{"id":12818,"date":"2008-09-13T00:00:00","date_gmt":"2008-09-13T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12818"},"modified":"2008-09-13T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-13T00:00:00","slug":"12818","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12818\/","title":{"rendered":"Opel Bochum: Verzicht ohne Ende"},"content":{"rendered":"<p>  N&#228;chster &#187;Zukunftsvertrag&#171; bei Opel-Bochum: Lohnsenkung,   Schlechterstellung von Leiharbeitern und Arbeitsintensivierung sollen   Investitionen sichern<\/p>\n<p> <!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  <b><i>von Daniel Behruzi, zuerst erschienen in der <a href=\"http:\/\/www.jungewelt.de\/2008\/09-12\/007.php\">jungen   Welt, 12.9.08<\/a><\/i><\/b><\/p>\n<p>  Bei Opel-Bochum wird die n&#228;chste K&#252;rzungsrunde eingel&#228;utet. Mit dem   &#187;Zukunftsvertrag 2016&#171;, der demn&#228;chst unterzeichnet werden soll, w&#252;rden   die Lohnkosten gesenkt und die Produktion rationalisiert. Damit setzt   Carl-Peter Forster, Europachef des Mutterkonzerns General Motors (GM),   seine Strategie, bei jedem Modellwechsel Zugest&#228;ndnisse der   Belegschaften zu verlangen, fort.<\/p>\n<p>  Bei den Gegenleistungen bleibt die General-Motors-Spitze vage. So wird   in dem jW vorliegenden Entwurf f&#252;r eine Betriebsvereinbarung versichert,   das Management sage zu, &#187;da&#223; neben dem neuen Zafira mindestens ein   weiteres Modell der Delta-II-Kompaktwagenklasse&#171; in Bochum gebaut werde   und da&#223; durch Investitionen eine Produktion von 55 Fahrzeugen pro Stunde   im Drei-Schicht-Betrieb garantiert werde. Zuletzt wurde die Fertigung in   der Ruhrgebietsstadt von 53 auf 49 Autos pro Stunde reduziert. Deshalb   werden den Stammbesch&#228;ftigten unbezahlte Freischichten verordnet &#8211;   allein in diesem Jahr sollen es 48 werden &#8211;und Leiharbeiter gek&#252;ndigt.<\/p>\n<p>  Gemeint ist mit der versprochenen Investition der neuen Astra (Delta   II), der au&#223;er an den GM-Standorten Ellesmere Port (Gro&#223;britannien) und   Gliwice (Polen) auch in Bochum vom Band laufen soll. Allerdings ist der   Produktionsbeginn hier erst Mitte 2011 &#8211;ein Jahr sp&#228;ter als in den   beiden anderen Werken &#8211; geplant. &#187;Sonst war Bochum bei neuen Modellen   immer von Anfang an dabei, jetzt soll das aus Kostengr&#252;nden nicht der   Fall sein&#171;, erl&#228;utert Andreas Felder, Betriebsrat der Gruppe &#187;Gegenwehr   ohne Grenzen&#171; (GoG) im jW-Gespr&#228;ch. Vor diesem Hintergrund sei zu   bef&#252;rchten, da&#223; das neue Modell &#8211; dem Verzicht der Besch&#228;ftigten zum   Trotz &#8211; letztlich doch nicht nach Bochum kommen werde. Denn der in einer   tiefen Krise steckende US-Konzern hat in Europa &#220;berkapazit&#228;ten, die   etwa anderthalb Werken entsprechen sollen. Neben dem belgischen   Antwerpen k&#246;nnte Bochum mittelfristig auf der Abschu&#223;liste stehen.   Dieser Angst gibt eine im Entwurf der Betriebsvereinbarung enthaltene   Revisionsklausel Nahrung. &#187;Sollten sich die wirtschaftlichen   Grundannahmen (&#8230;) wesentlich ver&#228;ndern und hieraus z.B.   unvorhergesehene Personal&#252;berh&#228;nge entstehen, werden die   Gesch&#228;ftsleitung und Betriebsrat durch eine neue Vereinbarung versuchen,   der ge&#228;nderten Situation Rechnung zu tragen&#171;, hei&#223;t es am Ende des   Papiers.