{"id":12809,"date":"2008-09-04T00:00:00","date_gmt":"2008-09-03T22:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/.\/?p=12809"},"modified":"2012-05-15T15:26:36","modified_gmt":"2012-05-15T13:26:36","slug":"12809","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12809\/","title":{"rendered":"Hessischer Landesparteitag der LINKEN: Von der Angst vorm schwarzen Peter"},"content":{"rendered":"<p>  Regierungsbeteiligung in Form von Tolerierung wurde akzeptiert, ein   Antrag (<a href=\"\/?p=12809#Antrag\">siehe   Ende dieses Artikels<\/a>), stattdessen im Landtag von Fall zu Fall zu   entscheiden, wurde abgelehnt.<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<p align=\"center\">  <b>[<a href=\"\/?p=12799\">Zum Artikel zur   Haltung der SAV in Hessen<\/a>] <\/b><\/p>\n<h4>  <b>Bericht vom ersten Parteitag der hessischen Linken vom 29.-31. August   2008<\/b><\/h4>\n<h4>  <i>von Leonie Blume, Kassel<\/i><\/h4>\n<p>  Im Gegensatz zum Gr&#252;ndungsparteitag war es fast unheimlich harmonisch:   Der hessische Landesparteitag in Lollar war gepr&#228;gt von einer gro&#223;en   Einigkeit. Einigkeit dar&#252;ber, Ypsilanti zu w&#228;hlen, um Koch loszuwerden.   Auch die Frage einer rot-rot-gr&#252;nen Koalition, die im Vorfeld unter   anderem von Landesvorsitzender Ulrike Eifler in den Raum gestellt wurde,   wurde so gut wie nicht thematisiert. Ebenso herrschte &#220;bereinstimmung   dar&#252;ber, dass die Linke keinerlei Verschlechterungen wie Privatisierung   und Sozialabbau zustimmen werde. Und schlie&#223;lich wurde fast einstimmig   das weitere Procedere festgelegt: es wird auf Grundlage des   verabschiedeten Positionspapiers Gespr&#228;che mit Rot\/Gr&#252;n geben.   Anschlie&#223;end werden die Ergebnisse von Landesvorstand, Kreisvorst&#228;nden   und Fraktion bewertet und dann den Mitgliedern in einer Urabstimmung   vorgelegt. Die Tolerierung ist also auf den Weg gebracht und rot-gr&#252;n   ist wieder am Zug.<\/p>\n<h4>  Tolerierung ja, aber unklar wie<\/h4>\n<p>  Details, wie es denn konkret weitergehen wird, blieben allerdings mehr   als nebul&#246;s. Fragen, wie eine Tolerierung denn konkret aussehen wird,   wurden von der Mehrheit der Delegierten nicht gestellt. Weder, ob es   Absprachen oder einen festen Vertrag geben soll, noch was in einem   solchen Dokument drin stehen w&#252;rde wurden thematisiert. Auch die Frage,   ob man von solch einem Vertrag wieder abspringen kann, wenn er einmal   unterzeichnet ist, wurden nicht debattiert. Die Angst, die Medien   k&#246;nnten die Linke als Betonk&#246;pfe darstellen und SPD und Gr&#252;ne zu   verschrecken, war zu gro&#223;.<\/p>\n<p>  So blieb ein von SAVlerinnen eingebrachter Antrag, jegliche Vorhaben   einer rot-gr&#252;nen Minderheitsregierung von Fall zu Fall zu entscheiden   chancenlos. Gleichzeitig scheiterten aber auch alle anderen Vorst&#246;&#223;e,   die vom angestrebten Tolerierungsmodell abwichen. So wurde ein Antrag,   der die Wahl Ypsilantis von der Verweigerung eines Ministerpostens f&#252;r   J&#252;rgen Walther abh&#228;ngig machen wollte, zur&#252;ck gezogen. Ein anderer von   Ferdinand Hareter, der eine Duldung mit Vertrag festschreiben wollte,   schaffte es ebenfalls nicht zur Abstimmung.<\/p>\n<p>  In diesem Zusammenhang ist auch die Kampfabstimmung um den m&#228;nnlichen   Landesvorsitzenden zu werten. Die Entscheidung der Delegierten f&#252;r   Ulrich Wilken als neuen Landesvorsitzender neben Ulrike Eifler war kein   Fl&#252;gelkampf zwischen rechts und links, sondern zwischen einem   &#8222;verl&#228;sslichen&#8220; Realpoltiker auf der einen und einem &#8222;unberechenbaren&#8220;   Realpolitiker auf der anderen Seite. Viele Delegierte f&#252;rchteten, dass   Hareter die Wahl Ypsilantis gef&#228;hrden w&#252;rde, da er die Wahl einer   rot-gr&#252;nen Minderheitenregierung an Bedingungen kn&#252;pfen wollte. Um den   Laden nicht zu sprengen, SPD und Gr&#252;ne nicht abzuschrecken und zwecks   mangelnder Alternativen, w&#228;hlten die Delegierten Wilken mit 91 zu 77   Stimmen zum Vorsitzenden.