{"id":12813,"date":"2008-09-16T01:00:00","date_gmt":"2008-09-16T01:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12813"},"modified":"2008-09-16T01:00:00","modified_gmt":"2008-09-16T01:00:00","slug":"12813","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12813\/","title":{"rendered":"Russland und Georgien: Die Folgen eines F&#252;nf-Tage-Krieges"},"content":{"rendered":"<p>  Wir ver&#246;ffentlichen hier die deutsche &#220;bersetzung einer Analyse des   Russland-Georgien-Konflikts von Rob Jones aus Moskau. Er ist Mitglied   von Sotsialisticheskoye Soprotivlemiye, der Schwesterorganisation der   SAV und Sektion des CWI in Russland. Der Text wurde in englischer   Sprache am 23. August 2008 auf <a href=\"http:\/\/www.socialistworld.net\">www.socialistworld.net<\/a>   ver&#246;ffentlicht.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p>  Als der Konflikt zwischen Russland und der Kaukasusrepublik Georgien   &#252;ber die kleine, abtr&#252;nnige Region S&#252;dossetien pl&#246;tzlich eskalierte und   sich zu einem albtraumhaften milit&#228;rischen Konflikt ausweitete, wendete   die Weltpresse ihren Blick von den glamour&#246;sen Olympischen Spielen in   China ab.<\/p>\n<p>  Nach wochenlang zunehmenden Spannungen in S&#252;dossetiens Hauptstadt   Zchinvali entsendete Georgiens Pr&#228;sident Michail Saakaschwili Truppen,   um die Region unter Kontrolle zu bringen. In der Nacht vom 6. auf den 7.   August griffen georgische Verb&#228;nde Zchinvali und f&#252;nf weitere   Ortschaften mit automatischen Waffen und Artillerie an. Zu Beginn der   K&#228;mpfe gab es unterschiedliche Angaben &#252;ber die Zahl der Get&#246;teten.<\/p>\n<p>  Ein russischer Journalist sagte, dass die s&#252;dossetische Hauptstadtt   schwer besch&#228;digt worden ist. &#8222;Der Ort wurde zerst&#246;rt. Es gibt hohe   Verluste, viele sind verwundet&quot;, so Said Zarnajew gegen&#252;ber Reuters aus   Zchinvali. &#8222;Gestern war ich im Krankenhaus, wo ich viele verwundete   ZivilistInnen sah. Sp&#228;ter ist dieses Krankenhaus von georgischen   Kampfflugzeugen zerst&#246;rt worden. Ob die Verwundeten zu dem Zeitpunkt   noch dort waren, wei&#223; ich nicht&quot;. Sowohl der s&#252;dossetische Pr&#228;sident   Eduard Kokoity als auch der russische Au&#223;enminster Sergej Lawrow   behaupteten, dass w&#228;hrend der Angriffe &#252;ber 1500 Menschen &#8211; in erster   Linie friedliche Einwohner &#8211; get&#246;tet worden sind. Mindestens 15   russische Soldaten der in Zchinvali stationierten &#8222;Friedenstruppe&quot;   wurden get&#246;tet.<\/p>\n<p>  Georgische Einheiten hatten anfangs die Stadt eingenommen. Angeblich um   die Menschen in der Region zu verteidigen, &#252;berquerten dann von einer   gro&#223;en Kolonne schwerer Panzer angef&#252;hrte russische Truppen von Russland   aus die Bergp&#228;sse nach S&#252;dossetien. Es brachen erneut K&#228;mpfe in   Zchinvali aus und tagelang behaupteten sowohl russische wie auch   georgische Milit&#228;rsprecher, die Kontrolle &#252;ber die Stadt zu haben. Beide   Seiten setzten die Luftwaffe ein.<\/p>\n<h4>  Zunehmende Zerst&#246;rung<\/h4>\n<p>  Russische Truppen bewegten sich dann aus S&#252;dossetien fort, besetzten die   Stadt Gori und griffen milit&#228;rische und wirtschaftliche Ziele im &#252;brigen   Georgien an. Danach war Gori so zerst&#246;rt wie Zchinvali. Bei diesen   Angriffen sind viele get&#246;tet bzw. verwundet worden. Die GeorgierInnen   behaupten auch, dass russische Flugzeuge Schiffe in georgischen   Schwarzmeerh&#228;fen bombardiert und dass die &#214;l- und Gaspipelines, die   durch das Land f&#252;hren, angegriffen wurden.<\/p>\n<p>  Saakaschwili erkl&#228;rte, dass Georgien sich im Kriegszustand befinde,   k&#252;ndigte die Mobilmachung der Reservisten und den unmittelbaren Abzug   der Truppenkontingente aus dem Irak an. Dort hat Georgien 2.000 Soldaten   stationiert, das drittgr&#246;&#223;te Kontingent nach den USA und Gro&#223;britannien.   Auf beide Seiten wurde gro&#223;er diplomatischer Druck ausge&#252;bt, um den   Konflikt beizulegen. Mit einer Condoleeza Rice, die w&#228;hrend des   Konflikts praktisch Saakaschwilis H&#228;ndchen hielt, traten die USA   Russland offen feindlich gegen&#252;ber. Die EU versuchte mit Merkel und   Sarkozy, die zwischen den beiden Hauptst&#228;dten hin und her reisten und   einen Kompromiss zu finden versuchten, unparteiischer aufzutreten. Iran,   der an die Kaukasusregion grenzt, bot an, in der Auseinandersetzung als   Schlichter aufzutreten und China rief zu einem Waffenstillstand auf,   &#8222;was die traditionelle Verhaltensweise w&#228;hrend der Olympischen Spiele   ist&quot;!