{"id":12796,"date":"2008-09-14T00:00:00","date_gmt":"2008-09-14T00:00:00","guid":{"rendered":".\/?p=12796"},"modified":"2008-09-14T00:00:00","modified_gmt":"2008-09-14T00:00:00","slug":"12796","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/2008\/09\/12796\/","title":{"rendered":"Krieg im Kaukasus: Neuauflage des &#8222;gro&#223;en Spiels&#8220;"},"content":{"rendered":"<p>  Der Krieg im Kaukasus war ein Krieg um Transitwege f&#252;r &#214;l und Gas<\/p>\n<p><!--more--><br \/>\n &nbsp; <\/p>\n<h4>  <b>In jedem Sommer ver&#246;ffentlicht die FAZ eine Auflistung der gr&#246;&#223;ten   Konzerne auf dem Planeten. Den j&#252;ngsten Zahlen zu Folge finden sich   unter den 50 umsatzst&#228;rksten Unternehmen 27 &#214;l- und Autokonzerne. Nie   zuvor in der Geschichte gab es eine vergleichbare Abh&#228;ngigkeit <i>von   einer strategischen Ressource, <\/i>dem Erd&#246;l. Und angesichts globaler   &#246;konomischer Krise und versch&#228;rften zwischenimperialisti-schen   Spannungen droht eine Zunahme von Kriegen um den Zugriff auf die   Ressource &#214;l.<\/b><\/h4>\n<h4>  <i>von Aron Amm, Berlin<\/i><\/h4>\n<p>  In Rudyard Kiplings Roman &#8222;Kim&#8220; hei&#223;t es: &#8222;Jetzt soll ich mich weit in   den Norden begeben, um am gro&#223;en Spiel teilzunehmen.&#8220; Unter dem &#8222;gro&#223;en   Spiel&#8220; wurde im sp&#228;ten 19. Jahrhundert der Kampf um die Vorherrschaft   Zentralasiens verstanden. Hauptakteure waren damals Russland und   Gro&#223;britannien. Heute erleben wir eine Neuauflage dieses &#8222;gro&#223;en   Spiels&#8220;. Heute sind Russland und die USA Hauptakteure, aber auch China,   Indien und mehrere EU-Staaten mischen mit. Heute geht es wesentlich um   die Rohstoffvorkommen am Kaspischen Meer.<\/p>\n<h4>  &#214;lknappheit<\/h4>\n<p>  Die Abh&#228;ngigkeit vom &#214;l, dem &#8222;schwarzen Gold&#8220;, ist immens. Innerhalb   einer Generation wird das Roh&#246;l zur Neige gehen. Nach verschiedenen   Sch&#228;tzungen soll es in den n&#228;chsten zehn Jahren kein &#214;l mehr in der   Nordsee geben, in 15 Jahren kein &#214;l mehr in Nordamerika, in 20 Jahren   kein &#214;l mehr in Afrika. Mehr und mehr konzentriert sich dann in den   letzten zwei Jahrzehnten alles auf die Regionen im arabischen Raum und   am Kaspischen Meer. Unter dem Grund dieses gr&#246;&#223;ten Binnenmeeres der Welt   &#8211; mit den Anliegerstaaten Iran, Turkmenistan, Kasachstan, Russland und   Aserbaidschan &#8211; werden 20 Milliarden Tonnen &#214;l und Gas vermutet (das   w&#228;re etwa das Zehnfache der Nordsee-Lagerst&#228;tten).<\/p>\n<h4>  Spielfigur Georgien<\/h4>\n<p>  Die FAZ schrieb am 15. August, dass der Krieg zwischen Russland und   Georgien &#8222;wieder einmal verdeutlicht [hat], wie anf&#228;llig die   Energieversorgung westlicher L&#228;nder ist. Georgien hat sich in den   vergangenen Jahren zu einem wichtigen Transitland f&#252;r Erd&#246;l aus dem Raum   des Kaspischen Meeres entwickelt, das vor allem f&#252;r Europa bestimmt ist.   Zudem sollen &#252;ber Georgien eine Anzahl neuer Leitungen f&#252;r Erd&#246;l und   Erdgas aus Zentralasien gelegt werden.&#8220; Der Westen setzt damit auf   Alternativrouten zu den russischen Pipelines. Darin liegt die Bedeutung   Georgiens.