<\/p>\n<p>  In anderen Fragen traf der Landesverband mutigere Entscheidungen: Auf   Initiative eines SAV-Mitglieds fand eine Resolution gegen die Politik   des <a href=\"#Berlin\"> <\/a><a href=\"\/?p=12809#Berlin\">rot-roten Senats in   Berlin<\/a> gro&#223;e Unterst&#252;tzung. Auch die Unterst&#252;tzung der   Sch&#252;lerproteste im Herbst wurden als Schwerpunkt festgelegt.<\/p>\n<\/p>\n<h4>  <a name=\"Antrag\">dokumentiert: Abgelehnter &#196;nderungsantrag zum   &#8222;Positionspapier zum Politikwechsel in Hessen&#8220; des Landesvorstands <\/a><\/h4>\n<p>  an den Landesparteitag der hessischen LINKEN, 29. bis 31. August 2008<\/p>\n<h5>  Antragsstellerinnnen: Choni Floether, Kassel, Leonie Blume, Kassel<\/h5>\n<p>  Wir beantragen nach folgendem Absatz des Positionspapiers<\/p>\n<p>  &#8222;<i>Der LINKEN ist es wichtig, ihre Vorstellungen in die   Diskussion &#252;ber den Haushalt und wichtige Gesetzesvorhaben einzubringen   und daf&#252;r im Landtag eine Mehrheit zu finden. [&#8230;] Mit den Stimmen der   LINKEN wird es keine weiteren Privatisierungen, keine Verschlechterungen   beim Umweltschutz, keinen Sozial- oder Personalabbau geben. Denn das   w&#228;re eine Fortsetzung der CDU-Politik der vergangenen Jahre und dazu ist   DIE LINKE auf keinen Fall bereit.<\/i>&#8220;<\/p>\n<p>  folgende 2 Punkte einf&#252;gen:<\/p>\n<\/p>\n<p>  1.<\/p>\n<p>  &#8222;Das bedeutet: Die LINKE Hessen wird auch in Zukunft jeden Antrag im   Landtag einzeln bewerten. Vereinbarungen &#252;ber dauerhafte Tolerierungen   oder Zusagen zu Abstimmungen zum Beispiel bez&#252;glich der Haushalte der   kommenden Jahre w&#228;ren Blankoschecks, die wir nicht unterzeichnen werden.   Unsere St&#228;rke liegt nicht in erster Linie in unserem aktuellen   Verhandlungsgeschick gegen&#252;ber SPD und Gr&#252;nen, sondern in den   zuk&#252;nftigen Aktivit&#228;ten aus Betrieben, Gewerkschaften und sozialen   Bewegungen, die f&#252;r einen wirklichen Politikwechsel stehen und die wir   nach Kr&#228;ften aufgreifen, unterst&#252;tzen und befeuern werden. Darin sehen   wir unsere Hauptaufgabe.&#8220;<\/p>\n<\/p>\n<p>  2.<\/p>\n<p>  &#8222;Bez&#252;glich einer Zustimmung zum Haushalt reicht der Ausschluss von   weiteren Verschlechterungen gegen&#252;ber dem letzten Haushalt der   CDU-Regierung nicht aus. Das w&#228;re die Fortsetzung des Koch-Haushalts.   Weiter unten sind unsere wichtigsten Anliegen nochmals ausgef&#252;hrt, die   wir auch mittels Antr&#228;gen im Landtag, vor allem aber durch   au&#223;erparlamentarischen Druck thematisieren werden. Als Einstieg in einen   Politikwechsel und damit als Minimum f&#252;r eine Zustimmung zum Haushalt   sehen wir aber folgende Punkte an:<\/p>\n<p>  &#8211; die sofortige Beendigung der Tarifflucht der Kochregierung, das hei&#223;t   volle R&#252;ckkehr zum Stand vor der Tarifflucht der Koch-Regierung mit   R&#252;cknahme der Arbeitszeitverl&#228;ngerung und vollem Lohn inklusive vollem   Urlaubs- und Weihnachtsgeld f&#252;r alle. Auf dieser Grund&#173;lage sind   Verhandlungen &#252;ber einen Tarifvertrag mit den zust&#228;ndigen Gewerkschaften   &#252;ber die notwen&#173;digen Lohnerh&#246;hungen beziehungsweise andere For&#173;derungen   der Organisationen der Besch&#228;ftigten nach Verbesse&#173;rungen aufzunehmen.   Alles andere nutzt die Erpressungspotentiale der Schlechterstellung von   Neuein&#173;gestellten durch die Koch-Regierung aus und versucht damit, von   der erfolgten Tarifflucht zu profitieren.<\/p>\n<p>  &#8211; die Bek&#228;mpfung der Armut durch Umwandlung der Ein-Euro-Jobs in   tariflich bezahlte Besch&#228;ftigungsverh&#228;ltnisse. (Unsere dar&#252;ber&#173;hinaus   gehende Ablehnung der gesamten Hartz-Gesetze bleibt voll bestehen.)