<\/p>\n<p>  Jetzt, obgleich viele russische Soldaten in Georgien bleiben, scheint   die kriegerische Auseinandersetzung vor&#252;ber zu sein. Doch die Welt hat   sich dramatisch ver&#228;ndert.<\/p>\n<h4>  Regionale Spannungen eskalieren<\/h4>\n<p>  Nach 2006 eskalierten &#8211; parallel zu den zunehmenden Spannungen zwischen   den USA und Russland auf internationaler Ebene &#8211; die lange anhaltenden   Spannungen in der Region rund um Georgien betr&#228;chtlich. Was die   russische Regierung als &#8222;kalten Konflikt&quot; bezeichnete, heizte sich   aufgrund mehrerer Faktoren auf. Milit&#228;rman&#246;ver nahe Tiflis im Juli   diesen Jahres, an denen auch &#252;ber 1000 US-Marines teilnahmen, Georgiens   wiederholte Versuche, in die NATO aufgenommen zu werden (wenngleich der   letzte Versuch in dieser Richtung Anfang dieses Jahres auch   zur&#252;ckgewiesen wurde) und Georgiens offene Unterst&#252;tzung f&#252;r das in   Osteuropa stationierte US-amerikanische Raketenabwehrsystem haben eine   Rolle dabei gespielt, den Konflikt n&#228;her zu bringen.<\/p>\n<p>  Nicht zuf&#228;llig wurde seitens der russischen Beh&#246;rden gegen Ende 2006   eine widerliche, rassistische Kampagne gegen in Russland lebende   GeorgierInnen gefahren, vorgeblich nachdem die Georgier vier russische   Agenten festgenommen hatten. Die Regierung verh&#228;ngte einen   Wirtschaftsboykott &#252;ber georgische Waren, in erster Linie Wein und   Branntwein. Das Ergebnis war, dass viele Caf&#233;s und Kneipen &#8222;trocken   fielen&quot;. Zur selben Zeit nahmen Schikanierungen von in Moskau lebenden   GeorgierInnen dramatisch zu &#8211; Ausweise und Arbeitspapiere wurden   fortw&#228;hrend kontrolliert. Das russische Fernsehen zeigte hunderte   GeorgierInnen, die angeblich &#8222;illegal&quot; waren und in Flugzeuge des   Sicherheitsministeriums verfrachtet und abgeschoben wurden. Viele   Hundert weitere wurden in Z&#252;gen abtransportiert.<\/p>\n<p>  Die &#8222;NATO-Frage&quot; polarisierte die Meinungen auf beiden Seiten.   Saakaschwili hat den Beitritt Georgiens zur NATO zu einer   Schl&#252;sselaufgabe seiner Amtszeit gemacht. Deshalb war er auch bitter   entt&#228;uscht, dass dieses Ersuchen (zusammen mit dem der Ukraine) bei der   Bukarester Konferenz dieses Jahr negativ beschieden wurde. Einige   Analysten haben spekuliert, dass er deshalb entschied S&#252;dossetien   anzugreifen, weil er versuchen wollte, die NATO zu unterst&#252;tzenden   Ma&#223;nahmen an der Seite Georgiens zu bewegen. Dies ist eine   unwahrscheinliche Erkl&#228;rung. Saakaschwilis Regierung st&#246;&#223;t auf   zunehmende wirtschaftliche Probleme. F&#252;r die Mehrheit der Bev&#246;lkerung   haben sich die Versprechungen und Hoffnungen der Rosen-Revolution   zerschlagen, wonach Georgien dem Westen mit dem dortigen hohen   Lebensstandard und Freiheiten irgendwie n&#228;her kommen w&#252;rde.<\/p>\n<h4>  Wachsende Opposition<\/h4>\n<p>  Als der Widerstand gegen seine Herrschaft zunahm, begannen   Oppositionelle damit, auf die Stra&#223;e zu gehen. Saakaschwili setzte   Anfang November 2007 Polizei und Soldaten ein, um die DemonstrantInnen   in Tiflis anzugreifen und erkl&#228;rte den Ausnahmezustand. Dann k&#252;ndigte   Saakaschwili, als Versuch die anwachsende Opposition zu durchkreuzen,   vorgezogene Pr&#228;sidentschaftswahlen und ein Referendum &#252;ber den Zeitpunkt   von Parlamentswahlen im Januar diesen Jahres an. Als er wiedergew&#228;hlt   wurde, beschuldigte die Opposition Saakaschwili, die Januarwahlen   &#8222;subtil manipuliert&quot; zu haben. Diese Ereignisse brachten zumindest   einige europ&#228;ische Kr&#228;fte dazu, den Versuch zu beginnen sich von   Saakaschwili zu distanzieren. Es ist daher eher wahrscheinlich, dass   Saakaschwili in der Tat verzweifelt versuchte, einen Ausweg aus der Ecke   zu finden, in die er gezwungen wurde, statt einem ausgekl&#252;gelten   strategischen Plan zu folgen.<\/p>\n<p>  Ein wichtiger Wendepunkt f&#252;r die russische Regierung war die Anerkennung   der Unabh&#228;ngigkeit des Kosovo im Februar diesen Jahres. Das war ein   Schlag gegen die russischen Interessen auf dem Balkan, weil damit einer   offen pro-amerikanischen, kosovarischen Regierung (entgegen den   Bestrebungen Serbiens, dem historischen Verb&#252;ndeten Russlands) die   Anerkennung zugesichert wurde. Russlands herrschende Elite reagierte   giftig und mit gefletschten Z&#228;hnen. Der damals amtierende russische   Pr&#228;sident Putin erkl&#228;rte: &#8222;Der Kosovo ist ein schrecklicher   Pr&#228;zedenzfall, der das ganze System internationaler Beziehungen, das   nicht in einem Jahrzehnt, sondern &#252;ber Jahrhunderte entwickelt wurde, de   facto hinwegfegen wird. Sie haben die Folgen ihres Handelns nicht   bedacht. Am Ende haben wir es mit einem zweischneidigen Schwert zu tun,   dessen eine Seite ihr Gesicht treffen wird.