<\/p>\n<p>  Bereits heute f&#252;hren drei wichtige Pipelines durch Georgien: Erstens die   vom &#214;lmulti BP betriebene Pipeline Baku-Tiflis-Ceyhan, die eine   Kapazit&#228;t hat, die einem Prozent des &#214;langebots in der Welt entspricht   (mit der k&#252;nftigen Bef&#246;rderung von kasachischem Erd&#246;l soll die Kapazit&#228;t   fast verdoppelt werden); zweitens die Pipeline zwischen dem   aserbaidschanischen Baku und Supsa in West-Georgien; drittens die   Erdgas-Leitung Baku-Tiflis-Erzurum in der T&#252;rkei.<\/p>\n<h4>  Schachbrett Kaukasus<\/h4>\n<p>  Seit dem Zerfall der Sowjetunion streiten der US-Imperialismus und die   neu entstandene Kapitalistenklasse Russlands um M&#228;rkte, Einfluss und die   Bodensch&#228;tze in den ehemaligen Sowjet-Republiken. S&#252;dossetien, Abchasien   und andere Regionen sind f&#252;r Washington und Moskau nur Figuren auf einem   riesigen Schachbrett. Das Wei&#223;e Haus macht einen Zug, dann der Kreml&#8230;   Und irgendwann knallt es, wie im August in S&#252;dossetien.<\/p>\n<p>  Es ist nur eine Frage der Zeit, bis es erneut knallen muss. Die USA hat   Dutzende von Milit&#228;rst&#252;tzpunkten in Zentralasien errichtet, will   Georgien neben der Ukraine in die NATO aufnehmen und versucht, Russlands   Radius weiter einzuschr&#228;nken &#8211; mit der Stationierung von Armee- und   Marineeinheiten in Georgien (unter dem Deckmantel humanit&#228;rer Hilfe) und   der Raketenabwehr in Polen als j&#252;ngste Schachz&#252;ge. Im selben Augenblick   hofft der Kreml, die US-Schwierigkeiten im Irak und Afghanistan f&#252;r sich   ausschlachten zu k&#246;nnen. Dabei werden sie versuchen, den Umstand   auszunutzen, dass viele RussInnen in Kasachstan, in der Ukraine oder im   Baltikum leben.<\/p>\n<h4>  Kapitalismus = Krieg<\/h4>\n<p>  Es gibt einen inneren Zusammenhang von Krise, Weltmarkt-Konkurrenz,   Kriegen und &#214;lknappheit. Solange den Kapitaleignern und ihren   politischen Repr&#228;sentanten nicht das Handwerk gelegt wird, solange wird   sich diese m&#246;rderische Spirale weiterdrehen.<\/p>\n<p>  Angesichts der Schrecken des Ersten Weltkriegs schrieb schon Rosa   Luxemburg: &#8222;Gesch&#228;ndet, entehrt im Blute wartend, von Schmutz triefend,   so steht die b&#252;rgerliche Gesellschaft jetzt da. So ist sie. Nicht wenn   sie geleckt und sittsam, Kultur, Philosophie und Ethik, Ordnung und   Frieden und Rechtsstaat mimt.&#8220;<\/p>\n<h5>  <i>Aron Amm ist Mitglied der SAV-Bundesleitung<\/i><\/h5>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\n      Der Krieg im Kaukasus war ein Krieg um Transitwege f&#252;r &#214;l und Gas\n    <\/p>\n","protected":false},"author":3,"featured_media":17827,"comment_status":"closed","ping_status":"closed","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":[],"categories":[38,64],"tags":[207],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12796"}],"collection":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/users\/3"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/comments?post=12796"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/posts\/12796\/revisions"}],"wp:featuredmedia":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media\/17827"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/media?parent=12796"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/categories?post=12796"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/archiv.sozialismus.info\/maschinenraum\/wp-json\/wp\/v2\/tags?post=12796"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}