<\/p>\n<p>  &#8211; eine Bildungsoffensive: Schaffung von 10.000 neuen Arbeitspl&#228;tzen im   Bildungswesen, zum Beispiel um Unterrichtsausfall zu verhindern und die   Verl&#228;ngerung der Arbeitszeit r&#252;ckg&#228;ngig zu machen.<\/p>\n<p>  &#8211; Kein Flughafenausbau (weder Frankfurt noch Kassel-Calden)<\/p>\n<h4>  <a name=\"Berlin\">dokumentiert: Angenommene Resolution zur   Tarifauseinandersetzung &#214;ffentlicher Dienst Berlin <\/a><\/h4>\n<p>  Antrag zum 1. Landesparteitag der LINKEN Hessen:<\/p>\n<p>  Resolution zur Tarifauseinandersetzung im &#246;ffentlichen Dienst Berlin<\/p>\n<p>  (Antragsstellerin: Choni Fl&#246;ther, Kassel)<\/p>\n<h5>  Der Landesparteitag m&#246;ge die folgende Resolution verabschieden:<\/h5>\n<p>  Die LINKE Hessen kann nicht nachvollziehen, dass die LINKE in Berlin das   Agieren des rot-roten Senats in Berlin im Tarifkonflikt des &#246;ffentlichen   Dienstes mittr&#228;gt.<\/p>\n<p>  Wir fordern den rot-roten Senat dazu auf, die Tarifverhandlungen im   &#246;ffentlichen Dienst weiterzuf&#252;hren, den Anwendungstarifvertrag (mit   Lohnk&#252;rzungen von 8-12 %) zur&#252;ckzunehmen und sofort die Lohnerh&#246;hung   entsprechend des bundesweiten Tarifabschlusses vom Fr&#252;hjahr 2008   umzusetzen.<\/p>\n<h5>  Begr&#252;ndung:<\/h5>\n<p>  Am 10. Juli hat der rot-rote Senat in Berlin die Tarifverhandlungen im   &#246;ffentlichen Dienst einseitig f&#252;r beendet erkl&#228;rt. Mit der einseitigen   Beendigung der Tarifverhandlungen beschloss der rot-rote Senat   Einmalzahlungen von 300 Euro f&#252;r 2008 und 2009. Seitens der   Gewerkschaften wird dies heftig kritisiert: &#8222;Damit greift der   SPD-Linkspartei-Senat zum gleichen Gestaltungsmittel wie der   konservative hessische Ministerpr&#228;sident Koch,&#8220; so Astrid Westhoff   (Verhandlunsgf&#252;hrerin der Gewerkschaften) in der jungen Welt vom   16.07.2008.<\/p>\n<p>  &#8222;Die Kollegen sehen das als einen Akt der Willk&#252;r, denn sie wissen ganz   genau, was das Wort Tarifautonomie bedeutet.&#8220; (Eberhard Sch&#246;nberg,   Vorsitzender der GdP Berlin in: junge Welt vom 23.07.2008). Die   Gewerkschaften fordern ihrerseits Einmalzahlungen in H&#246;he von 3 mal 300   Euro (als Ausgleich daf&#252;r, dass es seit Jahren keine Lohnerh&#246;hungen gab)   sowie die &#220;bernahme der Lohnerh&#246;hungen entsprechend des bundesweiten   Tarifabschlusses im &#246;ffentlichen Dienst.<\/p>\n<p>  Der Landesverband der LINKEN setzt sich in Hessen gemeinsam mit   Gewerkschaften und den Besch&#228;ftigten im &#246;ffentlichen Dienst daf&#252;r ein,   dass in Hessen der tariflose Zustand beendet wird und die   Verschlechterungen der letzten Jahre (Arbeitszeitverl&#228;ngerung, K&#252;rzung   von Weihnachts- und Urlaubsgeld etc.) zur&#252;ckgenommen werden.<\/p>\n<p>  Eine gewerkschafts- und arbeitnehmerfeindliche Politik, wie sie mit der   Aufk&#252;ndigung der Tarifverhandlung in Berlin derzeit betrieben wird, ist   f&#252;r die LINKE keine vertretbare Position. Ein solches Verhalten ist in   seinen Auswirkungen nicht auf Berlin beschr&#228;nkt, sondern besch&#228;digt   bundesweit die Glaubw&#252;rdigkeit unserer Partei.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Regierungsbeteiligung in Form von Tolerierung wurde akzeptiert, ein<br \/>\n      Antrag (<a href=\"\/?p=12809#Antrag\">siehe<br \/>\n      Ende dieses Artikels<\/a>), stattdessen im Landtag von Fall zu Fall zu<br \/>\n      entscheiden, wurde abgelehnt.\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[25],"tags":[],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12809"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12809"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12809\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12809"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12809"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12809"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}