&quot;<\/p>\n<p>  Russlands NATO-Botschafter, der nationalistische Politiker und   langj&#228;hrige Kreml-Insider Dmitri Rogosin wurde da schon konkreter. Diese   Entscheidung, so sagte er, bedeutet, dass &#8222;wir dann ebenfalls von der   Warte her vorgehen m&#252;ssen, dass wir &#8211; um respektiert zu werden -,   brachiale Kr&#228;fte, mit anderen Worten bewaffnete Kr&#228;fte einsetzen   m&#252;ssen.&quot; Dieser Kommentar folgte fr&#252;heren Statements bez&#252;glich der   NATO-Erweiterung, als Rogosin feststellte: &#8222;Sobald Georgien die Zusage   aus Washington zur Aufnahme in die NATO erh&#228;lt, wird am n&#228;chsten Tag der   wirkliche Prozess zur Separierung dieser beiden Regionen von Georgien   beginnen.&quot;<\/p>\n<p>  Direkt nach der Anerkennung des Kosovo, hob Russland seine bis dato   immer noch bestehenden Wirtschaftsbeschr&#228;nkungen gegen&#252;ber Abchasien und   S&#252;dossetien auf und unternahm Versuche zur verst&#228;rkten Unterst&#252;tzung in   den Republiken. In den sechs Monaten von Februar bis August dieses   Jahres nahm die Zahl beiderseits provozierter Vorf&#228;lle einschlie&#223;lich   Fl&#252;gen in die Flugverbotszone und Schusswechseln zu. In den Wochen vor   Saakaschwilis Angriff auf Zchinvali entsendete Russland eine gro&#223;e Zahl   &#8222;Bahn-Brigaden&quot; nach S&#252;dossetien, angeblich um die Bahnverbindung nach   Moskau auszubauen. Von Tiflis wurde dies als feindseliger Akt auf   souver&#228;nes Territorium interpretiert und tats&#228;chlich hilft dies zu   erkl&#228;ren, wie die russische Armee so schnell Panzer und Truppenverb&#228;nde   nach Zchinvali bringen konnte.<\/p>\n<h4>  Heuchelei als erstes Anzeichen f&#252;r Krieg<\/h4>\n<p>  Wie die russische F&#252;hrung darlegt, sind die USA unglaublich   scheinheilig, wenn sie Russland aufgrund des Einmarsches in Georgien   attackieren. Schlie&#223;lich ist der Krieg im Irak illegal und ebenso   brutal. Aber der Ausbruch offener Kriegshandlungen in der zweiten   Augustwoche brachte nur noch mehr unfassbare Heuchelei und Propaganda   auf beiden Seiten.<\/p>\n<p>  Die USA sind pl&#246;tzlich gegen Selbstbestimmung, obwohl sie die   Unabh&#228;ngigkeit des Kosovo unterst&#252;tzen. Russland unterst&#252;tzt   Unabh&#228;ngigkeit, obwohl man zwei brutale Kriege gegen die Unabh&#228;ngigkeit   Tschetscheniens f&#252;hrte. Die westliche, Georgien positiv gesonnene Presse   vertritt nahezu ausschlie&#223;lich eine Pro-Saakaschwili-Haltung. Dem den   Krieg ausl&#246;senden Angriff georgischer Truppen auf Zchinvali wurde fast   gar keine Beachtung geschenkt. Der Ort kam unter heftiges   Artilleriefeuer und gro&#223;e Teile der dort lebenden Zivilbev&#246;lkerung   wurden tot zur&#252;ck gelassen. Das Ergebnis war auch, dass 15 russische   Soldaten der &#8222;friedenssichernden&quot; Einheiten get&#246;tet wurden. Nachdem die   Russen Panzer nach Georgien schickten, dominierten in der Presse   Berichte &#252;ber eine russische Besetzung. Kurz nach Beendigung des   F&#252;nf-Tage-Krieges tauchten dann Artikel wie z.B. im Guardian, einer   britischen Tageszeitung, auf, in denen einseitig vermutet wurde, dass   die USA f&#252;r den Konflikt verantwortlich zeichnen.<\/p>\n<p>  Die russischen Medien standen wie ein Mann hinter dem Kreml. In   Zeitungsartikeln wurde &#252;ber die leidende Bev&#246;lkerung Zchinvalis aber mit   keinem Wort &#252;ber die nach Georgien einmarschierten russischen Truppen   oder die offensichtlichen Angriffe auf Gori berichtet. &#220;bertriebene   Darstellungen und Ger&#252;chte wurden ohne unabh&#228;ngige Pr&#252;fung   wiedergegeben. Die Behauptungen von Kokoity und dem russischen   Au&#223;enminister Lawrow, wonach beim georgischen Angriff zwischen 1.600 und   2.000 ZivilistInnen get&#246;tet wurden, wurden ungepr&#252;ft &#252;bernommen. Human   Rights Watch spricht nach der &#220;berpr&#252;fung der Hospit&#228;ler von weniger als   einhundert Get&#246;teten.<\/p>\n<p>  Russland gen&#252;gte das jedoch, um Truppen zu entsenden. W&#228;hrend dieser   f&#252;nf Tage wurden &#252;berall in Georgien russische Panzereinheiten   gesichtet. Gleichzeitig bezeugten pro-russische Augenzeugen blind, dass   sie NATO-Einheiten in ganz Georgien gesehen h&#228;tten. Auf beiden Seiten   wurden ReporterInnen, die &#8222;objektiv&quot; zu berichten versuchten,   schikaniert. Ein Reporter von Russlands Agentur &#8222;Russia today&quot;   versuchte, Berichte aus Tiflis zu senden, die von russischen Angriffen   handelten. Doch er wurde zur K&#252;ndigung gezwungen. ReporterInnen   westlicher Zeitungen, die versuchten, von Russland aus nach S&#252;dossetien   zu gelangen, wurde damit gedroht, ihre Akkreditierung entzogen zu   bekommen. Mit verschiedenen Begrifflichkeiten wie etwa der   &#8222;faschistische&quot; Saakaschwili, der &#8222;Genozid&quot; an der ossetischen   Bev&#246;lkerung, &#8222;Aggressoren&quot; oder der &#8222;stalinistische&quot; Kreml wurde auf   beiden Seiten um sich geworfen und so mit Emotionen gespielt, versucht,   die wahren Hintergr&#252;nde zu vertuschen und von der humanit&#228;ren   Katastrophe, die sich abspielte, abzulenken.