<\/p>\n<p>  Im Gegensatz zu den Versprechungen des Managements sind die   Zugest&#228;ndnisse, die der Belegschaft abverlangt werden, konkret und   verbindlich. So soll in den Jahren 2011 und 2016 jeweils ein Prozent der   im Fl&#228;chentarif vereinbarten Lohnerh&#246;hungen auf &#252;bertarifliche   Entgeltbestandteile angerechnet werden. Traditionell wird das   Tarifgehalt in den Gro&#223;konzernen aufgestockt. Allerdings wurde bereits   bei Opel ein Gro&#223;teil dieser Betr&#228;ge abgebaut, so da&#223; viele Lohngruppen   schon jetzt auf Fl&#228;chentarifniveau liegen, wie Felder erl&#228;utert. Mit dem   neuen &#187;Zukunftsvertrag&#171; sollen die noch verbliebenen &#252;bertariflichen   Zahlungen jetzt vollends gestrichen werden. Zudem soll die Differenz   zwischen tariflichem und betrieblichem Weihnachtsgeld &#8211; ersteres liegt   bei 55, letzteres bei 70 Prozent des Monatseinkommens &#8211; per   &#187;Bonussystem&#171; nicht mehr gleichm&#228;&#223;ig an alle, sondern nach &#187;Leistung&#171;   ausbezahlt werden. Weitere geforderte Zugest&#228;ndnisse sind die   Reduzierung der Zahl der Ausbildungspl&#228;tze von aktuell 75 auf 40 pro   Jahr sowie die weitere &#187;Flexibilisierung&#171; von Arbeitseins&#228;tzen   entsprechend der &#187;betrieblichen Belange&#171;.<\/p>\n<p>  Deutlich schlechter gestellt w&#252;rden mit der Vereinbarung insbesondere   die Leiharbeiter im Bochumer Werk. Bislang werden diese entsprechend der   untersten Opel-Lohngruppe mit 13,79 Euro pro Stunde bezahlt. K&#252;nftig   sollen sie mehr als 2,50 Euro pro Stunde weniger verdienen: 11,20 Euro.   Ein weiteres zentrales Element des &#187;Zukunftsvertrags&#171; ist die   Reduzierung der Fertigungszeit auf 15 Stunden pro Fahrzeug. Bis Ende   2007 hatten die Bochumer Opelaner eine Zielvorgabe von 27 Stunden.   Erreicht werden soll die weitere drastische Verk&#252;rzung zum einen durch   die &#187;Optimierung&#171; der Bewegungsabl&#228;ufe. &#187;Da m&#252;ssen die Leute bald   rennen, um ihre Arbeit noch zu schaffen&#171;, kommentiert Betriebsrat   Felder. Zum anderen soll die Zeitverk&#252;rzung durch eine geringere   Fertigungstiefe erreicht werden. Das hei&#223;t, da&#223; noch mehr Aufgaben &#8211; bis   hin zur Just-in-time-Anlieferung ans Band &#8211; an Fremdfirmen &#252;bertragen   werden.<\/p>\n<p>  Laut Felder ist der &#187;Zukunftsvertrag 2016&#171; Teil einer Strategie von GM,   seine Kosten in Europa um rund 500 Millionen Dollar (ca. 354 Millionen   Euro) zu senken. &#187;Wir haben mehr als genug verzichtet: Die Einkommen   werden immer weiter gek&#252;rzt, Personal abgebaut und die Standorte   gegeneinander ausgespielt. Es wird Zeit, da&#223; Betriebsrat und IG Metall   dagegen endlich Widerstand organisieren, statt das alles mitzutragen.&#171;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      N&#228;chster &#187;Zukunftsvertrag&#171; bei Opel-Bochum: Lohnsenkung,<br \/>\n      Schlechterstellung von Leiharbeitern und Arbeitsintensivierung sollen<br \/>\n      Investitionen sichern\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[11],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12818"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12818"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12818\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12818"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12818"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12818"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}