag stellen,   die Urabstimmung f&#252;r einen Streik einzuleiten. &#187;Bei uns kriegen wir von   den Stationen die R&#252;ckmeldung, da&#223; die Kolleginnen und Kollegen bereit   sind, sich mit einem Arbeitskampf zur Wehr zu setzen.&#171;<\/p>\n<p>  <i>[Nachtrag: Am 19.9. erkl&#228;rte die ver.di-Tarifkommission die   Verhandlungen f&#252;r gescheitert.]<\/i><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Bei Berlins Krankenhauskonzern steht &#187;rot-rotem&#171; Senat der n&#228;chste<br \/>\n      Tarifkonflikt ins Haus. &#187;Arbeitgeberangebot&#171; besteht in weiteren<br \/>\n      Lohnk&#252;rzungen\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[75,14,25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12821"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12821"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12821\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12821"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12821"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12821"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}