<\/p>\n<h4>  Was sagen SozialistInnen dazu?<\/h4>\n<p>  SozialistInnen handeln ausgehend von dem Standpunkt, was gut bzw.   schlecht f&#252;r die Arbeiterklasse und die armen Menschen ist. Wir lehnen   Versuche ab, nach denen eine bestimmte Situation rein empirisch   betrachtet wird. Das hie&#223;e zu fragen: &#8222;Wer hat zuerst geschossen?&quot;. Wir   gehen auch nicht von dem Standpunkt aus, Fragen zu stellen, die dazu   dienen, nationale Interessen zu verschleiern. Es gibt einige, die   einfach die Frage aufwerfen, &#8222;wer f&#252;r und wer gegen den   US-Imperialismus&quot; ist. W&#228;hrend andere umgekehrt fragen, &#8222;wer pro- bzw.   anti-russisch&quot; agiert. Die Fragestellungen lassen aber v&#246;llig au&#223;er   Acht, dass der wirkliche Grund f&#252;r die jetzigen Auseinandersetzungen in   den widerstrebenden imperialistischen Interessenlagen der herrschenden   Klassen sowohl Washingtons wie auch Moskaus liegt. Deshalb muss die   Arbeiterbewegung unabh&#228;ngig von beiden bleiben.<\/p>\n<p>  Viele Linke (besonders die mit stalinistischer Tradition) haben sich   daf&#252;r entschieden, den russischen Kapitalismus kritisch zu unterst&#252;tzen.   Sie meinen, dass Russland und seine Verb&#252;ndeten in der heutigen Welt die   beste Verteidigung bieten gegen einen ungez&#252;gelten US-Imperialismus.   Diese Haltung basiert auf der pessimistischen Einsch&#228;tzung, dass die   internationale Arbeiterklasse unf&#228;hig ist, sich zu vereinen und zu   k&#228;mpfen, um den Kapitalismus abzuschaffen. Damit wird weiterhin davon   ausgegangen, das &#8222;kleinere &#220;bel&quot; zu unterst&#252;tzen.<\/p>\n<p>  Linke mit reformistischer Neigung und andere sprechen von der   Notwendigkeit einer &#8222;neutralen&quot; Kraft, die die &#220;berwachung des Friedens   in den umstrittenen Regionen &#252;bernehmen m&#252;sse. In diesem Fall wird der   Ruf nach der UNO oder der OSZE laut, die Truppen entsenden m&#252;ssten.   Allerdings zeigen die Erfahrungen im ehemaligen Jugoslawien und in   Ruanda, dass diese Institutionen auch nur die Politik ihrer eigenen   F&#252;hrung verteidigen und nicht in der Lage sind, Frieden zu   gew&#228;hrleisten. Im Gegenteil fand das grausamste Massaker im   Balkan-Konflikt in Srebrenica unter den Augen von UN-Friedenstruppen   statt!<\/p>\n<p>  Die Lage f&#252;r revolution&#228;re MarxistInnen ist in Russland besonders   schwer. In der russischen Gesellschaft herrscht ein unglaublicher Druck   zur Unterst&#252;tzung des russischen Vorgehens. Alle m&#246;glichen Fragen werden   an uns gerichtet: &#8222;Wie sonst sollen wir die Rechte derer sch&#252;tzen, die   einen russischen Pass besitzen?&quot;, &#8222;Warum sollte Russland nicht etwas   gegen den US-Imperialismus und seine georgische Marionette Saakaschwili   tun?&quot;, &#8222;Sollten die Menschen in S&#252;dossetien nicht das Recht haben, sich   mit Nordossetien zu vereinigen, wenn sie dies w&#252;nschen?&quot; &#8222;Sind russische   Truppen nicht nur deshalb in Georgien, um sicherzustellen, dass die   georgische Armee entwaffnet wird und uns nicht l&#228;nger angreifen kann?&quot;,   &#8222;Sozialismus ist abstrakt, es muss aber doch gehandelt werden?&quot;. Diese   Fragen m&#252;ssen beantwortet werden. Wir verstehen aber auch, dass   SozialistInnen manchmal die langfristige Perspektive und eine strikte   Haltung im Sinne der Interessen der Arbeiterklasse einnehmen m&#252;ssen.<\/p>\n<h4>  Wer muss verteidigt werden?<\/h4>\n<p>  Die ganze Tragik um den Zusammenbruch der Sowjetunion und der   Restauration des Kapitalismus liegt darin, dass es keine unabh&#228;ngige   Organisation der Arbeiterklasse gab, die in der Lage gewesen w&#228;re, ein   Programm zur Beendigung des Horrors von Stalinismus und Kapitalismus   anzubieten. Das Ergebnis ist, dass die Arbeiterklasse gespalten wurde;   sozialer Niedergang und ethnische Spannungen sind Normalit&#228;t geworden.   Das ist keine &#220;berraschung. Es liegt in der Natur des Kapitalismus.   Selbst so &#8222;moderne und zivilisierte&quot; Staaten wie Belgien, Gro&#223;britannien   und Spanien haben die nationale Frage nicht erfolgreich gel&#246;st. In der   ehemaligen Sowjetunion haben die neu entstandenen kapitalistischen   Eliten allerdings keine Hemmungen gehabt, ethnische Konflikte ganz   bewusst zur Vollendung ihrer eigenen Interessen auszunutzen.<\/p>\n<p>  SozialistInnen m&#252;ssen nicht nur im Interesse einer Angriffen   ausgesetzten ethnischen Gruppe, sondern zur Verteidigung der Rechte der   Arbeiterklassen s&#228;mtlicher ethnischer Gruppen gegen&#252;ber ihren   Unterdr&#252;ckern das Wort erheben. Das bedeutet ungeachtet der aggressiven   Politik der Regierung Saakaschwili, dass wir der Regierung Kokoiky in   S&#252;dossetien keine Unterst&#252;tzung zukommen lassen sollten, die aus   Vertretern des KGB und der Armee besteht und sich selbst mit   Unterst&#252;tzung ihres russischen Geldgebers &#252;ber Schmuggel und den   Schwarzmarkt finanziert. Wie Saakaschwili ein pro-amerikanischer   Handlanger ist, so ist die Regierung Kokoity eine Mafia-Regierung, die   mit der Unterst&#252;tzung des russischen Imperialismus die Interessen der   Mafia vertritt. Wir rufen daher zur Einheit der ossetischen, russischen   und georgischen Arbeiterklasse im Sinne der Verteidigung ihrer   gemeinsamen Interessen auf.<\/p>\n<h4>  Was bedeutet das Selbstbestimmungsrecht?<\/h4>\n<p>  Wie am Beispiel S&#252;dossetiens (und Kosovas) zu sehen, wird die Frage des   Selbstbestimmungsrechts von beiden Seiten auf heuchlerische Art und   Weise benutzt. So genannte F&#252;hrer meinen damit nicht die   Selbstbestimmung f&#252;r die Arbeiterklasse und die Armen, sondern   derjenigen, die Armeen und m&#228;chtige Freunde haben. Als wirkliche   SozialistInnen verteidigen wir das Recht auf Selbstbestimmung und   k&#228;mpfen gegen alle Formen von nationaler Diskriminierung und   Unterdr&#252;ckung durch die Organisierung von internationaler Solidarit&#228;t   aus der Arbeiterklasse. Wie Kosovo und S&#252;dossetien zeigen, besteht f&#252;r   eine Nation im Kapitalismus nicht die M&#246;glichkeit, wirklich unabh&#228;ngig   zu sein. Es ist keine L&#246;sung, die Unterst&#252;tzung der einen oder anderen   imperialistischen Macht zu suchen. Die Bildung einer unabh&#228;ngigen Kraft   der Arbeiterklasse, die in der Lage ist, den Kapitalismus &#8211; auf   nationaler wie internationaler Ebene &#8211; herauszufordern und ihn zu   &#252;berwinden ist der einzige Weg, der das Recht auf Selbstbestimmung   garantiert. Auf der anderen Seite sprechen SozialistInnen sich auch   nicht immer f&#252;r Separation und Abspaltung aus. Auch wenn wir daran   arbeiten, Solidarit&#228;t innerhalb der Arbeiterklasse zu organisieren und   f&#252;r Einheit aller Nationalit&#228;ten im Kampf einzutreten.<\/p>\n<p>  Im Falle S&#252;dossetiens m&#252;ssen wir fragen, welches S&#252;dossetien das Recht   auf Selbstbestimmung haben soll? Soll S&#252;dossetien sich mit Nordossetien   innerhalb der Russischen F&#246;deration vereinen oder als unabh&#228;ngige   Einheit existieren? Sollte ein Teil S&#252;dossetiens (entlang ethnischer   Grenzen) von dem anderen Teil losgel&#246;st werden, wobei der georgische   Teil zu Georgien und der ossetische Teil zu Russland geh&#246;ren w&#252;rde? Oder   sollten die Menschen, die in S&#252;dossetien leben, in den alten &#8222;status   quo&quot; zur&#252;ckgezwungen werden? In allen beschriebenen F&#228;llen k&#246;nnen wir   klar sagen, dass die fundamentalen &#246;konomischen und sozialen Probleme in   der Region nicht gel&#246;st werden, solange der Kapitalismus nicht   &#252;berwunden ist. Solange der Kapitalismus Bestand hat, solange wird die   Region weiterhin Objekt des fortw&#228;hrenden Konflikts zwischen den   imperialistischen Weltm&#228;chten &#252;ber die Kontrolle um &#214;l- und Gaspipelines   sein, so dass repressive und nationalistische Regierungen versuchen   werden, die Menschen im Interesse der Reichen und M&#228;chtigen entlang   ethnischer Linien zu spalten.<\/p>\n<p>  Wir unterst&#252;tzen ein wahrhaftes Recht auf Selbstbestimmung, das auf den   Rechten der Arbeiterklasse und der Armen in der Gesellschaft gr&#252;ndet und   nach dem sie selbst bestimmen k&#246;nnen, wo sie zu leben w&#252;nschen. Dies   kann nur erreicht werden, wenn die Arbeiterklasse und die Armen ihre   eigenen Organisationen bilden, die dazu f&#228;hig sind, ihre Interessen zu   verteidigen. Gleichzeitig darf das Selbstbestimmungsrecht einer Gruppe   nicht auf Kosten einer anderen Gruppe gehen. Wir unterst&#252;tzen daher das   Recht auf Autonomie oder Unabh&#228;ngigkeit jeglicher Gruppen innerhalb   einer f&#246;deralen oder konf&#246;deralen Struktur &#8211; wenn dies jeweils gew&#252;nscht   ist. Da die maximale Einheit der Arbeiterklasse im Kampf f&#252;r Sozialismus   (im urspr&#252;nglichen und nicht im stalinistischen Sinne des Wortes) unser   Ziel ist, gehen wir sensibel mit nationalen Gef&#252;hlen um. Wenn   S&#252;dossetien sich also zum Beispiel f&#252;r die Unabh&#228;ngigkeit entscheidet,   sollte die georgische Bev&#246;lkerung in S&#252;dossetien das Recht auf Autonomie   oder Unabh&#228;ngigkeit haben, so sie es denn w&#252;nschen.<\/p>\n<h4>  Wer kann die Rechte der ArbeiterInnen verteidigen?<\/h4>\n<p>  Momentan argumentieren viele, dass nur die russische Armee die Rechte   S&#252;dossetiens verteidigen wird. Im Laufe der letzten zwanzig Jahre hat   die Armee (sowohl in regul&#228;ren wie auch paramilit&#228;rischen Einheiten)   gezeigt, dass sie in der Region im Sinne der einen oder anderen Schicht   der russischen Elite und gegen die Interessen der einfachen Menschen   aller Nationalit&#228;ten eingreift. Hinsichtlich Abchasiens nahm sie aus   keinem anderen Grund am Massaker an GeorgierInnen teil, als dass diese   am falschen Ort wohnten. Es wurde kein Versuch unternommen, den j&#252;ngsten   Verlautbarungen Kokoitys entgegenzuwirken, wonach GeorgierInnen, die in   Ossetien leben, nicht zur&#252;ckkehren d&#252;rfen. Der russischen Armee kann   keinesfalls nachgesagt werden, sie h&#228;tte mit zwei brutalen Kriegen die   Rechte der TschetschenInnen verteidigt. Auch war sie nicht in der Lage,   den Frieden in Inguschetien oder Nordossetien zu sichern. In   Wirklichkeit war es die St&#252;mperei der Armeeoberen, die die Katastrophe   von Beslan ausarten lie&#223;.<\/p>\n<p>  W&#228;hrend des aktuellen Konflikts hat die russische Armee bei der   Besetzung von Gori und den Angriffen auf Schiffe in georgischen H&#228;fen   gezeigt, dass sie die &#214;l- und Gas-Interessen der kapitalistischen   russischen Oligarchen verteidigt.<\/p>\n<p>  Es ist m&#246;glich, dass die Armee sich f&#252;r eine bestimmte Zeit, und um   Stabilit&#228;t vorzugeben, zur Verteidigung der &#246;rtlichen Bev&#246;lkerung   einsetzt (wenigstens f&#252;r die, die nicht daran gehindert werden,   zur&#252;ckzukehren). Doch schon bald wird sie wieder ihre &#252;bliche Rolle   einnehmen und die Interessen der russischen herrschenden Klasse   verteidigen.<\/p>\n<p>  In anderen, &#228;hnlich gelagerten Konflikten haben wir die Notwendigkeit   der Bildung von Arbeiter-Verteidigungs-Einheiten aufgeworfen. Unter den   gegebenen Bedingungen sollten diese aber nicht einfach &#8222;narodnii   opolchentsi&quot; (Volksverteidiger) sein und gebildet werden, um   BewohnerInnen eines bestimmten Gebietes zu sch&#252;tzen. Auf diese Weise   w&#252;rden sie schlicht zu Milizen mit ethnischem Bezug. Wir m&#252;ssen daf&#252;r   eintreten, dass Arbeiter-Verteidigungs-Einheiten multi-ethnisch sein und   gebildet werden m&#252;ssen, um ArbeiterInnen und Arme vor Angriffen zu   sch&#252;tzen &#8211; unabh&#228;ngig von ihrer Nationalit&#228;t und unter demokratischer   Kontrolle der Arbeiterklasse.<\/p>\n<h4>  Gibt es eine L&#246;sung im Kapitalismus?<\/h4>\n<p>  Es w&#228;re zu plump zu sagen, dass die nationalen und ethnischen Konflikte   im Kaukasus das alleinige Ergebnis des Kapitalismus sind. Das   Verm&#228;chtnis des Stalinismus und seiner b&#252;rokratischen Herangehensweise   an die Frage von Nationalit&#228;ten hat seinen Stempel ganz deutlich in der   Region hinterlassen. Dennoch ist es die Restauration des Kapitalismus,   die die Region unter der Kontrolle sich im Kampf um die Vorherrschaft   &#252;ber die Gas- und &#214;l-Routen bekriegender Fraktionen, und in Abh&#228;ngigkeit   des nicht enden wollenden Konfliktes der imperialistischen M&#228;chte, so   erb&#228;rmlich arm hat werden lassen. Wenn f&#252;r alle, unabh&#228;ngig von der   nationalen Zugeh&#246;rigkeit, anst&#228;ndige Wohnungen und Arbeitspl&#228;tze, eine   gesundheitliche und schulische Grundversorgung sowie Renten   sichergestellt werden sollen, dann muss der Kampf um Selbstbestimmung   verbunden werden mit dem Kampf gegen den Kapitalismus. Wenn die   ArbeiterInnen ausreichend organisiert w&#228;ren, um in einer einzigen   Republik der Region die politische Macht zu &#252;bernehmen, dann w&#252;rde die   Landkarte der Nationen grundlegend neu gezeichnet werden. Die   Verbesserung des Lebensstandards und die M&#246;glichkeit echter   Selbstbestimmung w&#252;rde dann bedeuten, dass ethnische Gruppen in der Lage   w&#228;ren zusammenzuarbeiten und nicht miteinander in Konflikt zu geraten.<\/p>\n<h4>  Ist das realistisch?<\/h4>\n<p>  Einige werden sagen: &#8222;Ja, das h&#246;rt sich nett an. Aber wir m&#252;ssen jetzt   etwas tun!&quot; Das Problem ist, dass es keine realistische L&#246;sung gibt,   solange die Region von den W&#252;nschen eines Saakaschwili, Kokoity oder   Kadyrew und ihren imperialistischen St&#252;tzen in Washington und Mokau   dominiert wird. Nat&#252;rlich werden wir jede kurzfristige Entspannung des   Problems begr&#252;&#223;en. Wir m&#252;ssen aber darauf hinweisen, dass &#8211; um eine   echte L&#246;sung herbeizuf&#252;hren &#8211; der Kapitalismus aus der Region verbannt   werden muss.<\/p>\n<p>  Zur Erreichung dieser Ziele gr&#252;ndet sich das Programm der SozialistInnen   auf:<\/p>\n<p>  <i>&#8211; dem Aufruf an alle ArbeiterInnen und linken AktivistInnen in   Russland, Georgien und S&#252;dossetien und nat&#252;rlich in anderen L&#228;ndern, zu   fordern, dass die Milit&#228;roperationen sofort beendet werden m&#252;ssen. Die   ArbeiterInnen k&#246;nnen sich auf die unkontrollierten Aktionen ihrer   Regierungen, Diplomaten oder das Eingreifen von Kr&#228;ften von au&#223;erhalb   nicht verlassen, um den Konflikt beizulegen. Sie k&#246;nnen sich nur auf   ihre eigenen Kr&#228;fte verlassen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; dem Abzug aller russischen und georgischen Truppen aus S&#252;dossetien   und dem Widerstand gegen die Belieferung von Truppen durch andere   kapitalistische Staaten. Wir rufen zur Formierung trans-ethnischer   Arbeiter-Verteidigungs-Einheiten zur Verteidigung der ArbeiterInnen und   Armen gegen Angriffe unabh&#228;ngig ihrer Nationalit&#228;t und unter   demokratischer Kontrolle durch die Arbeiterklasse statt durch so   genannte Friedenstruppen auf. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; dem Recht S&#252;dossetiens und den anderen nicht anerkannten Republiken   auf Selbstbestimmung ohne milit&#228;rische Intervention. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; gemeinsamem Handeln der arbeitenden Massen Georgiens, Russlands und   S&#252;dossetiens, um den Imperialismus aus der Region zu vertreiben und die   Regierungen zu st&#252;rzen, die Krieg gegen einfache Menschen zu f&#252;hren. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; der Verstaatlichung unter demokratischer Arbeiterkontrolle und   -verwaltung der &#214;l-, Gas- und andere Naturreserven in der Region und der   Pipelines, mit denen diese transportiert werden und f&#252;r den Gebrauch der   Einnahmen zur Beseitigung der Armut in der Region. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; einem Sofortprogramm f&#252;r Infrastruktur und Arbeitspl&#228;tze unter der   Kontrolle demokratisch gew&#228;hlter Komitees, um Wohnraum bereit- und L&#246;hne   f&#252;r alle Fl&#252;chtlinge s&#228;mtlicher Nationalit&#228;ten in der Region   sicherzustellen. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; der Bildung von Regierungen, die die Interessen der ArbeiterInnen   verteidigen, die Armut &#252;berwinden und Frieden sichern. <\/i><\/p>\n<p>  <i>&#8211; auf einer demokratischen, sozialistischen F&#246;deration des Kaukasus &#8211;   ohne dies kann es keine langfristige L&#246;sung f&#252;r den Konflikt um Land und   Ressourcen geben.<\/i><\/p>\n<h4>  Welche Zukunft steht der Region bevor?<\/h4>\n<p>  Was immer auch das Ergebnis des aktuellen milit&#228;rischen Vorgehens sein   wird, es wird nichts gel&#246;st werden. Georgien wird weiterhin von einer   Clique beherrscht werden, die weiterhin versuchen wird, Abchasien und   S&#252;dossetien gegen ihren Willen zur&#252;ck nach Georgien einzuverleiben. So,   wie er es angestellt hat, hat Saakaschwili mit dem Angriff auf   S&#252;dossetien einen schwerwiegenden Fehler begangen. Viele westliche   F&#252;hrer haben jetzt realisiert, dass er ein unzuverl&#228;ssiger Verb&#252;ndeter   ist. Die USA schaffen es nicht, die NATO dazu zu bringen, ihn   vorbehaltlos zu unterst&#252;tzen und, sollte Obama die   Pr&#228;sidentschaftswahlen gewinnen, k&#246;nnte die US-Au&#223;enpolitik ihre Taktik   &#228;ndern. Saakaschwili wird sich schw&#228;cher werdendem R&#252;ckhalt bei sich in   Georgien gegen&#252;ber sehen und von den Weltm&#228;chten auf Distanz gehalten   werden. Einige Oppositionsf&#252;hrer in Georgien haben die Frage von   Neuwahlen aufgeworfen, um Saakaschwili zu ersetzen. Diese werden jedoch   zwecklos bleiben, wenn Saakaschwili lediglich durch einen anderen   neoliberalen Politker ersetzt wird. In Georgien ist dringende   Notwendigkeit geboten, eine wirklich linke Alternative zu Saakaschwili   aufzubauen.<\/p>\n<p>  In Russland hat das Tandem &#8222;Medwedew-Putin&quot; einen Pyrrhussieg   eingefahren. Das wird keine Wiederholung des Erfolges von Putins   Pr&#228;sidentschaft nachdem er den zweiten Tschetschenien-Krieg f&#252;hrte. Auf   der einen Seite wird die komplette Kaukasus-Region als Ergebnis dieser   Ereignisse instabiler werden und noch mehr Ressourcen zur &#8222;Kontrolle&quot;   &#252;ber die Gegend erfordern. Doch die Bedingungen f&#252;r weitere zehn Jahre   &#246;konomischen Wachstums sind auch nicht l&#228;nger gegeben. Die USA, die EU   und Japan erleben jetzt einen Abschwung bzw. eine Rezession. Ein   weiterer Fall der &#214;lpreise w&#252;rde die russische Wirtschaft schwer   treffen. Schon bevor die letzten Entwicklungen einsetzten gab es bereits   einen scharfen R&#252;ckgang ausl&#228;ndischer Investitionen in Russland.<\/p>\n<p>  Finanzminister Kudrin sagt, dass in Folge des Krieges 16 Mrd. US-Dollar   an ausl&#228;ndischen Investitionen aus dem Land abgezogen wurden. Wenn es   auch auf bestimmte Zeit eine kurzfristige St&#228;rkung des Regimes geben   mag, so wird diese wahrscheinlich nicht von Dauer sein. Wenn sich die   &#246;konomischen Bedingungen verschlechtern, k&#246;nnte man in ein paar Jahren   zur&#252;ckblicken und feststellen, dass der Krieg um S&#252;dossetien ein   Wendepunkt war. Die einzige Frage ist, ob rechtzeitig eine   ernstzunehmende linke Alternative entsteht, die f&#228;hig ist,   Massenunterst&#252;tzung zu erhalten.<\/p>\n<p>  Die Situation im ganzen Kaukasus ist schrecklich. Der Kampf der   imperialistischen M&#228;chte um die Vorherrschaft wird nur noch erbitterter   gef&#252;hrt werden. Der Bau der Gaspipeline steht zur Disposition, da   Investoren aufgrund der instabilen Lage nicht gl&#252;cklich sind. Der   scheinbare Erfolg Russlands, Saakaschwili zur Rechenschaft gezogen zu   haben, kann das Azeri-Regime ermutigen, Berg-Karabach wieder unter   Kontrolle zu bringen. Die Bedingungen sind jetzt im ganzen Kaukasus   geschaffen, um einen Krieg wie auf dem Balkan zum Ausbruch zu bringen,   der nicht nur regionale M&#228;chte, sondern auch die gro&#223;en   imperialistischen mit einschlie&#223;en k&#246;nnte.<\/p>\n<h4>  Internationale Auswirkungen<\/h4>\n<p>  Global betrachtet befinden sich die imperialistischen M&#228;chte in einer   weit schwierigeren Lage. &#220;ber zwei Jahrzehnte hat der Imperialismus   schrittweise versucht, Beziehungen zu Russland aufzubauen und dabei die   &#220;bermacht zu behalten. Jetzt sieht man sich einem selbst kreierten   Monstrum gegen&#252;ber, das nur schwer zu kontrollieren ist. Die NATO ist   &#252;ber die Frage der Handlungsweise gespalten. Auf der einen Seite stehen   Polen, die Ukraine und die baltischen Staaten, die zur Verteidigung   Georgiens herbeieilten. Das US-Raketenabwehrsystem wird jetzt in Polen   und der Ukraine vorangebracht.<\/p>\n<p>  Die Reaktion Wei&#223;russlands und Russlands ist die Ank&#252;ndigung, dass sie   ihre eigenen Systeme in Gegnerschaft dazu aufbauen werden. Innerhalb der   G8 gibt es wieder Rufer, die ein Zur&#252;ck zu G7 fordern. In der Frage, wie   man mit Russland umgehen soll, finden sich die USA in Opposition zu   einigen europ&#228;ischen Kapitalisten wieder. Und bei den Vereinten Nationen   werden die USA es wesentlich schwerer haben, ihre Position zu vertreten,   da Russland geneigter sein wird, von seinem Vetorecht Gebrauch zu   machen. Solange die internationalen Organisationen wie UNO und OSZE   wiederwillig sind, was die Entsendung ihrer Friedendstruppen in den   Kaukasus angeht, w&#252;rde eine Ablehnung Russland weiterhin die Kontrolle   &#252;berlassen. Die imperialistischen M&#228;chte sind in das Pulverfass Kaukasus   einbezogen.<\/p>\n<p>  Doch die globalen Bedingungen sind nicht dieselben wie zu Beginn der   1990er Jahre als die Balkan-Kriege anfingen. Damals war die UdSSR gerade   erst zusammen gebrochen, der Kapitalismus schien den ideologischen Krieg   f&#252;r sich entschieden zu haben, die Weltwirtschaft wuchs stetig und die   Arbeiterbewegung war orientierungs- und f&#252;hrungslos. Jetzt beginnen die   Menschen den Kapitalismus mehr und mehr in Frage zu stellen, die   Weltwirtschaft ist in j&#228;mmerlichem Zustand, die Arbeiterbewegung beginnt   international ihre Muskeln spielen zu lassen. Die Lehre aus dieser   albtraumartigen Situation im Kaukasus muss gezogen und der Weg f&#252;r neue   Generationen muss geebnet werden, um eine sozialistische Zusammenarbeit   auf h&#246;herer Ebene zu erreichen.<\/p>\n<p>  <b><i>Homepage von Sotsialisticheskoye Soprotivlemiye: <a href=\"http:\/\/www.socialism.ru\">www.socialism.ru<\/a><\/i><\/b><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Wir ver&#246;ffentlichen hier die deutsche &#220;bersetzung einer Analyse des<br \/>\n      Russland-Georgien-Konflikts von Rob Jones aus Moskau. Er ist Mitglied<br \/>\n      von Sotsialisticheskoye Soprotivlemiye, der Schwesterorganisation der<br \/>\n      SAV und Sektion des CWI in Russland. Der Text wurde in englischer<br \/>\n      Sprache am 23. 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